Freitag, Juni 29, 2007

Werbung. Ist. Keine. Wissenschaft.

Bei den Werbebloggern stößt man heute auf ein Interview in der Süddeutschen Zeitung. Da erklärt Hirnforscher Ernst Pöppel angeblich, warum Verbraucher unbewusst zwischen starken und schwachen Marken unterscheiden.

Tatsächlich sagt er aber lediglich, Surprise, Surprise, dass Verbraucher zwischen starken und schwachen Marken unterscheiden:
“ Das Gehirn kann klar unterscheiden zwischen starken und schwachen Marken.“
Wer hätte das gedacht? Unterschiede zwischen Nivea und Balea. Wenn das mal keine kleine Sensation ist. Das sollte es dann aber auch schon mit spektakulären Enthüllungen gewesen sein, denn:
„Wir haben dafür Erkenntnisse von Werbern genutzt, die auf Umfragen unter Verbrauchern basieren.“
Werber gewinnen keine „Erkenntnisse“. Werber reden sich Umfrageergebnisse schön, damit das Ergebnis zur Strategie passt. Da ist es absolut nicht unvorstellbar, dass ein und dieselbe Umfrage verschiedene „Erkenntnisse“ zu Tage fördert – je nach Strategie und Kunde. Dass auf dieser Basis eigentlich nur noch Blablablub kommen konnte, war klar:
„Stark sind demnach Marken, die Vertrauen und Sicherheit geben, die Teil der Identität des jeweiligen Verbrauchers sind.“
Vertrauen, Sicherheit, Identifikation – alles Dinge, die man sofort mit Exxon, Viagra und McDonald’s in Verbindung bringt. Ach, das sind gar keine starken Marken? Dann will ich nichts gesagt haben. Aber wie mache ich denn jetzt meine schwache Marke stark?
„Wichtig ist: Wiederholung. So kann die Marke in das Gedächtnis gelangen.“
So wie die damals unbekannte Computer-Klitsche Apple. Die haben den Super-Bowl-Spot „1984“ auch ein Mal wiederholt.

Ich bin gespannt auf die nächsten Untersuchungen, die mir dann spektakulär offenbaren, dass das menschliche Gehirn auf Schlüsselreize wie Hundebabys und Kinderlachen positiv reagiert. Und dass positive Adjektive wie „zuverlässig“ und „kompetent“ beim Verbraucher positive Assoziationen wecken.

Und daraus machen wir dann Anzeigen, die auf den neuesten „Erkenntnissen“ der Hirnforschung basieren und alle die gleiche Botschaft haben:
“Blätter ruhig weiter, ich habe Dir nichts zu sagen.“
Now playing: Die Ärzte – Wenn das mal alles so einfach wär'

Donnerstag, Juni 28, 2007

Sonntag, Juni 24, 2007

Die Königsdisziplin: Best Use of Music.

Dass "Dove Evolution" den Grand Prix in der Kategorie "Cyber - Viral" bekommt, war ja fast mit Ansage. Aber bei "Film"? Weiß ich nicht.

Was ich aber weiß, ist, dass „Pretty“ von Wieden & Kennedy, Portland für Nike völlig zu Recht Doppel-Gold ("Clothing, Footwear & Accessories" + "Best Use of Music") bekommen hat. Selten so ein Ausrufungszeichen gehört:


(Leonard Bernstein - I feel pretty*)

Da konnte auch mein eigentlicher Liebling, „Strange Liasons“ von BBH für Levi’s, nicht ganz mithalten und musste sich mit Bronze zufrieden geben. Egal, Gold in der Kategorie "Film - Clothing, Footwear & Accessories" gab es ja eh schon:


(Little Annie - Strange Love)

Und auch der versilberte Spot "Mad World" von McCann für "Gears of War" zeigt, was Musik alles kann:


(Micheal Andrews (?) feat. gary jules - Mad World)

Now playing: Falco - The Sound of Music

Glückwunsch übrigens an Nordpol zum goldenen Löwen für "Power of Wind". Hammerspot!

