Samstag, September 04, 2010

Stirb, du Katze, äh Hund, äh, Sau!

Ganz, ganz, ganz viele Leute reden gerade darüber, ob man Fleisch essen darf oder nicht. Gut, das haben sie schon immer gemacht. Vor allem Gutmenschen wie ich. Ich hab dann immer rauchend, trinkend und lachend in der Küche gesessen und in nerviger Frequenz den (und der ist groß, da kann man sagen was man will, man sollte nur vielleicht mal die Urheberschaft zugeben) Al-Bundy-Spruch sinngemäß wiedergegeben: Wenn man Fleisch nicht essen soll, warum schmeckt es dann so gut?

Vegetarier und Veganer kommen immer gerne mit den naheliegenden Argumenten: Fang dir deinen Hasen doch mal selber (SFX: lautes Lachen). Und solltest du ihn tatsächlich fangen, töte ihn, zieh ihm das Fell ab und nimm ihn aus und dann (ich persönlich würde ihn noch etwas abhängen lassen) wollen wir doch mal sehen, ob du ihn noch grillen und essen kannst.

Ich kann das. Also, außer „Hasen fangen“. Ich habe als etwa 6-jähriger eine Schweineschlachtung mitbekommen, die heute als „Hausschlachtung“ bezeichnet würde. Und damit als das Beste, was einem Schwein überhaupt passieren könnte: Am Ende seiner Tage, umsorgt und sorglos zum Schlachtaltar geführt zu werden. Dummerweise ist das dann doch anders. Wobei: Es passiert das, was auch im Schlachthof passiert: Das Schwein riecht den Tod, selbst wenn es das erste ist. Fragen Sie mich nicht wie das geht.

Selbst wenn Sie Bauernhöfe gewohnt sind, ist das Geschrei einzigartig. Nach dem „First Blood“ ist eh alles vorbei, dann ist bei jedem neuen Schwein keine Angst mehr da, sondern ... Panik trifft es auch nicht mehr, das ist Todesangst. Zurecht, denn es hat sich ja bald erledigt. Der Druckdingsbums bringt es zum Stolpern und der Schnitt mit dem (wirklich, wirklich scharfen) Messer macht dann auch verhältnismäßig kurzen Prozess. Das alles findet bei einer Hausschlachtung (zumindest damals) draußen auf dem Hof statt und nach meinem Dafürhalten waren sehr viele Menschen daran beteiligt und keiner hatte „Spaß“ dabei.

Aber.

Es hatte was archaisches. Das findet man als kleiner Stepke gut, das mag man als großer … Dingens kritisieren – ich bin der Meinung: So lange Fleischkonsum als normal erachtet wird (und ich bin noch auf dem Level), sollte unterrichtet werden wo das Zeug herkommt. Das wird nur nicht passieren. Ich habe gesehen, wie ein Schwein geschlachtet wurde, ich habe aber auch gesehen, wie es – abgesehen von den Borsten, die werden dem toten Schwein mit Schaber und kochendem Wasser vom Pelz gebrüht – komplett aufgebraucht wurde. Innereien, Speck, Speck, Speck, Fleisch und Speck und Fleisch und Innereien, selbst die Badewanne voll Blut - und alles war lecker und ein Schwein hat vier Familien über den Winter gebracht (SFX: Streicher, viel Pathos). Alles wird verbraucht. Da kann man eigentlich nichts sagen. Muss man

aber

weil: Hundewelpen zu ersäufen ist falsch! Katzen in Mülltonnen zu stecken ist falsch! Schweinen oder (Achtung: perfider Wechsel zu knuddeligem Tier) Lämmern die Kehle durchzuschneiden ist … insofern richtig, als das Milchlamm, was, leckerer ist? Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass Milchlamm lecker ist (wer das versaut, versündigt sich ernsthaft).

