Dienstag, Juni 05, 2007

How To Write PR-Gequatsche.

Ganz wichtig: Starten Sie mit einer rhetorischen Frage! Wie ließe sich schneller ein Zusammengehörigkeitsgefühl mit dem Leser herstellen?
“Wer liebt das nicht ganz besonders am Sommer, das Grillen mit Familie und Freunden?“
Aber werden Sie nicht zu verbindlich! Formulierungen im Passiv lassen eine seriöse Distanz entstehen.
“ Natürlich lassen sich die Naturfilets mit Marinade auch schnell und einfach im Backofen zubereiten.“
Ein langweiliges Substantiv ist ohne pfiffiges Adjektiv nur die banale Hälfte wert:
“(...) mit tiefkühlfrischen Kräutern und wertvollem Rapsöl, natürlich ohne Geschmacksverstärker: würzig in Kräuter-Knoblauch-, frisch in Zitrone-Schnittlauch- und deftig in Pfeffer-Paprika-Marinade. Die praktische Aluschale garantiert eine einfache Zubereitung.“
und so weiter und so weiter ...

Now playing: Buddy Spicher & Vassar Clements – Hang your Head in Shame

Kommentare:

eigenart hat gesagt…

Achtung, es folgen KEINE rhetorischen Fragen:

1. Was ist ein Naturfilet? Oder besser: Von welchem Tier stammt es? (zählen Sie mal zum Spaß die Zeilen, bis zum ersten Mal geklärt wird, ob ich mich jetzt ganz umsonst bis dahin über ein schönes Stück Rind gefreut habe... danach dann die Frage "Wie verdammt bin ich denn jetzt eigentlich von "Grillsaison" auf Rind gekommen und nicht auf "marinierten Matschfisch in der Aluwanne?!?!")

2. Wie frisch ist "tiefkühlfrisch"? Oder lautet die Frage "Wie kalt ist "tiefkühlfrisch"? Ist die Antwort etwa: "ca. -10 Grad?" Und warum verwende ich in der Grillsaison nicht einfach Kräuter aus dem Garten?

3. Wer von euch hat schon mal auf "durchgeglühter Grillkohle" etwas durchgegart? Was spricht gegen die Formulierung "auf dem Grill" im Gegensatz zu "im Backofen"? Ich wäre sogar bereit "auf dem Holzkohlegrill" zu schreiben.
WEM ZUERST ERKLÄRT WERDEN MUSS, DASS ES SICH BESSER AUF GLUT GRILLEN LÄSST, DER SOLLTE EH NICHT GRILLEN!!!

Und nochmal zur Grillsaison:
Grillen mit Freunden oder der Familie findet meistens direkt am Ufer des Bodensees statt. Kaum auszumalen, was passieren würde, wenn ich dort mit einem tiefkühlfrischen iglo-Fisch in der praktischen Aluschale auflaufen würde...

ramses101 hat gesagt…

Ihnen würde das gleiche blühen wie bei Asterix dem, der immer sein Brot im Käsefondue verloren hat: "In den See, in den See mit ihm!"

eigenart hat gesagt…

Die würden mich zwingen, mir meinen Grillfisch mit der Hand zu fangen. Ich wäre also (ohne Angel) dazu verdammt, einen Ring aus Steinen zu bauen, in den ich kleine Köderfischchen hineintreibe, um daraufhin das Wasser abzulassen und die Fischchen einzusammeln. Meine Mahlzeit bestünde also aus 15-20 ca. 5 Zentimeter großen Fischen... nur wegen Iglo!

monarch hat gesagt…

«Tiefkühlfrisch» ist echt der Hammer. Das hat jemand Germanistik studiert und die Oxymora für ein Linsengericht* an die PR verkauft: Der Schultern warmer Schnee ... der Fische tiefgekühlte Frische** ...
Passt!


* an Zitronen-Schnittlauch-Marinade
** Auf Wunsch auch im praktischen Blisterpaket!