*Frage an die Mitsing-Könner: Geht der Text nicht eigentlich: "I feel pretty and whitty and gay, and I pitty any girl who isn't me today"?

Freitag, Juni 22, 2007

Kommen Sie, staunen Sie, genießen Sie. Aber zack, zack!

Dem Konsumenten Befehle zu erteilen wäre ja zu doof. Würde doch niemand machen. Texter wissen das in aller Regel und können es besser. Aber dann kommt der Befehl vom Kunden, den Verbrauchern Befehle entgegenzubellen. Das nennt er dann „Headline mit Aufforderungscharakter“.

Zum Beispiel befiehlt Beck's mir: "HOL DIR DEN MIX". Bleibt die Frage: Warum sollte ich?



Now playing: Lichtenberg - Resist

Donnerstag, Juni 21, 2007

Ethno-Marketing und Adressmanagement à la "Kabel Deutschland".

Aufmerksamkeit zu erzeugen ist ganz leicht. Man muss sich nur von der Masse abheben. Das hat ein Brief in meiner gestrigen Post definitiv getan, denn er kam mir mit dieser Ansage entgegen:



Der Absender war Kabel Deutschland und ich habe fest damit gerechnet, dieser originelle Störer solle mich darauf vorbereiten, ich könne in Kürze mit russischen Klassikern wie „Panzerkreuzer Potemkin“ rechnen. Jetzt dachte ich natürlich, das Anschreiben würde mich darüber aufklären. Und vielleicht tut es das auch, ich werde es nie herausfinden, denn es ist ebenfalls in kyrillischer Sprache Schrift verfasst:



Genau wie der beiliegende Folder:



Ein klein wenig getrübt wurde meine Freude allerdings durch die Auflösung auf der Rückseite des Mailings:



Wovor hattet Ihr denn Angst, dass Ihr dieses Sicherheitsnetz aufspannen musstet? Davor, dass der Adressat möglicherweise doch kein Russe ist? Ich bitte Euch. No Guts, no Glory.

Now playing: Elvis – Return to Sender

Mittwoch, Juni 20, 2007

"Radio is hell. But it's a dry heat."

- Luke Sullivan in "Hey whipple, squeeze this!"

Schlechte Radiowerbung nervt. Und zwar (fast) alle. Den Hörer, weil er ständig angeschrieen und mit Befehlen belästigt wird (kommen Sie, staunen Sie, genießen Sie). Den Texter, weil er den Mist schreiben muss (wieder nix für die Mappe), den Tonmeister, weil er den Mist produzieren muss (wieder nix für die Referenzliste) und die Sprecher, weil sie den Mist sprechen müssen (wieder nix für die Reel).

Nur viele Kunden stehen auf schlechte Radiowerbung, denn nur schlechte Radiowerbung schafft es, alle Elemente eines schlechten Briefings möglichst billig in 20 Sekunden zu packen.

Es gibt, gepriesen sei Hathor, glorreiche Ausnahmen. Zum Beispiel: Lotus Spa, Axe oder Crime Programme auf Foxtel.

Und wo wir eh schon in Cannes sind, noch ein Bisschen Gold, Silber und Bronze:

Gold für die bösen, bösen Bush-Basher:



Flecken, vergoldet:



Flecken, versilbert:



Und der obligatorische Optiker (Bronze) darf auch nicht fehlen:



Now playing: Katie Melua – Piece by Piece

Freitagstexter - der Gewinner

Viel Gutes war dabei, dennoch konnte die anfangs hoch gelegte Latte nicht gerissen werden und somit haben wir einen Start-Ziel-Durchlauf von Herrn Patrick mit
“Der neue Ford Ficus.“
Nächsten Freitag geht es also bei den Verbalen Essenzen weiter. Danke für die Teilnahme und die Aufmerksamkeit.

