Freitag, Juni 05, 2009

Liebe Piratenpartei, so wird das nichts mit uns.

Vorweg: Ich mag die Idee der Piratenpartei. Weil ich ein Freund des Aufbrechens bestehender und abgesteckter Parteistrukturen bin, durch die man sich nur noch mit Listenplätzen wühlen kann (deshalb auch mein Engagement für das neue Hamburger Wahlrecht, ich finde den Link in meinem blöden Blog gerade nicht). Ich mag auch ein paar Eurer Ideen. Nur: Ich habe Probleme damit, Euch zu wählen.

Ich habe Probleme damit, Euch zu wählen, weil mir Eure diffusen Einstellungen zum Urheberrecht gegen den Strich gehen (Software klammere ich aus meiner Kritik aus, da steck ich nicht drin). Alternativen hätten hier vielleicht Abhilfe geschaffen, aber die seid Ihr schuldig geblieben. Vage Andeutungen reichen da leider nicht. Was mir sauer aufstößt:

Kurz gesagt: Ihr habt kein Recht über das zu verfügen, was ein anderer erdacht hat, es sei denn, er überlässt es Euch - zu seinen Konditionen. Und die können gehen von "umsonst" bis "nur für geladene Gäste".

Im Prinzip gibt es das mit der CC-Licence, aber das reicht Euch nicht, es muss immer und alles sein, weil sonst die "Kultur in Gefahr" sei. Bzw: Jeder ein "Recht auf Rückführung" der Ideen in sein Portfoilio hätte. Selbst Ideen, die er nie hatte.

(Anmerkung: Die folgenden Zitate stamme alle von hier und ich habe ein bisschen gekürzt, hoffentlich nicht sinnentstellend, falls doch, bitte ich um Vergebung und setze das Herausgekürzte wieder ein. Das erste Zitat ist mir übrigens zu grundlegend, deshalb habe ich es aus dem letzten Teil der das Urheberrecht betrifft nach oben gesetzt. Danach geht es weiter in Originalabfolge)

"Wir erkennen die Persönlichkeitsrechte der Urheber an ihrem Werk in vollem Umfang an."
Nein. Genau das tut Ihr nicht. Ihr erkennt seine Rechte in einem gewissen Umfang an. Aber eben nicht in vollem.

Aber im Einzelnen:

Urheberrecht und nicht-kommerzielle Vervielfältigung

"Die derzeitigen gesetzlichen Rahmenbedingungen im Bereich des Urheberrechts beschränken jedoch das Potential der aktuellen Entwicklung, da sie auf einem veralteten Verständnis von so genanntem "geistigem Eigentum" basieren, welches der angestrebten Wissens- oder Informationsgesellschaft entgegen steht."
1. Wieso veraltet? Was ist denn das neue Verständnis von "so genanntem geistigen Eigentum"?
2. "Geistiges Eigentum" mag ungeschickt formuliert sein - die geistige Urheberschaft bleibt jedoch bestehen. Und wem gehört die Figur einer geschnitzten Figur?
3. a) wer strebt an? b) wieso steht die geistige Urheberschaft der Wissensgesellschaft entgegen? Die geistige Urheberschaft Pythagoras' an seinen Sätzen hat die Mathematik nicht behindert.

Keine Beschränkung der Kopierbarkeit

"Systeme, welche auf einer technischen Ebene die Vervielfältigung von Werken be- oder verhindern ("Kopierschutz", "DRM", usw.), verknappen künstlich deren Verfügbarkeit, um aus einem freien Gut ein wirtschaftliches zu machen. Die Schaffung von künstlichem Mangel aus rein wirtschaftlichen Interessen erscheint uns unmoralisch, daher lehnen wir diese Verfahren ab. "
1. Verknappen sie die Verfügbarkeit nicht nur künstlich, sondern absichtlich. Denn die Werke sind kein
2. "Freies Gut", sondern das Gut dessen, der sie erdacht hat. Ob er sie frei zugänglich machen will, liegt bei ihm - nicht beim Staat.
3. Das Gegenteil nennt man Enteignung und das IST unmoralisch, deshalb lehne ich das ab.

