Mittwoch, November 14, 2007

Sätze für die Galerie.

Warum Politiker und Werber in der Regel in der Volkesgunst weit unten rangieren, kann ich beantworten: Weil das die beiden Berufsgruppen sind, die den größten Bullshit so formulieren können, dass er nicht mehr nach nur heißer Luft klingt. Während sich der Werber allerdings eines ordentlichen Bullshit-Vokabulars sicher sein kann, muss der Politiker sich mit Wortblasen helfen.

So mal wieder geschehen in der „persönlichen Erklärung zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung“ des SPD-Abgeordneten Christoph Strässer. Der stimmt nämlich dem Gesetzentwurf zu. Und zwar weil:
„(...) die Beschränkung (...) den dargestellten Paradigmenwechsel weniger unerträglich [machen].“
Das nenn ich mal genügsam. Sie machen es nicht erträglicher, sie lassen es im Gegenteil unerträglich, aber ich stimme trotzdem zu. Etwas unerträglichem. Und zwar weil weiter:
“davon auszugehen ist, dass in absehbarer Zeit eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts möglicherweise verfassungswidrige Bestandteile für unwirksam erklären wird.“
Oder in anderen, klareren Worten: „Weil schon irgendwie alles gut wird, warum fragt ihr mich überhaupt?“

Update: Da war ich ja wieder viel zu spät. Geistert schon längst durch die halbe Blogosphäre. Aber warum kommt im Print nichts darüber? Und wie ich bei Stefan Niggemeier lesen durfte, hat auch der Eimsbüttler Kandidat Niels Annen diesen hilflosen Mist unterschrieben. Glückwunsch.

Now playing: The Clips – Can’t believe it

Kommentare:

German Psycho hat gesagt…

Dieser Herr ist anscheinend nicht in der Lage, seiner Arbeit nachzugehen. Und er sieht auch keinen Sinn darin. Dann sollte er sich vielleicht eine neue Beschäftigung suchen. Aber bitte nicht als Texter.

500beine hat gesagt…

etwas weniger unerträglich ist wie mit der nase in hundescheisse gedrückt zu werden und dann zu hören, es war die scheisse von deinem eig. hund.

alles hat gesagt…

ich empfehle an dieser stelle die rede "der mond ist aufgegangen" in der version von dieter hildebrandt.

herzlich, ein alles.

Martin hat gesagt…

Politiker haben es aber auch nicht leicht. Da studieren sie ein Fachgebiet, sind darin (vielleicht) ganz gut und werden dann von so lästigen Journalisten mit Fragen konfrontiert, die überhaupt nicht im Fachgebiet liegen. Die Meisten greifen dann zu den erwähnten Luftblasen, anstatt sich an Dieter Nuhr zu halten, der da einst sagte: "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten."

ramses101 hat gesagt…

@Psycho: In anderen Beschäftigungen muss man aber in der Regel 1. entscheiden und 2. dafür gerade stehen.

@500beine: Eben. Und das reicht ihm offensichtlich, um zuzustimmen.

@alles: Ein Klassiker:

http://www.youtube.com/watch?v=jgD0_Y9dju8

@Martin: Tja, das ist halt das
Blöde am Dasein des Volksvertreters. Aber ist ja nicht so, dass es kein Schmerzensgeld für
die Seelenpein gäbe.

alles hat gesagt…

oh dankeschön. wie wunderbar. und der anzug kann auch absolut alles, vor allem in kombination mit der schönen dalai-lama-brille!