Dienstag, Juni 30, 2009

Auf ein Wort noch, Piratenpartei (oder zwei, um genau zu sein).

Die Piratenpartei, oder deren Anhänger, bejubeln gerade einen Artikel, der sie eigentlich hätte nachdenklich machen müssen. In diesem Artikel gibt es den hübschen Abschnitt:
Bei genauem Hinsehen unterscheiden sich die Urheberrechtsauffassungen von Mark Getty und seinen Antipoden aus der Piratenbewegung also nicht kategorisch, sondern vor allem politisch: Die Unterhaltungsindustrie will intellektuelles Eigentum monopolisieren, die Piraten wollen es vergesellschaften. In beiden Modellen ist der Künstler nebensächlich.
Und genau das ist der Punkt. Der Künstler wird von der Verwertungsindustrie genau so verarscht, wie er es von der Verwendungscommunity werden würde.

Now playing: Bob Marley -Can't you see?

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

http://wiki.piratenpartei.de/Parteiprogramm#F.C3.B6rderung_der_Kultur

ramses101 hat gesagt…

Erzählt mir doch mal was Neues. Eure abstruse "Rückführung in den öffentlichen Raum" und "Mögliche, aber nicht zu erwartende negative Nebenwirkungen" hatte ich doch schon:

http://blindtextblog.blogspot.com/2009/06/liebe-piratenpartei-so-wird-das-nichts.html

Anonym hat gesagt…

Les mal weiter als die 3 Zeilen ;-)

...Ausgleich zwischen Ansprüchen der Urheber und der Öffentlichkeit...

dir wird sicher dieser Artikel gefallen:

http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,633430,00.html

sorry, es gibt eben (nur) 4 Wahrheiten...und keine Absolute

aber das Lied ist cool!

ramses101 hat gesagt…

Wenn Du meinen Link aufrufst, wirst Du feststellen, dass ich nicht nur drei Zeilen weiter gelesen habe, sondern es nahezu komplett und Zeile für Zeile kommentiert habe.

Zum GEMA-Artikel: Ja, nichts anderes sage ich: Das Urheberrecht muss reformiert werden. Aber, ceterum censeo, das kann nicht mit der staatlichen Entrechtung des Urhebers geschehen.

Edit: Natürlich gibt es nicht DIE Wahrheit. Aber es kann doch wohl keiner in Frage stellen, dass man für Arbeit oder die Ergebnisse einer Arbeit auch bezahlen muss. Einfach nur ein Sprüchlein zu bringen, dass der Ausgleich "fair" sein müsse, reicht nicht.

Zeigt mir Euren Ausgleich und wir werden ja sehen, ob er "fair" ist.

Kiki hat gesagt…

Was ja irgendwie auch nervt bei "Diskussionen" mit vielen Piraten ist, daß sie reflexmäßig auf ihren Urheberrechtspunkt im Parteiprogramm verlinken. Nach dem Motto "Hey, da steht unser Standpunkt, ich muß jetzt nicht mehr selber denken oder auf Argumente eingehen, ich brauch' nur noch verlinken!" Was nicht passt wird passend gemacht.
So kommen die nie aus der Nerd-mit-"RTFM-T-Shirt-Schiene raus.

ramses101 hat gesagt…

Das ist in der Tat seltsam. Hat man eine Gegenposition, wird als völlig selbstverständlich vorausgesetzt, dass man nicht alles gelesen haben kann.

Erinnert mich ein bisschen an früher, als in Foren, wenn man einen Beitrag verbal auseinander genommen hatte, immer erstmal gefragt wurde: "Kannst Du eigentlich lesen?"

Wobei es ja auch anders geht, wie man an den Kommentaren in meinem oben verlinkten Beitrag sieht.