"Darüber hinaus behindern sie (...) berechtigte Nutzung von Werken, erschaffen eine vollkommen inakzeptable Kontrollierbarkeit und oft auch Überwachbarkeit der Nutzer und gefährden die Nutzung von Werken durch kommende Generationen, denen der Zugang zu den heutigen Abspielsystemen fehlen könnte."
1. Wer sollte denn wen für die Nutzung eines Werkes, eines Gedanken, einer Idee berechtigen? Die Partei? Der Staat? Die Gesellschaft? Alle - mit Ausnahme des Erschaffers?
2. Inakzeptabel für wen? Für den, der sich dessen bedienen will, auf das er nicht selbst gekommen ist?
3. Überwachbarkeit? Definiert bitte mal, inwiefern ich "überwacht" werde, wenn ich ein Lied nur dreimal kopieren kann.
4. Also ab jetzt besteht die Gefahr der fehlenden Kompatibilität? Das ist lachhaft. Lässt sich übrigens mit einer zentralen Speicherung umgehen,

Freies Kopieren und freie Nutzung

"(...) Wir sind der Überzeugung, dass die nichtkommerzielle Vervielfältigung und Nutzung von Werken als natürlich betrachtet werden sollte und die Interessen der meisten Urheber entgegen anders lautender Behauptungen von bestimmten Interessengruppen nicht negativ tangiert."
1. Also kann plötzlich nicht mehr mit der reinen Weitergabe eines Werkes Geld verdient werden (denn die hätte man ja gerne umsonst), sondern nur noch mit der kommerziellen Verwertung. Das findet längst statt, nennt sich "Klingelton", ist das Gegenteil von Kunst und muss ja nicht noch unterstützt werden.
2, SIND nämlich die Interessen der Urheber erschreckend oft finanzieller Natur - die freie Verfügbarkeit dürfte diese Interessen durchaus negativ tangieren.

"In der Tat existiert eine Vielzahl von innovativen Geschäftskonzepten, welche die freie Verfügbarkeit bewusst zu ihrem Vorteil nutzen und Urheber unabhängiger von bestehenden Marktstrukturen machen können. "
1. Die Existenz "innovativer Geschäftskonzepte" bestreitet niemand. Und dass die freie Verfügung "aus Versehen" zu ihrem Vorteil genügte, behauptet auch niemand.
2. Aber dass sie den Urheber unabhängiger machen, ist noch lange kein Grund, jenem sein Urheberrecht zu nehmen.

"Daher fordern wir (...) zu fördern, um die allgemeine Verfügbarkeit von Information, Wissen und Kultur zu verbessern, denn dies stellt eine essentielle Grundvoraussetzung für die soziale, technische und wirtschaftliche Weiterentwicklung unserer Gesellschaft dar."
1. Sorry. Bei aller Liebe: Aber wo wird denn die Verfügbarkeit von Information, Wissen und Kultur (!) begrenzt? Über die Wissenschaftsverlage könnten wir reden. Aber schonmal drüber nachgedacht, dass Wissensbildung Geld kostet? Gut, lassen wir die Unis zahlen und das Ergebnis als PDF ins Netzt setzen. Einverstanden. Aber
2. Kultur? Von mir aus: Onlinezentralbibliothek. Für die Urheber, die ihre Werke darin sehen wollen. Für alle anderen: Schutz ihres Schaffens und Respektieren dieses Willens.

Förderung der Kultur

"Wir sehen es als unsere Verantwortung, die Schaffung von Werken, insbesondere im Hinblick auf kulturelle Vielfalt, zu fördern. Positive Effekte der von uns geforderten Änderungen sollen im vollen Umfang genutzt werden können. Mögliche, aber nicht zu erwartende negative Nebenwirkungen müssen bei deren Auftreten nach Möglichkeit abgemindert werden."
1. Wie wollt Ihr die fördern, wenn Ihr den Urhebern ihre Rechte nehmt?
2. "Positive Effekte sollen in vollen Umfang genutzt werden" Tja. An dieser Stelle könnte kommen: Und wie?
3. "Mögliche (...) Nebenwirkungen müssen (...) nach Möglichkeit abgemindert werden" Nochmal: Und wie?

Ausgleich zwischen Ansprüchen der Urheber und der Öffentlichkeit

"Wir erkennen die Persönlichkeitsrechte der Urheber an ihrem Werk in vollem Umfang an."
Ich habe es oben schon gesagt und, glaube ich, gezeigt: Genau das tut Ihr nicht. Ihr erkennt seine Rechte in einem gewissen Umfang an. Aber eben nicht in vollem. Denn "Persönlichkeits"-Recht der Urheber kommt bei Euch nicht mehr vor. Es ist aber m.E. synonym mit dem persönlichen Entscheidungsecht des Urhebers über etwas Geschaffenes. Und das nennt man Urheberrecht.

"Die heutige Regelung der Verwertungsrechte wird einem fairen Ausgleich zwischen den berechtigten wirtschaftlichen Interessen der Urheber und dem öffentlichen Interesse an Zugang zu Wissen und Kultur jedoch nicht gerecht."
Wie sieht der faire Ausgleich aus?

