Freitag, März 02, 2012

Eine Frage zum Ehrensold

Dass Wulff keinen Ehrensold verdient, liegt in der Natur des Wortes. Nur: Warum er ihn nicht verdient, darüber wird überall gestritten. Denn Ehrensold erhält nur, wer aus politischen oder gesundheitlichen Gründen zurücktritt – persönliche Gründe zählen nicht.

Mich interessiert da eine Frage, die bisher weder in der Presse, noch in der Fachwelt gestellt worden ist:

Warum um alles in der Welt hat ein Bundespräsident bei einem Rücktritt aus persönlichen Gründen kein Anrecht auf den Ehrensold?

Aus persönlichen Gründen zurückzutreten zeugt nämlich in vielen Fällen (Mutter liegt im Sterben, Kind hat versucht Selbstmord zu begehen, Partner hat Krebs, whatever) von deutliche mehr Ehrgefühl und Rückgrat, als das schwammige „aus politischen Gründen“. Politische Gründe verhalten sich zu persönlichen Gründen so wie die politische Verantwortung (die gerne übernommen wird, weil es selten persönliche Konsequenzen hat) zu persönlicher Verantwortung (die nie übernommen wird, weil ja die Umstände, die Welt und überhaupt alle anderen schuld waren).

Nach meinem Ehrgefühl müsste es also genau andersrum sein: Wer den Arsch in der Hose hat, zu sagen, persönliche Umstände (s.o.) seien gerade mal wichtiger als irgend ein scheiß Amt, der hat sehr wohl einen Ehrensold verdient. Wer hingegen aus politischen Gründen das Handtuch wirft – und das hat Wulff getan –, dem darf der Rechnungshof gerne eine Mail schicken mit dem Betreff:

Dir Strolch keinen Cent!

Now playing: Depeche Mode - Wrong

Kommentare:

alles b. hat gesagt…

Lieber Herr Ramses,

interessante Information. Zu Ihrem Verständnis von Ehrgefühl nicke ich einmal mehr stark. Was ich mich nun frage: Ist eigentlich schon einmal ein Bundespräsident aus persönlichen Gründen (und wenn ja, welchen?) zurückgetreten?

Man sollte ohnehin viel mehr googeln.

Herzlich,
ein alles.

Curi0us hat gesagt…

Wo Sie Recht haben... muss man mal wild nicken. Stimmt wohl.

ramses101 hat gesagt…

@alles_b: google sagt "nö" (hätte mich auch gewundert).

alles b. hat gesagt…

Sonderbar ist das nicht, wohl wahr. Bliebe der moralische Aufhänger, dass es für einen Bundespräsidenten für die vollen Bezüge nötig ist, selbst bei persönlichen Gründen andere vorzuschieben.

So viel strategische Weitsicht ist vielleicht zumutbar (zumal Millionen "Bürgerinnen und Bürger" in zig Fällen ähnlich handeln (müssen) um an ihr (dringender benötigtes) Geld zu kommen. Vorbildcharakter hätte das allerdings nicht. Käme ja aber auch nicht raus und böte so eh keine Empörungsgrundlage.

Lösungsfreie Thematik, scheint mir...

(...und ich HASSE drei Pünktchen hinter Abschlusssätzen!)

German Psycho hat gesagt…

Nicht nur die Frage nach dem Rücktrittsgrund sollte gestellt werden  – obwohl ich Ihnen da 100%ig zustimme.

Ich finde aber auch: Es sollte die Frage erlaubt sein, warum wir überhaupt einen Ehrensold für Bundespräsidenten haben.

Je länger die Lebenserwartung in diesem Land wird, umso teurer wird ja auch der Ehrensold. War er früher gedacht als eine Prämie für ein langes Leben im Dienste des Landes, welches zudem von recht kurzer Restdauer sein würde, so ist er heute eine Pension, die auf Dauer recht teuer wird.

Hinzu kommt ja jetzt auch noch, daß Herr Wulff tatsächlich auch noch die Frechheit besitzt, ein vollausgestattetes Büro haben zu wollen. Auf Staatskosten.

Wobei ich es ihm gar nicht so sehr verübeln will: Wenn man zugreifen kann, tut man es auch.

Aber eine halbe Million Euro pro Jahr für dieses Mann? Oder auch einige seiner Vorgänger? Was bringt uns das?

ramses101 hat gesagt…

Das sowieso. Die Altersversorgung von Politikern ist eh ein spezielles Thema.

German Psycho hat gesagt…

Man könnte das ja gleich erweitern auf: Mögliche Abschaffung des Beamtenstatus. Aber das führt sicher zu weit...