EN3 hat gesagt…

Meine Meinung ist, wir meinen zwar dasgleiche, argumentieren, interpretieren oder verstehen nur anders ;-)
meine persönliche Meinung als Piraten"freund"! ist das der Künstler das bekommt was er verdient! Und dafür gibt es sehr viele positive Beispiele, die ich euch bestimmt nicht weiter erleutern muss, oder? nur der Mainstrem hat es eben noch nicht kapiert. OK GEMA ist auch bischen ein anderes Thema...

ramses101 hat gesagt…

Ob _wir_ in diesem Fall das gleiche meinen, kann ich nicht beurteilen. Da müsstest Du schon konkreter werden: Bekommen Künstler aktuell, was sie "verdienen"? Im Prinzip ja: Der freie Künstler kriegt (hoffentlich) das, was er verdient (im Sinne von "einnimmt"), der gebundene Künstler kriegt auch dass, was er verdient (im Sinne von "vom Verwerter seiner Rechte gezahlt bekommt" - aber dann muss er sie ihm verkauft haben!).

Aber wie bekommen sie das, was sie verdienen, unter der Regierung der Piraten? Ist eine "faire Vergütung" der "Rückführung in die Gemeinschaft" denn auch nur im Ansatz konkret?

Wenn ich ein Holzhaus baue, auf meinem Land. Dann kann man mit der Piratenargumentation herleiten, dass das a) nicht mein Land sein kann, b) nicht mein Holz und c) nicht meine Architektur. Also alles nicht meins. Sondern wessen Besitz? Der Besitz der Gemeinschaft. Na Mahlzeit.

Anonym hat gesagt…

Lies mal das, dann weisste wie es gehen könnte und was die Piraten auch unterstützen.

http://www.gulli.com/news/amanda-palmer-19-000-us-dollar-2009-06-25/

Wer lesen kann ist klar im Vorteil ;)

ramses101 hat gesagt…

Sag ich doch:

Ja, man kann Geld verdienen, ohne einen einzigen Tonträger verkauft zu haben.

Nein, man kein kann Geld verdienen, ohne einen einzigen Ton verkauft zu haben.

Natürlich verdienen Musiker auch Geld ohne Plattenfirma. Aber Euer Entwurf nimmt den Künstlern auch dieses Recht (natürliche Rückführung der Arbeit in mein Wohnzimmer).

Und wenn ein Urheber eine Plattenfirma beauftragen will (soll es ja auch geben) dann soll er das auch machen dürfen.

Genauso wie ich einen Makler beauftrage, wenn ich keinen Bock auf Wohnungssuche habe (was jetzt die Berliner wieder gar nicht nachvollziehen können, schon klar).

Mich würde wirklich mal interessieren, womit die Kommentatoren hier so ihr Geld verdienen und womit sie es verdienen würden, wenn sie das, was sie produzieren, staatlich geregelt, für lau abliefern müssten.

Reddog hat gesagt…

Wenn ich meine bescheidene Meinung hier einbringen darf:

Meine Vorstellung der weiteren Entwicklung ist dass, entweder die Verbraucher ein Wenig was fürs Geld kriegen, oder aber es genauso weiter gehen wird mit Urheberrechtsverletzungen. Wenn ich eine DVD oder CD kaufe, und ich habe eine Sammlung von >1000 DVDs, dann erwarte ich, dass die Qualität gut ist (meistens ja ein Vorteil gegenüber Download), dass ich Extras kriege und was ins Regal stellen kann (Extras werden leider immer weniger) und dass ich das Zeug auch überall abspielen kann und in der Form, wie ich will (das geht schon lange nicht, wegen Kopierschutz, usw). Zusätzlich kommt hinzu, dass z.B. bei einem Computer-Spiel ein verbuggtes Produkt nicht zurückgegeben werden kann, wie es aber bei anderen Produkten (wie Stuhl mit einem zu kurzen Bein) üblich ist.

Die Vorwürfe die daraus entstehen gehen nicht gegen Künstler, sondern gegen die Industrie, die wenig Wert auf gute Leistung und viel Wert auf Einschüchterung und Lobby-Arbeit legt. Das funktioniert aber schlecht, wenn jeder (natürlich illegal aber dennoch) das Zeug auch runterladen kann. Drakonische Strafen und einschränkende Gesetze werden den Widerstand nur verstärken.

