Dienstag, Dezember 29, 2009

Vorschau auf das Jahr 2010

Januar

In Hamburg versuchen Unbekannte, ein Rad zu stehlen, schaffen es aber nicht rechtzeitig vom Polizeiparkplatz. Al Kaida bekennt sich via Twitter zu dem Anschlag und faselt etwas von „mit Ansage“. Der neue Innenminister Karl-Theodor zu Guttenberg dementiert die Meldung, ihm haben entsprechende Berichte vorgelegen, verspricht aber eine zeitnahe und umfassende Prüfung in den Bereich der Erwägung zu ziehen.

Februar

Kindergeld erhalten nur noch Familien, die durch unvorhergesehene Erbschaften unverschuldet in finanzielle Ausnahmesituationen geraten sind. Mit den Einsparungen soll die neue, flächendeckende Überwachung überwachter Plätze gewährleistet werden, nachdem im Januar eine Kamera ausgefallen ist und sich Al Kaida zu dem Anschlag bekannt hat. Der neue Familienminister Karl-Theodor zu Guttenberg zeigt sich empört und dementiert Berichte, die Pläne dazu seien „uralt“.

März

Nach einem sprunghaften Anstieg an Erbschaftsfällen weist die demografische Entwicklung erstmals seit langem wieder einen prozentualen Anstieg der jüngeren Bevölkerung auf. Frank Schirrmacher schreibt das Sachbuch „Jugendwahn – wie das Älterwerden das Aufwachsen verändert“ und wird die Spiegel-Bestsellerliste bis Ende des Jahres nicht mehr verlassen. Experten warnen vor einem Wiederanstieg des Alters, der neue Arbeitsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wiegelt ab und dementiert entsprechende Berichte.

April

Twitter kauft Opel. Das Risikokapital wird von der Bundesregierung mitgetragen nach der Zusicherung, eine Monetarisierung durch User-Generated-Cars (UGC) sei vielleicht denkbar. Er sei sehr zuversichtlich und stolz, diesen Deal mit viel persönlichem Engagement ermöglicht zu haben, so der neue Finanzminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Frank Schirrmacher kündigt medienwirksam an, seinen Twitteraccount (fast neu, nie benutzt) versteigern zu wollen.

Mai

Eine Minifinanzkrise der Kreissparkasse Fallingbostel reicht aus, um das fragile Gebäude Twitter-Opel zum Einsturz zu bringen. Twitter kann gerettet werden, Al Kaida erbt Opel und löst sich daraufhin auf. Social-Media-Experten sehen sich in fast getätigten Prognosen bestätigt und betonen in ungewohnter Einigkeit die Dringlichkeit der Neuorientierung der Unternehmen der alten Schule im Web2.0. Der neue Landwirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hingegen dementiert Berichte, denen zufolge jeder Landwirt twittern müsse, wolle er denn auch in Zukunft bestehen.

Juni

Das Onlineproblem in der Landwirtschaft nimmt immer größere Ausmaße an, Viehhandel findet praktisch nur noch bei Farmville statt, rentiert sich aber immer seltener. RTL startet daraufhin die Dokusoap „Bauer sucht Sau“ und landet damit einen Überraschungserfolg. Frank Schirrmacher schreibt das Sachbuch „Fleischeslust – wie das Essen unsere Verdauung verändert“ und präsentiert es in Kerners neuer Sendung „JBK – nachts um halb zwei“. Der neue Umweltminister Karl-Theodor zu Guttenberg wehrt fast alle Vorwürfe ab, an der Misere Schuld zu sein und schiebt es auf den Entwicklungsminister.

Juli

Das Sommerloch wird rechtzeitig gestopft von Kopierfleisch aus China. Der neue Minister für Entwicklungshilfe Karl-Theodor zu Guttenberg freut sich aufs „späte aber heiß ersehnte“ Angrillen in diesem Jahr, muss sich aber den Vorwürfen stellen, einen ausländischen Markt mit deutschen Steuergeldern zu stützen, die eigentlich für die Katz gewesen wären. Slowenien wird überraschend Weltmeister, findet jedoch in den deutschen Medien kaum Erwähnung, was Trainer Lothar Matthäus verbittert darauf schiebt, dass in den Redaktionen zu wenig Leute säßen, „die wo auch mal Verantwortung übernehmen“. (Anm. d. Red.: "nehmen" as in "nähmen")

August

Hartmuth Mehdorn, CEO der insolventen Beratungsagentur „Karriere auf tausend Zügen“ (kurz: KATZ), fordert in Kerners neuer Sendung „JBK – nachts um halb drei“ ein entschiedeneres Eingreifen des Staates um der Wirtschaft das Erwirtschaften zu ermöglichen. Der neue Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg twittert lakonisch „LOOOOOL Erzähl DU mir was von Wirtschaft ^^ #Bahn #Börse #Epic-Fail #pwned“.

September

Auf der Buchmesse stellt Altkanzler Gerhard Schröder sein Buch „So hammwa nich gewettet!“ vor. Darin beschreibt er erstmals den Deal, der ihn bewogen hat, den Machtwechsel herbeizupoltern. Kanzlerin Merkel reagiert verschnupft, der neue Gesundheitsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wünscht gute Besserung.

Oktober

Barack Obama erhält den Literaturnobelpreis für die Ankündigung, in Zukunft vielleicht sämtliche Keksrezepte seiner Frau schriftlich festzuhalten. Der Friedensnobelpreis geht an Twitter wegen der Nummer mit Opel und Al Kaida, der lange favorisierte neue Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg geht trotz seines Einsatzes für die Ächtung hässlicher Uniformen überraschenderweise leer aus und schreibt ein wütendes Vorwort für Frank Schirrmachers neues Buch „Tweed oder Tweet – wie Buchstaben unsere Wörter verändern“.

November

Boris Becker heiratet die T-Shirt-Designerin Mandy Müller-Weiden woraufhin Lothar Matthäus sich weigert, weiter Unterhalt für das gemeinsame Kind zu zahlen, obwohl er natürlich jemand sei „der wo gerne Verantwortung übernimmt“. Uli Hoeneß ruft trotzdem nicht an, dafür aber der neue Bildungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der Matthäus für den Ausbau der Hochbegabtenförderung gewinnen kann.

Dezember

Nach einer unangemeldeten Fahrt mit dem Dienstwagen zum Kiosk gerät der neue Verkehrsminister Karl-Theodor zu Guttenberg unter Druck. Außenminister Westerwelle fordert aus Versehen und alter Gewohnheit Neuwahlen, eine bei ihrer Neujahrsansprache dauergrinsende Bundeskanzlerin sorgt in den Medien für wilde Spekulationen.

Kommen Sie bitte alle gut ins neue Jahr.

Now playing: Jimi Hendrix – Auld Lang Syne

Mittwoch, Dezember 16, 2009

Springer stößt das Hamburger Abendblatt von der Klippe.

Wenn schon der erste Satz Quatsch ist, lohnt es sich weiterzulesen:
"Seit heute profitieren Zeitungsabonnenten."
Tja. Da ist man als Abonnent doch geneigt, „endlich!“ zu rufen, jedenfalls bis man dann erfährt, was überhaupt gemeint ist:
"Für sie ist abendblatt.de kostenlos. Alle anderen zahlen 7,95 Euro im Monat für Berichte aus Hamburg und dem Norden."
Das steht ernsthaft da:
"Alle anderen zahlen 7,95 Euro im Monat."
Im Indikativ. Anstatt korrekt zu formulieren: "würden zahlen, wenn sie denn wollten". Da kommt natürlich die Frage auf, ob das Schlampigkeit oder Trotz war. Ich tippe auf Trotz, der in der Redaktionssitzung natürlich noch Kampfgeist hieß. Dabei hat das Hamburger Abendblatt ja im Prinzip Recht:
"Denn Qualitätsjournalismus ist per se eben nicht kostenlos, sondern kostenintensiv. Wer Qualitätsjournalismus zum Nulltarif will, will keinen Qualitätsjournalismus."
Dem möchte ich vorsichtshalber hinzufügen: Wer Qualitätsjournalismus verkaufen will, muss Qualitätsjournalismus anbieten. Aber das wird Springer schon bedacht haben. Oder nicht?

Es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr die Medien darauf pochen, dass das, was sie abliefern, Qualitätsjournalismus sei. Die einzige Hürde, die bloßer Inhalt auf dem Weg zum Qualitätsjournalismus zu nehmen hat, scheint die ins Blatt zu sein. Die Qualität des Inhalts ist es jedenfalls nicht, die ihn beim Hamburger Abendblatt zu Qualitätsjournalismus macht. Auch wenn dieser Inhalt ein – zumindest nach meinem Dafürhalten – wichtiges Kriterium erfüllt: Er lässt einen mit offenem Mund staunend innehalten. Leider liegt das weniger an der Brillanz des Geschriebenen als vielmehr an dem völligen Ausblenden des Faktischen:
"Als das Internet aufkam, war die Begeisterung für die neue Technik lange größer als der Sachverstand. Berauscht von den Möglichkeiten des weltweiten Webs vergaß man das Naheliegende, nämlich Geld zu verdienen."
Das floss tatsächlich aus der Feder des Autors, der meint, Qualitätsjournalismus abzuliefern: Im Internet wird kein Geld verdient. Wie bitte? Ach so: man verdient kein Geld. Jetzt kann es natürlich sein, dass das Hamburger Abendblatt mit „man“ eigentlich das Hamburger Abendblatt und seine armen Geschwister meint, aber dann hätte der Schreiber das ja auch so formuliert. Qualitätsjournalismus, nich nich?

Der größte Witz an der Sache ist allerdings, dass man lediglich die Schlagzeilen googeln muss, um die Artikel trotzdem lesen zu können - wenn man sich die Mühe machen will.

Now playing: Evis – Crying in the chapel

Donnerstag, Dezember 03, 2009

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen.

Datenschutz, Privatsphäre, Facebook, dünnes Eis und so. Hat eigentlich irgend jemand den offenen Brief von Mark Zuckerberg tatsächlich gelesen? Falls nicht, hab ich die entscheidende Stelle (Klick = groß) mal herausgehoben:



Nicht, dass mir nachher wieder jemand kommt mit „habichnichtgewusst“.

Now playing: A-ha – I wish I cared

Freitag, November 27, 2009

Cogito online ergo sum.

„We welcome you on board of da interwebs. Please fasten your seatbelts and enjoy the flight.“
Frank Schirrmacher nörgelt in seinem Buch „Payback“ pathetisch über Computer, Technik und das Internet. Er wird zwar nicht müde zu betonen, dass das eben keine Nörgelei und er selbst technisch durchaus auf der Höhe der Zeit sei. Das nimmt ihm nur keiner ab und das musste die Reaktionen in der Blogosphäre hervorrufen, die es hervorgerufen hat.

Wahrscheinlich sollte es das auch, in zwei drei Wochen könnte Schirrmacher jedenfalls genüsslich verkünden, er hätte Recht mit seiner These, die Menschen würden sich mehr und mehr Maschinen angleichen, schließlich musste er nur ein paar Knöpfe drücken und die Maschine sprang an und produzierte die gewünschten Blogartikel.

