Sonntag, Juni 08, 2014

Wem gehört eigentlich Star Wars?

1983 saß ich als Neunjähriger im Wall-Kino in Oldenburg und durfte „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ erleben. Ich kannte die Vorgeschichte nicht und hatte deshalb keine Ahnung, dass ich den dritten Teil einer Trilogie sah. Aber wenn mich ein Kino-Erlebnis geprägt hat, dann das. Umso begeisterter war ich, als ich etwas später „Krieg der Sterne“ (in der Solo-shot-first-Version) und „Das Imperium schlägt zurück“ auf der großen Leinwand bekam. Danach kam leider die große Leere. Wir hatten ja nichts! Damals noch nicht mal VHS! Aber wir entdeckten das „Expanded Universe“.

Das „EU“ ging los mit dem 1978 erschienenen Roman „Die neuen Abenteuer des Luke Skywalker“ (also noch vor dem zweiten Teil) und hatte zu dem Zeitpunkt, als ich davon erfuhr, schon diverse Romane hervorgebracht. Und Comics.

Die Adaption des ersten Films zum Beispiel und viele, viele, viele Geschichten, die aber auch genau gar nicht mit dem im Einklang standen, was in „Das Imperium schlägt zurück“ oder gar „Rückkehr der Jedi-Ritter“ passieren sollte. Also fast alles Geschichten (damals noch von Marvel), die nicht in das passten, was später der „Kanon“ werden sollte. (Wo meine Comics von damals sind, weiß ich nicht. Die Originale dürften heute locker für dreistellig über den Tisch gehen, bei Dark Horse kriegt man sie als Omnibus-Ausgaben für schmales Geld. Und bei Panini auf deutsch, für etwas mehr Geld, was Quatsch ist, aber muss ja jeder selber wissen.)

Der Kanon kam. Ich weiß nicht, wann George Lucas das Heft in die Hand genommen hat. Aber Star Wars hat ja förmlich darum gebettelt, von Fans weitergeschrieben zu werden. Nur bitte mit System. Könnte ja jeder kommen und eine Geschichte erfinden, in der Han Solo stirbt. Ganz schlecht fürs Merchandising. Also hat Lucas (bzw. seine Firma) alle Geschichten aus dem EU abgesegnet – oder eben nicht. Im Prinzip fast lizensierte Fan-Fiction, wobei das natürlich etwas verkürzt ist, denn die Autoren des EU sind durch die Bank professionelle Schreiber/innen (aber manchmal eben auch Fans).

Ich habe kurz für Sie durchgezählt: Es gibt Drölfzigtausend Comics und paar mehr Bücher, die alle zur „offiziellen“ Zeitlinie des Star-Wars-Imperiums (*hüstel*) gehören. Der Zeitraum erstreckt sich von 20 000 Jahren vor Luke, Leia und Han bis 130 (?) Jahre danach. Die Fan-Fiction hab ich nicht mitgezählt, da ich die nie gelesen habe (shame on me). Ich war quasi inflexibler Fan.

Auftritt Disney und Abrams.

Ich war begeistert von der Nachricht, dass Disney Star Wars übernehmen würde. Die wissen, wie man Geschichten schreibt und für George-Lucas-Dialoge wird man normalerweise gefeuert, um die ist es nicht schade. Perfekt also, dass der alte Mann raus ist (danke für alles, anyway) und die Geschichte trotzdem weitergehen kann. Abrams hingegen hat mir schon Star Trek versaut. Wobei das jetzt wieder zu streng ist. Er hat es neu geordnet. Weil seine Ideen nicht in die alte Storyline gepasst haben. Kann man machen, die Filme sind ja auch gut – nur eben nicht mehr wirklich Star Trek.

2015 kommt „Episode VII“ und ich freu mich schon jetzt wie ein kleines Kind. Aber: Die neuen Filme werden nicht Teil des Kanons sein, den ich seit 30 Jahren kenne. Disney und Lucas sagen: Es gibt nur einen Kanon: Die ersten sechs Filme. Das stimmt aber nicht. In den Köpfen der Fans gibt es den Kanon, den Lucas selbst erkoren hat. Mit all den großartigen Geschichten, die für mich (und paar andere) das Star-Wars-Universum ausmachen. Damit soll Schluss sein. Der Kanon wird neu definiert, die neuen Romane ab „A new dawn“ sind neu-offiziell, alles, was bisher veröffentlicht wurde, wird weiter toleriert, läuft aber zukünftig unter dem Stempel „Legends“. Ist also nie passiert.