"Im Allgemeinen wird für die Schaffung eines Werkes in erheblichem Maße auf den öffentlichen Schatz an Schöpfungen zurückgegriffen. Die Rückführung von Werken in den öffentlichen Raum ist daher nicht nur berechtigt, sondern im Sinne der Nachhaltigkeit der menschlichen Schöpfungsfähigkeiten von essentieller Wichtigkeit."
1. Stimmt. Eine neu Idee ist in der Regel eine Kombination aus zwei (oder mehr) bekannten Dingen. Nur: Drauf kommen muss man schon. Beispiel: "Rapante, Rapante!" Wenn er seine Homeproduktion bei youtube reinsetzt - wunderbar. Aber darf ihm jemand die Urheberrechte streitig machen, weil er sich des Kulturgutes "Rapunzel" und der Kulturtechik "Verfremdung" bedient und beides als erster kombiniert?
2. Konsum neuer Ideen, Musik, Kultur; sich unterhalten zu lassen, das als "Rückführung" von Werken zu bezeichnen, ist schon fast zynisch.

"Es sind daher Rahmenbedingungen zu schaffen, welche eine faire Rückführung in den öffentlichen Raum ermöglichen. Dies schließt insbesondere eine drastische Verkürzung der Dauer von Rechtsansprüchen auf urheberrechtliche Werke unter die im TRIPS-Abkommen vorgegebenen Fristen ein."
1. "Fair" klingt gut. Konkreter ging es gerade nicht? Gleiches gilt für die Dauer, wie lange jemand mit seinem Werk Geld verdienen dürfen darf. Und wenn es von Fall zu Fall entschieden werden soll: Wer macht das? Der Staat? Also Ihr? So Ihr es denn bis dahin an die Macht geschafft habt, versteht sich ;-)

Now playing: Tanit Tikaram - Twist in my Sobriety

Quelle für alle Zitate: Piratenpartei

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Wie kommst du darauf, dass Urheberrecht hätte irgendetwas mit einem kommerziellen Verwertungsrecht zu tun? Bitte erst lesen, dann reden!

ramses101 hat gesagt…

Was denn lesen? Bei den Piraten steht darüber ja nichts. Der Urheber sollte aber die kommerziellen Verwertungsrechte haben - es sei denn, er wurde schon fürs Urheben bezahlt, zum Beispiel von einer Uni.

Ich komme darauf, dass Urheberrecht etwas mit der kommerziellen Verwertung zu tun hat, weil nur der Urheber das Recht hat zu entscheiden, was mit seinen Urhebungen geschieht. Will er sie verschenken, verschenkt er sie. Will er sie verkaufen, verkauft er sie.

Dass die kommerzielle VErwertung momentan nicht gerade den Urhebern zugute kommt, bestreitet ja keiner.

German Psycho hat gesagt…

Zunächst einmal verstehe ich den Gedanken der Piraten. Leider ist mal wieder das Gegenteil von gut: gut gemeint.

Ein großes Problem neuer Parteien ist meines Erachtens, daß sie zwar Forderungen erheben, die etwas Positives bewirken sollen, es aber in der Realität gar nicht täten.

Nehmen wir das Beispiel der Urheberrechte: Die Piraten wollen, daß das Wissen in der Gesellschaft insgesamt zunnimmt. Ein positiver Aspekt.

Sie sagen also, daß der Einzelne kein Recht darauf hat, seine Forschungen für sich zu behalten und kommerziell zu vermarkten.

Der Effekt ist nun aber nicht, daß daraufhin mehr Forschungsergebnisse bereitgestellt werden, sondern zunächst einmal, daß weniger Leute forschen.

Denn warum sollten sie auch forschen, wenn sie irgendwie ihre Miete bezahlen müssen?

Die Piraten glauben dann daran, daß es innovative Geschäftsmodelle gebe, die das Problem umgehen. Das aber heißt konkret: Der Staat gibt vor, welche Art von Geschäftsmodell ein Unternehmer zu wählen hat. Das wiederum bedeutet in der Konsequenz, daß neue, innovativere Konzepte nicht entstehen, und diese heute vielleicht innovative Konzept in 10 Jahren immer noch angewandt werden müßte, obwohl es bis dahin längst veraltet ist.

Das Problem, das die Piraten ansprechen, ist aber in der Tat ein wesentliches: Patente an sich sind eine sehr gute, sehr liberale, sehr wissenschaftsfreundliche Einrichtung. Wenn diese Patente aber dazu verkommen, sich Dinge patentieren zu lassen, die man noch nicht einmal entwickelt hat, weil man mit diesem Patent Geld von demjenigen einfordern möchte, der letztlich ein ähnliches Produkt tatsächlich entwickelt, dann ist das Konzept der Patente ad absurdum geführt.