Nun haben die Kritiker ja nicht ganz unrecht mit ihren Schmähschriften, nur leider geht die momentane Debatte ein bisschen am Kernthema vorbei (was allerdings auch an Schirrmacher selbst liegt): Wie verändern Computer und Internet das Denken? Denn dass sie das Denken verändern, sollte auf der Hand liegen. An dieser Stelle wird von Internetcheckern gerne gegähnt und darauf verwiesen, dass es derartige Ängste auch schon bei Buch und Fernsehen gegeben habe. Stimmt, die gab es.

Aber will mir ernsthaft jemand erzählen, Buch und Fernsehen hätten das Denken nicht verändert? Think again. Und auch das Internet und der Rechner müssen das Denken verändern, weil, abgesehen von den Digital Natives, nun mal keiner damit aufgewachsen ist. Das kann man jetzt doof finden, das kann man aber auch gut finden. Nur wird es jeder, pro oder contra Internet, akzeptieren müssen.

Schirrmacher schreibt viel über Multitasking und über Information-Overflow. Zu Multitasking kann ich nicht viel sagen, außer, dass ich kein Problem damit habe, beim Fernsehen zwischendurch zu twittern und gleichzeitig über Konzepte nachzudenken. „Körperverletzung“, wie Schirrmacher diagnostiziert, ist das nicht. Ob das schon das „Neue Denken“ ist, weiß ich allerdings auch nicht.

Das Problem des Information-Overflows hingegen gibt es. Und wenn jetzt Leute erzählen, nicht die vielen Informationen seien das Problem, sondern die unzureichenden Filter, dann ist das unpräzise gedacht. Wenn zu viel Zucker Karies verursacht, dann ist nicht die offene Tür zur Speisekammer das Problem, sondern weiterhin der Zucker in der Kammer. Natürlich verhindert eine geschlossene Tür das Problem und natürlich helfen Filter, Informationen zu bündeln und zu ordnen. Das ändert aber nichts daran, dass wir immer wieder in Situationen kommen, in denen es schlicht zu viele Informationen gibt, um sie vernünftig verarbeiten zu können.

Tim hat auf Twitter geschrieben:
"There's no such thing as too much information. If there was we would immediately die when entering a library, wouldn't we?"
Das ist natürlich überspitzt ausgedrückt, aber ich möchte das Beispiel trotzdem aufnehmen. Die einzige Information, die wir beim Betreten einer Bibliothek bekommen, ist nämlich: Hier gibt es ganz schön viele Bücher (und auch diese Information kommt in der Regel nicht sonderlich überraschend). Der Information-Overflow setzt dann ein, wenn ich mehr Informationen bekomme, als ich gewohnt bin oder erwartet habe.

Wenn ich mich auf einen Segeltriptörn auf der Ostsee vorbereiten will und ein entsprechendes Buch suche, bin ich bei Thalia einfach besser aufgehoben als in der Bibliothek im Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie – obwohl ich mich in letzterer logischerweise tausendmal besser informieren könnte.

Im Internet passiert das ständig, denn im Internet steht eine ganze Menge. Und google versorgt uns mit einer ganzen Menge an Informationen (wenngleich auch hier nur ein Bruchteil dessen durchsucht wird, was das Web eigentlich an Inhalten zu bieten hat. Die unglaubliche Zahl aus dem Jahr 2001: 0,03% ). Es gibt also den Information-Overflow und es gibt aus ihm resultierende Probleme.

Aber er schärft auch das Denken, jedenfalls wenn man sich der Probleme bewusst ist. Wer ungeprüft und ohne zu hinterfragen die Information auf Platz 1 der google-Suche übernimmt und der Quelle glaubt, hat früher oder später verloren (übrigens ein sehr typisches Problem der Digital Natives). Im schlimmsten Fall findet google nämlich nicht denjenigen, der sich mit dem Suchthema am besten auskennt, sondern denjenigen, der sich mit google am besten auskennt.

Das war früher™ etwas anders. Gut, auch vor 30 Jahren haben diejenigen, die mitdachten, eine Information anders bewertet und eingeschätzt, abhängig davon ob sie beispielsweise aus der „Bild“ oder der „NZZ“ kam. Heute gibt es plötzlich unendlich viele Informationsquellen, die in ihrer Qualität mit Sicherheit weiter auseinander liegen, als Zeitungen je hätten liegen können. Ich werde vom Computer tatsächlich permanent zum schärferen Nachdenken und Aufpassen gezwungen. Ich kann also weiter zu Thalia gehen oder ich lerne, in der Bibliothek für Seeschifffahrt zurecht zu kommen.

Und wenn das das „Neue Denken“ ist, dann lass dich mal ganz tüchtig knuddeln, liebes Internetz.

Now playing: Duran Duran - Too much information

Samstag, November 14, 2009

Aber da ist ja noch "Effilee".



Man muss nicht viermal im Jahr mit Gleichgesinnten in der Küche ums Lagerfeuer tanzen. Man muss nur täglich gerne Essen machen. Effilee weiß das und ist deshalb ein besseres Kochmagazin als „Beef“.

Der erste bezeichnende Unterschied schon auf Seite Acht: Rubrik „Halbwissen“, heute: Rosenkohl. Jetzt kann man zu den Themen Halbwissen wie Rosenkohl stehen, wie man will, in der Küche wird man früher oder später mit beidem umgehen können müssen. Im direkten Vergleich zu der albernen Rubrik „musst du können, brauchst du kein Rezept (aber kriegst du trotzdem)“ jedenfalls klarer Punktsieger.

Ich bin zwar kein Freund dieses ganzen k.u.k.-Süßkrams, aber wenn jemand Mehlspeisen machen kann, dann ja wohl die Kollegen aus den südlicheren Gefilden. Folgerichtig die Rezeptstrecke zum Winter: Hüftgold. Krapfen mit Marzipan-Birnen-Füllung, Topfenpalatschinken, Germknödel etcetera. Muss man alles nicht mögen, muss man aber mal gemacht haben.

Sehr schön auch die Texte. Zum Beispiel der über die Ernährungsfindung von Kleinkindern und der über Pferdefleisch. Der erste in „Beef“ undenkbar, der zweite im Prinzip prädestiniert – allerdings mit anderer Tonalität. Es fehlt halt das Tool-Time-Gegrunze, übrig bleiben Unterhaltung und Information (beide Beispiele übrigens von Mädchen verfasst, go figure).

Woran „Effilee“ arbeiten müsste, zumindest nach meinem vorsintflutlichen Verständnis von Vertrieb, ist der Vertrieb. Andererseits gibt es dafür ja das Internet, ich bin ja auch erst über Twitter drüber gestolpert (echt jetzt). Und der Onlineauftritt macht auch Spaß, mit Blogs, Facebookgruppe, Twitteraccount und allem Pipapo.

Now playing: Farin Urlaub - mehr

Donnerstag, Oktober 29, 2009

Mein Senf zu "Beef".

Beef ist in einem Wort: Inkonsequent. In vielen Worten: Nicht schlecht, wenn nur die permanenten impliziten Rechtfertigungen für den hohen Preis von 9,80 Ocken nicht wären, die sich in Beschreibung und Ansprache einer Zielgruppe äußern, die leider in entscheidenden Momenten kaum bedient wird. Wenn es ums Kochen geht, zum Beispiel.

Ob die Tatsache, dass aus verschiedenen Ländern verschiedene Steaks kommen, für den 42-jährigen Christoph aus dem Vorwort eine neue Information ist, kann ich nicht beurteilen. Da er aber über die besten Ölmühlen ebenso diskutiert wie über die besten Safranlieferanten, möchte ich das mal bezweifeln. Außerdem frage ich mich, warum sich die Heftmacher überhaupt die Mühe gemacht haben, das „beste Steak der Welt“ zu ermitteln, wenn in den drei darauf folgenden Zubereitungsarten allen Ernstes „well done“ auftaucht. Ein
“Das ist für ein Filetsteak zwar ein wirklich ungeeigneter Garzustand.“
reicht da nicht. Es ist überhaupt kein Garzustand. Christoph hätte das gewusst. Wenn man
“keine Kompromisse macht“
dann ignoriert man das Gerücht, es gäbe Menschen, die ihr „Steak“ so „zubereitet“ haben wollen.

Die Messerfotostrecke hingegen finde ich ganz wunderbar, wie übrigens überhaupt die Qualität der Fotos und das Layout insgesamt. Außerdem ist alles schön geschrieben (wenn auch die Reportagen durchaus Potential für ein, zwei Seiten mehr gehabt hätten, so was liest man ja nicht in der U-Bahn). Aber dann kommt plötzlich ein Rezept für Tomatensauce. Ich frage mich kurz: warum? und stellvertretend für Christoph blättere ich augenrollend weiter auf der Suche nach etwas, was mich weiterbringt. Das „Lecker (!) Centerfold“ ist dazu durchaus in der Lage, allein schon, weil es die Zubereitung des 4-Gänge-Menüs zeitlich geordnet darstellt. Auch wie man zuhause Mozzarella macht, wusste ich nicht (im Gegensatz zu Christoph, vermutlich), danke dafür. Und wo ich gerade beim Lob bin, erwähne ich auch gleich die Salzrezepte. Sehr schöne Ideen und Anregungen.

Aber dann schlägt wieder die Inkonsequenz zu. Endlich kommt zwar eine Rubrik, die Christoph in seinem Tun bestätigen soll: „Das muss jeder Mann ohne Rezept kochen können.“ Blöd nur, dass, wenn das Heft für Christoph ist, eine Liste völlig gereicht hätte. Doppelt blöd, wenn die „erste Rezeptstrecke der Welt ohne Rezepte“ dann doch mit Rezepten aufwartet, bzw. mit Essen, das ohne Rezept nicht machbar ist. Das mag konfus klingen, aber manchmal habe ich einfach recht. Beispiele:

Hähnchenschenkel kommen vor. Die kriegt man ohne Rezept hin. Man muss nur drauf achten, dass sie durch sind. Im Prinzip ist das alles, "Beef" erzählt trotzdem im „rezeptlosen“ Teil, wie man es macht. Als ob die Gefahr bestünde, dass Christoph Hähnchenschenkel aus Versehen blutig servieren würde, wird verraten: Im Ofen, halbe Stunde, 180 Grad. Was ja völlig ok ist, aber dann nennt es bitte nicht „rezeptfrei“ und wo ich schon in der Rubrik bin: Frikadellen ohne Rezept zu braten, ist unmöglich. Man muss es nicht nachschlagen, aber man muss es kennen.

Fazit: „Beef“ hat eine Zukunft, wenn es ehrlicher wird und seine Wannabe-Christophs als Käufer nicht nur einplant, sondern auch so anspricht.

Now Playing: Miss Platnum – Give me the food

Dienstag, Oktober 20, 2009

Naja irgend so ein Tier halt.

Ich mag ja die Klamotten von Jack Wolfskin, aber wäre ich Richter und ein Anwalt käme mir damit, dass die Darstellung einer Katzenpfote seine Markenrechte an einer Wolfspfote verletzte, ich würde ihn mit Biologiebüchern beschmeißen und vom Hof jagen.

Now playing: Pardon Ms. Ardon - What went wrong

Freitag, Oktober 16, 2009

Kindle: Das Habenwollen hält sich (noch) in gesunden Grenzen.

Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft zur Buchmesse wird das Kindle von amazon auf die Märkte geworfen. (Ganz kurz: Bin ich der Einzige, der „Kindle“ ausspricht wie in „Christkindelmarkt“?) Gedauert hat das gefühlt ewig, zumal Sonys E-Book schon lange erhältlich ist, strategisch nicht doof mit Thalia im Boot. Das E-Book von Sony habe ich aus verschiedenen Gründen bisher liegen lassen, die wichtigsten: Umblättern dauert locker 1,5 Sekunden, ich kann mir nichts ins Regal stellen und mir fehlt der „Fortschritt“. Ich weiß einfach gerne, ob ich noch die Hälfte oder zehn Seiten vor mir habe.

Wie das mit dem Blättern beim Kindle ist, weiß ich nicht, aber ich werde es vermutlich auch erst einmal liegen lassen. Und zwar auch aus Gründen. Wenn ich mich entscheide, mir eine Single auf Vinyl zu kaufen anstatt bei iTunes, dann kostet mich das in etwa drei Euro mehr. Aber dann habe ich was für meine Sammlung. Ich kaufe nicht nur den Inhalt, die Musik, sondern auch den Träger – wenn er denn ansprechend gestaltet ist, sonst geht der Euro an iTunes.

Ich bin also bereit, der bösen Verwertungsindustrie Geld zu bezahlen, wenn sie sich etwas Mühe macht, den Tonträger ansprechend zu gestalten (ich hätte gerne überall noch einen Downloadgutschein dazu, aber das ist ein anderes Thema, wobei, vielleicht auch nicht). Der Buchhandel scheint das anders zu machen. Das neue Buch von Nick Hornby kostet bei Amazon.com fürs Kindle 19 Dollar, das sind etwa 15 Euro (?). Bei Amazon.de kostet es im Hardcover 14,95 Euro, das sind auch etwa 15 Euro.

Was ist denn das für eine Preispolitik? An der Buchpreisbindung kann es eigentlich nicht liegen, denn die gibt es weder in England, noch in den USA. Warum kostet eine Datenübertragung das gleiche wie ein Buch im Hardcover? Und warum kostet bei amazon.com die Datenübertragung sogar mehr als das Buch selbst (15 Dollar)?

Und vor allem: Wer verdient jetzt mehr: Der Verlag? Amazon? Der Autor mit Sicherheit nicht.

Außerdem: Gibt amazon das Kindle frei für Autoren, die ohne Verlag veröffentlichen wollen? Die dann irgendwie selbst entscheiden können, was der Download kostet (oder ob er was kostet)? Und was macht google dann? So lange die E-Books tatsächlich nur Empfangsgeräte für die papierlose Version eines Buches sind, finde ich es eher unspannend. Danach könnte es aber ziemlich interessant werden.

Now playing: Belle and Sebastian – Wrapped up in books

Donnerstag, Oktober 01, 2009

Heut mal lecker prollig.

In der Kolumne Darf man den Herbst duzen? kommt Max Goldt irgendwann zu dem Bekenntnis: „Herbst, wir sind gerne zu Gast in deinem Mantel.“ Das kann ich unterstreichen.

Herr Herbst hat an Eindrücken einfach mehr zu bieten als seine Kollegen. Sogar auf dem Balkon: Der letzte Lavendel ist geerntet worden und wird möglichst kitschig-sophisticated mit Rotwein fotografiert:



Man lernt Rost wieder als Patina zu schätzen und verwelkendes Pflanzgut als Symbol für Vergänglichkeit oder so Zeug:



Den Rosmarin kann man auch im Winter beruhigt auf dem Balkon lassen, das kann der ab, auch wenn er für einige Zeit nicht mehr ganz so duftet, wie auf diesem Bild:



Ein Blick auf die Tomaten, die dann doch noch hervorragend performt* haben, lässt allerdings etwas Wehmut aufkommen, denn Tomaten, Herbst, die kannst du nicht.

Warum Tomaten in Deutschland nicht Paradeiser heißen, ist mir übrigens ein absolutes Rätsel. Denn die Vierländer Krause gehört zu den leckersten Dingen, die der liebe Marduk je geschaffen hat.



Und wenn ich „lecker“ sage, meine ich genau das: Lecker. Ich weiß nicht, wann es angefangen hat, dass „lecker“ plötzlich zum Unterschichtenwort wurde. Ich weiß, dass es in südlichen deutschsprachigen Gefilden traditionell nicht gut ankommt, aber auch da weiß ich wieder nicht, warum und seit wann.

Was ich aber weiß, ist, dass Max Goldt das Wort auch nicht sonderlich mag. Das finde ich zwar komisch, aber das ist natürlich Geschmackssache. In seinem wunderbaren neuen Buch heißt es, das Wort
“sei wirklich nichts als eine harmlose, dumme, lächerliche Mikrobe“
und besser wären Adjektive wie „wohlschmeckend“, „schmackhaft“ oder einfach „gut“.

Nur: Wieso? Schlägt man „lecker“ in der Sprach-Allzweckwaffe Grimm nach, stolpert man nämlich über so manchen Namen, der nicht weiter von Dummheit und Lächerlichkeit entfernt sein könnte, noch dazu in sprachlicher Hinsicht.

Ja, „lecker“ ist etwas unaristokratischer als „wohlschmeckend“. Aber hat sich schon mal jemand nach einem leckeren 6-Gänge-Menü müde zurückgelehnt und mit einem wohligen Seufzer ein „Jössas war das wohlschmeckend“ von sich gegeben? Ein „gut“ mag an dieser Stelle öfter vorkommen – aber was ist falsch an „lecker“? Gut kann auch eine Lesung sein. Aber lecker? Werde ich ihn glatt mal fragen, wenn ich ihm sein Buch auf der nächsten Lesung zum Signieren unter die Nase halte.

PS: Wortmissbrauch in Müslispots ist kein Argument.

Now playing: Cheryl Wheeler – Unworthy

(Mit im Bild: Auf dem Balkon gezogene Galapagos-Tomaten (gelb) und Johannisbeertomaten (rot))

*Nur für euch, liebe Sprachnörgler, nur für euch.

Sonntag, September 27, 2009

Nichtwähler wählen auch.

Das ist eigentlich logisch, trotzdem sehe ich auch in meinem Bekanntenkreis immer wieder Leute, die, aus welchen Gründen auch immer, nicht zur Wahl gehen. Die Gründe dafür interessieren mich tatsächlich nicht die Bohne. Die Rechtfertigungen sind hingegen oft lustig. In den meisten Fällen geht es schlicht darum, das Recht aufs Nichtwählen wahrzunehmen. Und wenn es dabei bliebe - geschenkt.

Das aber reicht den Nichtwählern nicht. Sie wollen es schließlich auch nicht so aussehen lassen, als würden sie ihr Recht auf Auf-dem-Balkon-Sitzenbleiben höher werten als ihr Recht auf die Stimmabgabe. Das tun sie zwar, aber nein, es muss ja eine politische Botschaft dahinter stecken. Dass diese Botschaft nicht ankommt, wenn sie nicht abgeschickt wird, ist auch klar. Politikverdrossenheit heißt das dann nachher in den Analysen und wird sorgenvolle Blicke auslösen.

Und das war es dann. Super Signal, liebe Nichtwähler. Das Schöne daran ist natürlich, dass von den Nichtwählern vier Jahre lange keine Kommentare zur Bundespolitik kommen. Können. Oder etwa doch? Natürlich, denn ich vergaß: Das Nichtwählen ist ja eine hochpolitische und vor Pathos nur so triefende "Handlung". Denn in den Diktaturen dieser Welt gibt es das Recht zuhause zu bleiben eben nicht. Also zeigt man sich solidarisch mit allen, die wählen müssen. Nicht nicht? Whatevah.

Liebe Nichtwähler, bevor ihr tatsächlich nicht wählt, wählt doch bitte wenigstens die Piraten.

Now playing: Depeche Mode - New Dress

Montag, September 14, 2009

Wo ich irrte und wo nicht.

Anfang des Jahres habe ich hier für meine Verhälnisse noch recht zurückhaltend über Starbucks gepöbelt. Starbucks hat nämlich, wie Unternehmen das heute halt machen, für sich eingenommen, Kultur zu fördern, wo doch eigentlich der Verkauf gemeint war. Kulturförderung is nämlich the new Verkaufsförderung, zumindest wenn die Zielgruppe darauf steht.

In einem seltenen Anflug von vorausschauender Vernunft habe ich das wohl irgendwie gutheißen können und nicht völlig zerrissen. Am Samstag Morgen habe ich es dann aktiv unterstützt und mir einen "grande" (?) "Choc Mocca" (?) kaufen müssen, weil der Buchladen noch nicht aufhatte. Der Kaffee war wirklich lecker, auch wenn ich beim nächsten Mal vermutlich auf die Sprühsahne verzichten werde.



Da wo dieser Riesenbecher Kaffee steht, stand bei meinem letzten Besuch in diesem Haus ein Plastiktablett mit ekligem Zeug. Das ist aber auch über 15 Jahre her, ich glaube, das war der letzte Whopper, den ich bei vollem Bewusstsein angerührt habe, "essen" will ich es nicht nennen. Jetzt sieht das da so aus:



Und das ist, Kulturpessimismus hin oder her, ein sehr, sehr guter Schritt in eine sehr richtige Richtung.

An anderer Stelle habe ich mit Spießer Alfons und anderen darüber gestritten, was denn jetzt die widerrechtliche Bemalung von Wahlplakaten eigentlich sei. Die Meinungen gingen von "Gutes Recht, oft lustig" (me) bis zu "Lynchjustiz, Zerstörung von Eigentum, Dummheit und Angriff auf die Demokratie" (andere).

Ich bleibe bei meiner Meinung, möge der neutrale Zuschauer entscheiden, ob "lustig" oder "Lynchjustiz" es besser trifft:



Now playing: Hannes Wader - Das Bürgerlied

Samstag, September 12, 2009

Rock'n'Roll ohne Rock oder Roll.

Wir kommen in Wismar am Hafen bei unserer Hansekogge an und stecken fünf Minuten später in Mittelalterklamotten. Nicht ohne Momente der Verwirrung: „So weit so gut, aber würde das mit google nicht authentischer aussehen?“ Dann müssen wir wieder runter und reihen uns ein in einen Zug, der zum offiziellen Gedöns führt im Zuge der Feierlichkeiten zum 750sten Jahrestag des Schutzbündnisses zwischen Lübeck, Wismar und Rostock. Wir stehen mit vielen Menschen in Filzkleidung vor dem Wismarer Rathaus und hören uns eine Stunde lang an, wie viele Leute nichts sagen. Immerhin: Danach gibt es unerwartet was zu fressen. Und mit „fressen“ meine ich „fressen“. Beim Hansemahl in der Kirche, deren Namen ich vergessen habe..

Gerechnet habe ich für mein erstes Abendbrot auf der Hansekogge mit Pökelfleisch, Hartbrot und einer Zitrone gegen Skorbut. Deshalb war ich leicht überrascht: Etwa 500 Gäste machten sich her über Spanferkel, Sülze, Fisch, Fisch, Fisch, weißen Speck, Eier und Brot, Fisch, viel Wein, viel Bier, Kräuterschnaps, dazu Fisch und Fisch, unterbrochen von Wurst, Eiern, Fleisch und Fisch. Die Gemüsefreunde durften an Kartoffelpuffern knabbern, ich vermute aber, dass das eher als Gag gedacht war. Gesungen wurde auch. Ich singe gerne in der Kirche, gerne auch Seemannslieder in mecklenburgischem Platt.

