Sonntag, Mai 30, 2010

Arbeitende Fassaden

Vor lauter Verzückung ob der Vorstellung arbeitender Fassaden kann man schon mal übersehen, was der Künstler in seinem verschmitzten Bilderrätsel versteckt hat. Ich hänge leider noch in der Verzückung fest. Irgendjemand ne Idee?

Now playing: Ace of Base - The sign

Bücherdings: Tag 1.

Tag 1: Das Buch, das du zurzeit liest.

Wie man den Ehrgeiz aufbringen kann, ein Buch fertig zu lesen, bevor man das nächste beginnt, ist mir ein Rätsel. Deshalb gibt es nicht „das“ Buch, das ich gerade lese.

Ich würde durchdrehen, wüsste ich, „Der Weiße Klotz“ (Copyright Frau Gröner) müsste durch sein, bevor ich mit was anderem weiter machen darf (will, soll, Konjunktiv, whatevah). Andererseits: Vielleicht hätte ich den ersten Kandidaten dann auch längst geschafft: Nick Hornby mit „Juliet, naked“.


Es zieht sich einfach und so sehr ich die Grundidee liebe (Ein Rockstar beendet völlig aus dem Nichts seine Karriere und die Fans gründen Foren etc. um ihre Theorien zu veröffentlichen – es gibt, wie auch in meiner Depeche-Mode-Community – echte Fanhierarchien und Wallfahrtsorte und so Zeug und alle halten das für wichtig, und dann: die unzufriedene Freundin des größten Fans schreibt was im Netz, was so völlig gegen alles geht und bekommt von einer Seite Recht: Von dem, um den es geht) und so sehr Hornby in seinem Element ist (Musik, Fansein, England, Midlife-Scheiß) - Es zieht sich. Vielleicht ist das jetzt literarischer, mir wäre page-turner und belly-laugh lieber (So wie in „High Fidelity“).

Den Weißen Klotz aka „Unendlicher Spaß“ lese ich zur Zeit übrigens tatsächlich. Aber es ist definitiv kein Buch für den Bus. Und auch sonst eher eins für „mal bisschen Zeit haben“. Also lese ich es wohl noch länger.


Im Bus lese ich häufig das Gegenteil wie auch immer gearteter Klötze, nämlich „Romane“ von Bastei Lübbe: John Sinclair. Allerdings sind mitunter heiße Chicas im Bus unterwegs und da ist selbst mir das auf Dauer zu prollig. Also lese ich momentan „Auf eine Zigarrette mit Helmut Schmidt“.

Es gibt, abgesehen von Douglas Adams`Vermächtnis „Salmon of Doubt“ und Max Küngs „Einfälle kennen keine Tageszeit“, kein Buch, das ich dringender empfehlen könnte. (Wobei, mal schauen.) (Edit: Blödsinn. "Achtung! Vorurteile!" von Peter Ustinov gehört natürlich auch dazu. Und Torbergs "Tante Jolesch". Und überhaupt noch sehr viel mehr.)

Now playing: Lena Depeche Mode - Satellite

Mittwoch, Mai 26, 2010

31 Tage - 31 Bücher. Tag 0.

Das ist eine hübsche Idee, das mache ich auch. In 31 Einträgen (Tage, höhö, genau) gibt es 31 Antworten:

Tag 1 – Das Buch, das du zurzeit liest
Tag 2 – Das Buch, das du als nächstes liest/lesen willst
Tag 3 – Dein Lieblingsbuch
Tag 4 – Dein Hassbuch
Tag 5 – Ein Buch, das du immer und immer wieder lesen könntest
Tag 6 – Ein Buch, das du nur einmal lesen kannst (egal, ob du es hasst oder nicht)
Tag 7 – Ein Buch, das dich an jemanden erinnert
Tag 8 – Ein Buch, das dich an einen Ort erinnert
Tag 9 – Das erste Buch, das du je gelesen hast
Tag 10 – Ein Buch von deinem Lieblingsautoren/diener Lieblingsautorin
Tag 11 – Ein Buch, das du mal geliebt hast, aber jetzt hasst
Tag 12 – Ein Buch, das du von Freunden/Bekannten/… empfohlen bekommen hast
Tag 13 – Ein Buch, bei dem du nur lachen kannst
Tag 14 – Ein Buch aus deiner Kindheit
Tag 15 – Das 4. Buch in deinem Regal v.l.
Tag 16 – Das 9. Buch in deinem Regal v.r.
Tag 17 – Augen zu und irgendein Buch aus dem Regal nehmen
Tag 18 – Das Buch, mit dem schönsten Cover, das du besitzt
Tag 19 – Ein Buch, das du schon immer lesen wolltest
Tag 20 – Das beste Buch, das du während der Schulzeit als Lektüre gelesen hast
Tag 21 – Das blödeste Buch, das du während der Schulzeit als Lektüre gelesen hast
Tag 22 – Das Buch in deinem Regal, das die meisten Seiten hat
Tag 23 – Das Buch in deinem Regal, das die wenigsten Seiten hat
Tag 24 – Ein Buch, von dem niemand gedacht hätte, dass du es liest/gelesen hast
Tag 25 – Ein Buch, bei dem die Hauptperson dich ziemlich gut beschreibt
Tag 26 – Ein Buch, aus dem du deinen Kindern vorlesen würdest
Tag 27 – Ein Buch, dessen Hauptperson dein „Ideal“ ist
Tag 28 – Zum Glück wurde dieses Buch verfilmt!
Tag 29 – Warum zur Hölle wurde dieses Buch verfilmt???
Tag 30 – Warum zur Hölle wurde dieses Buch noch nicht verfilmt???
Tag 31 – Das Buch, das du am häufigsten verschenkt hast

Now playing: John Sinclair - Buch der grausamen Träume (ist halt so)

Sonntag, Mai 02, 2010

Von der Arbeit auf der Kogge und am Bindestrich.




Bilder können leider nur ansatzweise wiedergeben, was die Kogge für ein imposanter Kutter ist. Wenn man davor steht, ist sie das aber. Und wenn man darauf arbeitet, erst recht. Theoretisch lässt sich das Ding mit sechs Leuten fahren. Praktisch ist das natürlich Quatsch, weil man immer damit rechnen muss, dass Leute wie ich an Bord sind, die sich beim Kommando „Brass um“ (oder so ähnlich) völlig unangesprochen fühlen, anstatt das Kommando auszuführen, was darin besteht, die Halsleine (oder war es doch der Vorholer?) einfach loszulassen.

Loslassen ist eigentlich gar nicht so angesagt, wenn man auf der Kogge eine Strippe in der Hand hat. Im schlimmsten Fall folgt dann nämlich das Tauende* den Gesetzen der Physik und ist weg. Und mit weg meine ich weg. Nicht wie der Kuli im Büro („Ah, da isser ja wieder“) oder die Freundin („Pfff, mir doch egal, endlich wieder Zeit für mich“), sondern eher wie in der Architektur („Tragende Wand? Hm, jetzt, wo Sie es sagen ...“). Um das Tauende bei gesetztem Segel wiederzubekommen, müsste man das Segel raffen und (mutmaße ich, es ist ja nicht wirklich passiert) die Rah dumpen, also schräg zum Mast stellen. Die entscheidenden Taue hängen schließlich logischer- und blöderweise am unerreichbaren Ende der Rah.