Trotzdem muss es, logisch und bei Licht betrachtet, falsch sein ein Lamm zu schlachten, wenn es schon falsch ist, Katzen in Mülltonnen zu stecken. Oder Welpen in den Fluss zu schmeißen. Da gibt es nichts schönzureden. Leider konnte mir auch beim Herrn Psycho nicht weiter geholfen werden. Vielleicht muss ich wirklich das Buch lesen.

Now playing: Pink Floyd - In the Flesh

Kommentare:

Andrea hat gesagt…

Das Thema "Fleisch essen oder nicht" ist ungeheuer emotional besetzt, das fällt mir in jeder Diskussion zum Thema auf.

Mal von der sentimentalen Komponente (kleine, niedliche Lämmchen zu essen) ganz abgesehen, ist ständiger Fleischkonsum ökologisch/sozial nicht sinnvoll. Es verbraucht ein Vielfaches an Ressourcen, ein Kilo Fleisch herzustellen, im Gegensatz zu derselben Menge pflanzlicher Nahrung. Theoretisch müsste auf der ganzen Welt kein Mensch hungern. Praktisch verhungern täglich etliche Menschen, weil die Nahrung die sie davor bewahrt hätte, stattdessen an irgendwelches Nutzvieh verfüttert wird, damit wir uns Burger und Bratwurst reinziehen können.

Wirklich sinnvoll ist das nicht und wird auch auf Dauer nicht gutgehen.

Wenn man sich dann noch ansieht, wie unser Fleisch produziert wird, damit wir beispielsweise ein Hähnchen im Supermarkt für unter 4 Euro kaufen können - diese Art Fleisch kann einfach nicht gesund sein.

ramses101 hat gesagt…

Das Thema ist auf der Emotionalitätsskala ungefähr beim Thema Raucher-Nichtraucher angesiedelt, nach meiner Erfahrung. Es gibt Leute, die sind eben der Meinung, jeden Tag ihr Steak zu brauchen. Das ist zwar Blödsinn, aber gut, Meinungen kann man schlecht wegargumentieren, da das Killerargument immer "ist aber so" lautet.

In der Regel ist es aber so, dass auch Fleischesser (wie ich) immer bewusster an die Sache rangehen und eben auf Billighühner etc. verzichten. Erstens schmecken die nach Wasser und zweitens, was kann so ein Tier schon zu fressen bekommen haben, wenn das Ergebnis weniger kostet, als Futter für ein Jahr hätte kosten dürfen?

Wir kaufen also bewusst beim Bioschlachter unseres Vertrauens, die FDP-Wähler von mir aus im Schlemmermeyer, aber das ist Augenwischerei. Zwar ist alles besser als Massentierhaltung, aber es gibt kein "gutes Schlachten". Ich denke, auf lange Sicht wird Fleisch ein Auslaufmodell sein - ähnlich wie das Rauchen.

Ganz verschwinden wird es nie, aber es wird sich zur Ausnahme entwickeln. Etwa wie die Zigarre ein, zwei mal im Jahr statt der täglichen Packung Zigarretten.

Das wird allerdings noch ein Weilchen dauern. Bisher kann ich mir ein Leben ohne Fenchelsalami, Dorade etc. auch eher gar nicht vorstellen.

