Freitag, Dezember 19, 2008

"Da steht, wir müssen twittern." "Wieso?" "Steht nicht da."

Wie es nicht geht, weiß Spiegel-Online natürlich: So wie Hubertus Heil twittert, twittert man nicht. Diese persönliche Flapsigkeit vorbei an jeder Pressekonferenz – Unding. Wie es geht, weiß Spiegel-Online natürlich auch: Twitter als Dialog-Medium wird völlig überschätzt, außerdem ist das unseriös, sieht man doch schon bei @weltkompakt.

Also nutzt man Twitter bei Spiegel-Online als RSS-Feed. Und oh Wunder, es gibt Leute, die abonnieren den. Aber daraus, lieber Spiegel, zu schließen, das wäre twittern, ist vielleicht etwas dick aufgetragen. Twitter lebt vom Dialog. Dialog ist jetzt nicht so das Ding des Spiegel, aber wenn der Dialog essentieller Teil von etwas ist, kann man sich ihm eigentlich nicht verschließen.

Die Folge wird sein, dass SPON in einem halben Jahr oder so Bilanz zieht und das Fazit wird vermutlich lauten: "Twitter wird total überschätzt, die zusätzlichen Page-Impressions liegen im Mikrobereich – Twitter funktioniert für eine Massenpublikation nicht." Und damit wird SPON Recht haben. Denn wenn man Twitter so begreift wie der Spiegel, nämlich nicht, dann kann man es auch lassen.

PS: Fairerweise muss angemerkt werden, dass auch Focus, Bild und andere Twitter nur als weiteren RSS-Feed sehen. Die haben sich aber in der Vergangenheit auch nicht permanent als Twitter-Kritiker gebärdet und so impliziert, sie verstünden, worüber sie reden.

Now playing: Gabriel & Dresden – New Path

PS: Die Head ist natürlich hier entliehen.

Kommentare:

westernworld hat gesagt…

inhaltlich gebe ich dir völlig recht differiere aber in der einschätzung grundlegend.

ich bin recht froh das wir auf twitter noch einen von geschickt gemanagter pr großer player, die eigen-promo mancher freibrufler laß ich da mal außen vor, weitgehend freien raum der meinungsbildung und reflexion haben.


ich will weder politische parteien, verbände noch sonstige möglicherweise auch noch verdeckt pr-meinungsmache betreiben sehen. finge man es nur geschickt genug an es wäre ein sehr effektives mittel des agenda-setting wie das im lobbyistendeutsch heißt.

mithin also ein hoch auf die lernunfähigkeit.

rohes fest und fette beute und ein gutes neues jahr : )

ramses101 hat gesagt…

Moment. Ich rede hier nicht von PR-Getwitter. Das kann man sich genau so schenken. Ich rede von einem redaktionellen MEhrwert, einem menschlichen Blick (1 Euro in die Pathoskasse) in die Redaktion. Eben wie bei Weltkompakt oder Spox um nur zwei zu nennen.

Da finden keine Nachrichten statt, sondern Schnippsel aus der Redaktion, bei Welt völlig linkfrei, bei Spox nicht. Beides geht wunderbar.

Ich will auch keine Parteien twittern sehen, aber ich will Politiker twittern sehen. Das würde vieles erleichtern. Man stelle sich vor:

"@ypsilanti: Schließt Du eine Koalition mit den Linken definitiv aus?"

Auf 140 Zeichen muss man Klartext reden ;-)

Ganz groß in dem Zusammenhang übrigens:

http://tweetminster.co.uk/

Dagegen kann Abgeordnetenwatch aber sowas von einpacken.

Dir auch einen ordentlichen Start ins Jahr Der Guten Nachrichten (TM).

juf hat gesagt…

"Denn wenn man Twitter so begreift wie der Spiegel, nämlich nicht,..." gefällt mir. Aber ich spiele ja nicht wirklich eine Rolle