Beef ist in einem Wort: Inkonsequent. In vielen Worten: Nicht schlecht, wenn nur die permanenten impliziten Rechtfertigungen für den hohen Preis von 9,80 Ocken nicht wären, die sich in Beschreibung und Ansprache einer Zielgruppe äußern, die leider in entscheidenden Momenten kaum bedient wird. Wenn es ums Kochen geht, zum Beispiel.Ob die Tatsache, dass aus verschiedenen Ländern verschiedene Steaks kommen, für den 42-jährigen Christoph aus dem Vorwort eine neue Information ist, kann ich nicht beurteilen. Da er aber über die besten Ölmühlen ebenso diskutiert wie über die besten Safranlieferanten, möchte ich das mal bezweifeln. Außerdem frage ich mich, warum sich die Heftmacher überhaupt die Mühe gemacht haben, das „beste Steak der Welt“ zu ermitteln, wenn in den drei darauf folgenden Zubereitungsarten allen Ernstes „well done“ auftaucht. Ein
“Das ist für ein Filetsteak zwar ein wirklich ungeeigneter Garzustand.“reicht da nicht. Es ist überhaupt kein Garzustand. Christoph hätte das gewusst. Wenn man
“keine Kompromisse macht“dann ignoriert man das Gerücht, es gäbe Menschen, die ihr „Steak“ so „zubereitet“ haben wollen.
Die Messerfotostrecke hingegen finde ich ganz wunderbar, wie übrigens überhaupt die Qualität der Fotos und das Layout insgesamt. Außerdem ist alles schön geschrieben (wenn auch die Reportagen durchaus Potential für ein, zwei Seiten mehr gehabt hätten, so was liest man ja nicht in der U-Bahn). Aber dann kommt plötzlich ein Rezept für Tomatensauce. Ich frage mich kurz: warum? und stellvertretend für Christoph blättere ich augenrollend weiter auf der Suche nach etwas, was mich weiterbringt. Das „Lecker (!) Centerfold“ ist dazu durchaus in der Lage, allein schon, weil es die Zubereitung des 4-Gänge-Menüs zeitlich geordnet darstellt. Auch wie man zuhause Mozzarella macht, wusste ich nicht (im Gegensatz zu Christoph, vermutlich), danke dafür. Und wo ich gerade beim Lob bin, erwähne ich auch gleich die Salzrezepte. Sehr schöne Ideen und Anregungen.
Aber dann schlägt wieder die Inkonsequenz zu. Endlich kommt zwar eine Rubrik, die Christoph in seinem Tun bestätigen soll: „Das muss jeder Mann ohne Rezept kochen können.“ Blöd nur, dass, wenn das Heft für Christoph ist, eine Liste völlig gereicht hätte. Doppelt blöd, wenn die „erste Rezeptstrecke der Welt ohne Rezepte“ dann doch mit Rezepten aufwartet, bzw. mit Essen, das ohne Rezept nicht machbar ist. Das mag konfus klingen, aber manchmal habe ich einfach recht. Beispiele:
Hähnchenschenkel kommen vor. Die kriegt man ohne Rezept hin. Man muss nur drauf achten, dass sie durch sind. Im Prinzip ist das alles, "Beef" erzählt trotzdem im „rezeptlosen“ Teil, wie man es macht. Als ob die Gefahr bestünde, dass Christoph Hähnchenschenkel aus Versehen blutig servieren würde, wird verraten: Im Ofen, halbe Stunde, 180 Grad. Was ja völlig ok ist, aber dann nennt es bitte nicht „rezeptfrei“ und wo ich schon in der Rubrik bin: Frikadellen ohne Rezept zu braten, ist unmöglich. Man muss es nicht nachschlagen, aber man muss es kennen.
Fazit: „Beef“ hat eine Zukunft, wenn es ehrlicher wird und seine Wannabe-Christophs als Käufer nicht nur einplant, sondern auch so anspricht.
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