Donnerstag, Oktober 29, 2009

Mein Senf zu "Beef".

Beef ist in einem Wort: Inkonsequent. In vielen Worten: Nicht schlecht, wenn nur die permanenten impliziten Rechtfertigungen für den hohen Preis von 9,80 Ocken nicht wären, die sich in Beschreibung und Ansprache einer Zielgruppe äußern, die leider in entscheidenden Momenten kaum bedient wird. Wenn es ums Kochen geht, zum Beispiel.

Ob die Tatsache, dass aus verschiedenen Ländern verschiedene Steaks kommen, für den 42-jährigen Christoph aus dem Vorwort eine neue Information ist, kann ich nicht beurteilen. Da er aber über die besten Ölmühlen ebenso diskutiert wie über die besten Safranlieferanten, möchte ich das mal bezweifeln. Außerdem frage ich mich, warum sich die Heftmacher überhaupt die Mühe gemacht haben, das „beste Steak der Welt“ zu ermitteln, wenn in den drei darauf folgenden Zubereitungsarten allen Ernstes „well done“ auftaucht. Ein
“Das ist für ein Filetsteak zwar ein wirklich ungeeigneter Garzustand.“
reicht da nicht. Es ist überhaupt kein Garzustand. Christoph hätte das gewusst. Wenn man
“keine Kompromisse macht“
dann ignoriert man das Gerücht, es gäbe Menschen, die ihr „Steak“ so „zubereitet“ haben wollen.

Die Messerfotostrecke hingegen finde ich ganz wunderbar, wie übrigens überhaupt die Qualität der Fotos und das Layout insgesamt. Außerdem ist alles schön geschrieben (wenn auch die Reportagen durchaus Potential für ein, zwei Seiten mehr gehabt hätten, so was liest man ja nicht in der U-Bahn). Aber dann kommt plötzlich ein Rezept für Tomatensauce. Ich frage mich kurz: warum? und stellvertretend für Christoph blättere ich augenrollend weiter auf der Suche nach etwas, was mich weiterbringt. Das „Lecker (!) Centerfold“ ist dazu durchaus in der Lage, allein schon, weil es die Zubereitung des 4-Gänge-Menüs zeitlich geordnet darstellt. Auch wie man zuhause Mozzarella macht, wusste ich nicht (im Gegensatz zu Christoph, vermutlich), danke dafür. Und wo ich gerade beim Lob bin, erwähne ich auch gleich die Salzrezepte. Sehr schöne Ideen und Anregungen.

Aber dann schlägt wieder die Inkonsequenz zu. Endlich kommt zwar eine Rubrik, die Christoph in seinem Tun bestätigen soll: „Das muss jeder Mann ohne Rezept kochen können.“ Blöd nur, dass, wenn das Heft für Christoph ist, eine Liste völlig gereicht hätte. Doppelt blöd, wenn die „erste Rezeptstrecke der Welt ohne Rezepte“ dann doch mit Rezepten aufwartet, bzw. mit Essen, das ohne Rezept nicht machbar ist. Das mag konfus klingen, aber manchmal habe ich einfach recht. Beispiele:

Hähnchenschenkel kommen vor. Die kriegt man ohne Rezept hin. Man muss nur drauf achten, dass sie durch sind. Im Prinzip ist das alles, "Beef" erzählt trotzdem im „rezeptlosen“ Teil, wie man es macht. Als ob die Gefahr bestünde, dass Christoph Hähnchenschenkel aus Versehen blutig servieren würde, wird verraten: Im Ofen, halbe Stunde, 180 Grad. Was ja völlig ok ist, aber dann nennt es bitte nicht „rezeptfrei“ und wo ich schon in der Rubrik bin: Frikadellen ohne Rezept zu braten, ist unmöglich. Man muss es nicht nachschlagen, aber man muss es kennen.

Fazit: „Beef“ hat eine Zukunft, wenn es ehrlicher wird und seine Wannabe-Christophs als Käufer nicht nur einplant, sondern auch so anspricht.

Now Playing: Miss Platnum – Give me the food

Dienstag, Oktober 20, 2009

Naja irgend so ein Tier halt.

Ich mag ja die Klamotten von Jack Wolfskin, aber wäre ich Richter und ein Anwalt käme mir damit, dass die Darstellung einer Katzenpfote seine Markenrechte an einer Wolfspfote verletzte, ich würde ihn mit Biologiebüchern beschmeißen und vom Hof jagen.

Now playing: Pardon Ms. Ardon - What went wrong

Freitag, Oktober 16, 2009

Kindle: Das Habenwollen hält sich (noch) in gesunden Grenzen.

Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft zur Buchmesse wird das Kindle von amazon auf die Märkte geworfen. (Ganz kurz: Bin ich der Einzige, der „Kindle“ ausspricht wie in „Christkindelmarkt“?) Gedauert hat das gefühlt ewig, zumal Sonys E-Book schon lange erhältlich ist, strategisch nicht doof mit Thalia im Boot. Das E-Book von Sony habe ich aus verschiedenen Gründen bisher liegen lassen, die wichtigsten: Umblättern dauert locker 1,5 Sekunden, ich kann mir nichts ins Regal stellen und mir fehlt der „Fortschritt“. Ich weiß einfach gerne, ob ich noch die Hälfte oder zehn Seiten vor mir habe.

Wie das mit dem Blättern beim Kindle ist, weiß ich nicht, aber ich werde es vermutlich auch erst einmal liegen lassen. Und zwar auch aus Gründen. Wenn ich mich entscheide, mir eine Single auf Vinyl zu kaufen anstatt bei iTunes, dann kostet mich das in etwa drei Euro mehr. Aber dann habe ich was für meine Sammlung. Ich kaufe nicht nur den Inhalt, die Musik, sondern auch den Träger – wenn er denn ansprechend gestaltet ist, sonst geht der Euro an iTunes.

Ich bin also bereit, der bösen Verwertungsindustrie Geld zu bezahlen, wenn sie sich etwas Mühe macht, den Tonträger ansprechend zu gestalten (ich hätte gerne überall noch einen Downloadgutschein dazu, aber das ist ein anderes Thema, wobei, vielleicht auch nicht). Der Buchhandel scheint das anders zu machen. Das neue Buch von Nick Hornby kostet bei Amazon.com fürs Kindle 19 Dollar, das sind etwa 15 Euro (?). Bei Amazon.de kostet es im Hardcover 14,95 Euro, das sind auch etwa 15 Euro.

Was ist denn das für eine Preispolitik? An der Buchpreisbindung kann es eigentlich nicht liegen, denn die gibt es weder in England, noch in den USA. Warum kostet eine Datenübertragung das gleiche wie ein Buch im Hardcover? Und warum kostet bei amazon.com die Datenübertragung sogar mehr als das Buch selbst (15 Dollar)?

Und vor allem: Wer verdient jetzt mehr: Der Verlag? Amazon? Der Autor mit Sicherheit nicht.

Außerdem: Gibt amazon das Kindle frei für Autoren, die ohne Verlag veröffentlichen wollen? Die dann irgendwie selbst entscheiden können, was der Download kostet (oder ob er was kostet)? Und was macht google dann? So lange die E-Books tatsächlich nur Empfangsgeräte für die papierlose Version eines Buches sind, finde ich es eher unspannend. Danach könnte es aber ziemlich interessant werden.

Now playing: Belle and Sebastian – Wrapped up in books

Donnerstag, Oktober 01, 2009

Heut mal lecker prollig.

In der Kolumne Darf man den Herbst duzen? kommt Max Goldt irgendwann zu dem Bekenntnis: „Herbst, wir sind gerne zu Gast in deinem Mantel.“ Das kann ich unterstreichen.

Herr Herbst hat an Eindrücken einfach mehr zu bieten als seine Kollegen. Sogar auf dem Balkon: Der letzte Lavendel ist geerntet worden und wird möglichst kitschig-sophisticated mit Rotwein fotografiert:



Man lernt Rost wieder als Patina zu schätzen und verwelkendes Pflanzgut als Symbol für Vergänglichkeit oder so Zeug:



Den Rosmarin kann man auch im Winter beruhigt auf dem Balkon lassen, das kann der ab, auch wenn er für einige Zeit nicht mehr ganz so duftet, wie auf diesem Bild:



Ein Blick auf die Tomaten, die dann doch noch hervorragend performt* haben, lässt allerdings etwas Wehmut aufkommen, denn Tomaten, Herbst, die kannst du nicht.

Warum Tomaten in Deutschland nicht Paradeiser heißen, ist mir übrigens ein absolutes Rätsel. Denn die Vierländer Krause gehört zu den leckersten Dingen, die der liebe Marduk je geschaffen hat.



Und wenn ich „lecker“ sage, meine ich genau das: Lecker. Ich weiß nicht, wann es angefangen hat, dass „lecker“ plötzlich zum Unterschichtenwort wurde. Ich weiß, dass es in südlichen deutschsprachigen Gefilden traditionell nicht gut ankommt, aber auch da weiß ich wieder nicht, warum und seit wann.

Was ich aber weiß, ist, dass Max Goldt das Wort auch nicht sonderlich mag. Das finde ich zwar komisch, aber das ist natürlich Geschmackssache. In seinem wunderbaren neuen Buch heißt es, das Wort
“sei wirklich nichts als eine harmlose, dumme, lächerliche Mikrobe“
und besser wären Adjektive wie „wohlschmeckend“, „schmackhaft“ oder einfach „gut“.

Nur: Wieso? Schlägt man „lecker“ in der Sprach-Allzweckwaffe Grimm nach, stolpert man nämlich über so manchen Namen, der nicht weiter von Dummheit und Lächerlichkeit entfernt sein könnte, noch dazu in sprachlicher Hinsicht.

Ja, „lecker“ ist etwas unaristokratischer als „wohlschmeckend“. Aber hat sich schon mal jemand nach einem leckeren 6-Gänge-Menü müde zurückgelehnt und mit einem wohligen Seufzer ein „Jössas war das wohlschmeckend“ von sich gegeben? Ein „gut“ mag an dieser Stelle öfter vorkommen – aber was ist falsch an „lecker“? Gut kann auch eine Lesung sein. Aber lecker? Werde ich ihn glatt mal fragen, wenn ich ihm sein Buch auf der nächsten Lesung zum Signieren unter die Nase halte.

PS: Wortmissbrauch in Müslispots ist kein Argument.

Now playing: Cheryl Wheeler – Unworthy

(Mit im Bild: Auf dem Balkon gezogene Galapagos-Tomaten (gelb) und Johannisbeertomaten (rot))

*Nur für euch, liebe Sprachnörgler, nur für euch.