Eine Rückführung auf den Grundgedanken der Patente ist also nötig.

ramses101 hat gesagt…

Ich finde ja durchaus, dass wissenschaftliche Aufsätze etc. 1:1 im Internet (Open Access) veröffentlicht werden sollten. Aber das muss man halt den Wissenschaftlern überlassen, die meisten würden das ja durchaus begrüßen.

Das Problem liegt bei der Forderung, es müsse sein. In Forschung und Lehre "muss" aber gar nichts, die sind nämlich frei. Das steht so im GG. Und das ist genau so wenig verhandelbar wie "Eine ZEnsur findet nicht statt".

Bastian hat gesagt…

@german psycho

Die Argumentation bezüglich Forschung und Open Access ist doch Unsinn.

Bei Open Access geht es in erster Linie darum dass diejenige Forschung, die aus Hand der Steuerzahler bezahlt wird, auch für jeden zugänglich sein soll.

Und nicht nur die Forschung wird über die Steuergelder bezahlt sondern auch die Wissenschaftler die diese durchführen. Deshalb wird ,wenn man die Forschung in dem Bereich auf Open Access umstellt, kein Wissenschaftler seine Miete nicht mehr bezahlen können.

Bei der Forschung die von Konzernen durchgeführt wird sieht das natürlich anders aus. Aber darüber haben die Piraten auch gar nichts im Programm, denn es geht allein um über staatliche bzw. von der EU geförderte Forschung.

Bastian hat gesagt…

Oh und @ramses101:

Mit der Einschränkung der Freiheit von Forschung hat das ja nichts zu tun. Auch heute “müssen” Wissenschaftler ihre Ergebnisse ja nirgendswo veröffentlichen. Allerdings sind sie dank des Wissenschafts-Betriebs dazu verdammt sie bei möglichst hoch gerankten Bezahl-Journals zu veröffentlichen. Andernfalls kriegen sie halt keine Forschungsgelder von DFG & Co mehr.

Wieso sollte man das hier nicht ändern können: Veröffentlicht in OA-Journals oder eure Ergebnisse werden als nicht mehr förderungs-würdig angesehen.

ramses101 hat gesagt…

Mach es auf freiwilliger Basis und ich bin sofort bei Euch im Boot. Aber es liegt in der Entscheidung der Wissenschaftler. Das mag auf den ersten Blick kleingeistig sein. Aber das hat die gleiche Flughöhe wie "Eine Zensur findet nicht statt".

Nochmal: Ich finde OA grundsätzlich gut. Aber der geforderte Zwang kann nicht sein. Und da kann man noch und nöcher argumentieren, die Wissenschaft würde ja von Steuergeldern finanziert, deshalb dürfe man da auch Druck ausüben. Nein. Darf man nicht. Das steht aus sehr guten Gründen im GG.

Und eine "kleine Einschränkung" der Freiheit ist genau wie die "kleine Einschränkung der Zensur", gegen die die Piraten ja zurecht auf die Barikaden gehen.

Bastian hat gesagt…

Natürlich wäre es schön wenn sich das auf freiwilliger Basis komplett von selbst umsetzen würde.

Aber ich sehe ehrlich gesagt da kein Problem dass die Forschungsfreiheit des Grundgesetzes beschnitten wird. Denn im GG wird nirgendwo erklärt dass jeder Forscher für jede Art von Forschung vom Staat Geld bekommen muss.

Es steht dann nach einer solchen Reform doch weiterhin jedem Frei die Themen seiner Wahl zu Erforschen und in Publikationen seiner Wahl zu veröffentlichen.

ramses101 hat gesagt…

Es gibt auch Leute, die habebn kein Problem damit, wenn Zensur, Folterverbot etc. Etwas gelockert würden. Nicht, dass ich das auf eine moralische Stufe stellen wollte. Aber all das steht im GG doch nicht ohne Grund. Wer bei Grundsätzlichkeiten die Tür den berühmten Spalt öffnet, steht doch im nächsten Moment in einer geöffneten Tür.

Wie schnell das theoretisch gehen könnte, hat ja die Zeitungsente um die angeblichen Aussagen von Wievilspütz (?) gezeigt.

Ich habe eben ein grundsätzliches Problem damit, wenn Freiheiten beschnitten werden. Und sei es nur die Freiheit der Wahl, wo man publiziert. Mir persönlich würde ja nicht mal ein vernünftiger Grund einfallen, warum ein Forscher, der mit seinen Aufsätzen ja eh kein Geld verdient, NICHT auf OA publizieren sollte.

