Sonntag, Juni 20, 2010

Bücherdings, Tag 4, dein Hassbuch. Daraus wird: Zombies, Werwölfe, Vampire – eine, nunja, Kulturkritik.

(Ich möchte, wenn ich darf, ein bisschen hin- und herspringen, Tag 3 reiche ich nach)

Es gibt kein Buch, das ich „hasse“. Es könnte darin Gedanken geben, die ich verabscheue oder es könnte von jemandem geschrieben worden sein, dessen Ableben ich nicht sonderlich bedauern würde. Aber ein Buch hassen? Fällt mir schwer. Es gibt allerdings Bücher, die ich hochgradig albern, überflüssig – und deshalb erwähnenswert finde. Dazu gehört „Dracula – Die Wiederkehr“ von Dacre Stoker und Ian Holt. Dazu muss ich allerdings ein wenig ausholen.

Sich gegen Zombies zu wehren ist so einfach, dass es mich schon wundert, wie die in den ganzen Doku-Soaps (28 Days later, Shaun of the dead und wie sie alle heißen) permanent kurz davor sind, die Weltherrschaft zu übernehmen. Das ist total unrealistisch. Für einen Zombie reichen nämlich ein Baseballschläger und ein cooler Spruch beim beherzten Zuschlagen.

Bei Vampiren und Werwölfen ist das bekanntermaßen anders.

Beim Werwolf fällt auf, dass in den heutigen Machwerken (so gut sie auch sind, Underworld etc.) die Propaganda eines Alexandre Dumas endlich fruchtet und die Geschichte sich durchsetzt, in der der arme Unterschichtler neue Macht bekommt. Nur eben blöderweise als Werwolf. Das war mal anders. Bei „American Werewolf“ spielte die soziale Komponente eine eher untergeordnete Rolle.

Bei John Sinclair wiederum ging es, dann doch, ziemlich unverholen um Erotik. Königin der Wölfe und so. Das war in den 70ern. Bei John Sinclair waren allerdings die Vampire völlig befreit von jeglichem Emotionsgetue. Zu Recht! wie wir bei Bram Stoker gelernt haben: Der Vampir ist nämlich schlicht asozial. Das kann man sich tausendmal mit Monica Belucci schönreden, Herr Copola, Fakt bleibt: Der Vampir an sich ist asozial und Machwerke wie „Twilight“ kann ich ungesehen als an den Haaren herbeigezogene Sozialromantik abhaken.

Und dann kommt der Urgroßneffe (!) von Bram Stoker (warum nicht gleich der Enkel der Konkubine vom Barkeeper des Verlegers?). Und schreibt: Dracula – die Wiederkehr. Klappentext: Die „offizielle Fortsetzung des unsterblichen Klassikers“.

Spätestens da schwillt mir der Kamm. Offizielle Fortsetzung? Wer hat das entschieden? Und was macht das Wort „offiziell“ besser? Das Buch fängt dabei recht gut an: Ein Bram Stoker will die Geschichte von Harker ins Theater bringen, der "Sohn" von Jonathan und Mina Harker ist Schauspieler, liest das Stück und erkennt einiges wieder.

Es endet aber so lächerlich, wie ein lächerliches Buch überhaupt enden kann – inklusive Star-Wars-Zitat (und ja, ich meine DAS Star-Wars-Zitat, sorry für den Spoiler). It's crap, don't read it.

Das Schlimmste an dem Buch ist aber nicht die Geschichte, sondern das unerträgliche Genöle von Dacre Stoker im Nachwort. Da beschwert sich allen Ernstes der Dingsgroßdings von Bram Stoker darüber, dass die Familie Stoker von keinem Draculafilm finanziell profitieren konnte. Tja. Böse, böse Welt.

Ich bin, ich habe darüber geschrieben, ein relativer Freund des Urheberrechts. Aber es kann nicht angehen, dass sich ein Familienmitglied xten Grades darüber beschwert, dass kreative Leute sich der Motive bedienen, die irgendwann mal der Großdingsonkel verbraten hat – ohne sie sich freilich selbst ausgedacht zu haben. Wir reden immer noch von Dracula.

Aber das Buch zu „hassen“ ist mir zu hart. Das kann ich nicht.

Now playing: Zumindest in Gedanken – die Titelmelodie der Verserieung vom „Kleinen Vampir“.

Keine Kommentare: