Freitag, Juni 23, 2006

Die gefühlte Porno-Falle

Ich bin ja immer offen für Tipps und Anregungen aus anderen Kulturkreisen. Insbesondere, wenn es sich um Dinge handelt, denen hierzulande eine gewisse Exklusivität innewohnt. Die Serie Green Wing auf DVD zum Beispiel. Hat doch außer mir hier kein Mensch. Dass das latent albern ist, weiß ich selbst. Aber Fakt bleibt, dass ich dadurch immer wieder auf ganz große Perlen stoße.

Deshalb habe ich auch nicht lange gezögert als der Tipp aus Wien kam. Ein unglaublich komisches Kabarett solle es gewesen sein. Der passende Link dazu wurde auch gleich geschickt, das Ganze gibt es auf DVD, wunderbar, Bestellformular ausgefüllt, abgeschickt, auf die zweite Maske zum Eingeben der Kreditkartennummer gewartet, nichts passiert. Stattdessen ein Fenster: Vielen Dank für ihre Bestellung, wir melden uns bei Ihnen.

Österreicher. Steckt man auch nicht drin. Aber man ist das ja gewohnt und wartet einfach gelassen ab. Gestern kam dann auch per Post die Rechnung. Und jetzt wird es kompliziert, bitte konzentrieren Sie sich von hier an.

Die Rechnung ist komplett in Courier gehalten, sieht also aus, wie mit der Schreibmaschine getippt, bestenfalls am C64 ausgedruckt. Kein Firmenlogo, keine erkennbare Formatierung. Das soll keine Kritik sein, der Look ist lediglich ein kleiner Baustein im Konstrukt meines Problems. Die Rechnung sieht also, will man es wohlwollend formulieren, sehr „independent“ aus.

Jetzt sollte der Rechnung ein Erlagschein beiliegen, was das österreichische Äquivalent zum Überweisungsformular sein könnte. Keine Ahnung, jedenfalls lag er nicht bei. Alle Daten sind aber auf der Rechnung vermerkt, immer noch kein Problem also – geh doch einfach zum Schalter. Die wissen schon, wie sie die Kohle von A nach B bringen. Tja, dumm nur, dass der Titel der DVD natürlich auf der Rechnung steht. Und die heißt so wie das dazugehörige Kabarett-Stück, nämlich:
“Gefühlsecht“
Und wenn das kein Pornotitel ist, dann weiß ich auch nicht. Ich muss also mit einer sehr halbseiden aussehenden Rechnung an den Banktresen gehen und eine DVD namens „Gefühlsecht“ bezahlen, die auf dem deutschen Markt ganz offensichtlich nicht zu erhalten ist.

Jetzt wird der (schlimmer noch: die) Bankangestellte natürlich genau so viel über die Pornografie-Gesetze in Österreich wissen wie ich: Nichts. Aber genau so wie ich wird er sich schon mal über den freizügigen Umgang mit Tierpornos auf holländischen Flohmärkten gewundert haben. Da bleiben nicht mehr all zu viele möglichen Schlüsse übrig, die es zu ziehen gilt.

Sobald ich die DVD bezahle, gelte ich also bei meiner Bank als pervers. Ist das nicht ein großartiges Problem? Total 80er! So was gibt’s doch heutzutage in unserer entmenschlichten technisierten Welt eigentlich gar nicht mehr.

Now playing: Deine Lakaien - Nightmare

Kommentare:

Morast hat gesagt…

Gibt es keinen Überweisungsautomaten in deiner Nähe?
Online-Banking wäre auch ne Variante.

Will sagen: Die Gegenwart hält durchaus Möglichkeiten bereit. Glaub ich.

eigenart hat gesagt…

Nehmen Sie doch einfach nen Ausdruck des Blogeintrags mit.

Aber löschen Sie den Beitrag drunter dann bitte raus... man könnte annehmen, Sie hätten nen seltsamen Österreich-Fetisch.

ramses101 hat gesagt…

@morast: Das ist mir viel zu rational gedacht. Wo bleibt denn da die Romantik?

@eigenart: Umgekehrt wird ein Schuh draus: Österreich hat einen Blindtext-Fetisch. Anders kann ich mir diese permanente Stichelei jedenfalls nicht erklären.

eigenart hat gesagt…

Suchen Sie mal nach Österreich Blindtext bei google.

Irgendwas ist da seltsam. Gelistet werden Ferienwohnungen und allerlei Kram und dazu alberne Blindtexte in den Google-Teasern.

Das hier fand ich ganz hübsch:
Hundepension Stöckl Tirol - Hundeparadies Oberndorf Tirol ...
Heiliger Blindtext am Busen. Bumm. Da läßt der Mullah nicht mit sich scherzen. ... Hundeparadies Oberndorf Hundepension Stöckl Österreich Tirol

ramses101 hat gesagt…

Heiliger Blindtext am Busen. Bumm. Da lässt der Mullah nicht mit sich scherzen

Das ist ja fast schon poetisch. Könnte aber auch die Aufklärung dieses Falles mit Karl sein, der damals durch die Medien ging. Sie erinnern sich:

Der Blindtext-Fall im vorigen Jahr. Nun will Karl noch nach Canossa

Ich glaube, wir sind da einem ganz heißen Ding auf der Spur. Unbedingt am Ball bleiben. Aber auch immer auf der Hut!

eigenart hat gesagt…

Hier übrigens der komplette Fall aus dem letzten Jahr:
http://dummwiebrot.du.funpic.de/?p=5

Der enthält auch eine unfassbare Wahrheit:

Die Geschichte des Blindtextes und seiner Texter ist so alt wie die Menschheit, und noch nie konnte sie ganz erzählt werden.

kein einzelfall hat gesagt…

Kein Banker der Welt wird jemanden für pervers halten, der Geld ins steuergünstige Ausland überweist. Ganz im Gegenteil.


[Für Normalsterbliche aber in der Tat ein sehr fesches Problem, das Sie sich da eingehandelt haben. Hat ja schon vielversprechend mit der abgerissenen Post(?) angefangen]

samoafex hat gesagt…

Wenn die DVD dann angekommen und angesehen wurde, würde ich mich über eine Kritik freuen - ich kenn' das Programm nicht, aber die zwei, die es machen, kann ich ned leiden (sprich: ich find' die nicht lustig). Aber vielleicht würde sich ja ein Blick rentieren...

P.S.: Der obige Kommentar-Dialog ist herrlich :)

ramses101 hat gesagt…

@Eigenart: Na dann hammas ja!

@Kein Einzelfall: Transferieren, ok. Aber einfach nur schnödes Bezahlen?

@Samoafex: Gnadenlose Kritik folgt nach Sichtung des Materials.