dieJulia hat gesagt…

Fleisch oder nicht Fleisch ist meines Erachtens eine gute, aber auch nicht die wesentlichste Frage, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Wie würde man denn für Milliarden von Menschen die Versorgung mit vegetarischer Nahrung sicherstellen können, jetzt einmal ganz im Ernst? Kann da sicher alles, was man braucht, auch da angebaut werden, wo es konsumiert wird? Wo würde Europa die Abermilliarden Tonnen Reis und Getreide herkriegen? Mit welcher Energie sollten in nördlicheren Gefilden Treibhäuser für das hochgezüchtete Gemüse beheizt werden, das darin mit Hochgeschwindigkeit auf seinem mit Nährlösung getränkten Vlies heranwächst? Welche Wälder müssen für noch mehr industrielle Sojabohnenmonokulturen gerodet werden, so wie der Dschungel auf Borneo den Palmölplantagen weichen muß? Hab ich einen Denkfehler, wenn ich vermute, daß das Problem die schiere Masse an menschlichen Säugetieren ist, mit ihrem unstillbaren Hunger nicht nur nach Essen, sondern auch nach: Klimaanlagen, Treibstoff fürs Erst- und Zweitauto, hippe Städteflüge, hochwichtige Geschäftsreisen zu Konferenzen in fernen Ländern, Strom für die atemberaubenden Serverfarmen, die notwendig sind, um das abermilliardenfache Klickern durch Facebook, Youtube & Co zu ermöglichen; Wäschetrocknern, Klosteinen, Elektronik, die nach höchstens einem Jahr verschrottet wird, weil nicht mehr aktuell/schön/geil; Schiliften und Seilbahnen auf jeden Berg (der oben natürlich kinderwagen- und rollstuhlgerecht ausgebaut ist), Heliskiing in Kanada, undundund?

- - -

Wenn ich hier im Salzkammergut ein Schulterscherzl vom Rind kaufe, oder eine Knackwurst, dann stammt das Tier - angeblich garantiert - aus der Region, weil unsere Salzkammergutfleischhauerei-Genossenschaft nur solche Viecher schlachtet und selber verarbeitet, die tags zuvor noch auf einer der Wiesen friedlich ihr Gras mümmelten. Den Bauern, der meine Eier aus dem Stroh fischt, kann ich jederzeit unangemeldet besuchen, um mir ein Bild von seinen Freilandhühnern zu machen (Name und Adresse stehen auf dem Etikett). Und das Milchlamm, das gibt's sowieso nur spontan und seltenst in der kleinen Metzgerei im Ort zu kaufen; so ca. wie den Rehschlögel oder das Kalb.

Das Thema ist halt ein ungemein vielschichtiges, kompliziertes und schwer auf den Punkt zu bringendes. Was ich vielleicht sagen will, ist, daß - Achtung, Pathosalarm! - Achtsamkeit, Wertschätzung und bewußter Umgang mit allem, was einen so umgibt, möglicherweise der Schlüssel zu einer besseren Zukunft sind. Nicht ungeschaut Milchprodukte aus Deutschland, Frischkäse aus Frankreich, Erdäpfel aus Ägypten, Tomaten aus Holland und Äpfel aus Südafrika kaufen (in Ö gibts eine verpflichtende Angabe der Herkunft jedes Produktes), sich sehr wohl aber einmal den Serranoschinken gönnen, oder die Kalamataoliven. Solche Sachen (Liste unendlich lang weiterführbar!); ganz alltäglich, ganz im kleinen. Und so. Oder so.

ramses101 hat gesagt…

Liebe Frau Julia,

die Nachaltigkeitsnummer ist in der Tat ein Knackpunkt. Als Kind der Küste liebe ich tote Krabben, genauer: Granat: auf frischem Brot. In der 3. Klasse oder so habe ich einen Aufsatz geschrieben über Krabbensortiermaschinen und professionelle Krabbenentpulerinnen (es waren immer -innen, warum auch immer).

Heutzutage werden Krabben zwar noch in der Nordsee abgefischt, aber in Marokko verarbeitet. Billiger.

Was die Versorgung der Weltbevölkerung angeht, bewegen wir uns in der Tat eher im theoretischen Bereich. Aber: Fakt ist, dass die X Kilo Futter für y Kilo Fleisch ja auch jetzt schon angebaut werden. Da hat Andrea schon recht: Es könnten mehr Menschen mit dem ernährt werden, was eine Menge an Fleisch produziert, die wiederum eine geringe Menge Menschen ernährt.

Ich bin ja ansonsten völlig auf Ihrer Seite. Aber, ceterum censeo, es gibt kein gutes Schlachten.