Aber wenn er seine Gründe hat, dann sollte man ihm schon die Freiheit lassen zu wählen.

Ich versehe nicht, wie eine Partei, die sich linksliberal aufgestellt hat und Künstler, Kulturschaffende, Forscher und sonstige Kreative doch eigentlich unterstützen will, so widersprüchlich agiert.

Bastian hat gesagt…

Ich meinte nicht, dass ich kein Problem darin sehe dass das GG beschränkt wird.

Ich meinte dass im GG einfach kein Wort darüber verloren wird im Sinne der Finanzierung. Deshalb ist es in meinen Augen keine Einschränkung der Grundrechte auf Forschungsfreiheit.

Denn, wenn er Gründe hat nicht unter OA zu veröffentlichen, dann wird er auch nicht dazu gezwungen staatliche Mittel zu verwenden sondern darf sich ja gerne andere Mittel besorgen.

German Psycho hat gesagt…

Bastian, wenn Sie behaupten, daß man Einschränkungen der Freiheit dann zulassen dürfe, wenn die Gemeinschaft dafür bezahlt, dann haben Sie auch sicherlich nichts dagegen, wenn jetzt Hartz-IV-Empfänger überwacht werden, oder?

ningendono hat gesagt…

"Vorweg: Ich mag die Idee der Piratenpartei."
"Kurz gesagt: Ihr habt kein Recht über das zu verfügen, was ein anderer erdacht hat, es sei denn, er überlässt es Euch - zu seinen Konditionen."

nein, tust du nicht.

ramses101 hat gesagt…

Bitte genauer lesen. Mal ganz abgesehen davon, dass das Urheberrecht ja nicht der einzige Programmpunkt ist.

Bastian hat gesagt…

Das seh ich schon vom Grundsatz her auch ein bisschen anders. Wenn eine Gemeinschaft etwas produziert oder sich den Luxus der Forschung gönnt dann sollten die Ergebnisse davon auch ein Gemeingut werden.

Als Beispiel kann (noch) der Straßenbau gelten: Wird von der Gemeinschaft bezahlt und jeder darf das Produkt benutzen. Wenn wir eine Maut bekommen sieht das natürlich anders aus ;)

ningendono hat gesagt…

"das Urheberrecht ja nicht der einzige Programmpunkt ist."

ich kenne ihr offizielles parteiprogramm nicht, aber es ist definitiv ihre wichtigste idee.
es geht einfach darum, dass man menschen nicht verbieten kann zu denken und informationen auszutauschen.
wenn ich eine idee oder ein konzept habe und es aus meinem kopf freilasse, und es auch nur einer person zugänglich gemacht wird, ist es nicht mehr möglich zu verhindern, dass diese idee an alle weitergetragen wird. davon abgesehen können verschiedene leute unabhängig voneinander ähnliche oder gar gleiche ideen haben.

ideen und konzepte müssen genutzt und weiterentwickelt werden. wenn gute, funktionierende ideen oder gedanken in der welt sind, 99% der menschen sie aber nicht umsetzen kann, weil irgendjemand meint, es sei sein "geistiges eigentum", dann ist das einfach eine riesige verschwendung und geld/statusmacherei. soetwas wie geistiges eigentum gibt es nicht. wenn man nicht will, dass ein anderer seine ideen und konzepte verwendet, weil sie für ihn eben ansprechend sind oder weil sie gut sind, dann muss er sie in seinem kopf behalten.
es gibt kein geistiges eigentum ist das, wofür die piratenpartei steht. vielleicht steht es nicht im parteiprogramm (ich habe es nicht gelesen). aber die meisten leute würden dafür kein verständnis haben, weil sie es nicht verstehen, und die diversen lobbies von musik und filmindustrie sind viel zu groß, als dass man mit so einer partei erfolg haben könnte.
wie groß der einfluss dieser lobbies ist sieht man allein daran, dass sie die schwedische regierung unter druck setzen konnten, sich über gesetze hinwegzusetzen und die pirate-bay serverräume zu räumen.

da muss ich auch gar nicht weiter als die zwei zeilen in deinem blog lesen. der erste widerspruch ist so gravierend, dass alles andere dadurch entwertet wird. wenn du die idee nicht kennst, dann schreib einfach nichts darüber. schon gar nicht unter der vorgabe, du würdest sie unterstützen.

ramses101 hat gesagt…

@Bastian: Das Ergebnis von universitärer Forschung IST Gemeingut. Nur kann man FREIE Forscher zu nichts ZWINGEN. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wo das Verständnis-Problem bei etwas so grundsätzlichem wie "Freiheit und Zwang schließen sich aus" besteht. Sind wir uns denn einig, dass die Forschung frei ist (und bleiben soll)? Dann kann ein Zwang zu was auch immer eigentlich keine Option sein. (Du bist frei, zu tun was Du willst, aber um 20 Uhr bist Du zuhause!)