Dann, sehr viel später, zurück in den Hafen und auf die „Kieler Kogge“ die für die nächsten Tage unser Zuhause sein sollte. Nach Originalvorbild gebaute Koggen gibt es einige, aber nur eine, die tatsächlich nach Mittelalterart betrieben wird. Auf der sind wir ab jetzt unterwegs und deutlich wird das, als ich nach dem Klo frage. Gäbe es zwar auch unter Deck, aber da die Hälfte der Crew schon pennt, wäre es unkollegial, da jetzt Krach zu machen. Toilette gibt es auch an Deck. Open Air. Oben wie unten.

Wenn man dann die Gunst der Stunde nutzen will, um, mal sagen, einer Ente auf den Kopf zu kacken, dann kann man das auf diesem luftigen Lokus wunderbar tun.



(Aber nicht vom Hafenmeister erwischen lassen).

Die erste Nacht an Bord ist anstrengend. 10 Leute unter Deck. Da bleibt es nicht aus, dass jemand schnarcht. Und noch jemand. Und noch jemand. Dem Hansemahl sei Dank, habe ich genug Alkohol intus, um das zu ignorieren. Trotzdem bin ich um 6 Uhr wieder wach. Eine Stunde vorm offiziellen Wecken. Zeit, mal zu schauen, wo ich eigentlich bin (und ein paar Tage bleiben werde):



Der hochsympathische Skipper erzählt später, wie es so an Bord funktioniert. Grundtenor: Gesunder Menschenverstand rulez, das werden auch die erfahrenen Crewmitglieder immer wieder bestätigen – Crewmitglieder (6) wie Gäste (4) müssen gleichermaßen mit anpacken, drücken kann man sich auf einer Kogge nicht so recht. Ansonsten hat der Skipper am meisten Erfahrung und damit logischerweise immer Recht. Jedenfalls wird nicht viel diskutiert, weil es mitunter sehr schnell gehen muss. Wenn man zum Beispiel hört: Warschau Typhon!, dann sollte man besser Bescheid wissen anstatt nachdenken zu müssen.

War-Schau ist eine Mischung aus „Warnung“ und „Schauen“, „Typhon“ bezeichnet die Schiffshupe (also dieses Ding, das ich, wird es auf der Queen Mary 2 an den Landungsbrücken aktiviert, mal schön bis Eimsbüttel hören kann) wenn ich das richtig in Erinnerung behalten habe, was Sie durchaus in Frage stellen dürfen. Spielt aber auch keine Rolle, eine große Ausweichchance hat man jedenfalls nicht. Wenn der Ruf „War-Schau Typhon!“ erschallt und man trotz vorheriger Einweisung noch leicht träumend denkt „Warschau was?“ hupt einem das Typhon längst sämtliche Gedanken von einer Schädelseite zur anderen und pustet sie in einer Schneise der Zerstörung als Lärchenklänge durch das verbliebene Ohr unwiederbringlich hinfort. Aber das mit den Lärchenklängen ist natürlich Theorie, man hört schließlich nichts mehr.

Zu tun gibt es genug, denn, wie gesagt: Das Boot wird nach Mittelalterart geführt und gesegelt. Und zwischen Schippern und Segeln hat der liebe Neptun das Segelsetzen gesetzt. Das wiederum hat, bei 100 qm Grund- und 190 qm Maximalsegelfläche, nichts, genauer: gar nichts, mit dem „Sportsegeln“ zu tun, das man so von Menschen kennt, die rosa Polohemden tragen. Nein: Mittelalterliches Segelsetzen hat viel mit Knochenarbeit zu tun. Mit Bewegungen, bei denen sich jeder Physiotherapeut schaudernd abwenden würde. Mit diesem Ding, heimtückisch verniedlichend „Bratspill“ genannt, wird die Rahe nach oben gekurbelt. Die wiegt geschätzte sechsundzwanzig Tonnen oder so, Segel nicht mitgerechnet.



Aber das Setzen des Segels lohnt sich in jedem Fall, denn Segeln macht Spaß – auch unter Mittelalterbedingungen. Es ist tatsächlich erstaunlich, mit wie viel Logik und mit wie wenig (*hüstel*) Einsatz sich 90 Tonnen Schiff bewegen lassen.

Was folgt, ist Entschleunigung, wie ich sie noch nicht erlebt habe. Auch wenn hier und da mal eine Fähre auf Abfangkurs geht.



Meine Armbanduhr bleibt am ersten Tag um 17 Uhr nochwas stehen, ich ziehe sie nicht wieder auf - die Uhrzeit ist wirklich scheißegal: wann wir im Hafen von Fehmarn ankommen, diktiert eh der Wind. Nach dem Ankommen: Bier, dann Bett. Unter Deck gluckert das Wasser knapp 30 Zentimeter über der Koje laut gegen die Bordwand, aber das ist beruhigender als es sich liest. Und so sieht der Hafen um 6 Uhr (again) morgens aus:



Zu tun gibt es, neben dem Setzen des Segels und dem Anknüpfen der Bonnets, zusätzlicher Segelteile, genug. Seile aufhängen, aufs Meer schauen und so Zeug.



Mächtig was los auf der Ostsee übrigens :



Später am Tag: Sonne, Arbeit, Essen (oft, sehr oft!), Arbeit, Sonne und Knoten lernen. Abends: Vor Dänemark vor Anker gehen. Und das hat mal richtig was.



Am Abend wird gegessen, getrunken und ich schlafe gleich an Deck. Prävention. Wellen schaukeln mich in den Schlaf, Möwen holen mich heraus. 6 Uhr, logisch. Ohne Hafendusche muss Ostseewasser reichen, es wird eh vieles relativ, wenn man auf See ist. Allem voran übrigens: Zeit. Dinge dauern, so lange sie dauern. Und wenn man am Steuer steht und versucht, die Kogge halbwegs gerade auf Kurs Dreidreinull zu halten, dann soll man sich an „Fixpunkten“ am Horizont orientieren aber nie vergessen: „Wolken bewegen sich auch.“



Letzter Tag, 9.00: Pünktlich geht es los. Bei Gegenwind, deshalb leider mit Hilfsmotor (die Kogge kann nicht kreuzen), aber eine Änderung der Windrichtung wurde immerhin vom Wetterbericht angesagt. Und wir wollen schließlich nicht auf lächerliche Hilfsmittel angewiesen sein. Jedenfalls nicht länger als nötig.

9.45: Der Wunschstein geht über Bord mit dem Wunsch nach Nordwind (Stärke 4-5, bitte, wenn wir schon beim Wünschen sind) in spätestens 30 Minuten (wenn sich das ohne Menschenopfer irgendwie einrichten lässt). Nach Tagen der verschworenen Gemeinschaft habe ich ein latent schlechtes Gewissen, weil ich mir parallel (und heimlich) eine Kiste Bier gewünscht habe. Nordwind und Bier bleiben aus, meine Schuld, es muss erst der Mast gestreichelt werden. Und schon dreht der Wind. Ich lüge nicht. Wind = Arbeit, aber das hatten wir schon. Bratspill, my ass!

Irgendwann kommen wir in Kiel an. Und ich bin um einige der besten Urlaubstage reicher, die ich überhaupt haben konnte. Und dringend nötig hatte.

Now playing: Pink Floyd – Comfortably numb

Mittwoch, August 19, 2009

Wen will die FDP eigentlich verarschen?

Immerhin: Zitieren kann man aus der Bibel gut, leider passiert das deshalb viel zu oft. Trotzdem: „Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“ heißt es da bekanntlich. Und obwohl ich als bekennender und wiederholender Sünder nicht nur gerne mit Steinen schmeiße, sondern gerne auch im ebenfalls viel zu oft zitierten Glashaus, bin ich immer wieder schwer beeindruckt, mit was für einer Selbstverständlichkeit in der Politik Gülle vergossen wird über die, die doof genug waren, sich erwischen zu lassen.

Jetzt fordert also der FDP-Mann, Namen hab ich schon wieder vergessen, die Ulla „ultimativ“ auf, sämtliche Urlaubsfahrten mit dem Dienstwagen dem Bundesrechnungshof zur Prüfung vorzulegen.

Da der Bundesrechnungshof anscheinend nicht viel zu tun hat, fordere ich die FDP auf, ihm alles zur Prüfung vorzulegen, was die FDP so ausgibt. Damit uns vor der nächsten Phase des Schnauzeaufreißens erstmal eine lange und besinnliche Zeit des Fressehaltens beschert wird.

Now playing: Die Sterne – Idiotensport

Donnerstag, August 13, 2009

Exklusiv: Wo die Wahlwerbung der CDU wirklich herkommt (aber Vorsicht, schön ist das nicht).

Frager: Wie sind diese Wahlplakate entstanden?
Pofalla: Das ist ein wochenlanger Diskussionsprozess gewesen blablabla.



Nee, is klar. Diese „wochenlangen“ „Diskussionsprozesse“ kenne ich. Statt Ideen stehen wieder nur Deadlines Spalier, also prokrastiniert man bisserl bei Youtube durch die Archive, Sie wissen schon, Flucht nach vorn oder nach hinten, nach damals jedenfalls, als die Welt noch in Ordnung war und plötzlich findet man genau da seine Idee wieder: "Ich habe die Kraft." Schnell noch ein "wir" draus gemacht und fertig ist das Konzept.

Bin ich der Einzige der Angst davor hat, dass Merkel im nächsten Spot ein Schwert aus dem Kostüm zieht, Blitze anzettelt und mit nacktem Oberkörper was von Greyskull faselt?



Now playing: The Choice – Laughing as I pray

Dienstag, August 04, 2009

Improvisationsbloggen: Käsekuchen.

Wenn Sie das nächste Mal beim Speeddating gelangweilt werden, antworten Sie einfach mal bei der ersten auch nur ansatzweise passenden Gelegenheit mit „Käsekuchen“ . Ich kann Ihnen fast garantieren, dass Sie damit automatisch der seltsamste Mensch im Raum sind. Selbst wenn die Frage die nach dem Lieblingskuchen war.

„Käsekuchen“ ist so eine Antwort, auf die man bestenfalls nervöses An-den-Haaren-Zupfen erntet. Käsekuchen ist weder lasziv (Schoko-Chili-Kuchen, Baby), noch ist er nerdy (Kuchen? Das heißt Tortendiagramm) und prollig ist er auch nicht (Mutterkuchen, hähähä). „Käsekuchen“ ist die Antwort, mit der man sein Gegenüber nervös macht, weil es keine angemessene Reaktion darauf gibt.

Das ist ein bisschen wie mit dem Wandern. Wer beim Speeddating – fast per Definition dem hippen Szene-Adel vorbehalten – als „Hobby“ angibt, er würde gerne wandern, der dürfte raus sein. Da bringt es auch nichts, das einfach „Trekking“ zu nennen, denn nach kurzer Beschreibung ebendessen wird das Gegenüber feststellen: Du meinst „Wandern“ und man wird stammeln müssen „äh, ja, im Prinzip ...“ und schon sitzt man mit Brustbeutel, Regenjacke und Rucksack in einer Schublade, aus der man nicht mehr rauskommt.

Und das ist weit befreiender, als es sich anhört. Die Schublade gehört zu den eher geräumigeren und es ist sehr schwierig, darin noch etwas falsch zu machen. Man kann wieder Spezi bestellen statt Weltretterlimonade. Man kann wieder Bier trinken ohne vorher Limettenstückchen durch den Flaschenhals drücken zu müssen. Man kann Schlager wieder doof finden und darf aufhören der „Max“ („der von früher, vor dem Relaunch, als sie noch gut war“) hinterher zu trauern.