PS: Was sind Kalamataoliven?

dieJulia hat gesagt…

Der Fakt, den Sie ins Rennen bringen, lieber Herr Ramses, hat auf der einen Seite was; aber haben Sie schon einmal ganz ohne Denkverbot überschlagen, daß die so beliebte wie oftmals herangezogene Rechnung "x Kilo Grünzeug für 1 Kilo Fleisch" auf den zweiten Blick vielleicht nur halb so schlimm ausfällt, weil 1 Kilo Fleisch dafür auch x mal soviel Energie (für Fleischfresser) liefert wie 100 Kilo, sagmermal: Heu?

- daß es kein gutes/moralisch völlig einwandfreies Schlachten gibt, ist meiner Meinung nach übrigens völlig richtig. Ich hab als Kind einmal beim Hasenschlachten zugesehen; der Braten wollte mir nicht viel später nur zögerlich schmecken. Allerdings muß ich für mich unterm Strich bedauerlicherweise völlig offen zugeben: okay. Ich bin ein fleischfressendes Säugetier, ich stehe an der Spitze der Nahrungskette, was gewisse Mitkreaturen betrifft, und ich bin sau(!)froh, in diesem Leben nicht als Rindvieh zur Welt gekommen zu sein. Ich weiß, ich könnte mich ernährungstechnisch gesehen auch ausschließlich und völlig problemlos von Tofu und geraspelten Karotten ernähren, aber ich will das nun einmal nicht, weil mir die - einmal generös als fleischlich bezeichneten - Genüsse einfach zu sehr gefallen.

Richtig falsch ist meines Erachtens übrigens auch nicht das Schlachten selber, sondern Perversitäten wie Legebatterien, Putenfarmen oder Tiertransporte quer über ganze Kontinente, damit die adipöse Trudi ihrem übersättigten Helmut sein tägliches Schnitzel mit Jägersauce kredenzen kann, und was mer nicht aufessen, schmeiß mer halt weg, weil kosten tut das Zeug ja gottseidank eh nix.

Solche Leute würd ich gern einmal aus Sensibilisierungsgründen einen Vormittag lang in einen fleischverarbeitenden Großbetrieb schicken. Falls sie dabei überhaupt was empfinden können.

Um endlich auf einen Punkt zu kommen: ich persönlich lehne es aus hedonistischen Gründen ab, mich rein vegetarisch zu ernähren, aber ich finde es wichtig und gut, von Zeit zu Zeit Denkanstöße zu kriegen und über das zarte Bratenstück auf meinem Teller nachzudenken, bevor ich zu Messer und Gabel greife.

PS - die schwarzen, milden. :)

German Psycho hat gesagt…

Wenn Sie das Problem der Ernährung aller Menschen ansprechen, dann müßte man – möglichst ebenfalls ohne Pathos und so – das Thema Gentechnik hinzunehmen.

Denn durch diese wären wir durchaus in der Lage, mehr und einfacher Menschen mit Essen zu versorgen (Mais mit besserer Schädlingsresistenz und ähnliches), aber wir sträuben uns dagegen, weil wir es ja nicht brauchen.

Das wäre auch mal eine schöne Diskussion: Welche Nachteile gegenüber dem Hungertod wohl so ein „Genmais” hat?

Was Sie im Prinzip ja propagieren, Ramses, ist eine Abkehr von unseren biologischen Wurzeln. Und klar: Das haben wir als Spezies schon immer getan. Man nennt es Zivilisation.

Und vielleicht haben Sie recht, daß der Fleischkonsum zurückgeht, je weiter wir uns entwickeln. Vielleicht ist das richtig so und Leute wie Sie und ich gehören eben noch der älteren Generation an, die darauf nicht verzichten kann? Mag sein.

Warum nicht? Die Menschen haben sich eben immer weiterentwickelt, aber eben nicht unbedingt jeder einzelne. Das macht dann auch Ihr Dilemma erklärlich.

ramses101 hat gesagt…

@Frau Julia, ich bin ja völlig auf Ihrer Seite. Nur kann ich das Dilemma nicht wegreden. Und ob die Rechnung aufgeht, dass die Summe dessen, was in ein Kilo Fleisch gepackt wird, den gleichen Brennwert hat wie eben jendes Fleisch möchte ich mal anzweifeln.