@ningendono. "da muss ich auch gar nicht weiter als die zwei zeilen in deinem blog lesen."

Das hast Du aber getan, denn zwischen diesen beiden Zeilen liegen ja noch ein paar mehr. Zum Beispiel die (die gleich nach deiner erst zitierten kommt), dass sich "Idee" auf die Partei bezieht - nicht auf einen Punkt.

"der erste widerspruch ist so gravierend, dass alles andere dadurch entwertet wird."

Das ist Dein implizierter Widerspruch. Wenn Du Dich damit auseinandersetzen willst, von mir aus. Aber was habe ich damit zu tun? Bei mir sind das (Idee der Partei und Ansicht zum Urheberrecht) zwei Dinge, die man unterschiedlich bewerten und behandeln kann.

"wenn du die idee nicht kennst, dann schreib einfach nichts darüber. schon gar nicht unter der vorgabe, du würdest sie unterstützen."

Und jetzt wird es albern. Du musst von meinem Posting nur zwei Zeilen lesen um eine Meinung (komplettes Posting) beurteilen zu können über ein Programm, dass Du (!) nicht gelesen hast und glaubst trotzdem mir erzählen zu könnnen ich hätte die Idee hiner dem Programm das Du nicht gelesen hast, nicht verstanden?

Wie denn? Wenn Du keins von beiden gelesen hast?

Bastian hat gesagt…

@ramses101 Von der nicht-universitären Forschung habe ich ja auch nie geredet. Mir ging es nur um die Ergebnisse der universitären Forschung. Diese sollten Allgemeingut sein. Sind es aber dank bestehender Strukturen im wissenschaftlichen Verlagswesen nicht mehr.

Und da setzt OA und damit auch die Piratenpartei an.

ramses101 hat gesagt…

Kannst Du mir mal ein Beispiel nennen? Welches Forschungsergebnis ist Dir konkret nicht zugänglich, über das Du gerne verfügen würdest? Ich kann Dir nämlich wirklich nicht folgen.

Die Piraten wollen, dass Ergebnisse im OA veröffentlicht werden statt über Wissenschaftsverlage. Du klingst aber so, als würden die Verlage Ergebnisse nur an ausgewählte Personen herausgeben. Die größten Abonnenten wissenschaftlicher Zeitschriften sind aber Uni-Bibliotheken. Und wer bitte wird da abgewiesen?

Und noch einmal die Frage: Ist die Forschung noch frei, wenn ihr eine Teilfreiheit vom Staat genommen wird?

Wenn ja: Warum dann der Aufschrei aus gleichem Mund, wenn es um einen Teilaspekt der Zensur geht?

Das ist Messen mit zweierlei Maß.

Bastian hat gesagt…

Es gibt tausende von Publikationen die für mich interessant wären auf die ich aber keinen Zugriff kriege.

Und natürlich sind die bei Wissenschaftsverlagen erschienen. Das Problem ist nur: Die lassen sich das auch gut bezahlen. Und die Unibibliotheken haben schlicht nicht das Geld um jedes Journal zu abonnieren, besonders bei den Mondpreisen nicht die Verlage dafür verlangen auch nur Zugriff auf die PDFs zu verlangen.

Das Problem ist: Wir zahlen für die Produktion der Forschung und zahlen in Form von Review-Prozessen sogar dafür dass Forschung überprüft wird. Und müssen dann unsere eigenen Ergebnisse zurückkaufen von Verlagen.

Das komplette Debakel um das momentane Verfahren hab ich hier niedergeschrieben:

http://www.ruleofthirds.de/blog/2009/04/06/open-access-teil-1/
und
http://www.ruleofthirds.de/blog/2009/04/07/open-access-teil-2/

Übrigens: Bei vielen Zeitschriften ist es gar kein Entweder/Oder. Man könnte also durchaus noch in einem Journal seiner Wahl publizieren und zusätzlich OA in Repositories anbieten.

Bastian hat gesagt…

Und ich es kann es nur nochmal sagen:

Forschungsfreiheit bedeutet nicht dass ich als Wissenschaftler vom Staat bedingungslos Geld bekomme sondern dass ich in der Wahl des Themas das ich erforschen bin im Rahmen des Grundgesetzes frei bin.

