Freitag, November 28, 2008

Der Durchbruch für Twitter?

Mag sein, ich weiß nur noch nicht, ob ich das gutfinden soll. Die Terroranschläge in Bombay haben auf jeden Fall gezeigt, dass Twitter eine ernst zu nehmende Nachrichtenquelle ist, die an Schnelligkeit nicht zu überbieten ist. Und das ist keine Floskel, sondern Fakt. Wer schneller sein will als Twitter, der muss schon Nostradamus heißen.

Jetzt gibt es aber ein Problem im Internet, das mit eben dieser Schnelligkeit zusammenhängt. Und das sehe ich jetzt losgelöst von der Bombay-Debatte, denn ich möchte niemandem Beweggründe unterstellen, die nur auf einer Ahnung basieren.

Das Problem im Internet – und gerade im Web2.0 – sind die Erster!-Schreihälse. Früher war King, wer als erster im Forum einen Thread zu einem Ereignis eröffnet hat. Mit Spiegel-Link natürlich. Das ist heute anders, die Holzmedien und ihre Wurmfortsätze werden nicht mehr als gebraucht und werden als Filter ohnehin nicht mehr sonderlich geliebt. Information pur und aus erster Hand, unreflektiert aber menschlich. So sind Netznachrichten heute.

Und das macht es so gefährlich: Die Lust oder der Kick, als erster etwas in die Welt zu schreien, quasi Frontberichterstattung2.0 kann zu unschönen Erscheinungen führen. Wie gesagt: Für Bombay will ich das nicht unterstellen, aber wer nichts zu sagen hat, aber trotzdem etwas sagen will, der wird das auch tun. Im besten Fall ist das Blabla, im schlimmsten Fall Desinformation.

Und ist der Gedanke so abwegig, dass ein Autofahrer, der an einer Landstraße einen Unfall bemerkt, erstmal drüber twittert und danach die 112 wählt? Im Prinzip gehen meine Bedenken da in die gleiche Richtung wie die Kritik an Springers Bürger-Voyeurismus: Erst die Information, dann die Hilfe.

Nur eines muss man natürlich festhalten: Tweets, die von zeitgeschichtlichen Dingen handeln, sind Nachrichten. Da kann sich Spiegel-Online auf den Kopf stellen und noch so viel zetern. Twitter wird also auch in der Zukunft eine wichtige Rolle im Nachrichtengeschäft spielen.

Now playing: Chage and Aska – Good news, bad news

Kommentare:

Patrick hat gesagt…

natürlich stecken da auch die von dir beschriebenen Gefahren drin, aber ich glaube nicht, dass Menschen erst Nachrichten weitergeben und dann helfen. Ich glaube das steckt tiefer in uns als wir denken. natürlich gibt es auch hne das Web Schaulustige, aber doch nur dann, wenn bereits geholfen wird. Es ist ein Bann, der so alt ist wie die menschen selbst. Es gibt jedenfalls definitiv das Bedürfnis Nachrichten (mein Lieblingswort ist ja bekanntlich "Meme") zu replizieren oder gar der "Urheber" zu sein.

Was die "Holzmedien" jedoch leider immer noch nicht begriffen haben, ist die Tatsache, dass sie mehr oder weniger aus dem News-Spiel draußen sind. Anstatt sich aber verstärkt für Kontext und Background zu interessieren, schmeißen sie lieber Leute raus und flennen laut nach staatlicher Hilfe. Leute Leute, was machen eigentlich diese ganzen Business Developer in diesen Konzernen den ganzen Tag?!

Patrick hat gesagt…

Ups! Und Sigmund Freud sich?!

Ich meinte natürlich "erst helfen, dann darüber sprechen" :-D

ramses101 hat gesagt…

Schauen wir mal. Ich bin ja auch nicht nur pessimistisch, im Gegenteil. Aber es gibt doch schon die Bildleserreporter, die beim Unfall erstmal die Kamera draufhalten. Und im Internet gibt es so unendlich viel geltungsbedürftige Spinner. Die hatten vielleicht früher nicht die Fähigkeit (count me in), sich eine Website zu basteln, später Hemmungen, sich ein Weblog aufzubauen - aber twittern kann nun wirklich jeder.

Von daher würde ich mir wirklich wünschen, dass das in der Web2.0-Welt etwas differenzierter behandelt würde. Es ist doch der gleiche Beißreflex, nur andersrum: Wenn SpOn ätzt, springt die Blogosphäre ein und verteidigt ohne Rücksicht auf gesunden Menschenverstand.

Wobei ich dem Web2.0 genau diesen gesunden Menschenverstand eigentlich nicht abspreche, aber es gibt halt Lieblingskinder (Bsp: Twitter) und Schmuddelkinder (Bsp: StudiVZ). Und die Reaktionen auf beides sind in der Regel sehr homogen. Jubel-Trubel oder Schimpf und Schande.