Zumal es ja mitnichten überalle Heu ist, sondern eher Soja und Tiermehl.

Trotzdem werde ich erst dann aufhören Wildschweinschinken zu essen, wenn das letzte Wildschwein erlegt worden ist.

@Herr GP, ist das Altersmilde? Wobei ich gerne auf die biologischen Wurzeln eingehe: Die haben nämlich nicht vorgesehen, dass Fleisch (und Gemüse und überhaupt) durchgegahrt aufgenommen werden soll. Da fragen Sie mal den Herrn Polmer nach seiner Meinung bezüglich Rohkost: Das menschliche Verdauungssystem hat sich - angefangen bei den Zähnen - weiter entwicklet.

Rohes Fleisch - wie bei allen Carnivoren - kann ja nicht mal mehr vernünftig gekaut werden (geschweige denn, gerissen).

Gentechnik ist in der Tat das Stichwort. So lange aber sämtliche "Langzeittests" im Prinzip nur Hochrechnungen sind, würde ich mich nicht als Betatester hingeben. Aber grundsätzlich wird es in Zukunft überhaupt nicht mehr ohne gehen. Wie denn auch?

elchivato hat gesagt…

aahhh der ewige Dialog zwischen Fleischfressern und Pflanzenfressern geht weiter. Gab es wohl schon zu Zeiten der Dinosaurier. Wer Fleischgenuss wegen der Massentierhaltung verdammt, muss konsequenterweise auch die Gemüseküche und die Monokultur der Ackerbauern ächten. Ob man ohne Massenpflanzenhaltung "demnächst" 9 Milliarden Menschenmäuler stopfen kann ist auch so eine Frage. Ich glaube der Experte spricht da lieber von ausgewogener Ernährung und regionaler Speisen-Herkunft.

Gegen Massentierhaltung und untierische Lebensweisen kann man auch mit einer Bratwurst seines Vertrauens und einem Brötchen sein.

Fleisch liefert mehr Energie als ein Salat. Benötigt also auch mehr Nährstoffe für das Wachstum als Gemüse. So will es das Energieerhaltungsgesetz. Und unser Hirn braucht diese Energie. So will es die Evolution. Jäger und Sammler -> Ackerbauern und Viehzüchter -> Vegetarier und Grillmaster. Mal sehen was da noch so kommt.

Mal so am Rande: Der Vergleich mit den Hunde- und Katzenbabys hinkt, da es sich hierbei um einen sinnfreien, grausamen Akt der Barbarei handelt. Schlachten ist logisch und bei Lichte betrachtet, auch das von Lämmern, zum Zwecker der Ernährung und Sicherung des Überlebens eine andere Sache. Lediglich die massenhafte Verfügbarkeit von Fleisch führt es ad absurdum.

Ich finde ja Fleischfresser sympatisch, weil sie große Tolleranz gegenüber den Pflanzenfressern üben. Auf jeder Grill-Party gibt es mindestens ein vegetarisches Gericht. Anders sieht es da schon bei Vegetarier-Parties aus.

Mitnichten wird kostbares Ackerland für Viehfutter statt für vegetarische Kost verschwendet. Ein Großteil des Viehfutters sind Abfälle aus der Nahrungsmittelindustrie. Zudem bestimmt die Fruchtfolge auf dem Acker, dass dort zwischenzeitlich auch mal was für das liebe Vieh gedeihen darf sobald der Salat und die Gurke geerntet wurden.

Die Weltbevölkerung ist ja nicht über Nacht so angewachsen, weil wir alle Vegetarier sind. Die Versorgung ist auch nicht damit gelöst, dass wir auf unser Schnitzel verzichten. Da sind geografische Aspekte viel entscheidender. Nahrungsexporte von hier nach da sind ökologisch genauso Murks wie billiges Rindfleisch aus Rumänien zu importieren. Die Ernährungsprobleme von Teilen der Weltbevölkerung bekommt man also nicht durch Umverteilung hin sondern durch Hilfe vor Ort.