Now playing: The Cure - The Top

Freitag, Juni 15, 2007

Freitagstexter

Beim Herrn Baumgarf gewonnen, findet der Freitagstexter wieder hier statt. Praktisch ist am Freitagstexter, dass man selbst kaum etwas machen muss. Außer natürlich, ein Bild zu recyceln finden:



Und vielleicht noch mal die Regeln darzulegen:
Gesucht wird ein treffender Kommmentar, eine passende Über- bzw Unterschrift zum Bild. Mitmachen darf im Prinzip jeder, von der Teilnahme augeschlossen sind lediglich Neocons und sonstige Vollidioten. Die Teilnehmer haben eine unbegrenzte Anzahl Freischüsse, der Sieger wird irgendwann am Mittwoch gekürt und muss darf den nächsten Freitagstexter in seinem Blog ausrichten.
Now playing: Soccx - Get the Party started

PS: Das ist keine Spiegelung oder ein vollgestelltes Auto, sondern tatsächlich ein bepflanzter Innenraum. Kunst halt.

Donnerstag, Juni 14, 2007

Milk! Milk!

Diese Woche kann ich nicht so viel schreiben, weil ich für fremde Leute erstaunlich viel schreiben muss. Aber für derartige Fälle hat der liebe Gott ja den Werbeblock erschaffen. Freuen Sie sich auf Wirtschaftskommunikation vom Feinsten. Mit Cravendale-Milk:



Agentur: W&K London.

Und Heineken (bitte beachten Sie insbesondere Mimik und Gestik am Ende des Spots):



Agentur: Dunno.

Apropos Agentur. Folgenden Dialog möchte ich der Welt nicht vorenthalten:
Kontakt: „Der Kunde möchte in die Anzeige die Info, dass er in Schweden vertreten ist.“

Ich: „Aber die Anzeige erscheint doch in Schweden. Für welches Land sollte die denn sonst gelten?“

Kontakt: „Er will es halt.“

Ich: „Was ist denn das für eine Aussage ‚Hallo, es gibt uns’? Dann sag mir wenigstens, wie lange die in dem Markt schon unterwegs sind, damit ich wenigstens so was schreiben kann wie ‚... und das seit über 20 Jahren’ – wäre jedenfalls besser als nichts.“

Kontakt: „Das weiß er nicht.“

Ich: „Wie bitte?“

Kontakt: „Er weiß nicht, seit wann er schon in Schweden vertreten ist.“


Now playing: Kim Wilde – Is it over?

Montag, Juni 11, 2007

Exkurs: Dieses Harburg-Dingens.

Wer Nachhilfeunterricht im Lokalpatriotismus braucht, der muss nach Hamburg kommen. Und wer glaubt, er könne mit dem Lokalpatriotismus so seine Small-Talk-Party-Späßchen machen, der irrt gewaltig. In Hamburg ist das alles todernst und nicht ganz unkompliziert. Schanzenviertel und Karoviertel scheinen bei einem flüchtigen Blick auf den Stadtplan eine Einheit zu bilden, in Wahrheit könnte die Stutenbissigkeit größer nicht sein, es sei denn es kommt der Kiez ins Spiel, dann outen sich auch lebenslange Karoliner, also durchaus St. Paulianer als stramme Schanzengänger.

Wer in Ottensen wohnt, der wohnt so lange in Ottensen, bis es zum Klassiker unter den Grundsatzdiskussionen kommt: Altona oder Eimsbüttel. Dann ist er plötzlich Altonaer und darauf stolz wie sonstwas. Denn genau wie dem Eimsbüttler ist ihm klar: Sein Bezirk oder keiner.

Mit der eimsbüttler Einigkeit ist es, man ahnt es schon, so furchtbar weit allerdings auch nicht her, scheitert sie doch schon an der für Außenstehende vermutlich latent skurril anmutenden Frage: Eimsbüttel oder Hoheluft-West? Aber auch da ist man letztlich doch wieder beisammen: Beides besser als Hoheluft-Ost, denn das zählt zu Eppendorf.

Nur in einem Punkt sind sich alle einig: Harburg geht gar nicht.

Und das kam so: Im Jahre des Herrn 1567 präsentierte der Hamburger Rat dem Reichskammergericht eine Elbkarte, von Melchior Lorich angefertigt in bis dahin unbekannter Detailtreue. Diese Elbkarte war das wichtigste „Beweismittel“ im Streit zwischen Hamburg und Harburg um das Stapelrecht, das anno dazumal über wirtschaftlichen Auf- oder Abstieg entschied. Diese Karte hat gezeigt, dass Hamburg der elbtechnisch bessere Standort ist, das Stapelrecht ging an Hamburg, der Rest ist Geschichte.