Das ist genau so anstrengend, wie es sich anhört und deshalb neigt man als Koggenneuling dazu, alles irgendwo festzubinden. Am besten noch mit einem verzweifelten Knoten, der mit viel gutem Willen als "Zwei halbe Schläge" durchgeht. Wenn Sie damals ™ als Kinder im Garten Cowboy und Indianer gespielt haben, dann kennen Sie den Knoten. Der hieß da einfach „Doppelknoten“ und war relativ final. Und wenn Sie sich jetzt daran erinnern, wie friemelig das war, einen Doppelknoten bei dem Kollegen am Marterpfahl zu lösen, dann stellen Sie sich das mal vor mit einem zentimeterdicken Tau, das von einem im Wind stehenden Riesensegel gestrafft wird und jetzt (gemeint ist: JETZT!!!!) los muss.

Für die Werber: Auf der Adrenalinschubskala wäre das ungefähr das Niveau, vor der Präsentation und versammelter Mannschaft im Konfi des Kunden zu stehen und auf die Frage an den Kollegen nach dem Laptop ein „Wie? Ich dachte du ...“ zu bekommen. Multipliziert mit einem Faktor Ihrer Wahl. Unschön.

Aber auf der Kogge eben lösbar (gut, auch in der Werbung sind Extremsituationen lösbar, nur: auf der Kogge gibt es dafür wenigstens eine Axt). Mit der Kogge segeln zu lernen ist großartig. Es ist zwar Multitasking galore (Vokabeln lernen und gleichzeitig deren Bedeutung ignorieren, während man Bewegungsabläufe durchführt, die andere Vokabeln betreffen. Eat this, Schirrmacher), aber eben auch Entschleunigung (eat this, Internet). Wenn das jeweilige Manöver durch ist, sitzt man an Deck und genießt die Sonne und das sanfte Rauschen der Wellen. Oder den Regen und die Katerstimmung von Poseidon oder wie Gott ohne Wüste heißt. Das kann man sich auch nicht immer aussuchen.

Schön ist auch, mal Kommandos zu erhalten („Vieren. Vieren! Lass los! LASS DAS SCHEISSTAU LOS!!!!) anstatt permanent Kommandos zu geben („Hmmmm, ja, weiß nicht, da fehlt mir die Emotion und kann man das nicht ein bisschen edgier machen, so casual halt, aber ohne, dass das zu gewollt aussieht.“)

Kogge fahren ist anders als normal. Ich kann nicht behaupten, dass ich nichts anderes mehr machen will, aber ich will das öfter machen. Wer sich das mal anschauen möchte, ist übrigens herzlicheingeladen.

Now playing: Rod Steward

*Für die Sprachakrobaten: Ich habe jetzt ernsthaft zwei Minuten drüber nachgedacht, ob das „Tauende“ vielleicht nicht das richtige Wort ist. Also richtig ist es schon, aber es könnte ja auch heißen „das, was gerade taut“. „Oh guck mal, wie schön das glitzert.“ „Was denn?“ „Na das Tauende dahinten.“

Dann hab ich überlegt, es „Seilende“ zu nennen. Da habe ich aber erstens das gleiche Problem: Es kann ein Seilende sein, es kann aber auch etwas Seilendes sein (absurd, ich weiß, aber wenn man sich mit Sprache beschäftigt, macht sich über sowas Gedanken) und außerdem ist es eben kein Seil, sondern ein Tau.

Jetzt gäbe es eine Möglichkeit: Den Bindestrich. Ich hätte einfach schreiben können das Tau-Ende. Aber so sehr ich auch für den Bindestrich eintrete, wenn es um den Lesefluss geht (wer auch nur ein Mal ein Autorennen gesehen hat, der soll mir in die Augen blicken und mir erzählen, er wäre bei dem Wort „Autorennennung“ nicht gestolpert.), wie Panne sieht das bitte aus? (Ich habe übrigens überhaupt kein Problem damit, den Lesefluss mit Klammern zu unterbrechen, ganz im Gegenteil, die Klammer ist eine Waffe!)

Das Problem kann man spaßeshalber auch nochmal mit „Strippe“ weiter verkopfen, mach ich aber nicht, sonst kommen wieder nur Schmuddelgoogler statt Qualitätsleser.