Donnerstag, März 15, 2007

BlindtextBlog goez Inter Norga: Das Grauen 2.0

Internorga also. Einmal quer durch die Konkurrenz des Lieblingskunden saufen. Häufig großer Spaß. Dieses Jahr weniger, Neuheiten gab es keine, jedenfalls keine erwähnenswerten. Gut, Schöfferhofer Weizen mit Grapefruit vielleicht. Für ein Mixgetränk ganz ok. Allerdings, wie bei Mixgetränken üblich, mit einem Fruchtanteil, der selbst bei Fructoseintoleranz im Endstadium nicht anschlägt. Darf man bei einem so geringen Anteil eigentlich eine aufgeschnittene Frucht im Etikett zeigen? Ich glaube nicht. Egal. Wenn es also nichts Vernünftiges zu trinken gibt, lesen wir uns halt durch die Messewände des Grauens.

Messewände zu betexten gehört neben dem Ausrotzen von Salesfoldern („Neue Frische für frischen Umsatz“ undsoweiter undsofurchtbar) zum Undankbarsten, was einem als Texter überhaupt passieren kann. Vor allem, wenn der Kunde gar nicht weiß, was er eigentlich will: Richtig oder cool? Salomon zum Beispiel ist sich da nicht ganz sicher: Hippe Binnenmajuskel? Bindestrich? Kein Bindestrich? Ach komm, egal, nehmen wir halt von allem was. Wer liest schon Messewände? Und die Hauptsache ist eh, dass alles schön internäschnäl klingt. Es warat weng der Globalisierung und so.



Die „foodsolutions“ von Unilever hingegen sind sich sogar sehr sicher, dass da garantiert kein Koch seine kritische Hand im Spiel hatte. Ehrlichkeit is the new Mogelpackung und so wird eingestanden, dass man sich lediglich von Köchen hat inspirieren lassen. Bleibt die Frage: Wer? Die "Functional-Food-Designer"?



Apropos Umsatz. Ist ja das Wichtigste überhaupt. Also muss das auch irgendwo stehen. Sagen Außendienstler. Und Innovation muss auch noch irgendwie rein! Man will sich doch von der Konkurrenz abheben! „Innovation? Aber ... aber ... wir verkaufen doch nur Lasagne.“ Papperlapapp. Das muss krachen! Der "FoodService" wird's schon wissen.



Nee, nee, da lob ich mir doch die Vögel, die weiter auf dem neuen Trend der Ehrlichkeit reiten. Zum Beispiel die Freunde vom „Chicken-Macher“, die lieber noch mal darauf hinweisen, dass man Geflügel besser zwei Minuten länger auf dem Grill lässt:



Werbung halt. Wunderbare Welt des Karnevals der Sprache. Schluchz.

Now playing: Pet Shop Boys – What Have I Done To Deserve This?

Kommentare:

eigenart hat gesagt…

Können Sie mich bitte darüber aufklären, was ein "Lifestyle-Appetizer" ist? Macht der Appetit auf Lifestyle, oder wie?

Diese "inspiriert"-Sache klingt irgendwie nach FastFood, bei dem "fast" die Bedeutung "beinahe" trägt.

Texten für Messetafeln ist wirklich Horror!Ich weiß schon, warum wir selbst lediglich mit kostenloser Rückenmassage auf Messen vertreten sind...

Patrick hat gesagt…

Konzentrieren wir uns doch mal aufs Wesentliche: Ich glaube, die Frau Wiesenhof hat ein Auge auf Sie geworfen, Herr Ramses.

eigenart hat gesagt…

gnihi. hihihi... haaahaaaahuuuhuuuhaaa haaa!!!

Dabei ist gar nicht Freitagstexter!

ramses101 hat gesagt…

@Patrick: Ach du liebe Zeit. Ist mir gar nicht aufgefallen. Trotz Frühlings und so. Außerdem war das ja bis gerade eben massivste Verletzung der Persönlichkeitsrechte der jungen Frau. Gerade noch mal ohne Abmahnung davon gekommen! Ich schulde Ihnen ein Astra.

@eigenart: Jajaja und Ihnen schulde ich eine CD, ich weiß. Der, äh, Praktikant hat's verbockt. Genau. So war das. Wurde natürlich entlassen.

Patrick hat gesagt…

Äh, bitte! Keine Ursache. Zur Not tut's auch ein Vectra. Hahaha. Ha. ^^

German Psycho hat gesagt…

Ich darf Ihnen jedenfalls mein herzliches Beileid aussprechen. Messen an sich sind ja schon schlimm genug, aber was Sie hier erleben dürfen... andererseits: Sind Sie nicht froh, daß Sie mittlerweile als Texter so aus der Masse herausstechen? Muß ja auch mal gesagt werden.

500beine hat gesagt…

fish sticks am stiel?
Oder anner langen gräte?

Thies hat gesagt…

Zwar sind die Headlines auf Messen oft die schlimmsten, aber immer auch die größten! Das muss man ja auch mal sehen, ne?
(Und mal ganz ab davon: Ich durfte mal für die InterNorGa selbst Headlines machen: Keine einzige wurde gekauft und die vom Vorjahr weiterverwendet. Jetzt weiß ich nicht: Waren sie zu gut und damit nicht messe-adäquat?)

Anonym hat gesagt…

Das was da teilweise als Leifsteil-Funktionstrendessen verkauft werden soll, wird in irgendwelchen Hotels auf Versicherungsvertretertagungen den Jungs als hippes Trendfood vorgesetzt oder den Wirten ländlich geprägter Regionen als Must have verkauft. Die meisten Produkte benötigen zur Herstellung nur eine Friteuse oder ein Kombidämpfer und lassen den Konsumenten ernährungstechnisch verblöden.
Nur leider läßt es sich gut verkaufen, denn mit gesunder Kost lassen sich keine Gewinne erzielen.

Joshuatree hat gesagt…

Ich schrieb einmal über meine Melancholie während einer Bahnreise nach einem Kundenmeeting, welche auf dem Stuttgarter Bahnhof noch fast in destruktive Bahnen geriet. Dort stand das Plakat des koreanischen Automobilherstellers Kia mit den Worten: "Man cee´d sich wieder".

Das Marketing arbeitet mit der Einfältigkeit der Menschen, vergißt aber zusehends, dass es selbst die personifizierte Einfalt darstellt.