Mittwoch, Februar 18, 2009

Drama-King.

Worauf ich bisher immer guten Gewissens mit „Nein, kenn ich nicht“ antworten konnte:

Kennen Sie das? Sie fotografieren etwas und auf dem Foto ist plötzlich irgend etwas unheimlich anders, so ungefähr wie in den Schauergeschichten vergangener Zeiten, in denen der Hausherr die Familie im Salon der Familienvilla zusammenkommen ließ, alle im Sonntagskleid respektive -anzug, um für ein Foto zu posieren, das dafür gedacht war, die Familienidylle oder was man damals für Idylle gehalten hat, für die Nachwelt festzuhalten, wohl wissend oder wenigstens ahnend, dass die Welt schon sehr bald, wenn nämlich der Krieg zu Ende ginge in dem der Älteste sich gerade vor Verdun beim Vaterland um Ruhm und Ehre bewarb, eine andere sein würde und welches dann nach dem Entwickeln den seltsam durchsichtigen Umriss einer Person neben den anwesenden Familienmitgliedern erkennen ließ, der dem an der Front weilenden Sohn beängstigend ähnlich sah von dem man just am nächsten Tag erfuhr, dass er am Tag des Fototermins in einem feuchten Schützengraben von einer verirrten Kugel getötet worden war?

Ab jetzt kann meine Antwort darauf eigentlich nur noch lauten „Jajaja genau, genau, kenn, ich, jedenfalls so ähnlich!“ Ich bin nämlich meiner Steuerkarte ein bisschen verlustig geworden und musste deshalb ins Einwohnermeldeamt Eimsbüttel. Da gibt es einen Paternoster und bevor man auf der Fahrt nach unten das Erdgeschoss erreicht, wird man ermahnt, dort doch bitte auch auszusteigen, eine Weiterfahrt wäre ungesund. Die genaue Wortwahl lautete: Weiterfahrt lebensgefährlich.

Jedenfalls meine ich, das gelesen zu haben. Angesichts der Tatsachen, dass man zwar einen Paternoster nicht ohne weiteres stoppen kann, das Zeitfenster zum Ausstieg recht begrenzt ist, es sich bei Licht betrachtet aber doch nur um einen verschissenen Fahrstuhl handelt, kam mir die drohende Lebensgefahr irgendwie unverhältnismäßig vor und ich wollte von dem Warnschild ein Foto machen. Das hätte dann einen schmissigen Untertitel bekommen à la „Genau die Ansage, die man an einem Montagmorgen lesen will.“ Jetzt zeigt das Foto aber dummerweise nicht das, was ich gelesen habe, sondern:



Gut, ich war ob der drohenden Gefahr für Leib und Leben etwas in Eile obwohl ich locker noch Sekunden zum Fokussieren und Blitz Einschalten gehabt hätte. Aber hätte mir das mein gefühltes Motiv gebracht? Schauen wir mal genau hin. Da steht: ngefährlich. Und alles, was gestalterisch und orthografisch davor passt, ist ein „u“. Vielleicht war der Montagmorgen also wieder nur halb so dramatisch, wie ich ihn in Erinnerung hatte.

Now playing: Heinz Hülshoff – Et is noch immer joot jejange

Kommentare:

Frank hat gesagt…

Wunderbar!

Anonym hat gesagt…

Da STAND "lebensgefährlich". Genau so, wie auf dem Stück Pappe, das auf meinem Schuhregal lag, keinesfalls "Guarana" sondern "Guantanamo" stand. Die Biester schreiben das dann schnell wieder um, wenn man zum zweiten Mal schaut.

Ganz sicher ist sich da: Das alles (Dramaqueen.

dieJulia hat gesagt…

Ich glaube, das soll ausdrücken n-gefährlich.

also quasi (ich bin nicht so die Mathematik-Queen, eher das Gegenteil) variabel gefährlich.

Mal un-, mal lebensge-.

Ad hat gesagt…

redrum, redrum, redrum

Anonym hat gesagt…

hehehe, fans sehr unterhaltsam