Heute gegessen: Kölln Schoko-Müsli, Kochschinkenbrot und zwei Äpfel.

German Psycho hat gesagt…

Das mit der Langzeitwirkung ist ja so auch nicht richtig. Alle Arten von Nutzpflanzen, die wir letztlich konsumieren, sind Ergebnis von Züchtung. Nichts anderes macht ja die Gentechnik, nur eben etwas zielgerichteter. Das Ergebnis ist ja keine unnatürlichere Pflanze als es eine Nutzpflanze eh schon ist.

Zu Rohkost etc.: Rohkost ist nunmal für den menschlichen Magen nicht besonders gut zu verdauen. Salate übrigens auch deutlich schwieriger als Fleich, können Sie jeden Fitneßtrainer fragen (wenn Sie den Biologen mißtrauen ;) ) – vorm Sport lieber Fleisch, keinesfalls Salat.

Wir sind also definitiv als Allesfresser geboren – es gibt ja auch kein Naturvolk der Welt, das von sich aus vegetarisch lebt. Das tun ausschließlich hochzivilisierte Menschengruppen (bitte in Ruhe googeln, dann kommen Sie schnell dahinter, daß die zwei Gruppen, die oft genannt werden, einem Faktencheck nicht standhalten).

Das heißt aber nicht – und hier kommt wohl meine Altersmilde zum Tragen – daß wir uns nicht ändern können. Das haben wir immerhin oft genug bewiesen. Es wäre also theoretisch durchaus möglich, daß in Zukunft Menschen vielleicht nicht auf Fleisch verzichten, aber eben, wie Sie sagen, es bewußter konsumieren. Warum nicht?

@elchivato: Nein, es geht hier nicht „der ewige Dialog weiter”. Wie Sie durch kurzes Lesen herausfinden können, sind wir hier alles Fleischkonsumenten.

Wir diskutieren nur mal darüber.

ramses101 hat gesagt…

@elchivato: Die Monokultur zu ächten ist zwar richtig, hat aber doch nichts mit der Küche zu tun? Und natürlich wird eins der größten Probleme der Zukunft sein (als ob es das nicht schon jetzt wäre), alle satt zu kriegen, dass das aber durch eine flächendeckenden Versorgung mit ChickenMcNuggets gelingt, halte ich für unwahrscheinlich.

Übrigens sind in einer vernünftigen (und damit ist bei mir eher „lecker“ gemeint) Ernährung immer die regionalen und saisonalen Produkte die besseren. Aber das nur am Rande.

Ihr Einwand mit dem Energieerhaltungssatz ist zwar hübsch, impliziert m.E. aber etwas Falsches: Fleisch benötigt zwar mehr Nährstoffe zum „Wachsen“ als Gemüse, das liegt aber daran, dass Fleisch im Urzustand recht lebendig ist, im Idealfall munter auf irgendwelchen Weiden rumhopst und dabei fleißig Energie verbraucht. So wie Sie das schildern klingt es so, als wäre Fleisch so ein Art „Energieakku“. Salopp formuliert ist es also zwar richtig, dass die Vegetarier meinem Essen das Essen wegessen, andersrum ist es aber auch richtig, dass das eine Fleisch dem anderen Fleisch das Essen wegisst.

Denn dass „ein Großteil des Viehfutters“ Abfälle der Nahrungsindustrie seien, dafür hätte ich ganz gerne eine halbwegs vernünftige Quelle, denn das erscheint mir schon rein logistisch (von der Planbarkeit zur praktischen Umsetzung) recht abenteuerlich.

Und dass der Vergleich mit Hunden und Katzen hinkt, müssen Sie schon anders belegen als mit einer reinen Meinung (grausam vs. notwendig). Wer entscheidet denn, was notwendig ist? In gewissen Breitengraden wird ein bestimmter Anteil an tierischen Fetten in der Tat notwendig sein, die Speckwürfel in meinem Salat sind es nicht – außer eben für den Geschmack und dem können Sie doch unmöglich als legitimen Grund fürs Töten anbringen, wenn Spaß gleichzeitig kein legitimer Grund fürs Quälen ist.