Von daher verstehe ich deinen Vergleich zur Zensurdebatte einfach nicht.

ramses101 hat gesagt…

Deine beiden Artikel werde ich mir mal durchlesen, fehlt mir gerade die Muße dazu. Aber ohne sie gelesen zu haben sag ich schonmal: Wir sind doch dicht beieinander, was OA angeht. Befürworte ich zu 100% das Einzige (in Worten: Einzige), was ich kritisiere und kritisieren muss, ist der Zwang.

Im GG steht, ich zitiere: "Art 5 (3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung."

Da steht nicht: "Die Freiheit der (Wissenschaft, Forschung und) Lehre beschränkt sich auf die Wahl des Themas."

VErgiss von mir aus den Zensurvergleich, war nur wegen der Parteikompatibilität gewählt und sollte Pate für die notwendige Kompromisslosigkeit hinsichtlich des GG stehen.

Dass sich was ändern muss ist klar. Staatlicher Zwang kann es aber nicht sein. Auch wenn er dafür zahlt. Der Staat kann auch einen Richter zu nix zwingen, obwohl er ihn bezahlt.

Was Deine "tausende Publikationen" angeht nochmal die Bitte um Nennung einer. Das ist keine Taktik nach em Motto "komm doch, komm doch", sondern eine ernst gemeinte Frage.

Meine Uni-Zeit ist schon bisserl her, da gab es noch keine Internetrecherche wie heute. Trotzdem hatte ich Zugriff auf alle Artikel, Essays etc auf die ich Zugriff haben wollte. War alles zu haben*. Vielleicht hatte ich einfach Glück, kann ja sein. Deshalb würde ich das ganz gerne anhand eines konkreten Beispiels ausprobieren.

*Wobei ich zugeben muss, dass man das lernen musste und dass das nicht ganz leicht war. Nannte sich "Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens" und betraf Recherche, Quellenprüfung etc. Heute würde man das wohl "googeln" nennen ;-)

Bastian hat gesagt…

Beispiel für ein Paper auf das ich über die Uni keinen Zugriff kriege: http://dx.doi.org/10.1111/j.1096-0031.2009.00255.x

Der DOI-Link führt direkt zum Verlagsanbieter, selbst aus dem Uni-Netz heraus kein Zugriff weil kein Abo. Habe das Paper schlussendlich von einem befreundeten Kollegen an anderer Uni bekommen. Was im Zweifel nichtmal legal sein dürfte.


Die Frage ist in wie weit die Forderung, das Wissenschaftler die aus DFG etc. ihr Geld haben wollen, auch unter OA publizieren müssen schon Zwang ist finde ich schwierig. Denn auch im jetzigen System gibt es de facto doch Zwang:

a) Wer nicht unbedingt an kurzfristig Erfolgsversprechenden Themen forscht hat es schwer seinen Antrag bewilligt zu bekommen.

b) In jedem Fall sollte zur Bewilligung in Nicht-OA-Journals publiziert werden. Denn nur diese Journals haben den erforderlichen Impact-Factor der dafür sorgt sein Geld zu kriegen.

Und aus dieser Zwickmühle wird man ohne staatliches Eingreifen nicht herauskommen. Denn solange man in Nicht-OA publizieren muss um weiter Geld zu kriegen kann niemand aus dem Kreis richtig ausbrechen.

ramses101 hat gesagt…

Der hier diskutierende Mitunterzeichner des Heidelberger Appells bringt präziser auf den Punkt, was ich eigentlich meine:

http://tinyurl.com/nn6jhq

German Psycho hat gesagt…

Die Verlage lassen sich das bezahlen? Natürlich tun sie das. Können Sie sich eventuell vorstellen, daß der Job des Korrekturlesens auch Geld kostet?

Können Sie sich vorstellen, daß nicht alle Wissenschaftler begabte Schreiber sind? Was also passiert mit dem Forscher, der brillant auf seinem Gebiet ist, aber Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache hat? Beispielsweise ein ausländischer Forscher? Oder einfach nur einer, der nicht gut schreiben kann?

Wenn diese Leute gezwungen werden, ihre Texte im Internet zu veröffentlichen, was geschieht dann? Kaum ein Verlag würde sich die Mühe machen, den Text zu korrigieren, ihn zu layouten, und was alles zur professionellen Produktion einer Veröffentlichung beiträgt, wenn der Text dann frei im Internet steht. Weil das die Erlöse minimieren wird.

Und dafür ist es einfach zu teuer, die Mitarbeiter zu bezahlen.

Es wird der Text also nicht korrigiert und als Bleiwüste im Netz stehen. Dort wird er dann weniger gelesen, weil die Form eben ganz erheblich zur Lesbarkeit und dem Verständnis beiträgt. Die Ergebnisse werden also im Gegensatz zur Idee nicht von mehr Menschen zur Arbeit benutzt, sondern von weniger.

