Mittwoch, April 04, 2012

Tanzverbot?

Auf Twitter und in diversen Blogs wird mal wieder das „Tanzverbot“ diskutiert. Die Gläubigen begründen das Verbot am „stillen Feiertag“ mit der Bedeutsamkeit und dem Anlass des höchsten christlichen Feiertages, die Ungläubigen lehnen es ab als unzulässigen Eingriff in ihre persönliche Freiheit.

Der Streit wird (typisch Internet) immer schnell zur Grundsatzdebatte: Die einen fürchten als nächsten Dominostein die grundsätzliche Abschaffung kirchlicher Feiertage, die anderen sehen den Papst schon als außenparlamentarischen Entscheider und den Staat als dessen Erfüllungsgehilfen. Es könnte vielleicht helfen, mal wieder runter zu kommen und den Kern zu betrachten.

Wogegen wollen die Piraten denn demonstrieren? Doch nicht gegen das Gedenken der Christen an den Tod ihres Religionsstifters. Und was wollen die Kirchen mit dem Tanzverbot erreichen? Doch nicht, dass die Bevölkerung geschlossen stumm gedenkt.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand öffentliche Tänze auf öffentlichen Plätzen oder gar vor Kirchen planen oder organisieren würde, nur weil am Karfreitag der Kreuzigung gedacht wird. Es geht schlicht um ein behördlich durchgesetztes Verbot, das - bei allem Respekt - auf nichts anderem basiert, als auf religiösen Befindlichkeiten.

Nicht der Tanzenslust wegen soll getanzt werden, sondern weil es verboten ist. Das mag sich trotzig anhören. Aber versuchen Sie mal, das einem Außenstehenden zu erklären:

Deiner Gruppe wird verboten, in einem geschlossenen Raum zu tanzen, weil das die Gefühle einer anderen Gruppe verletzt, die in diesem Raum zu keiner Sekunde anwesend ist.

Klingt das vernünftig?

Was aus meiner Sicht vernünftig wäre: Wenn die christlichen Kirchen von sich aus erklären würden, dass sie kein behördlich durchgesetztes Tanzverbot brauchen. Das brauchen sie nämlich nicht. Ändern würde sich für die Kirchen und für die Gläubigen überhaupt nichts. Außer vielleicht, dass sie sich endlich mal fortschrittlich zeigen würden, was ja auch nicht immer der Fall ist.

So lange aber etwas, was den Rest des Jahres erlaubt ist, an einem Tag verboten wird, muss auch dagegen protestiert werden. Denn das ist ein Eingriff in die Freiheit des Einzelnen.

Auch wenn es nur um einen scheiß Discobesuch geht.

Now playing – Brian Ferry – Don’t stop the dance

Dienstag, April 03, 2012

Stöckchen: 5 Filmfragen

Ein Filmstöckchen von Kiki, da kann man ja auch mal wieder bloggen. Fünf Fragen also:

1. Was war Dein erster Kinofilm und hast Du ihn später noch einmal gesehen? Wie fandest Du ihn dann?

Da geht’s schon los: Ich bin mir nicht mehr sicher. Könnte Aristocats gewesen sein, aber wahrscheinlicher ist E.T. Letzterer war zumindest mein erstes bewusstes Kinoerlebnis im Sinne von Kino und Erlebnis.

Als dann die „restaurierte“ (?) Fassung kam, hab ich ihn noch mal gesehen. Fand ich albern, was aber auch an den Änderungen gelegen haben kann (Handys statt Knarren?). Aristocats hingegen kann ich immer noch gut sehen.

2. Welches sind Deine drei liebsten Filmszenen und warum?

Das ist wieder so eine Frage, bei der man wahrscheinlich erst später auf die tatsächlichen Antworten kommt. Aber gut. Abgesehen von den logischen Antworten (Eröffnungsszene des Paten, Han Solos Präventivschuss (!) auf Greedo und so Zeug), habe ich ein paar Szenen, die ich wirklich liebe, die aber nur stellvertretend stehen können:

a) In dem wunderbaren Episodenfilm „Scenes of a sexual nature“ gibt es die Geschichte von zwei älteren Herrschaften, gespielt von Eileen Atkins and Benjamin Whitrow. Beide haben im Park eine Lieblingsbank auf der beide einmal pro Woche einen Nachmittag sitzen. Er Donnerstag, sie Freitag (oder andersrum). Bis sie sich im Wochentag vertut und beide am Donnerstag da sitzen und nicht so recht wissen, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Sehr englisch halt.

Sie schweigen also eine Weile vor sich hin, bis er sich einen Ruck gibt und fragt „Do you come here ... often?“ und sie wie aus der Pistole geschossen antwortet „Is THAT the best you have?“

b) Leider nie auf großer Leinwand gesehen, da muss das noch mal um einiges gewaltiger rüberkommen: Rhett Butler, der den Pferdewagen mit Scarlett, Melanie und Prissy am brennenden Bahnhof vorbeiführt (gut, eigentlich die ganze Sequenz ab „Kann mir eine der Damen sagen, wo man hier ein Pferd stehlen kann? Ist für einen guten Zweck.“). Ist zwar insgesamt recht chauviehaft, zugegeben, aber immerhin darf Scarlett ja auch mal zuhauen.

c) Das finale Duell zwischen Frank und Harmonica könnte ich mir immer wieder anschauen, was vor allem an der Kombination aus Leone und Morricone liegt. Sowieso. „Spiel mir das Lied vom Tod“ – für so was wurde das Kino gemacht.