Für all das kann man sich auch wunderbar als Spießer beschimpfen lassen. Am besten von den ganz unangepassten. Die so individuell sind, dass sie sich beim Freeclimbing gegenseitig auf die Finger treten und ihre Geheimtipps im Getränkemarkt schon morgens abholen müssen, weil die spätestens am Mittag ausverkauft sind. Anstrengend wird es nur dann, wenn die Spießigkeit wieder in all ihren Facetten in Mode kommt. Kann auch nicht mehr lange dauern, immer nur Ayurveda und Kite-Surfing ist auf Dauer auch anstrengend.

Now playing: Huey Lewis & The News – Hip to be a square

Montag, August 03, 2009

Qualitätsjournalismus. Mal wieder.

Die Verleger überlegen momentan ja fieberhaft, eher noch wie im Fieberwahn, wie man die bösen Blogger aussperren kann, damit ihr Qualitätscontent auch im Internet endlich wieder exklusiv ist. Und wie man Suchmaschinen daran hindert, ihren Content zu finden ohne dass freilich die Suchmaschinenbesucher ausbleiben. Vielleicht sollten sie aber mal ganz andere Dinge überkegen. Wie sie zum Beispiel ihre Klickviehgeneratorstrecken eigenständig und ohne Internet vollkriegen. Exklusiv sozusagen.

Now playing: Wir sind Helden - Die Konkurrenz

Mittwoch, Juli 22, 2009

Seit etwas und für länger auf der Karte: Larmoyanz an Moralinschaum à la Sterbender Schwan.

Die deutsche Blogosphäre ist, wie wir wissen, die reinste der Welt. Sie zu erhalten, zu ehren und zu beschützen ist unser Auftrag. Sie ist gut, edel, frei von Kommerz und ähnlich sündigem Getue. Jedenfalls war sie das bis Satan kam:

„Und er ward geworfen auf die Erde. Und seine Engel wurden auch dahin geworfen.“

Das ist laut Bibel (Offenbarung des Johannes, die Älteren werden sich erinnern) vor einiger Zeit mal passiert und das hat sich wiederholt. Der Teufel ist logischerweise Vodafone. Muss ich noch was verlinken? Die Engel, die gefallenen, sind auch bekannt: Lobo, Schnutinger, Kosmar und wie sie nicht alle heißen (wer noch genannt oder gestrichen werden will, bitte melden, ich bin vor nix fies).

Dem Herrn (?) sei Dank wurden alle Beteiligten von einem moralisch wesentlich höher stehenden Kollektiv, fast hätte ich es Sekte genannt, in den Staub getreten. Hab ich Sekte gesagt? Tut mir leid, gemeint war natürlich Kindergarten. Irgend eine Gruppe eben, die glaubt, ihr kleines Universum gehöre a) ihnen und sei b) wichtig.

Dass das ganz große Kleingeistigkeit ist, hat schon das Schlemmerblog gezeigt. Zeter und Mordio! Ausverkauf! Fehlende Transparenz! Allein: Wen hat das Geschimpfe der Blogosphärischen Inquisition gekümmert? Also: außerhalb des Checker-Kreises? Niemanden? Genau.

Aber ich schweife ab (weil ich es kann). Vodafone hat den ersten Schritt gemacht und wurde böse niedergemacht. Weil man in Deutschland keine Fehler machen darf. Und in Blogland schon gar nicht. Da beneide ich die Amerikaner mit ihrer Kultur, die Fehler adelt. Oder, um es mit Yoda (ihr wisst schon, Yodafone, knick-knack) zu sagen: „There is no try. Do it or don't.“

Das kann man natürlich schöner sagen als George "Mr Dialogue" Lucas und Dan Wieden hat genau das getan mit „Just do it“. Außerdem hat er sich das „Fail“ quasi zum Konzept gemacht: Welcome to Optimism. Andersrum: Embracing Failure. Und wenn Vodafone das macht, ist es in zwei Jahren ganz weit vorne. Da werden auch die Veteranen (weisse noch? Als wir kurz wichtig waren?) nichts gegen tun können.

Ich glaube, dass sich ein paar (gerne auch mehr) Leute einfach mal etwas entspannen sollten. Auch wenn ich natürlich weiß, dass das nicht einfach ist. Jetzt, wo Leute in Stonehenge Blogistan Sachen verkaufen wollen. Schnutinger, das geht vorbei.

Now playing: Nico, Oasis, Blondie & Robert Fripp, Adrian Belew & Martha Wainwright, Ben Becker, Big Ben Tribe, Billy Preston, The Cain Principle, Celtic Frost, Friccion, Iva Davies + Icehouse, Kasabian, Letzte Instanz, Love Like Blood, The Magnetic Fields, Mica, Philip Glass, Sacha Steff & Manuel Armstrong, Six by Seven, TV On the Radio

und natürlich David Bowie – Heroes

Denn DAS, Vodafone und Unterstützer, nehme ICH Euch übel.

Dienstag, Juli 14, 2009

U-Bahn einerseits, Internet andererseits.

Denn als ob das nicht schon schön genug wäre:


Nö, das Internet hat noch ganz andere "zu späts" im Portfolio:
"Most individuals killed in a terrorist act - beat this record"
... und meißeln Sie Ihre Unkenntnis in Stein. Oder in google.

Now playing: Peter Schilling - Ein Tag in der Stadt

Sonntag, Juli 12, 2009

Fahrradfahrversuchfail.

In Hamburg kann man jetzt auch städtische Räder mieten. Super Sache, das. Ich also schön vor ein paar Tagen angemeldet und heute nix wie hin. Und dann stehe ich da vor der Mietstation und traue mich nicht so recht loszulegen, denn es stehen Menschen davor, die es betrachten (skeptisch) und auf dem Touchscreen rumdrücken. Will ich mich nicht dazwischen drängeln.

Zumal es arg peinlich hätte werden können, mit einem souveränen „Ladys, lasst mich doch mal kurz durch“ den Kenner raushängen zu lassen, nur um dann unter den Blicken der Zuschauer nach meinem Log-In-Versuch ein „Es sind keine StadtRÄDER verfügbar“ zu ernten.



Das muss man sich nämlich mal auf der Zunge zergehen lassen: Ich stehe an einer Fahrradstation, will ein Fahrrad mieten und die Station sagt mir hanseatisch zurückhaltend, es wäre gerade keins verfügbar. In Berlin hätte mir der Apparat ob meines Mietversuchs vermutlich erwidert: „JUNGE MACH DIE AUGEN AUF! SIEHST DU HIER IRGENDWO EIN FAHRRAD STEHEN?“

Das wäre allerdings doppelt unhöflich gewesen, denn verunsichert habe ich nochmal nachgeschaut und siehe da:



Zugegeben: Von zwei auf null ist es nicht weit. Aber: Wäre es übertriebene Pedanterie darauf zu bestehen, nach einem schönen Tag im Zoo mit zwei Kindern wieder nach Hause zu kommen, anstatt mit keinem?

Aber gut. Der Regen hätte mich eh kalt erwischt und noch blöder als hilflos zu versuchen, ein Rad loszubekommen, ist es vermutlich, im T-Shirt bei Regen hilflos zu versuchen, das Scheißding wieder elektronisch festzuzurren und kläglich zu scheitern. Am besten noch begleitet von der Meldung an der StadtRAD-Station: „Es ist keine StadtRAD-Station verfügbar.“

Now playing: Roxette – Dressed for Success

Dienstag, Juni 30, 2009

Auf ein Wort noch, Piratenpartei (oder zwei, um genau zu sein).

Die Piratenpartei, oder deren Anhänger, bejubeln gerade einen Artikel, der sie eigentlich hätte nachdenklich machen müssen. In diesem Artikel gibt es den hübschen Abschnitt:
Bei genauem Hinsehen unterscheiden sich die Urheberrechtsauffassungen von Mark Getty und seinen Antipoden aus der Piratenbewegung also nicht kategorisch, sondern vor allem politisch: Die Unterhaltungsindustrie will intellektuelles Eigentum monopolisieren, die Piraten wollen es vergesellschaften. In beiden Modellen ist der Künstler nebensächlich.
Und genau das ist der Punkt. Der Künstler wird von der Verwertungsindustrie genau so verarscht, wie er es von der Verwendungscommunity werden würde.

Now playing: Bob Marley -Can't you see?

Sonntag, Juni 28, 2009

Nicht die Piratenpartei verkackt, sondern ihre Mitläufer.

Es gibt eine Partei, die für sich einnimmt, Internet-Chef zu sein. Gemessen an der #Failquote der etablierten Parteien ist sie das wohl auch. Aber diese Latte gehört zu den eher niedrigen, sie zu reißen ist fast sportlicher, als sie zu nehmen. Und dennoch: Die Piratenpartei schafft es.

Die Piratenpartei versucht dem Rest der Welt klar zu machen, dass ihre Inhalte richtig und vernünftig sind. Und abgesehen von den etwas (gelinde gesagt) weltfremden Ansichten in Bezug auf Urheberrechte, sind sie das auch. Die Piraten versuchen in der Regel, ihre Glaubwürdigkeit mit ihrer Internetkompetenz zu rechtfertigen – die sie im Prinzip haben.

Aber dann kommt sowas: http://www.wahlgetwitter.de/

Wahlgetwitter behauptet, „Die politische Stimmung im Netz“ widerzuspiegeln. Was es natürlich nicht tut. Es liefert stattdessen die Antwort auf die völlig zu Recht nie gestellte Frage: Wer findet eigentlich seine eigene Partei gut und die anderen doof?

Das ist so banal und kindisch, dass ich es meinen Parteimitgängern als Parteiverantwortlicher verbieten würde, diesen Mist mitzumachen. Aber, ach je, das geht ja nicht. Deshalb müssen die Piraten im Internet jetzt damit klarkommen, ständig mit der Internetkompetenz ihrer Mitglieder konfrontiert zu werden, die sich in etwa an oben erwähnter Messlatte orientiert.

„Die Wäsche muss noch gemacht werden #Piraten+ #CDU- #SPD- Grüne- #FDP- „

Viel Spaß noch im RL.

Now playing: Depeche Mode – Fools

Samstag, Juni 20, 2009

Lieber Pfirsich,

Du bist mir momentan erstens lieber als die liebe Politik und zweitens ohnehin mal erwähnenswert, denn bei Licht betrachtet wirst Du völlig unterschätzt. Als Obst jedenfalls, Deine pelzige Haut wird ja seltsamerweise noch und nöcher zitiert.

Erwischt man Dich im richtigen Moment, ist Dein Fleisch zwar fest, aber nicht so knochig wie das des Apfels. Du bist zwar etwas süßer, aber noch lange nicht so aufdringlich wie Deine Mitbewerber, die schon mal etwas anstrengend daher kommen können.

Zugegeben: Dir fehlt es etwas an Säure, aber dafür hat der liebe Dionysos ja den Wein erfunden, in den man Dich schnippeln kann. Das mag zwar etwas prollig sein, aber lecker ist es allemal. Und wenn ich dann in der Sonne sitze und Pfirsich aus Wein löffel und dann noch ein Buch lese, das mich weiterbringt, freut, ärgert, traurig macht oder zum lachen bringt, dann ist das eine Form von Glück. Dafür danke ich.