Also müßte man dann wiederum vom Staat aus Korrekturleser und Layouter bezahlen, womit erstens die Sache teurer für alle wird (Bürokratie ist nunmal langsam). Im Endeffekt schaffen wir damit einen staatlich kontrollierten Wissenschaftsverlag, der allerdings für den Forscher kostenfrei ist. Somit können sich die privaten Verlage dagegen nicht behaupten.

Bastian hat gesagt…

Ich kann nur für die Naturwissenschaften sprechen und da sind ihre Einwände so nicht korrekt:

Die Verlage selbst machen doch mit den Papern die veröffentlicht werden gar nichts! Die Korrektur und Review wird für die Verlage ganz kostenlos von anderen Wissenschaftlern erledigt die bereits vom Staat bezahlt werden.

Außerdem ist es mittlerweile auch so weit gekommen dass für alle Abbildungen und Layout-Dinge auch die Forscher in den meisten Fällen selbst verantwortlich sind. Dazu empfehle ich diesen Kommentar von einem meiner Leser: http://www.ruleofthirds.de/blog/2009/04/06/open-access-teil-1/comment-page-1/#comment-86

Dazu:

a) es schreibt in den Naturwissenschaften fast immer ein Team von Forschern die dort schon untereinander korrigieren und für einen (ausreichend) guten Schreibstil sorgen.

b) In Deutsch veröffentlicht sowieso fast niemand. Englisch ist nunmal die Amtssprache der Wissenschaft.

Die Verlage bringen seitens der Paper keinen Mehrwert, für niemanden außer sich selbst.

Open Access will doch auch nicht die Peer Review abschaffen. Von daher würde das Korrekturlesen weiterhin bestehen und auch die Form würde nicht schlechter werden. Denn Wissenschaftler müssen immer noch gelesen werden um etwas bewegen zu können.

German Psycho hat gesagt…

Komisch, ich habe auf Anhieb mehrere Verlage im Netz gefunden, die Arbeiten ohne Kosten für den Autor publizieren.

Eine Argumentation „Die Verlage bringen seitens der Paper keinen Mehrwert, für niemanden außer sich selbst.” ist ein Thema für sich. Das zu diskutieren lohnt sich in meinen Augen nicht.

Anonym hat gesagt…

Danke Ramses für diesen Blog-Beitrag. Die Haltung der Piraten-Partei und ihre Abneigung dagegen, darüber ernsthaft zu diskutieren (es wird mit heise.de-typischer Manier mit: 'Du hast keine Ahnung, halt die Klappe' abgebügelt), gehen mir schon länger extrem gegen den Strich.

Peter

Anonym hat gesagt…

Natürlich ist Wissen gut. Allerdings wird hier sehr spezielles Wissen nachgefragt bzw. als Beispiel dafür genannt, das frei - nein, eigentlich muss es "kostenlos erhältlich" heißen - sein sollte.

Um es mal kurz auf einen Nenner zu bringen:

Diese Gratismentalität kotzt mich an. Es gibt im Internet kostenlose Informationen im Überfluss. Es muss nicht *alles* kostenlos erhältlich sein.

Professor Tiki hat gesagt…

Reichlich naiver, um nicht zu sagen: sich künstlich dumm stellender Artikel. Die Freiheit der Forschung wird massivst durch Copyright begrenzt, das wird dir jeder sagen, der was davon versteht.

Urheberrecht ist und bleibt ein Axiom der kapitalistischen Konkurrenzökonomie. Deswegen kann es nie EINE Antwort auf Urheberrechtsfragen geben. Es gibt immer die Antwort, die im bestehenden System Einzelne gegen Andere verteidigen will, und es gibt die Antwort, die das bestehende System transzendieren will. Deswegen sind diese Urheberrechtsdikussionen in den allermeisten Fällen so schwierig, kontrovers und letztlich sinnlos, weil aneinander vorbei geredet. Mann muss erstmal sagen, was man eigentlich als Fernziel will.

urheber 3000 hat gesagt…

@ professortiki

urheberrechte und patente sind zweierlei dinge.

ramses101 hat gesagt…

Lieber Professor Tiki: Den Text, auf den ich mich mit dem Beitrag beziehe, habe ich verlinkt. Die "Freiheit der Forschung" wird dort nicht erwähnt.

Also wirf es mir nicht vor. Ich habe nur die Dinge in Frage gestellt, die mir komisch vorkommen. Falls du aber auf irtgend etwas in den Kommentaren abspielst, musst du schon konkreter werden, die durchkämme ich jetzt nicht nach Hinweisen.