Freitag, Oktober 16, 2009

Kindle: Das Habenwollen hält sich (noch) in gesunden Grenzen.

Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft zur Buchmesse wird das Kindle von amazon auf die Märkte geworfen. (Ganz kurz: Bin ich der Einzige, der „Kindle“ ausspricht wie in „Christkindelmarkt“?) Gedauert hat das gefühlt ewig, zumal Sonys E-Book schon lange erhältlich ist, strategisch nicht doof mit Thalia im Boot. Das E-Book von Sony habe ich aus verschiedenen Gründen bisher liegen lassen, die wichtigsten: Umblättern dauert locker 1,5 Sekunden, ich kann mir nichts ins Regal stellen und mir fehlt der „Fortschritt“. Ich weiß einfach gerne, ob ich noch die Hälfte oder zehn Seiten vor mir habe.

Wie das mit dem Blättern beim Kindle ist, weiß ich nicht, aber ich werde es vermutlich auch erst einmal liegen lassen. Und zwar auch aus Gründen. Wenn ich mich entscheide, mir eine Single auf Vinyl zu kaufen anstatt bei iTunes, dann kostet mich das in etwa drei Euro mehr. Aber dann habe ich was für meine Sammlung. Ich kaufe nicht nur den Inhalt, die Musik, sondern auch den Träger – wenn er denn ansprechend gestaltet ist, sonst geht der Euro an iTunes.

Ich bin also bereit, der bösen Verwertungsindustrie Geld zu bezahlen, wenn sie sich etwas Mühe macht, den Tonträger ansprechend zu gestalten (ich hätte gerne überall noch einen Downloadgutschein dazu, aber das ist ein anderes Thema, wobei, vielleicht auch nicht). Der Buchhandel scheint das anders zu machen. Das neue Buch von Nick Hornby kostet bei Amazon.com fürs Kindle 19 Dollar, das sind etwa 15 Euro (?). Bei Amazon.de kostet es im Hardcover 14,95 Euro, das sind auch etwa 15 Euro.

Was ist denn das für eine Preispolitik? An der Buchpreisbindung kann es eigentlich nicht liegen, denn die gibt es weder in England, noch in den USA. Warum kostet eine Datenübertragung das gleiche wie ein Buch im Hardcover? Und warum kostet bei amazon.com die Datenübertragung sogar mehr als das Buch selbst (15 Dollar)?

Und vor allem: Wer verdient jetzt mehr: Der Verlag? Amazon? Der Autor mit Sicherheit nicht.

Außerdem: Gibt amazon das Kindle frei für Autoren, die ohne Verlag veröffentlichen wollen? Die dann irgendwie selbst entscheiden können, was der Download kostet (oder ob er was kostet)? Und was macht google dann? So lange die E-Books tatsächlich nur Empfangsgeräte für die papierlose Version eines Buches sind, finde ich es eher unspannend. Danach könnte es aber ziemlich interessant werden.

Now playing: Belle and Sebastian – Wrapped up in books

Kommentare:

dieJulia hat gesagt…

Was mich dieser Technologie gegenüber mißtrauisch macht ist ja die Tatsache, daß man dafür auch wieder einen Akku (der bei entsprechendem Bücherkonsum sicher recht rasch schwächelt) , Ladekabel, Softwareupdates etc. braucht. Wohingegen man sich mit einem guten alten Buch ganz oldschool auf die Couch knotzen kann, oder im Sommer in die pralle Sonne (wobei ich mich frage, ob diese Displays wirklich schon so weit sind, daß man ebenda wirklich problemlos zu lesen vermag).

Außerdem finde ich persönlich den Gedanken, abends ein stylisches Plastikdings auf meinem Kopfkissen zu parken, um noch ein paar Seiten zu lesen, einfach irgendwie affig. Abgesehen von der Tatsache, daß so ein anachronistisches Bücherregal einfach sexy ist. Und irgendwie sicherer als ein Haufen Daten, die man vor dem Lesen auf das schicke Gerät laden muß. Meines Wissens sind Zimmerbrände immer noch seltener als Systemabstürze.

Die Dinger sind wohl nicht für Leser, sondern mehr so für technikaffine Early Adopters gedacht, glaub ich. ;)

ramses101 hat gesagt…

Der Akku kann wohl einiges und das Lesen ist erstaunlich entspannt. Wirklich wie Papier. Aber wenn ich ein Buch haben will, dann ist das eben mehr als nur der Inhalt. Anders wird es eben, wenn das Empfangsgerät sich anderen Möglichkeiten öffnet.

Bei amazon kann ich mir das vorstellen, bei der deutschen Verlagslandschaft eher weniger.

fraumaus hat gesagt…

Ich kann mir die Dinger für die Uni, Geschäftsreise etc. recht gut vorstellen, weil unschlagbar praktisch.
Andere Vorteile sehe ich persönlich darin aber (noch) nicht - viel zu ungemütlich. ;-)

Die verlagsfreie Variante ist allerdings eine spannende Sache.

ramses101 hat gesagt…

Stimmt. An der Uni oder überhaupt für Fachliteratur, ggf über irgend eine Flatrate vielleicht ... ich sach ja, Potential hat das Ding, aber null Buch-Charme.

Joshuatree hat gesagt…

Kann man da auch reinkritzeln, so wie ich jetzt?

ramses101 hat gesagt…

Auch eine gute Frage. Könnte man Notitzen machen und die vielleicht sogar per Suchfunktion wieder finden, wäre das ein weiterer Mehrwert.