Wollte ich nur kurz gesagt haben.

Und ich hoffe, das Proletenpack unter meinem Balkon, das sich gerade zofft als gäbe es kein Morgen mehr, stößt irgendwann beim googeln nach "Proletenpack unter meinem Balkon, das sich gerade zofft als gäbe es kein Morgen mehr" auf diesen Beitrag und geht dann sich leise schämend Pfirsiche kaufen. Und vielleicht sogar ein Buch.

Liebe Grüße

ramses101

Now playing: The beatles - Strawberryfields forever

Freitag, Juni 05, 2009

Liebe Piratenpartei, so wird das nichts mit uns.

Vorweg: Ich mag die Idee der Piratenpartei. Weil ich ein Freund des Aufbrechens bestehender und abgesteckter Parteistrukturen bin, durch die man sich nur noch mit Listenplätzen wühlen kann (deshalb auch mein Engagement für das neue Hamburger Wahlrecht, ich finde den Link in meinem blöden Blog gerade nicht). Ich mag auch ein paar Eurer Ideen. Nur: Ich habe Probleme damit, Euch zu wählen.

Ich habe Probleme damit, Euch zu wählen, weil mir Eure diffusen Einstellungen zum Urheberrecht gegen den Strich gehen (Software klammere ich aus meiner Kritik aus, da steck ich nicht drin). Alternativen hätten hier vielleicht Abhilfe geschaffen, aber die seid Ihr schuldig geblieben. Vage Andeutungen reichen da leider nicht. Was mir sauer aufstößt:

Kurz gesagt: Ihr habt kein Recht über das zu verfügen, was ein anderer erdacht hat, es sei denn, er überlässt es Euch - zu seinen Konditionen. Und die können gehen von "umsonst" bis "nur für geladene Gäste".

Im Prinzip gibt es das mit der CC-Licence, aber das reicht Euch nicht, es muss immer und alles sein, weil sonst die "Kultur in Gefahr" sei. Bzw: Jeder ein "Recht auf Rückführung" der Ideen in sein Portfoilio hätte. Selbst Ideen, die er nie hatte.

(Anmerkung: Die folgenden Zitate stamme alle von hier und ich habe ein bisschen gekürzt, hoffentlich nicht sinnentstellend, falls doch, bitte ich um Vergebung und setze das Herausgekürzte wieder ein. Das erste Zitat ist mir übrigens zu grundlegend, deshalb habe ich es aus dem letzten Teil der das Urheberrecht betrifft nach oben gesetzt. Danach geht es weiter in Originalabfolge)

"Wir erkennen die Persönlichkeitsrechte der Urheber an ihrem Werk in vollem Umfang an."
Nein. Genau das tut Ihr nicht. Ihr erkennt seine Rechte in einem gewissen Umfang an. Aber eben nicht in vollem.

Aber im Einzelnen:

Urheberrecht und nicht-kommerzielle Vervielfältigung

"Die derzeitigen gesetzlichen Rahmenbedingungen im Bereich des Urheberrechts beschränken jedoch das Potential der aktuellen Entwicklung, da sie auf einem veralteten Verständnis von so genanntem "geistigem Eigentum" basieren, welches der angestrebten Wissens- oder Informationsgesellschaft entgegen steht."
1. Wieso veraltet? Was ist denn das neue Verständnis von "so genanntem geistigen Eigentum"?
2. "Geistiges Eigentum" mag ungeschickt formuliert sein - die geistige Urheberschaft bleibt jedoch bestehen. Und wem gehört die Figur einer geschnitzten Figur?
3. a) wer strebt an? b) wieso steht die geistige Urheberschaft der Wissensgesellschaft entgegen? Die geistige Urheberschaft Pythagoras' an seinen Sätzen hat die Mathematik nicht behindert.

Keine Beschränkung der Kopierbarkeit

"Systeme, welche auf einer technischen Ebene die Vervielfältigung von Werken be- oder verhindern ("Kopierschutz", "DRM", usw.), verknappen künstlich deren Verfügbarkeit, um aus einem freien Gut ein wirtschaftliches zu machen. Die Schaffung von künstlichem Mangel aus rein wirtschaftlichen Interessen erscheint uns unmoralisch, daher lehnen wir diese Verfahren ab. "
1. Verknappen sie die Verfügbarkeit nicht nur künstlich, sondern absichtlich. Denn die Werke sind kein
2. "Freies Gut", sondern das Gut dessen, der sie erdacht hat. Ob er sie frei zugänglich machen will, liegt bei ihm - nicht beim Staat.
3. Das Gegenteil nennt man Enteignung und das IST unmoralisch, deshalb lehne ich das ab.

"Darüber hinaus behindern sie (...) berechtigte Nutzung von Werken, erschaffen eine vollkommen inakzeptable Kontrollierbarkeit und oft auch Überwachbarkeit der Nutzer und gefährden die Nutzung von Werken durch kommende Generationen, denen der Zugang zu den heutigen Abspielsystemen fehlen könnte."
1. Wer sollte denn wen für die Nutzung eines Werkes, eines Gedanken, einer Idee berechtigen? Die Partei? Der Staat? Die Gesellschaft? Alle - mit Ausnahme des Erschaffers?
2. Inakzeptabel für wen? Für den, der sich dessen bedienen will, auf das er nicht selbst gekommen ist?
3. Überwachbarkeit? Definiert bitte mal, inwiefern ich "überwacht" werde, wenn ich ein Lied nur dreimal kopieren kann.
4. Also ab jetzt besteht die Gefahr der fehlenden Kompatibilität? Das ist lachhaft. Lässt sich übrigens mit einer zentralen Speicherung umgehen,

Freies Kopieren und freie Nutzung

"(...) Wir sind der Überzeugung, dass die nichtkommerzielle Vervielfältigung und Nutzung von Werken als natürlich betrachtet werden sollte und die Interessen der meisten Urheber entgegen anders lautender Behauptungen von bestimmten Interessengruppen nicht negativ tangiert."
1. Also kann plötzlich nicht mehr mit der reinen Weitergabe eines Werkes Geld verdient werden (denn die hätte man ja gerne umsonst), sondern nur noch mit der kommerziellen Verwertung. Das findet längst statt, nennt sich "Klingelton", ist das Gegenteil von Kunst und muss ja nicht noch unterstützt werden.
2, SIND nämlich die Interessen der Urheber erschreckend oft finanzieller Natur - die freie Verfügbarkeit dürfte diese Interessen durchaus negativ tangieren.

"In der Tat existiert eine Vielzahl von innovativen Geschäftskonzepten, welche die freie Verfügbarkeit bewusst zu ihrem Vorteil nutzen und Urheber unabhängiger von bestehenden Marktstrukturen machen können. "
1. Die Existenz "innovativer Geschäftskonzepte" bestreitet niemand. Und dass die freie Verfügung "aus Versehen" zu ihrem Vorteil genügte, behauptet auch niemand.
2. Aber dass sie den Urheber unabhängiger machen, ist noch lange kein Grund, jenem sein Urheberrecht zu nehmen.

"Daher fordern wir (...) zu fördern, um die allgemeine Verfügbarkeit von Information, Wissen und Kultur zu verbessern, denn dies stellt eine essentielle Grundvoraussetzung für die soziale, technische und wirtschaftliche Weiterentwicklung unserer Gesellschaft dar."
1. Sorry. Bei aller Liebe: Aber wo wird denn die Verfügbarkeit von Information, Wissen und Kultur (!) begrenzt? Über die Wissenschaftsverlage könnten wir reden. Aber schonmal drüber nachgedacht, dass Wissensbildung Geld kostet? Gut, lassen wir die Unis zahlen und das Ergebnis als PDF ins Netzt setzen. Einverstanden. Aber
2. Kultur? Von mir aus: Onlinezentralbibliothek. Für die Urheber, die ihre Werke darin sehen wollen. Für alle anderen: Schutz ihres Schaffens und Respektieren dieses Willens.

Förderung der Kultur

"Wir sehen es als unsere Verantwortung, die Schaffung von Werken, insbesondere im Hinblick auf kulturelle Vielfalt, zu fördern. Positive Effekte der von uns geforderten Änderungen sollen im vollen Umfang genutzt werden können. Mögliche, aber nicht zu erwartende negative Nebenwirkungen müssen bei deren Auftreten nach Möglichkeit abgemindert werden."
1. Wie wollt Ihr die fördern, wenn Ihr den Urhebern ihre Rechte nehmt?
2. "Positive Effekte sollen in vollen Umfang genutzt werden" Tja. An dieser Stelle könnte kommen: Und wie?
3. "Mögliche (...) Nebenwirkungen müssen (...) nach Möglichkeit abgemindert werden" Nochmal: Und wie?

Ausgleich zwischen Ansprüchen der Urheber und der Öffentlichkeit

"Wir erkennen die Persönlichkeitsrechte der Urheber an ihrem Werk in vollem Umfang an."
Ich habe es oben schon gesagt und, glaube ich, gezeigt: Genau das tut Ihr nicht. Ihr erkennt seine Rechte in einem gewissen Umfang an. Aber eben nicht in vollem. Denn "Persönlichkeits"-Recht der Urheber kommt bei Euch nicht mehr vor. Es ist aber m.E. synonym mit dem persönlichen Entscheidungsecht des Urhebers über etwas Geschaffenes. Und das nennt man Urheberrecht.

"Die heutige Regelung der Verwertungsrechte wird einem fairen Ausgleich zwischen den berechtigten wirtschaftlichen Interessen der Urheber und dem öffentlichen Interesse an Zugang zu Wissen und Kultur jedoch nicht gerecht."
Wie sieht der faire Ausgleich aus?

"Im Allgemeinen wird für die Schaffung eines Werkes in erheblichem Maße auf den öffentlichen Schatz an Schöpfungen zurückgegriffen. Die Rückführung von Werken in den öffentlichen Raum ist daher nicht nur berechtigt, sondern im Sinne der Nachhaltigkeit der menschlichen Schöpfungsfähigkeiten von essentieller Wichtigkeit."
1. Stimmt. Eine neu Idee ist in der Regel eine Kombination aus zwei (oder mehr) bekannten Dingen. Nur: Drauf kommen muss man schon. Beispiel: "Rapante, Rapante!" Wenn er seine Homeproduktion bei youtube reinsetzt - wunderbar. Aber darf ihm jemand die Urheberrechte streitig machen, weil er sich des Kulturgutes "Rapunzel" und der Kulturtechik "Verfremdung" bedient und beides als erster kombiniert?
2. Konsum neuer Ideen, Musik, Kultur; sich unterhalten zu lassen, das als "Rückführung" von Werken zu bezeichnen, ist schon fast zynisch.

"Es sind daher Rahmenbedingungen zu schaffen, welche eine faire Rückführung in den öffentlichen Raum ermöglichen. Dies schließt insbesondere eine drastische Verkürzung der Dauer von Rechtsansprüchen auf urheberrechtliche Werke unter die im TRIPS-Abkommen vorgegebenen Fristen ein."
1. "Fair" klingt gut. Konkreter ging es gerade nicht? Gleiches gilt für die Dauer, wie lange jemand mit seinem Werk Geld verdienen dürfen darf. Und wenn es von Fall zu Fall entschieden werden soll: Wer macht das? Der Staat? Also Ihr? So Ihr es denn bis dahin an die Macht geschafft habt, versteht sich ;-)

Now playing: Tanit Tikaram - Twist in my Sobriety

Quelle für alle Zitate: Piratenpartei

Donnerstag, Mai 28, 2009

Krisen-PR à la Depeche Mode oder how to never fucking ever do it.