Ich bin aber ausdrücklich GEGEN die Behauptung keiner braucht die Publisher. Und bin auch GEGEN kostenlosen Künstlersozialismus. Was die Piraten aber meinen ist, dass man gewisse Rechte als Verbraucher benötigt, wie private Kopie und kein restriktiver Kopierschutz (der übrigens eh nur die normalen Käufer bestraft).

Zur GEMA muss ich nix sagen, die tut Künstlern mehr weh, als dem Verbraucher. Da sollte man eigentlich als Künstler auf die Palme gehen, leider haben die Künstler ebenso wenig zu sagen, wie die Verbraucher.

MC Thomas hat gesagt…

Natürlich ist das dein Holzhaus. Aber wenn ich sage, hey, das gefällt mir, ich baue mir auch ein solches Holzhaus, auf meinem Land, mit meinem Holz und dann werde ich von die verklagt wegen Urheberechtsverletzung, dann läuft was falsch.

Vor allem wenn du das Haus nicht bewohnst sondern nur errichtest hast, damit es möglichst viele nachbauen, die du dann abkassieren kannst.

Man stelle sich nur vor, das Patentrecht hätte es schon zu Zeiten der Erfindung des Rads gegegeben - wir müssten heute vermutlich alle mit sechseckigen Rädern rumfahren.

ramses101 hat gesagt…

@Reddog: Dass die Piraten eigentlich die Industrie meinen, ist mir klar. Und das ist ja auch zu Recht so. Dabei übersehen sie aber, dass sie - es steht nunmal so im Programm, wenn auch mit anderen Worten - den Verbraucher in die Position des Ausbeuters setzen.

@MC Thomas: Dem Kopierargument hält der Hausvergleich logischrweise nicht stand, er sollte ja auch nur den Besitzanspruch illustrieren. Mir ging es ja um den Passus der "Rückführung".

Dass das Urheberrecht reformiert werden muss, stellt ja niemand in Frage. Zum Beispiel finde ich es absurd, wenn ich als Architekt des Hauses, um im Bild zu bleiben, Rechtsansprüche stellen kann, sobald ein Fotograf ein Bild des Hauses veröffentlicht.

Das Rad war übrigens keine originäre Erfindung, sondern eine Entwicklung und fand an vielen Stellen statt.

German Psycho hat gesagt…

Der Beitrag von MC Thomas zeigt wieder erschreckend klar, worin das Problem der Piraten besteht: Idealismus und geringe Akzeptanz der Realität.

Denn MC Thomas sagt ja nicht, daß das Patentsystem im konkreten Fall einiger Softwarepatente falsch sei (was ich noch unterschreiben würde), sondern daß das Patentsystem an sich falsch wäre.

Und da ist er wieder, der Sozialismus, nur diesmal in neuer Form: Geforscht wird sowieso, aber nun müssen die Ergebnisse „dem Volk zurückgegeben” werden.

Dasselbe dachte man auch in bezug auf Konsumgüter. Warum muß es zehn Unternehmen geben, die Brot backen? Warum zwanzig, die Auto herstellen? Wäre das alles nicht viel schöner, wenn die Fabriken uns allen gehörten und es nur jeweils eine für jeden Anwendungsfall gäbe?

Das Ergebnis war weltübergreifend ein #Epic-Fail, um mal im Internetdeutsch zu bleiben.

Und genauso ginge das auch beim Forschen. Unternehmen investieren Millionen von Euro in die Herstellung eines hochkomplexen, aber wirksamen Arzneimittels gegen eine neue Krankheit; sobald diese Forschung durch ist, dürfen aber SOFORT alle anderen Firmen diese Erkenntnisse zur Herstellung eigener Präperate nutzen?

Tolle Idee. Ich jedenfalls würde als erstes meine F&E-Abteilung rausschmeißen. Wozu investieren, wenn ich als Unternehmen nichts davon habe? Sollen doch die anderen machen!

Ja, aber die anderen forschen ja auch nicht. Komisch, am Ende forschen nur noch die Universitäten. Die Forschung wurde wieder „in die Hände des Volkes” zurückgegeben. Und die Ergebnisse? Ja gut, die lassen auf sich warten. Aber wir liegen immer noch im 5-Jahres-Plan.