Wer jetzt glaubt, dass sich die Wogen 440 Jahre später etwas geglättet hätten, der kennt den Harburger nicht. Der Harburger an sich ist grummelig, nachtragend und uneinsichtig. Das selbstentlarvendste Argument der Harburger für ihren Stadtteil ist das Argument der (ohnehin nur gefühlten) Zentralität, das ausgerechnet an der geografischen Nähe zum Hauptbahnhof festgemacht wird. Wer den Bahnhof, also die Tür zur Flucht, als zentralen Kern seines Daseins begreift, sagt damit viel über sich aus.

Am liebsten wäre dem Harburger deshalb auch, er bliebe unter seinesgleichen:



Ein Tipp an die Wählergemeinschaft Harburg: Wenn Ihr im gesamten Stadtgebiet werbt und antretet, habt Ihr gute Chancen.

Now playing: Neil Young – Down by the river

Donnerstag, Juni 07, 2007

Und das Blindtext-Blog wie immer vorneweg!

Im Fernsehen läuft die 5. Staffel, in den USA ist schon alles vorbei – und wer erfährt wieder als Letzter, dass die Serie Gilmore Girls zum Besten gehört, was die Amis seit ... seit ... also jedenfalls, dass sie absolut Weltklasse ist? Moi. Der König der Early Adopter, die Speerspitze der Experimantalisten. Aber mal ehrlich, wer kommt schon drauf, dass sich hinter einem derart hochgekitschten Cover so fantastische Dialoge verbergen?



Na ja, Schwamm drüber. Staffel 3 läuft, Staffel 4 ist unterwegs, der Vorsprung ist groß, aber aufholbar.

Now playing: Queen - Under Pressure

Mittwoch, Juni 06, 2007

"Never touch the logo!"

"Ok, ok. Können wir wenigstens den Markennamen ändern?"

"Hmjanagut, das geht."



Warum hat das so lange gedauert, bis jemand bei Nil (oder gar in der Agentur?) auf diese großartige Idee gekommen ist? Ob ich mit Blick auf die Bobos (und Möchtegern-Bobos) der Nil-Zielgruppe dann auch die Bezeichnung „Nil Heimatedition“ gewählt hätte, weiß ich nicht. Eine großartige Idee bleibt es allemal. Würde ich noch rauchen, würde ich jedenfalls wechseln. Scheiß der Hund auf "savoir vivre", wenn's auch cool geht. Und sogar der "Nur-für-kurze-Zeit-Störer" verzichtet darauf, ein Störer zu sein.

Update: Und das ist nicht einfach nur eine Plakat- oder Anzeigenidee.

Now playing: Little Scooters - Please don't smoke

Dienstag, Juni 05, 2007

How To Write PR-Gequatsche.

Ganz wichtig: Starten Sie mit einer rhetorischen Frage! Wie ließe sich schneller ein Zusammengehörigkeitsgefühl mit dem Leser herstellen?
“Wer liebt das nicht ganz besonders am Sommer, das Grillen mit Familie und Freunden?“
Aber werden Sie nicht zu verbindlich! Formulierungen im Passiv lassen eine seriöse Distanz entstehen.
“ Natürlich lassen sich die Naturfilets mit Marinade auch schnell und einfach im Backofen zubereiten.“
Ein langweiliges Substantiv ist ohne pfiffiges Adjektiv nur die banale Hälfte wert:
“(...) mit tiefkühlfrischen Kräutern und wertvollem Rapsöl, natürlich ohne Geschmacksverstärker: würzig in Kräuter-Knoblauch-, frisch in Zitrone-Schnittlauch- und deftig in Pfeffer-Paprika-Marinade. Die praktische Aluschale garantiert eine einfache Zubereitung.“
und so weiter und so weiter ...

Now playing: Buddy Spicher & Vassar Clements – Hang your Head in Shame