Donnerstag, März 12, 2009

Guns don't kill people, bullets kill people.

Ich sehe sie vor mir. All die gerunzelten Stirnen und verantwortungsvoll aussehend wollenden Gesichter derer, die wieder nicht begreifen können, wie so etwas passieren konnte. Also nicht der Amoklauf, sondern der Amoklauf mit eigentlich guten Waffen.

Nach Erfurt wurden Pumpguns verboten. Ein guter Tag für die Gegner des privaten Waffenbesitzes und ein guter Tag für gestern - niemand wurde von einer Pumpgun erschossen. Verzeihung: mit einer Pumpgun, denn guns don't kill. Das Argument, auch Messer, Alkohol und sonstiges gefährliches Zeug müsste dann verboten werden, ist überflüssig. Denn vieles von dem, was potentiell tödlich ist, ist verboten. Alkohol am Steuer zum Beispiel. Butterflymesser zum Beispiel (wobei lokale Verbote wie auf dem Kiez natürlich großer Schwachsinn sind). Oder Zyankali zum Beispiel.

Braucht man aber alles. Nicht jeder und nicht immer, aber man braucht hier und da mal Messer zum Schnippeln, ohne Alkohol kein Wein und mit Zyankali können Chemiker sicherlich wichtige Dinge anstellen.

Was also, wenn jemand mit Zyankali unbedingt einen Giftmord durchführen will? Er wird sich nicht daran hindern lassen. Aber er wird es sich schon illegal besorgen müssen - nicht aus der Hausapotheke. Welcher Schulamokläufer hat aber jemals Waffen auf dem Schwarzmarkt besorgen müssen? Ernst gemeinte Frage.

Ob es ein vernünftiges Argument dafür gibt, dass Sportschützen ihre Waffen zuhause und nicht adäquat im Safe eines Clubs aufbewahren müssen, weiß ich nicht, gehört hab ich noch keins, denn das ist normalerweise die Stelle, an der sich die Befürworter für Guns@Home ihrem letzten argumentativen Zipfel zuwenden: Dem Jäger.

Dem kann ich nur entgegnen: Von mir aus. Ein Jäger sollte seine Jagdwaffe zuhause haben dürfen. Genau wie ein Polizist seine Waffe zuhause haben darf. Lässt sich ausschließen, dass diese Waffen missbraucht werden? Natürlich nicht. Aber darum geht es auch gar nicht. Es geht um Minimierung.

(PS: Tippfehler bitte ich zu entschuldigen, die neue Netbooktastatur ist doch etwas gewöhnungsbedürftig)

Kommentare:

Joshuatree hat gesagt…

The one who pulls the
trigger kills.

ramses101 hat gesagt…

Exakt. Vorausgesetzt, er hat es trainiert. Sonst schießt er daneben.

Rainfall hat gesagt…

im schützenklub können die waffen angeblich nicht lagern, weil die clubs dann angeblich zu einem interessaten ziel für "echte" kriminelle werden würden.
was nützt es ausserdem, wenn die waffen da eigentlich lagern müssten und sich keiner dran hält?
auch die aktuell genutzte waffe wäre dem amokläufer nicht zugänglich gewesen, wenn sein vater sich an geltendes recht gehalten hätte (muss der dann eigentlich zur strafe eltern trösten gehen?)
nochmal zurück zu den sportschützen und den schützenclubs: schiessen die da nicht nur mit kleinkaliber??? also, ich als passionierter "call of duty" spieler wäre maximal enttäuscht, wenn ich nach der benutzung eines 1a stg-44 im spiel mit einer langweiligen KK-piffte amok laufen müsste.

ramses101 hat gesagt…

Das Argument der Waffenarsenale, die es zu schützen gelte, sticht in der Tat. Wenn ich radikaler wäre, müsste ich natürlich folgern: Dann sollen die Leute halt nicht Ballern, sondern sonstwas. Aber so weit bin ich noch nicht, wäre auch Quatsch.

Trotzdem: Wenn ich heute durchdrehen würde und Amok laufen wollte, hätte ich ein vorzeigbares Messerarsenal (zwei Messerblöcke + diverse kleinere Küchenmesser) zur Verfügung, einen Baseballschläger, eine Säge und verschiedene Hämmer. Für ne Wumme müsste ich auf den Kiez (oder sonstwohin, was weiß denn ich).

Die mopo schreibt heute, dass 5% aller Amokläufe seit 1966 in westlichen Industrienationen mit illegal besorgten Waffen erledigt wurden. Die restliche 95% hingen bei Vaddi an der Wand.

Wobei auch diese Zahl bei Licht betrachtet Schwachsinn ist, denn wer sich vor seinem Amoklauf Waffen besorgt, der läuft per Definition nicht Amok, sondern plant einen Mord. Amok und Planung schließen sich aus. (Falling down lässt grüßen)

Cornelius H. hat gesagt…

Tach,
Bin zwar Fan von Waffenverboten, allerdings ist leider all zu offensichtlich, dass Verbote seltenst die Ursachen aushebeln. Sonst würd ja niemand koksen, besoffen Auto fahren oder seine Pädophilie ausleben...
Die Frage muss doch sein, wer zu sowas und vor allem warum in der Lage ist. Eine ausgeglichene Person, mit Selbstwertschätzung und funktionierendem sozialem Umfeld lief bisher nie "Amok".

Gruß Cornelius H.

ramses101 hat gesagt…

Völlig richtig. Waffen sind nicht die Ursachen. Aber sehr hilfreich, wenn man möglichst viele Leute umbringen will. Und nochmal: Ich will nicht, dass Waffen verboten wewrden, sondern dass ihre Verfügbarkeit eingschränkt wird.

Hätte es ein durchschnittlicher 17jähriger geschafft, sich spontan illegal eine Knarre zu besorgen? Vielleicht. Es wäre aber um einiges komplitierter gewesen, als bei Papi die Schublade zu durchwühlen.

Die Ursachen hingegen liegen ganz woanders. Und daswird auch nicht dadurch besser, dass ein Durchschnittsjugendlicher wie Tim K. jetzt in den Medien als "Losertyp" charaktisiert wird.

ningendono hat gesagt…

ich bin solange für eine weiterverbreitung von waffen, bis auch der letzte idiot begriffen hat, wie minderwertig menschliche intelligenz ist. scheinbar gab es noch nicht genug tode in der menschlichen geschichte um auch dem letzten klarzumachen, dass nicht waffen das problem sind, sondern das, was leute zu ihrer verwendung führt. und damit suche ich nicht mal zwingend die schuld bei den tätern, sondern darin, welches bild andere menschen bei ihnen hinterlassen. ich kann ihren hass auf die menschen verstehen - vorallem, wenn man sieht, wie andere diese taten letztendlich immer wieder fehlbewerten und wie sie von medien und politikern ausgenutzt werden.