Depeche Mode sind relativ auf Tour. Nach Luxemburg und Tel Aviv sollte es in Athen am 12. Mai weiter gehen, die Vorband trat auf und das war es dann. Aufgrund einer akuten Erkrankung des Sängers wurde das Konzert kurzfristig gestrichen. Blöd für alle Anwesenden, aber so was passiert.

Als nächstes wurde Istanbul gestrichen. Dann Bukarest, Sofia, Belgrad, Zagreb, Warschau, Riga und Wilna. Das nächste Konzert ist in zwei Tagen, in London. Danach geht es weiter auf einem Festival in Holland und dann ist auch schon Deutschlandauftakt in Hamburg. Am 2. Juni. Heute ist der 28. Mai und kein Mensch weiß, ob die Konzerte stattfinden. Niemand weiß, ob der Flug nach London, nach Hamburg, das gebuchte Hotel etc. für die Katz sind oder nicht.

Denn die letzte Stellungnahme ist vom, Tusch: 20. Mai.

Jetzt ist es ja nicht so, dass Depeche Mode im Netz nicht aktive wären. Wobei „aktiv“ es vielleicht nicht ganz trifft. Die Homepage: Stand 20. Mai.



Facebook: Stand 20. Mai.



Twitter: Stand 20. Mai.



Mit anderen Worten: Öffentlichkeitsarbeit findet nicht statt. Öffentlichkeit hingegen findet weiter statt und so entstehen die wildesten Gerüchte von Krebserkrankung über Rückfälle bis Bandauflösung (die im offiziellen Forum putzigerweise zum sofortigen Ausschluss führen, als wäre das der einzige Ort im Netz, an dem sich Fans austauchen könnten). Und das führt vor allem: zu Frust.


(Screenshot aus dem inoffiziellen Forum von dm.de)

Auf allen Plattformen betteln die Besucher um eine offizielle Stellungnahme: Irgendeine. Und das ist es auch, was das Management sagen müsste: Irgendetwas. Ich verstehe nicht, was hinter der Taktik „Klappe halten“ stecken könnte. Natürlich kann es sein, dass – aus welchen Gründen auch immer, mir fällt keiner ein – nichts gesagt werden darf. Aber dann muss man genau das sagen: Wir können nichts sagen.

So wie es momentan abläuft, ist das ein klassischer PR-Gau. Den Kopf in den Sand stecken und das Internet ignorieren. So funktioniert das heute nicht mehr. Setzen, 6.

Update 11.00 Uhr: Es geht doch.

Update 21.52 Uhr: Bevor das mit den Motzmails losgeht: Mir ging es nicht darum, Fan-Interessen über Band-Schicksale zu stellen, mir ging es um die Kommunikationsleistung des Managements.

Now playing: Kendall Payne – Fail

Dienstag, Mai 26, 2009

Private Page Soft.

So lautet das vernichtende Urteil über dieses Weblog auf der Quark-Homepage http://jugendschutzprogramm.de/ und straft meinen hübschen großkotzigen Parental-Button hämisch lachend Lügen. Laut Statistik kommen Leute mit den Suchbegriffen "Nuttenpuff" und "Schlachtung Porno" hier an. Herrgottnocheins was denn noch?!

Now playing: Public Enemy - Sex, Drugs and Violence

Mittwoch, Mai 13, 2009

Man* müsste ...

... viel mehr bloggen. Antizyklisch quasi. Zum Beispiel über die Mopo, die gestern das Interview mit dem Dingens von "Greenpeace Energy" direkt neben der 1/1-Anzeige von Vattenfall gedruckt hat. Oder umgekehrt über Vattenfall. Die werden tatsächlich nicht müde, in der Mopo Anzeigen zu schalten. Obwohl eigentlich jeder gemerkt haben sollte, dass bei der Mopo nicht unbedingt deren Lobbyisten am Start sind.

... langsam mal in den neuen Star-Trek-Film. Aber ich hab ja unbedingt nochmal die Vulkan-Kapitel aus Spock's World lesen wollen, um bei Fehlern auch anständig klugscheißern zu können.

... mehr Bier trinken (ceterum censeo).

*Genauer: ich.

Now playing: Depeche Mode - Something to do

Sonntag, Mai 03, 2009

Aus der Serie "Whish I dunnit"



(Aber: Nicht alles, was im Internet organisiert wird, ist ein Flashmob. Und das da oben schon mal gar nicht.)

Now playing: S.o.

Via Meetinx

Dienstag, April 28, 2009

Der schwarze Trottelmob.

Manchmal hab ich ja das Gefühl, der schwarze Trottelmob wird von den Filialisten bezahlt, die er angeblich vertreiben und fernhalten will. Das wäre jedenfalls eine Erklärung, wenn man sich mit der nächstliegenden – Dummheit – nicht zufrieden geben will. Jahr für Jahr zum 1. Mai ziehen sie durch die Schanze, stecken Autos an und sind alle total systemkritisch. Um die Schanze vor der Kommerzialisierung zu schützen.

Wobei das nicht ganz stimmt: Geschützt werden muss die Schanze natürlich nur vor den bösen Filialisten. Die sollen nicht kommen, weil die doof sind. Die kleinen Inhaber-Läden sollen aber gleichzeitig bleiben, weil die nicht doof sind. Preisfrage: Was ist der Unterschied? Richtig: Die einen haben Geld, die anderen nicht. Versicherung zahlen müssen beide. Und wo muss man mehr Versicherung zahlen als anderswo? Wieder richtig: Da, wo es heftiger zugeht als anderswo. Zum Beispiel, dem schwarzen Trottelmob sei Dank, in der Schanze.

Und so wird auch dieses Jahr wieder der Weg bereitet für die Filialisten, die die Wegbereiter nicht haben wollen: Trottelmob zündet Autos an um bösen Laden fern zu halten, Versicherung erhöht Beiträge, guter Laden kann nicht mehr zahlen und muss raus, böser Laden kommt, Trottelmob wundert sich. Und gibt der bösen Welt die Schuld.

Aber macht ihr mal.

Now playing: Depeche Mode – Told you so

Donnerstag, April 23, 2009

Die JU, die SPD, Sex am Arbeitsplatz und das dämlichste Plakat ever. Reloaded.

Sagt mal Kinder, wofür mach ich das hier eigentlich? 2006 habe ich an dieser Stelle den mangelnden Intelligenzgehalt dieses JU-Sujets aus dem vorangegangenen Wahlkampf zur Sprache gebracht:



Leider war ich damals noch der Meinung, dass sich der Denkfehler jedem denkenden Menschen eigentlich recht zügig offenbaren müsste. Das ist ganz offensichtlich nicht der Fall, denn eben bin ich auf dieses Machwerk gestoßen:



Beide Plakate wollen vermutlich total edgy sein und ein bisschen schlüpfrig und total überraschend auf die Arbeitslosenzahlen hinweisen und dass es nicht weniger werden. Dass das bestenfalls Pennälerhumor ist: geschenkt.

Das Problem dabei ist: Es schafft lediglich ein Bewusstsein für die Millionen von Menschen, die keinen Spaß beim Sex am Arbeitsplatz haben. Die können einem natürlich Leid tun, aber dafür nun auch wieder der SPD die Schuld in die Schuhe schieben?

Besonders lustig ist aber, dass das neue Plakat explizit einen SPD-Absender hat und auch die Bild-Datei mit "SPD-Wahlwerbung" betitelt ist. Kann mir bitte irgend jemand erklären, was das nun wieder soll? Sollte der Macher aus dem konservativen Lager kommen, versteh ich seine Taktik nicht. Sollte tatsächlich ein SPD-Anhänger dafür verantwortlich sein, eine JU-Idee zu nutzen, um seiner eigenen Partei ... was auch immer, ziehe ich meinen Hut vor dieser neuen Bestmarke in Sachen Dummheit. Aber vielleicht ist das ja auch besagte Taktik, die ich nicht verstanden habe.

Nachtrag: Gerade sehe ich, dass es da unten links einen Absender gibt. Kann den jemand entziffern?

Now playing: Kate Havnevik - You again

Neues Plakat via talkingblog

Dienstag, April 21, 2009

Ein Herz für Blogs!

Da muss ich lesen, die deutsche Bloglandschaft stecke in der Depression. Das ist natürlich Quatsch, die twittern gerade nur alle. Und daran, dass die Blogrolle nicht mehr das ist, was sie mal war, sind wohl eher die RSS-Feeds schuld. Aber egal, Dienst ist Dienst:


Ich empfehle ganz entschieden den Heimwerkerkönig Schwarzsicht. Das Tourette-Quintett, auch wenn die Herrschaften mal langsam in die Gänge kommen könnten. Und Social Psycho, eigentlich mehr Projekt als Blog. Meine Blogroll sei natürlich eh jedem ans Herz gelegt. Ceterum censo: Es ist ein Jammer, dass Frau Kein Einzelfall nicht mehr bloggt.

Now playing: Esben Eyermann - Spread the word

Mittwoch, April 15, 2009

"Das Land des Bieres"

Was kann das sein? Bitte raten Sie jetzt. Fertig? Von wegen. Aber sehen würde ich "Beerwars" schon gerne.

Now playing: People like us - Bier Bier Bier Downtown

Via Stephen Fry's Getwitter

Hellseher mit Schwarzem Gürtel in Copywriting.

Gute Nachricht für alle Pechvögel: Da der große Hellseher Professor Bilal nach eigener Aussage nur medium kompetent ist, besteht immerhin eine gewisse Chance, dass er beim bedauernslosen Lösen von Liebe, Gesundheit und Arbeit, bei getürktem Glücksspiel, bei Freiheitsberaubung und bei Schutzgelderpressung nur mäßig erfolgreich sein wird. Euer Geld seid Ihr natürlich trotzdem los, aber das gehört sich auch so.



Now playing: Paulsrekorder - Captain Future

Mittwoch, April 08, 2009

Auweia.

Bayern München lässt sich vorführen. Von Wolfsburg, ok, aber von Barcelona? Gegen die haben sie doch noch nie verloren. So geht das nicht weiter, Klinsmanns Tage dürften gezählt sein. Aber wer wird Nachfolger? Magath zu fragen wird sich Hoeneß nicht trauen, das ist mal sicher. Mein Tipp: Hartmut Mehdorn. Der ist jedenfalls gerade frei.

Now playing: The Choice - Laughing as I pray

Donnerstag, April 02, 2009

Dies ist kein Blogeintrag.

Aber es ist auch kein Tweet. Gibt es was dazwischen? Wenn nicht, dann jetzt. Dies ist ein Bleet (phonetik, anyone?) (eat this, re:publica 10):

Bisherige Generationen haben sich durch neues Kommunikationszeug (Schrift, Buchdruck, Telefon, Fernsehen, Internet, Stuff) immer bedroht gefühlt. Das war nicht schlecht oder gut, das war einfach so und es hat Kritiker hervorgebracht. Kritiker sind allerdings immer gut. In Zukunft wird sich die Kommunikation zu schnell ändern, als dass sich Kritiker formieren könnten - wenn sie fertig sind, gibt es längst was Neues. Kritik wird also mehr und mehr verhallen, weil auch die Kritiker nicht mehr kritisch sind. Das wird schlecht sein, sag ich mal so in den Raum.

