Samstag, September 04, 2010

Stirb, du Katze, äh Hund, äh, Sau!

Ganz, ganz, ganz viele Leute reden gerade darüber, ob man Fleisch essen darf oder nicht. Gut, das haben sie schon immer gemacht. Vor allem Gutmenschen wie ich. Ich hab dann immer rauchend, trinkend und lachend in der Küche gesessen und in nerviger Frequenz den (und der ist groß, da kann man sagen was man will, man sollte nur vielleicht mal die Urheberschaft zugeben) Al-Bundy-Spruch sinngemäß wiedergegeben: Wenn man Fleisch nicht essen soll, warum schmeckt es dann so gut?

Vegetarier und Veganer kommen immer gerne mit den naheliegenden Argumenten: Fang dir deinen Hasen doch mal selber (SFX: lautes Lachen). Und solltest du ihn tatsächlich fangen, töte ihn, zieh ihm das Fell ab und nimm ihn aus und dann (ich persönlich würde ihn noch etwas abhängen lassen) wollen wir doch mal sehen, ob du ihn noch grillen und essen kannst.

Ich kann das. Also, außer „Hasen fangen“. Ich habe als etwa 6-jähriger eine Schweineschlachtung mitbekommen, die heute als „Hausschlachtung“ bezeichnet würde. Und damit als das Beste, was einem Schwein überhaupt passieren könnte: Am Ende seiner Tage, umsorgt und sorglos zum Schlachtaltar geführt zu werden. Dummerweise ist das dann doch anders. Wobei: Es passiert das, was auch im Schlachthof passiert: Das Schwein riecht den Tod, selbst wenn es das erste ist. Fragen Sie mich nicht wie das geht.

Selbst wenn Sie Bauernhöfe gewohnt sind, ist das Geschrei einzigartig. Nach dem „First Blood“ ist eh alles vorbei, dann ist bei jedem neuen Schwein keine Angst mehr da, sondern ... Panik trifft es auch nicht mehr, das ist Todesangst. Zurecht, denn es hat sich ja bald erledigt. Der Druckdingsbums bringt es zum Stolpern und der Schnitt mit dem (wirklich, wirklich scharfen) Messer macht dann auch verhältnismäßig kurzen Prozess. Das alles findet bei einer Hausschlachtung (zumindest damals) draußen auf dem Hof statt und nach meinem Dafürhalten waren sehr viele Menschen daran beteiligt und keiner hatte „Spaß“ dabei.

Aber.

Es hatte was archaisches. Das findet man als kleiner Stepke gut, das mag man als großer … Dingens kritisieren – ich bin der Meinung: So lange Fleischkonsum als normal erachtet wird (und ich bin noch auf dem Level), sollte unterrichtet werden wo das Zeug herkommt. Das wird nur nicht passieren. Ich habe gesehen, wie ein Schwein geschlachtet wurde, ich habe aber auch gesehen, wie es – abgesehen von den Borsten, die werden dem toten Schwein mit Schaber und kochendem Wasser vom Pelz gebrüht – komplett aufgebraucht wurde. Innereien, Speck, Speck, Speck, Fleisch und Speck und Fleisch und Innereien, selbst die Badewanne voll Blut - und alles war lecker und ein Schwein hat vier Familien über den Winter gebracht (SFX: Streicher, viel Pathos). Alles wird verbraucht. Da kann man eigentlich nichts sagen. Muss man

aber

weil: Hundewelpen zu ersäufen ist falsch! Katzen in Mülltonnen zu stecken ist falsch! Schweinen oder (Achtung: perfider Wechsel zu knuddeligem Tier) Lämmern die Kehle durchzuschneiden ist … insofern richtig, als das Milchlamm, was, leckerer ist? Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass Milchlamm lecker ist (wer das versaut, versündigt sich ernsthaft).

Trotzdem muss es, logisch und bei Licht betrachtet, falsch sein ein Lamm zu schlachten, wenn es schon falsch ist, Katzen in Mülltonnen zu stecken. Oder Welpen in den Fluss zu schmeißen. Da gibt es nichts schönzureden. Leider konnte mir auch beim Herrn Psycho nicht weiter geholfen werden. Vielleicht muss ich wirklich das Buch lesen.

Now playing: Pink Floyd - In the Flesh