Montag, Februar 12, 2007

Es wart gelachet dort und hie.

Über Humor in der Werbung kann ich streiten. Über Humor überhaupt auch. Hat jemand mit zu viel Zeit zum Beispiel schon mal „Para-Comedy“ auf Comedycentral gesehen? Für alle mit zu wenig Zeit, sei hier kurz das Konzept erläutert: Behinderte machen sich zum Affen und hoffen, dass sie damit den Rest der Welt zum Affen machen. Das geht mächtig in die Hose, obwohl das Potential enorm ist, wie ich aus Zivitagen sehr gut zu berichten wüsste.

Nur einmal musste ich lachen. Als ein Rollstuhlfahrer mit einem Witzebuch durch die Innenstadt gestromert ist, um hilflose Passanten sehr schlecht mit sehr humorbefreiten Witzen aus der Adenauerzeit zu belästigen. Alle haben gelacht. Ich hätte mit einem Behindertenwitz gekontert. Hätte ich wahrscheinlich auch. Obwohl ich nie zu Chef-Witz-Lachern gehört habe. Aber wenn ein Behinderter sich die Mühe macht, einen Witz zu erzählen, dann will man ihn, der ja nicht mal gehen kann, nicht auch noch mit „sooooo’n Bart, Alter, soooo’n Bart“ verletzen. Das haben die Sketch-Macher gewusst, damit haben sie gespielt und das hat sich wunderbar rentiert.

Viele Witze in der Werbung haben ähnlichen Humor wie alte, noch nie witzig gewesene Witze. Warum? Weil ein Witz im Spot allen am Konferenztisch gefallen muss. Da wird geschraubt und kompromissiert bis passt, was nie hat passen sollen. Und am Ende haben wir keinen Witz mehr, aber eine lachende Familie in einem herzallerliebsten Spot die sich mächtig beömmelt über die Bauernschläue ihres Jüngsten (Casting: Rote Haare, Sommersprossen, Grasflecken (aber nicht zu dreckig!) am Knie).

Am Konfi im Konfi haben sie noch alle drüber gelacht, denn die Idee für die Pointe kam vom Managing-Brand-Chief-Executive-Officer-Bohei himself und er fand es lustig. So be it. Um den Mist zu rechtfertigen, wird dann gerne etwas fabuliert in dem die Wörter „gelernt“, „Augenzwinkern“ und, warum auch immer, „virales Potential“ eine große Rolle spielen.

Natürlich wird das Machwerk nicht mal agenturintern rumgeschickt.

Wer also heute nach seinem Montagsmeeting wieder nichts zum Weiterschicken hatte, der bedient sich einfach hier. Via American Copywriter. Ja, ich weiß, es muss nicht immer Humor sein. Aber lustiger ist es schon.


Now playing: K’s Choice – Laughing as I Pray

Kommentare:

samoafex hat gesagt…

Hui, produktiver Montag, blogmäßig. Das Stöckchen nehm' ich mit, bei den very funny ads habe ich sehr über die Fliegenfalle gelacht, und was den Soundtrack des Lebens angeht: Für Autofahren "I ran" ist auch nicht schlecht.

eigenart hat gesagt…

In der Schweiz hat ein witziger Gesell die geistlosen Ergüsse einer Agentur aufgepeppt und somit dem Superduperschubidu, der noch das Klatschen der eigenen Angestellten im Ohr hatte, ans Bein gepisst.

Jetzt ist dieser sauer.
http://www.werbewoche.ch/newsmail070205_piracy.werbewoche