Dienstag, Juni 30, 2009

Auf ein Wort noch, Piratenpartei (oder zwei, um genau zu sein).

Die Piratenpartei, oder deren Anhänger, bejubeln gerade einen Artikel, der sie eigentlich hätte nachdenklich machen müssen. In diesem Artikel gibt es den hübschen Abschnitt:
Bei genauem Hinsehen unterscheiden sich die Urheberrechtsauffassungen von Mark Getty und seinen Antipoden aus der Piratenbewegung also nicht kategorisch, sondern vor allem politisch: Die Unterhaltungsindustrie will intellektuelles Eigentum monopolisieren, die Piraten wollen es vergesellschaften. In beiden Modellen ist der Künstler nebensächlich.
Und genau das ist der Punkt. Der Künstler wird von der Verwertungsindustrie genau so verarscht, wie er es von der Verwendungscommunity werden würde.

Now playing: Bob Marley -Can't you see?

Sonntag, Juni 28, 2009

Nicht die Piratenpartei verkackt, sondern ihre Mitläufer.

Es gibt eine Partei, die für sich einnimmt, Internet-Chef zu sein. Gemessen an der #Failquote der etablierten Parteien ist sie das wohl auch. Aber diese Latte gehört zu den eher niedrigen, sie zu reißen ist fast sportlicher, als sie zu nehmen. Und dennoch: Die Piratenpartei schafft es.

Die Piratenpartei versucht dem Rest der Welt klar zu machen, dass ihre Inhalte richtig und vernünftig sind. Und abgesehen von den etwas (gelinde gesagt) weltfremden Ansichten in Bezug auf Urheberrechte, sind sie das auch. Die Piraten versuchen in der Regel, ihre Glaubwürdigkeit mit ihrer Internetkompetenz zu rechtfertigen – die sie im Prinzip haben.

Aber dann kommt sowas: http://www.wahlgetwitter.de/

Wahlgetwitter behauptet, „Die politische Stimmung im Netz“ widerzuspiegeln. Was es natürlich nicht tut. Es liefert stattdessen die Antwort auf die völlig zu Recht nie gestellte Frage: Wer findet eigentlich seine eigene Partei gut und die anderen doof?

Das ist so banal und kindisch, dass ich es meinen Parteimitgängern als Parteiverantwortlicher verbieten würde, diesen Mist mitzumachen. Aber, ach je, das geht ja nicht. Deshalb müssen die Piraten im Internet jetzt damit klarkommen, ständig mit der Internetkompetenz ihrer Mitglieder konfrontiert zu werden, die sich in etwa an oben erwähnter Messlatte orientiert.

„Die Wäsche muss noch gemacht werden #Piraten+ #CDU- #SPD- Grüne- #FDP- „

Viel Spaß noch im RL.

Now playing: Depeche Mode – Fools

Samstag, Juni 20, 2009

Lieber Pfirsich,

Du bist mir momentan erstens lieber als die liebe Politik und zweitens ohnehin mal erwähnenswert, denn bei Licht betrachtet wirst Du völlig unterschätzt. Als Obst jedenfalls, Deine pelzige Haut wird ja seltsamerweise noch und nöcher zitiert.

Erwischt man Dich im richtigen Moment, ist Dein Fleisch zwar fest, aber nicht so knochig wie das des Apfels. Du bist zwar etwas süßer, aber noch lange nicht so aufdringlich wie Deine Mitbewerber, die schon mal etwas anstrengend daher kommen können.

Zugegeben: Dir fehlt es etwas an Säure, aber dafür hat der liebe Dionysos ja den Wein erfunden, in den man Dich schnippeln kann. Das mag zwar etwas prollig sein, aber lecker ist es allemal. Und wenn ich dann in der Sonne sitze und Pfirsich aus Wein löffel und dann noch ein Buch lese, das mich weiterbringt, freut, ärgert, traurig macht oder zum lachen bringt, dann ist das eine Form von Glück. Dafür danke ich.

Wollte ich nur kurz gesagt haben.

Und ich hoffe, das Proletenpack unter meinem Balkon, das sich gerade zofft als gäbe es kein Morgen mehr, stößt irgendwann beim googeln nach "Proletenpack unter meinem Balkon, das sich gerade zofft als gäbe es kein Morgen mehr" auf diesen Beitrag und geht dann sich leise schämend Pfirsiche kaufen. Und vielleicht sogar ein Buch.

Liebe Grüße

ramses101

Now playing: The beatles - Strawberryfields forever

Freitag, Juni 05, 2009

Liebe Piratenpartei, so wird das nichts mit uns.

Vorweg: Ich mag die Idee der Piratenpartei. Weil ich ein Freund des Aufbrechens bestehender und abgesteckter Parteistrukturen bin, durch die man sich nur noch mit Listenplätzen wühlen kann (deshalb auch mein Engagement für das neue Hamburger Wahlrecht, ich finde den Link in meinem blöden Blog gerade nicht). Ich mag auch ein paar Eurer Ideen. Nur: Ich habe Probleme damit, Euch zu wählen.

Ich habe Probleme damit, Euch zu wählen, weil mir Eure diffusen Einstellungen zum Urheberrecht gegen den Strich gehen (Software klammere ich aus meiner Kritik aus, da steck ich nicht drin). Alternativen hätten hier vielleicht Abhilfe geschaffen, aber die seid Ihr schuldig geblieben. Vage Andeutungen reichen da leider nicht. Was mir sauer aufstößt:

Kurz gesagt: Ihr habt kein Recht über das zu verfügen, was ein anderer erdacht hat, es sei denn, er überlässt es Euch - zu seinen Konditionen. Und die können gehen von "umsonst" bis "nur für geladene Gäste".

Im Prinzip gibt es das mit der CC-Licence, aber das reicht Euch nicht, es muss immer und alles sein, weil sonst die "Kultur in Gefahr" sei. Bzw: Jeder ein "Recht auf Rückführung" der Ideen in sein Portfoilio hätte. Selbst Ideen, die er nie hatte.

(Anmerkung: Die folgenden Zitate stamme alle von hier und ich habe ein bisschen gekürzt, hoffentlich nicht sinnentstellend, falls doch, bitte ich um Vergebung und setze das Herausgekürzte wieder ein. Das erste Zitat ist mir übrigens zu grundlegend, deshalb habe ich es aus dem letzten Teil der das Urheberrecht betrifft nach oben gesetzt. Danach geht es weiter in Originalabfolge)

"Wir erkennen die Persönlichkeitsrechte der Urheber an ihrem Werk in vollem Umfang an."
Nein. Genau das tut Ihr nicht. Ihr erkennt seine Rechte in einem gewissen Umfang an. Aber eben nicht in vollem.

Aber im Einzelnen:

Urheberrecht und nicht-kommerzielle Vervielfältigung

"Die derzeitigen gesetzlichen Rahmenbedingungen im Bereich des Urheberrechts beschränken jedoch das Potential der aktuellen Entwicklung, da sie auf einem veralteten Verständnis von so genanntem "geistigem Eigentum" basieren, welches der angestrebten Wissens- oder Informationsgesellschaft entgegen steht."
1. Wieso veraltet? Was ist denn das neue Verständnis von "so genanntem geistigen Eigentum"?
2. "Geistiges Eigentum" mag ungeschickt formuliert sein - die geistige Urheberschaft bleibt jedoch bestehen. Und wem gehört die Figur einer geschnitzten Figur?
3. a) wer strebt an? b) wieso steht die geistige Urheberschaft der Wissensgesellschaft entgegen? Die geistige Urheberschaft Pythagoras' an seinen Sätzen hat die Mathematik nicht behindert.

Keine Beschränkung der Kopierbarkeit

"Systeme, welche auf einer technischen Ebene die Vervielfältigung von Werken be- oder verhindern ("Kopierschutz", "DRM", usw.), verknappen künstlich deren Verfügbarkeit, um aus einem freien Gut ein wirtschaftliches zu machen. Die Schaffung von künstlichem Mangel aus rein wirtschaftlichen Interessen erscheint uns unmoralisch, daher lehnen wir diese Verfahren ab. "
1. Verknappen sie die Verfügbarkeit nicht nur künstlich, sondern absichtlich. Denn die Werke sind kein
2. "Freies Gut", sondern das Gut dessen, der sie erdacht hat. Ob er sie frei zugänglich machen will, liegt bei ihm - nicht beim Staat.
3. Das Gegenteil nennt man Enteignung und das IST unmoralisch, deshalb lehne ich das ab.

"Darüber hinaus behindern sie (...) berechtigte Nutzung von Werken, erschaffen eine vollkommen inakzeptable Kontrollierbarkeit und oft auch Überwachbarkeit der Nutzer und gefährden die Nutzung von Werken durch kommende Generationen, denen der Zugang zu den heutigen Abspielsystemen fehlen könnte."
1. Wer sollte denn wen für die Nutzung eines Werkes, eines Gedanken, einer Idee berechtigen? Die Partei? Der Staat? Die Gesellschaft? Alle - mit Ausnahme des Erschaffers?
2. Inakzeptabel für wen? Für den, der sich dessen bedienen will, auf das er nicht selbst gekommen ist?
3. Überwachbarkeit? Definiert bitte mal, inwiefern ich "überwacht" werde, wenn ich ein Lied nur dreimal kopieren kann.
4. Also ab jetzt besteht die Gefahr der fehlenden Kompatibilität? Das ist lachhaft. Lässt sich übrigens mit einer zentralen Speicherung umgehen,

Freies Kopieren und freie Nutzung

"(...) Wir sind der Überzeugung, dass die nichtkommerzielle Vervielfältigung und Nutzung von Werken als natürlich betrachtet werden sollte und die Interessen der meisten Urheber entgegen anders lautender Behauptungen von bestimmten Interessengruppen nicht negativ tangiert."
1. Also kann plötzlich nicht mehr mit der reinen Weitergabe eines Werkes Geld verdient werden (denn die hätte man ja gerne umsonst), sondern nur noch mit der kommerziellen Verwertung. Das findet längst statt, nennt sich "Klingelton", ist das Gegenteil von Kunst und muss ja nicht noch unterstützt werden.
2, SIND nämlich die Interessen der Urheber erschreckend oft finanzieller Natur - die freie Verfügbarkeit dürfte diese Interessen durchaus negativ tangieren.

"In der Tat existiert eine Vielzahl von innovativen Geschäftskonzepten, welche die freie Verfügbarkeit bewusst zu ihrem Vorteil nutzen und Urheber unabhängiger von bestehenden Marktstrukturen machen können. "
1. Die Existenz "innovativer Geschäftskonzepte" bestreitet niemand. Und dass die freie Verfügung "aus Versehen" zu ihrem Vorteil genügte, behauptet auch niemand.
2. Aber dass sie den Urheber unabhängiger machen, ist noch lange kein Grund, jenem sein Urheberrecht zu nehmen.

"Daher fordern wir (...) zu fördern, um die allgemeine Verfügbarkeit von Information, Wissen und Kultur zu verbessern, denn dies stellt eine essentielle Grundvoraussetzung für die soziale, technische und wirtschaftliche Weiterentwicklung unserer Gesellschaft dar."
1. Sorry. Bei aller Liebe: Aber wo wird denn die Verfügbarkeit von Information, Wissen und Kultur (!) begrenzt? Über die Wissenschaftsverlage könnten wir reden. Aber schonmal drüber nachgedacht, dass Wissensbildung Geld kostet? Gut, lassen wir die Unis zahlen und das Ergebnis als PDF ins Netzt setzen. Einverstanden. Aber
2. Kultur? Von mir aus: Onlinezentralbibliothek. Für die Urheber, die ihre Werke darin sehen wollen. Für alle anderen: Schutz ihres Schaffens und Respektieren dieses Willens.

Förderung der Kultur

"Wir sehen es als unsere Verantwortung, die Schaffung von Werken, insbesondere im Hinblick auf kulturelle Vielfalt, zu fördern. Positive Effekte der von uns geforderten Änderungen sollen im vollen Umfang genutzt werden können. Mögliche, aber nicht zu erwartende negative Nebenwirkungen müssen bei deren Auftreten nach Möglichkeit abgemindert werden."
1. Wie wollt Ihr die fördern, wenn Ihr den Urhebern ihre Rechte nehmt?
2. "Positive Effekte sollen in vollen Umfang genutzt werden" Tja. An dieser Stelle könnte kommen: Und wie?
3. "Mögliche (...) Nebenwirkungen müssen (...) nach Möglichkeit abgemindert werden" Nochmal: Und wie?

Ausgleich zwischen Ansprüchen der Urheber und der Öffentlichkeit

"Wir erkennen die Persönlichkeitsrechte der Urheber an ihrem Werk in vollem Umfang an."
Ich habe es oben schon gesagt und, glaube ich, gezeigt: Genau das tut Ihr nicht. Ihr erkennt seine Rechte in einem gewissen Umfang an. Aber eben nicht in vollem. Denn "Persönlichkeits"-Recht der Urheber kommt bei Euch nicht mehr vor. Es ist aber m.E. synonym mit dem persönlichen Entscheidungsecht des Urhebers über etwas Geschaffenes. Und das nennt man Urheberrecht.

"Die heutige Regelung der Verwertungsrechte wird einem fairen Ausgleich zwischen den berechtigten wirtschaftlichen Interessen der Urheber und dem öffentlichen Interesse an Zugang zu Wissen und Kultur jedoch nicht gerecht."
Wie sieht der faire Ausgleich aus?

"Im Allgemeinen wird für die Schaffung eines Werkes in erheblichem Maße auf den öffentlichen Schatz an Schöpfungen zurückgegriffen. Die Rückführung von Werken in den öffentlichen Raum ist daher nicht nur berechtigt, sondern im Sinne der Nachhaltigkeit der menschlichen Schöpfungsfähigkeiten von essentieller Wichtigkeit."
1. Stimmt. Eine neu Idee ist in der Regel eine Kombination aus zwei (oder mehr) bekannten Dingen. Nur: Drauf kommen muss man schon. Beispiel: "Rapante, Rapante!" Wenn er seine Homeproduktion bei youtube reinsetzt - wunderbar. Aber darf ihm jemand die Urheberrechte streitig machen, weil er sich des Kulturgutes "Rapunzel" und der Kulturtechik "Verfremdung" bedient und beides als erster kombiniert?
2. Konsum neuer Ideen, Musik, Kultur; sich unterhalten zu lassen, das als "Rückführung" von Werken zu bezeichnen, ist schon fast zynisch.

"Es sind daher Rahmenbedingungen zu schaffen, welche eine faire Rückführung in den öffentlichen Raum ermöglichen. Dies schließt insbesondere eine drastische Verkürzung der Dauer von Rechtsansprüchen auf urheberrechtliche Werke unter die im TRIPS-Abkommen vorgegebenen Fristen ein."
1. "Fair" klingt gut. Konkreter ging es gerade nicht? Gleiches gilt für die Dauer, wie lange jemand mit seinem Werk Geld verdienen dürfen darf. Und wenn es von Fall zu Fall entschieden werden soll: Wer macht das? Der Staat? Also Ihr? So Ihr es denn bis dahin an die Macht geschafft habt, versteht sich ;-)

Now playing: Tanit Tikaram - Twist in my Sobriety

Quelle für alle Zitate: Piratenpartei