Was die Umverteilung etc. angeht bin ich Ihrer Meinung.

@GP: Gentechnik ist schon noch etwas anderes als das Kreuzen zweier Tomatensorten. Wenn eine Pflanze gentechnisch so verändert wird, dass sie gegen irgend etwas immun wird, dann verändert sich ja ein bisschen mehr. Und wie soll ohne Langzeituntersuchung festgestellt werden, dass eine Pflanze jetzt zwar auf Organismus A anders wirkt, diese Veränderung auf Organismus B keinen Einfluss haben wird? Aber da steck ich zugegebenermaßen nicht drin.

Dass der Vegetarismus als bewusste (!) Ernährungsform erst ab einer bestimmten Stufe der Zivilisation entsteht, sehe ich genauso. Und ich halte auch nichts davon, den Eskimos den Walfang zu verbieten, nur weil ein paar nicht ausgelastete Muttis in Eimsbüttel glauben, man käme auch mit Fruchtschnitten und Tomatencreme durchs Leben.

PS: Was ich „in Ruhe googeln“ soll, hab ich nicht ganz begriffen.

German Psycho hat gesagt…

Nee, gar nix. Ich habe ein Gegenargument vorwegnehmen wollen, das Sie aber gar nicht brachten, weil Sie dazu bereits informiert waren. Vergessen Sie's. Ich unterschätze Sie eben immer noch dann und wann. Sorry.

Nein, Gentechnik ist eigentlich überhaupt nichts anderes als Zucht. Nur eben mit weniger zufälligen Ergebnissen und weniger Ausschuß. Aber letztlich tut man in beiden Fällen nichts anderes: Man versucht, eine Pflanze zu züchten, die bestimmte Merkmale aufweist, die sie besser anzubauen macht.

Ob diese Änderungen durch Zucht oder durch Gentechnik geschehen, kann man am fertigen Produkt überhaupt nicht mehr erkennen.

Die Diskussion führt dann natürlich ewig weiter, da die Anbieter dieser mittels Gentechnik verbesserten Pflanzen auch verhindern, daß sich diese Pflanzen vermehren, natürlich, um nicht auf den Forschungskosten sitzenzubleiben. Was aber dazu führt, daß man stets nachkaufen muß. Was aber einer Kosten-/Nutzenanalyse unterliegen müßte, ach, da kommen wir vom 100. ins 1000. Was solls.

Verbieten kann ja eh nicht die Antwort sein. Die Frage ist ja, ob sich im Laufe der menschlichen Zivilisation gewisse Muster automatisch herausbilden. Ich glaube, daß Sie da durchaus recht haben könnten.

Mullah Trullalah hat gesagt…

Hunde, Katzen, Lämmer, Schweine ertränken ist nicht o.k.
Hunde, Katzen, Lämmer, Schweine mit Respekt töten, um sie zu essen ist o.k.
Das Tier macht nicht den Unterschied ... finde ich.

P.S. Ich habe letzte Woche eine Süd-Tiroler Fohlenwurst gegessen, die war ausgezeichnet.

German Psycho hat gesagt…

Ich glaube ja nicht, daß der Respekt den getöteten Tieren etwas bringt.

ramses101 hat gesagt…

Ich auch nicht. Aber Fohlen ist lecker, keine Frage.

(PS, @GP: Gut, vielleicht haben Sie Recht. Ist aber eine andere Baustelle.)

Mullah Trullalah hat gesagt…

Der Respekt bringt den Tieren nichts, aber dem Esser. Und auch die Frucht des Ackers sollte man respektieren, um sie richtig genießen zu können. Find ich ...

ramses101 hat gesagt…

Das sehe ich ähnlich.