PS: Doch kein Bleet, viel zu lang. Einfach nur ein Blogeintrag.

Now playing: Depeche Mode - It's no good*

*ich weiß, ich weiß

Mittwoch, April 01, 2009

Schock beim Schlachten: Alles voller Blut und Gedärme und dann ist auch noch das Tier gestorben!

Sarah Wiener zeigt Kindern, wo das Essen herkommt. Und schon ist die Leserbriefseite der Mopo voll von entsetzten Leserbriefschreibern, die ihren Job erledigen und entsetzte Leserbriefe schreiben. Kann ich verstehen: Ist ja auch blöd, wenn die Blagen plötzlich fragen, ob die Frikadelle früher Klopfer hieß.

Mir war so klar, dass nach dem Artikel gleich wieder über Gebührenverschwendung gepoltert würde, ich hätte drauf wetten sollen. Herr wirf Hirn, gerne auch vom toten Tier.

Now playing: Stereo Total - Do the Bambi

Mittwoch, März 25, 2009

Wieder kein Einkaufsbummel.

Karstadt an der Osterstraße war immer praktisch. Gut erreichbar und mit ordentlich ausgestatteter Gartenabteilung. Jedenfalls die Basics, die man so braucht, Drahtzeug, Terrakottazeug und so. Blöderweise war das alles weg, als ich letztens da war und stattdessen Spielzeug kaufen sollte. Man hat sich nämlich entschlossen, jugendliche Ladendiebe einfach zu bekämpfen, indem man dem Diebstahl den Kick nimmt und die Spielzeugabteilung gleich an die U-Bahn verlegt. Taktisch klug, muss man auch mal zugeben können.



Npw playing: Del Shannon - Runaway

Dienstag, März 17, 2009

Kein Einkaufsbummel.

"Guten Tag. Ich hätte gernen einen schwarzen Rolli, ne alberne Brille und Schuhe, für die ich einfach zu alt bin. Gerne auch in bunt."



Now playing: Roxette - Dressed for success

Donnerstag, März 12, 2009

Guns don't kill people, bullets kill people.

Ich sehe sie vor mir. All die gerunzelten Stirnen und verantwortungsvoll aussehend wollenden Gesichter derer, die wieder nicht begreifen können, wie so etwas passieren konnte. Also nicht der Amoklauf, sondern der Amoklauf mit eigentlich guten Waffen.

Nach Erfurt wurden Pumpguns verboten. Ein guter Tag für die Gegner des privaten Waffenbesitzes und ein guter Tag für gestern - niemand wurde von einer Pumpgun erschossen. Verzeihung: mit einer Pumpgun, denn guns don't kill. Das Argument, auch Messer, Alkohol und sonstiges gefährliches Zeug müsste dann verboten werden, ist überflüssig. Denn vieles von dem, was potentiell tödlich ist, ist verboten. Alkohol am Steuer zum Beispiel. Butterflymesser zum Beispiel (wobei lokale Verbote wie auf dem Kiez natürlich großer Schwachsinn sind). Oder Zyankali zum Beispiel.

Braucht man aber alles. Nicht jeder und nicht immer, aber man braucht hier und da mal Messer zum Schnippeln, ohne Alkohol kein Wein und mit Zyankali können Chemiker sicherlich wichtige Dinge anstellen.

Was also, wenn jemand mit Zyankali unbedingt einen Giftmord durchführen will? Er wird sich nicht daran hindern lassen. Aber er wird es sich schon illegal besorgen müssen - nicht aus der Hausapotheke. Welcher Schulamokläufer hat aber jemals Waffen auf dem Schwarzmarkt besorgen müssen? Ernst gemeinte Frage.

Ob es ein vernünftiges Argument dafür gibt, dass Sportschützen ihre Waffen zuhause und nicht adäquat im Safe eines Clubs aufbewahren müssen, weiß ich nicht, gehört hab ich noch keins, denn das ist normalerweise die Stelle, an der sich die Befürworter für Guns@Home ihrem letzten argumentativen Zipfel zuwenden: Dem Jäger.

Dem kann ich nur entgegnen: Von mir aus. Ein Jäger sollte seine Jagdwaffe zuhause haben dürfen. Genau wie ein Polizist seine Waffe zuhause haben darf. Lässt sich ausschließen, dass diese Waffen missbraucht werden? Natürlich nicht. Aber darum geht es auch gar nicht. Es geht um Minimierung.

(PS: Tippfehler bitte ich zu entschuldigen, die neue Netbooktastatur ist doch etwas gewöhnungsbedürftig)

Dienstag, März 10, 2009

Konjunkturpaket III

Bringt locker mehr als alle bisherigen Pakete, ist allerdings eher begrenzt, was die Empfänger, genauer den Empfänger, genauer die Empfängerin angeht, nämlich Berlin.

Was muss ich da wieder lesen? Coming soon: Das freundliche Berlin. Das "Coming soon": Geschenkt. Aber warum investiert Ihr Millionen in das Bild des freundlichen Berlins, wenn Ihr erkannt habt, dass Berliner zwar freundlich sind, aber nicht so wahrgenommen werden wollen?

Vielleicht weil das "wollen" mehrdeutig ist: Wollen im Sinne von "Wollen wir vom Stadtmarketing" und "Wollen wir als Berlintouristen". Als Tourist will man den stänkernden Hauptstädter. Wenn ich im Bus oder im Taxi ein "Grüßgott" hören will, dann hol ich mir das in Bayern ab.

Hier das versprochene Konjunkturpaket: Investiert die Millionen lieber in eine vernünftige Currywurstbude (Das Vorbild gibts in Hamburg). Von Stadtmarketing versteht Ihr nix.

Now playing: (Ich komm nicht auf den Namen) - Berlin, Berlin (bei Nacht gibts keine Mauer)

Mittwoch, März 04, 2009

Sofa mit Geheimfach.

Ich bin mir nicht sicher, was ich besser finde: Zweimal das gleiche Bild eines Sofas zu zeigen oder die an Satire grenzende Fehlplatzierung der Abstellfläche daran:



Now playing: Depeche Mode - Wrong

Mittwoch, Februar 25, 2009

"Exklusiv" à la Hamburger Abendblatt.

Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass dem Blindtext-Blog exklusiv die Homepage des Hamburger Abendblatts vorliegt, dem wiederum ebenso exklusiv ein Weblog vorliegt.

Zur Erinnerung: Weblogs sind diese Internet-Dinger, bei denen man was ins Internet schreiben kann, was dann von den etwa 1,2 Milliarden Internetnutzern gelesen werden kann. Sternstunden des Journalismus und ich bin dabei. Zeit, ein Tränchen der Rührung zu vergießen.

Now playing: The Royalties - Oh please

Mittwoch, Februar 18, 2009

Drama-King.

Worauf ich bisher immer guten Gewissens mit „Nein, kenn ich nicht“ antworten konnte:

Kennen Sie das? Sie fotografieren etwas und auf dem Foto ist plötzlich irgend etwas unheimlich anders, so ungefähr wie in den Schauergeschichten vergangener Zeiten, in denen der Hausherr die Familie im Salon der Familienvilla zusammenkommen ließ, alle im Sonntagskleid respektive -anzug, um für ein Foto zu posieren, das dafür gedacht war, die Familienidylle oder was man damals für Idylle gehalten hat, für die Nachwelt festzuhalten, wohl wissend oder wenigstens ahnend, dass die Welt schon sehr bald, wenn nämlich der Krieg zu Ende ginge in dem der Älteste sich gerade vor Verdun beim Vaterland um Ruhm und Ehre bewarb, eine andere sein würde und welches dann nach dem Entwickeln den seltsam durchsichtigen Umriss einer Person neben den anwesenden Familienmitgliedern erkennen ließ, der dem an der Front weilenden Sohn beängstigend ähnlich sah von dem man just am nächsten Tag erfuhr, dass er am Tag des Fototermins in einem feuchten Schützengraben von einer verirrten Kugel getötet worden war?

Ab jetzt kann meine Antwort darauf eigentlich nur noch lauten „Jajaja genau, genau, kenn, ich, jedenfalls so ähnlich!“ Ich bin nämlich meiner Steuerkarte ein bisschen verlustig geworden und musste deshalb ins Einwohnermeldeamt Eimsbüttel. Da gibt es einen Paternoster und bevor man auf der Fahrt nach unten das Erdgeschoss erreicht, wird man ermahnt, dort doch bitte auch auszusteigen, eine Weiterfahrt wäre ungesund. Die genaue Wortwahl lautete: Weiterfahrt lebensgefährlich.

Jedenfalls meine ich, das gelesen zu haben. Angesichts der Tatsachen, dass man zwar einen Paternoster nicht ohne weiteres stoppen kann, das Zeitfenster zum Ausstieg recht begrenzt ist, es sich bei Licht betrachtet aber doch nur um einen verschissenen Fahrstuhl handelt, kam mir die drohende Lebensgefahr irgendwie unverhältnismäßig vor und ich wollte von dem Warnschild ein Foto machen. Das hätte dann einen schmissigen Untertitel bekommen à la „Genau die Ansage, die man an einem Montagmorgen lesen will.“ Jetzt zeigt das Foto aber dummerweise nicht das, was ich gelesen habe, sondern:



Gut, ich war ob der drohenden Gefahr für Leib und Leben etwas in Eile obwohl ich locker noch Sekunden zum Fokussieren und Blitz Einschalten gehabt hätte. Aber hätte mir das mein gefühltes Motiv gebracht? Schauen wir mal genau hin. Da steht: ngefährlich. Und alles, was gestalterisch und orthografisch davor passt, ist ein „u“. Vielleicht war der Montagmorgen also wieder nur halb so dramatisch, wie ich ihn in Erinnerung hatte.

Now playing: Heinz Hülshoff – Et is noch immer joot jejange

Dienstag, Februar 10, 2009

Kommerz vs. Kommerz - 1:0

In der Mönckebergstraße gab es mal eine Lesehalle. Die war beherbergt in einem ziemlich schmucken Gebäude. Aber wie es so ist mit Kultur in Toplage: Irgendwann wird es zu teuer und die Kultur muss weichen. In diesem Fall ausgerechnet dem Gegenteil von Kultur, nämlich einem Bulettenbräter:



Jetzt, endlich, endlich, soll das wieder halbwegs rückgängig gemacht werden. BK muss gehen und stattdessen kommt ein "Kulturzentrum": Oben finden Lesungen und Ähnliches statt, unten hält ein "Kaffeehaus" Einzug. So weit, so gut. Blöderweise handelt es sich bei dem "Kaffeehaus" um kein Kaffeehaus, sondern um Starbucks. Und was die mit Kultur zu tun haben, muss mir mal jemand erklären.

Das soll allerdings nicht heißen, dass ich mich jetzt mit Transparent und linksromantischem Beißreflex davor stelle und 80er-Jahre-Spontisprüche skandiere. Aber komisch finden darf man das ja wohl. Mehr zum Thema Kulturkapitalismus entnehmen Sie bitte dem erfrischend unverbitterten Buch Das Kultbuch - Glanz und Elend der Kommerzkultur von Robert Misik.

Now playing: Petula Clark - Wishing and hoping

Bild von wikipedia