Donnerstag, November 06, 2008

Ein Quantum Bondzeug.

Bondnörgler gibt es, seit es die Bondserie gibt. Ich bin mir sicher, dass auch „Dr. No“ schon von ihnen verrissen wurde. Erstens weil es der erste war, zweitens wegen der übertriebenen Action und drittens, weil Honey Rider im Bikini bekleidet aus dem Wasser steigt und nicht wie im Buch nur mit einem Gürtel an dem das Messer hängt.

Über George Lazenby müssen wir nicht reden, über Roger Moore will ich nicht reden, der war zum Teil Opfer seiner Zeit (Moonraker? Hallo?) und über Dalton kann man nichts Schlechtes sagen. Über Brosnan könnte man, aber ich will ja nicht selbst zum Bondnörgler werden. Bei Craig hieß es zunächst mal nur, er sei ja blond, Bond ist aber gefälligst schwarzhaarig. Das mag sein, aber seine brünette Phase hat Bond ja auch irgendwie überstanden.

„Ein Quantum Trost“ sei „gelungen, aber eben kein Bond“ meint die Mopo und so oder so ähnlich habe ich das schon häufiger gehört. Beantwortet wurde das (von Ausnahmen abgesehen) im Wesentlichen anhand einer Checkliste auf der Dinge stehen wie „Moneypenny“ „Q“ „Martini“ und „Ficken“. Wahrscheinlich haben diese Checklistenfreunde damals Tränen in den Augen gehabt, als sie einsehen mussten, dass „muss Hut an den Hutständer werfen“ kein unverzichtbarer Teil eines Bondfilms ist und es von der Liste gestrichen haben.

Was einen Bond von typischen Actionreißern unterscheidet, ist eine Art Flair. Dieses Flair wird „A Quantum of Solace“ gemeinhin abgesprochen. Nur: Die meisten Kritiker verwechseln hier eindeutig „Flair“ und „Dinge, die auf meiner Checkliste stehen“.

Nach „Casino Royal“ wurde die Martini-Szene („Do I look as if I care?“) als Anlass genommen, den Untergang zu propagieren ("Martini? Check ... nee, warte, was hat der gesagt?"). Ich habe immer schon entgegnet, dass das schließlich der „Ur-Bond“ sein soll und Bond ja erstmal zu dem werden müsse, was er seit „Dr. No“ war. Das kann man überflüssig finden, das kann man doof finden, man kann es aber nicht zum Anlass nehmen, dem Bond das Bond-Flair abzusprechen. Und siehe da: In „A Quantum of Solace“ lernt Bond den geschüttelten Wodka Martini zu schätzen und ich wette mein Blog darauf, dass er diesen im nächsten Bond wieder gezielt bestellt.

Bei aller Verständnis für die Kritik am Schnitt, an der Wackelkamera und an dem seltsamen Finale: Wer in der „Konferenz“ von Quantum keine Hommage an SPECTRE sieht, wer in der toten (nein, kein Spoiler) kein filmisches Zitat aus „Goldfinger“ sieht, der soll bitte aufhören, mir was von Bondflair zu erzählen. Genau diese Querverweise kann der Kritiker zwar gerne auch kritisieren, aber erkennen sollte er sie schon, sonst kann ich ihn als Bondkritiker nicht ernst nehmen. Bondnörgler halt.

Now playing: David Bowie – Changes

Kommentare:

Kaal hat gesagt…

Ohne Bondnörgler könnte es doch unmöglich ein echter Bond sein.

German Psycho hat gesagt…

Ich möchte Ihnen um den Hals fallen. Dieses Genörgele bei Casino Royale ging mir schon ganz tüchtig auf den Sack. CR war für mich endlich mal wieder ein „richtiger” Bond, weitaus besser, als ich es in den vergangenen Jahren erleben mußte.

Connery und Craig stehen bei mir beide auf Platz 1 der Bonddarsteller, Moore war für die damalige Zeit auch in Ordnung, auch wenn ich seine Bonds heute nicht mehr gerne sehe. Lazenby war halt der Fehlgriff, Dalton fehlte eindeutig der Charme, den Bond ja irgendiwe ausmacht, obwohl er natürlich ansonsten ein grandioser Darsteller war.

Und Brosnan? Dem habe ich nie abgenommen, daß er einen Faustkampf auch gewinnen könnte. Dennoch waren einige gute Filme dabei.

Wenn nun Bond zu dem wird, was er eben „später” ist, dann ist das eine konsequente und gute Fortsetzung von CR. Das begann ja damals schon (bspw. Anzugszene am Ende, da bewegt er sich schon deutlich geschmeidiger im Dreiteiler). Und mir gefällt das.

Jemand, der Flair mit Checklisten verwechselt, kann sowieso mit Bond nicht viel anfangen können.

ramses101 hat gesagt…

@Kaal: Blöderweise kommt das GEnörgel auch von Leuten, die eigentlich Ahnung habe - aber eben aus der Nummer nicht mehr rauskommen, Craig am Anfang aus Prinzip blöd gefunden zu haben.

Psycho: Er macht auch jetzt im Anzug, im Smoking und auch sonst. Eine gute Figur. Für mich auch der beste Bond seit Connery, das hat CR gezeigt und das hat jetzt eine konsequente Fortsetzung gefunden. Mein Tipp ist mittlerweile, dass der nächste Bond ein lupenreines Ende einer Trilogie wird.

Zu den anderen Bond-Darstellern: Ein Bond ist natürlich immer ein Bond seiner Zeit. Da hatte Moore auch das Pech der 70er. Das wäre Connery aber ähnlich gegangen, Diamantenfieber ist ja auch eine Katastrophe.

Dalton hatte wenigstens wieder das Harte der ersten Connerys - aber eben nicht den Charme, stimmt. Bei dem Charme bin ich übrigens hochgespannt, wie der sich bei Craig entwickelt. Insgesamt ist es aber endlich wieder wie bei Flemming angedacht: Bond ist ein Killer, kein Dandy. Und wichtiger als das "dichte schwarze Haar" waren auch im Buch die "grausamen blauen Augen". Und wer die hat, brauchen wir wohl nicht zu diskutieren ;-)

german psycho hat gesagt…

Exakt. Der Killer mit schweren mentalen Problemen, der aber nach außen den Gentleman gibt. Connery brachte das in „Dr. No” sehr gut raus, als er mit grausamen Gesichtsausdruck kaltblütig den wehrlosen Handlanger erschoß. Craig hat diesen Ausdruck sogar noch besser drauf.

ABER: Den Charme müssen sie haben. Adaptive Persönlichkeit, Frauen rumbekommen, weil sie je nach Situation eine entsprechende Maske aufsetzen können, die der Erwartungshaltung entspricht. Das dürfte Craig ebenfalls gelingen.

ramses101 hat gesagt…

"Das dürfte Craig ebenfalls gelingen."

Er ist schon fleißig dabei. Mit den üblichen Konsequenzen. Ich will nicht mehr verraten als ich es eh schon habe, aber Jill Masterson lässt grüßen.

Pest Krause hat gesagt…

Ähm...ja. Fällt mir nix ein zu, und ich möchte mich auch ungern als Nörgler outen. Was ich ja hiermit doch irgendwie getan habe. Ich habe jedenfalls noch nie einen Bond-Streifen gesehen.

Aber ich mag Bowie!!! Na also. Kurve gekriegt. Cha-cha-cha-changes!