Bonustrack: Im Prinzip der komplette Film „Das Boot“. Insbesondere natürlich „I am not in the condition to fuck“ und „Not yet, Kameraden, not yet.“

3. Hast Du schon einmal selbst einen Film gedreht, und sei es nur auf Video oder Super 8, so richtig mit Drehbuch, Maske/Kostüm und was war das für einer? Bzw. was wäre das für einer, wenn Du das machen würdest?

Habe ich nicht. Ich hab mal beim Junggesellenabschied draufgehalten und war an der Maske nicht ganz unbeteiligt, aber das zählt wohl nicht. Da ich außerdem seit Jahren daran scheitere, eine vernünftige Romanidee zu entwickeln, wird dessen Verfilmung wohl noch ein Weilchen auf sich warten müssen. Aber so viel kann ich wohl verraten, ohne zu viel spoilern zu wollen: Es wird um eine Zeitreise gehen, bei der Ninjas und Zombies eine wesentliche Rolle spielen. Und ein Pony.

4. Gibt es einen Film, der Dir Angst macht und den Du nie, nie, nie wieder sehen willst?

Angst machen ist übertrieben. Aber „Irreversible“ werde ich definitiv kein zweites Mal gucken.

5. Und welchen Film würdest Du gerne noch einmal auf der großen Leinwand sehen, der leider nur noch im TV oder auf DVD zu haben ist?

Da kommen eine ganze Menge Filme in Frage und den Programmkinos sei dank kommen sie ja auch immer mal wieder auf die Leinwand: Der Pate, die Spaghettiwestern, Hitchkock, die Klassiker – also all die Filme, die deshalb so groß waren, weil sie genau dafür gemacht wurden: Für die große Leinwand, ohne Zweit- und Drittverwertung im Hinterkopf gehabt zu haben (am besten noch Viertverwertung auf dem fucking telephone).

Star Wars läuft eh immer wieder, aber was ich noch nie im Kino gesehen habe, und das wird bitteschön mal Zeit: „Once upon a time in America.“

Now playing: The Drifters – Saturday night at the movies

PS: Wie immer bei Stöckchen in diesem Blog gilt: Wer mag, mag sich bedienen.

Mittwoch, März 07, 2012

Normal ist Logik.

Normal kann nicht jeder:


(Mal ganz abgesehen davon, dass das die Gaulloises Gauloises-Kampagne ist)

Now playing: Depeche Mode – Fools

Freitag, März 02, 2012

Eine Frage zum Ehrensold

Dass Wulff keinen Ehrensold verdient, liegt in der Natur des Wortes. Nur: Warum er ihn nicht verdient, darüber wird überall gestritten. Denn Ehrensold erhält nur, wer aus politischen oder gesundheitlichen Gründen zurücktritt – persönliche Gründe zählen nicht.

Mich interessiert da eine Frage, die bisher weder in der Presse, noch in der Fachwelt gestellt worden ist:

Warum um alles in der Welt hat ein Bundespräsident bei einem Rücktritt aus persönlichen Gründen kein Anrecht auf den Ehrensold?

Aus persönlichen Gründen zurückzutreten zeugt nämlich in vielen Fällen (Mutter liegt im Sterben, Kind hat versucht Selbstmord zu begehen, Partner hat Krebs, whatever) von deutliche mehr Ehrgefühl und Rückgrat, als das schwammige „aus politischen Gründen“. Politische Gründe verhalten sich zu persönlichen Gründen so wie die politische Verantwortung (die gerne übernommen wird, weil es selten persönliche Konsequenzen hat) zu persönlicher Verantwortung (die nie übernommen wird, weil ja die Umstände, die Welt und überhaupt alle anderen schuld waren).

Nach meinem Ehrgefühl müsste es also genau andersrum sein: Wer den Arsch in der Hose hat, zu sagen, persönliche Umstände (s.o.) seien gerade mal wichtiger als irgend ein scheiß Amt, der hat sehr wohl einen Ehrensold verdient. Wer hingegen aus politischen Gründen das Handtuch wirft – und das hat Wulff getan –, dem darf der Rechnungshof gerne eine Mail schicken mit dem Betreff:

Dir Strolch keinen Cent!

Now playing: Depeche Mode - Wrong

Donnerstag, Januar 26, 2012

Wer's braucht: Werd halt Fan auf Facebook.

Heutzutage gilt man ja fast schon als kulturpessimistisch, wenn man zaghaft fragt, was denn der Facebookauftritt einer Firma so bringen soll. Die Befragten gucken dann meist wie der Metzger am Salatbuffet und antworten sichtlich irritiert: "Na: Fans. Ich mein, hallo?"

Die Folgen sind bekannt: Keine Regalnase, kein Türaufkleber, kein Etikett und schon gar keine Anzeige ohne Facebook-F, garniert von euphorischen Imperativen, die einem nahelegen, doch jetzt Fan zu werden. Das nervt. Vor allem, weil es hysterischer rüberkommt als jeder Schlussverkauf.

Eine hübsche Ausnahme sieht man bei Kicktipp.de. Die können sich dem zwar auch nicht ganz entziehen, aber die Herangehensweise ist erfrischend realistisch:



Now playing: Anouk - Who cares?