Moment. Nie passiert? Nichts von alledem ist je passiert, wir reden von Fiktion. Lucas und Disney versuchen, etwas in der Hand zu behalten - und erreichen damit das Gegenteil. Es war schön und entspannt, einen „offiziellen“ Kanon zu haben (Batman-Leser wissen, wovon ich rede). Aber das Thema ist durch und die Geschichte ist offen. Natürlich lese ich die neuen Romane und Comics (auch wenn sie wieder zu Marvel gehen), aber zu meinem Kanon gehört die Thrawn-Trilogie ebenso wie Dark Empire, Knights of the old Republic, Legacy, die Vong, Chewbaccas Tod (Achtung, Spoiler, gerade), Darth Bane et al. Das ist gesetzt. Was in den neuen Filmen kommt, ist für mich das, was Lucas immer vermeiden wollte: Geschichten, die nicht ins Bild passen.

Was in der Fiktion wahr ist und was nicht, lässt sich nicht per Stempel deklarieren und weder Disney noch George Lucas haben es in der Hand, was tatsächlich der Kanon ist/wird. Ich sehe die neuen Filme und Romane und Comics und Spiele jedenfalls als das, was sie sind: Fan-Fiction, die sich außerhalb meines Kanons bewegt. Ist das schlimm? Im Gegenteil. Ich kann mich endlich auch der sträflich vernachlässigten Fan-Fiction abseits des ehemals offiziellen Kanons widmen. Welche Geschichten in meine Welt passen, entscheide ich selbst – und ab heute sind das nicht mehr nur die offiziellen.

Star Wars gehört nämlich mir.

Now playing: Boston Pops - Imperial March

Kommentare:

Matthias Wagner hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Matthias Wagner hat gesagt…



Die Tatsache, dass Sie überhaupt mal wieder einen Beitrag bloggen, erfreut mich weit mehr, als Ihre Ausführungen mich verwirren, und das tun Sie immens.

Vielleicht liegt es daran, dass ich vor ziemlich genau 20.000 Jahren nur einen einzigen „Star Wars“-Film gesehen und das Ganze dann als Kinderkram ad acta gelegt habe.

Jetzt weiß ich dank Ihnen immerhin, dass das ganz offensichtlich ein entsetzlicher Fehler war.

Anonym hat gesagt…

https://www.youtube.com/watch?v=AJSITPAdJpI

Anonym hat gesagt…

Oops: Hallo Profis, welche Schrift ist das: https://www.youtube.com/watch?v=AJSITPAdJpI ? Muss man die kaufen oder ist die frei zu haben? Das wollt ich eigentlich sagen. Try!

Anonym hat gesagt…

Richtig, es hat sich viel getan. Besonders bezüglich des Internet und des Sternenkrieges im Universum. Komisch, dass ich noch immer so auf Print fixiert bin und noch nicht fliege. Ursprünglich bei Uwe Neumann gelernt habe ich aber Groll gegen die so ganz normalen Texte des Internet und die es Universums entwickelt, die ja immer übler werden und anmuten, als würden sie allesamt nur noch von Germanisten oder Publizisten geschrieben, anstatt von Textern getextet werden.

Leider ist den meisten Studierten von heute der Unterschied kaum noch beizubringen bei all der Sprachzerstörung besonders über das Kultusministerium. Tja, wenn die Politik sich in uruneigenes Metier vorwagt …

Deshalb habe ich mich in eine andere Richtung entwickelt und berate Fontdesigner bezüglich ihrer unzulänglichen Fehler, so lange, bis ein Font passt. Nachfolgend ein Beispiel dafür, die Geographica von Brian Willson, wohingegen ich mit den anderen Fonts des Blogs bisher nichts zu tun gehabt habe; aber ansehen sollte man sie, dann kann nicht nur Star Wars kommen, sondern wir schauen auch einen bisschen zurück in die Vergangenheit:

http://www.3ipfonts.com/family.html?sku=3IP03001

Anonym hat gesagt…

Anonym Anonym hat gesagt...
Oops: Hallo Profis, welche Schrift ist das: https://www.youtube.com/watch?v=AJSITPAdJpI ? Muss man die kaufen oder ist die frei zu haben? Das wollt ich eigentlich sagen. Try!
– Bommer Slab Rounded (steht doch darunter! Und: Nein, die muss man kaufen.)

Eine Korrektur zu meinem Text: … dann kann nicht nur Star Wars kommen, sondern wir schauen auch ein bisschen zurück in die Vergangenheit: …

Anonym hat gesagt…

Ups, ein Komma sowie ein kleines, weiches d liefere ich auch noch nach, so kann ich das nicht stehen lassen. Bitte sehr: , d