Dienstag, September 09, 2008

Diese 132-Euro-Studie ...

... hat die eigentlich schon mal jemand gesehen? Gibt es die irgendwo als PDF? Ich wüsste nämlich wirklich gerne, was daran so umfangreich war, dass sich gleich zwei Professoren Wissenschaftler damit beschäftigen mussten. Außerdem finde ich es doch etwas unverschämt, dass die beiden Füchse offensichtlich eine Möglichkeit gefunden haben, für einen Euro im Monat am kulturellen Leben teilzuhaben und sie jetzt für sich behalten.

Now playing: David Bowie - Look back in Anger

Kommentare:

Jazz Inaria hat gesagt…

http://www.freie-publizistin.de/studie.pdf

Grüße
Jazz

ramses101 hat gesagt…

Grazie.

Chat Atkins hat gesagt…

Martina Kausch sagte mir mal, dass sie die bei sich verlinkt hätte.

ramses101 hat gesagt…

Hat sie auch, aber die Originalstudie ist nicht mehr online. Zumindest nicht bei der verlinkten Uni. Aber die "Neuberechnung" wird sicher interessant genug.

Vera Chimscholli hat gesagt…

Vielleicht steht darin ja auch, wie viel Vernünftiges man mit dem Jahresgehalt solcher "Wissenschaftler" anfangen könnte.

German Psycho hat gesagt…

Die Gehässigkeit gegenüber den Wissenschaftlern ist genauso verständlich, wie sie unsinnig ist.

Die Frage ist ja nicht, ob man mit diesen 132 Euro ein erfülltes Leben führen kann. Es ging ja darum, ob man, wenn man die Sozialhilfe als reine Sicherung eines absoluten Existenzminimus begreifen möchte, mit diesem Geld auskommen könnte.

Daß jeder von uns gerne von seinem üppig bemessenen Gehalt Kino-, Kippen-, Schnaps- und Sparzulage für jeden Arbeitslosen bezahlen möchte, steht auf einem anderen Blatt.

ramses101 hat gesagt…

Nicht ganz. Es geht nicht um das Existenzminimum. Es geht um die soziale Mindestsicherung. Das ist ein Unterschied, denn um zu existieren, nuss ich am sozialen und kulturellen Leben nicht teilhaben. Aber wer davon abgeschnitten wird, hat auch keine Chance, wieder zurück zu kommen.

Zielinhalte in der Kategorie "Teilnahme am kulturellen Leben" werden in der Studie wie folgt definiert:

- Hilfe zur Selbsthilfe
- Kommunikation mit anderen
- Besuch kultureller Einrichtungen
- Teilnahme an üblichen Alltagsvollzügen der Gesellschaft

Weiter wird in der Studie der Wert der Waren im Warenkorb definiert. Und zwar doppelt: Es gibt die Obergrenze und die Untergrenze, beides will ich jetzt hier nicht erklären, nur so viel: Die 132 Euro sind die Untergrenze (viel Hype um nichts, wie so oft).

Jetzt zum Kultur-Euro: Als Untergrenze wird für Kultur im Warenkorb veranschlagt: Mitgliedsgebühr in der Stadtbibliothek + Fernseher (kein Kabelanschluss, kein Receiver). Dafür stellt die Studie pro Monat 1,40 Euro in Aussicht. Fernseher 49 Euro (monatlich anteilig 82 Cent) Bibliothek 7 Euro (mtl. 58 Cent).

Ausgangspunkt für alle Berechnungen war - Chemnitz. Jetzt mag es stimmen, dass Aldi in Chemnitz genau so teuer ist wie in Hamburg. Aber wenn Sie mir eine Bibliothek zeigen, in der Sie für 7 Euro ein Jahr Bücher ausleihen können, spendiere ich Ihnen den Jahresbeitrag.

Lustig wird es aber erst bei der Obergrenze, die hier mit 14,47 Euro pro Monat veranschlagt wird. Darin sind neben obigem zusätzlich enthalten:

- Ein Kinobesuch am Kinotag
- Ein Besuch im Museum/Ausstellung
- Ein Besuch im Schwimmbad
- Ein Besuch in der Eislaufhalle
- Ein Besuch im Theater/Kabarett
- Ein Besuch im Zoo
- Eine Fahrt mit der Parkeisenbahn (whatever ...)

Ich will hier aber nicht zu ausführlich werden. Fakt ist: der Studie wird Unrecht getan. Fakt ist aber auch: die Berechnungen sind weltfremd.

Jazz Inaria hat gesagt…

Weltfremd ist das richtige Stichwort. Ich mag mir gar nicht die Gespräche bei Kaffee und Kuchen vorstellen, die in den Räumen der Chemnitzer Universität darüber debattiert wurde, was zu einem menschenwürdigen Existenzminimum gehört. Soziales Leben scheint nicht dazu zu gehören. Jedenfalls kann ich mir bei 0 Euro nicht viel anderes darunter vorstellen als ein eifriges Parlieren in U-Bahn-Unterführungen und auf Einkaufsparadiesvorplätzen. Zum kulturellen Leben haben Sie ja schon vieles gesagt.

Und ja, vielleicht wurde der Studie unrecht getan - die Medien wollen ja auch Nachrichten produzieren. Nichtsdestotrotz können die lieben Akademikern doch auch mal ein wenig Gehirnschmalz dareinstecken, Ergebnisse so zu kommunizieren, dass sie nicht komplett missverstanden werden können.

Eine Sache hat mich auch noch genervt. Vielleicht kann ein mehr oder weniger Erwachsene das alles noch kapieren, aber deren Kindern möchte ich nicht erklären müssen, weshalb Zoo nicht nur heute, sondern auch für die nächsten Jahre ausfällt, und dass Überraschungseier giftig sind, dieses Gift aber nur bei Hartz-IV-Empfängern wirkt.

ramses101 hat gesagt…

Akademiker können nichts vernünftig kommunizieren (Ausnahme ist, oh Wunder, das Bremer Sprachblog.) Wirschaftswissenschaftler und Historiker sind dabei die schlimmsten (been there, done that).

Falk hat gesagt…

Meine Zusammenfassung einer Kritik an dieser Studie: eine fiktive Referenzperson mit geringstmöglichem Bedarf, mangelnde Berücksichtigung der Wohnnebenkosten, fragliche Zusammensetzung der einzelnen Positionen (wobei ich nicht alles analysiert habe), planwirtschaftlicher Ansatz ohne Berücksichtigung möglicher Unsicherheiten.

http://www.psycho-blog.net/a01145.htm

LG,
Falk

ramses101 hat gesagt…

Das stimmt auch.