German Psycho hat gesagt…

Ich persönlich halte wenig von diesen „Pferdeflüsterer”- oder „Avatar”-Haltungen, nach denen ein Tier gerne in den Tod geht, wenn man es nur vorher „mit Respekt” behandelt.

Aber man muß sich ja auch nicht immer einig sein, Sie Esoterik-Hansel ;-P (letzteres galt nur für Ramses)

ramses101 hat gesagt…

Lassen Sie sich bei solchen Bindestrichen mal nicht von Matt erwischen ;-)

Und mit Esoterik hat das natürlich nichts zu tun, sondern eher mit Genuss. Respekt vorm Essen heißt für mich schlicht, ihm die bestmögliche Zubereitung zukommen zu lassen (und beispielsweise nicht in literweise Industriemayo zu ertränken).

Und bei Tieren bedeutet das, eben nicht den Mist aus dem Schlachthaus zu kaufen, sondern vernünftiges Fleisch. Und vor allem in Maßen. Diese All-You-Can-Eat-Exzese sind zum Beispiel das Gegenteil dessen, was ich meine.

alles b. hat gesagt…

Ein total interessantes Thema. Gern genommen bei Mahlzeiten mit aufgeklärten Kindern.

Wir essen gerne Fleisch, meine Tochter und ich. Wir sitzen also am Tisch und essen die beste Bratwurst. Sie weiß, dass das tote Tiere sind, sie ist ja nicht blöd und außerdem sechs. Darüber hinaus will sie wissen, wie die Tiere getötet werden. Das ist mir bekannt und ich erkläre es.

"Mama, das ist schlimm, die armen Tiere." spricht sie, und isst weiter. "Ja, aber lecker." sag ich, und sie nickt.

"Aber man darf keinen umbringen, eigentlich."
"Nee, eigentlich nicht."
"Tut denen das weh?"
"Ja."
"Boah wie SCHLIMM!!!"
"Ja. Ich kauf deshalb Fleisch von Tieren, die es wenigstens vorher lustig hatten."
"Auf ner Wiese?"
"Zum Beispiel."
"Aber das Totmachen tut denen trotzdem weh."
"Ja."
"Schlimm!"
"Ja, aber lecker."
"Ja, lecker."

...

"Und warum darf ich dann keine Käfer umbringen? Die hattens doch vorher auch lustig."
"Darfste."
"Echt?"
"Wenn Du sie danach aufisst."
"Boah Mama."


Herzlich,
alles b.

500beine hat gesagt…

ich finde mädchenbrust lecker.

Anonym hat gesagt…

biologisch-dynamische aufzucht oder mastbetrieb?

Sophie hat gesagt…

Eine unendliche und unendlich wiederkehrende Debatte. Moralische Fragen tun den meisten Menschen weh und dann wird eine Welle von Schuldbekenntnissen und Gewissensdebatten losgetreten, samt Ernährungsumstellungsbeteuerungen und (natürlich) medialer Ausschlachtung.
Ich glaube, es ist auch schon alles und tausendfach zu dem Thema gesagt worden. Trotzdem danke für diese reflektierte und äußerst unterhaltsam geschriebene Ausführung.
Achso, ja und ich, ich esse natürlich auch Fleisch. Nicht täglich. Aber wenn ich nachts von Lammhüftsteak träume, brate ich mir tags darauf eins. Zwanghafte Menschen sind mir suspekt, bewusste Geniesser dagegen genießen meine uneingeschränkte Sympathie.

alles b. hat gesagt…

http://www.youtube.com/watch?v=uSAOkYq_z4g&feature=related

ramses101 hat gesagt…

Sehr schön!

Vanilla hat gesagt…

Ich mag gerne Fleisch, basta. Diese Diskussionen sind doch müßig und in meinen Augen, Produkt einer Gesellschaft, der es zu gut geht. Ich kaufe mein Fleisch in der Regel beim Metzger des Vertrauens oder beim Bauern und nicht in Unmengen. Bewusster Umgang mit Lebensmitteln ist die Devise.