Dienstag, Mai 16, 2006

Und ich sag noch: Zieh dir 'ne Jacke an!

Es dürfte nur wenige Lebensmittel geben, bei denen der Verbraucher dermaßen beschissen wird, wie beim Olivenöl. Das liegt natürlich zunächst einmal daran, dass er keine Ahnung hat, wie vernünftiges Öl überhaupt schmeckt. Wenn man Klein-Durchschnitts-Erna da draußen versucht einen Schluck pures Öl schmackhaft zu machen, wird sie sich schüttelnd in eine Gänsehaut zurückziehen und in Gedanken bei Lebertran sein. Olivenöl ist für die meisten ... na ja – Öl halt. Es fehlt einfach der Vergleich mit richtigem Öl. Extra Vertschine für dreifuffzisch? Komm, nimm mit.

So geht das natürlich nicht. Vernünftiges Öl kostet schon etwas – wobei wir hier nicht über Wein-Preise reden. Bzw: schon, aber: eine Flasche Öl hält länger als eine Flasche Wein, von daher sind 26 Euro für eine 0,5 l Flasche zwar nicht billig, aber alles andere als unverschämt .
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Geschmacklich vermag so ein Öl alles dermaßen zu veredeln, dass man schnell süchtig nach dem Zeug wird. Und jedes Mal wieder dankbar ist, wenn es einem so banale Dinge wie Tomaten mit Mozzarella (hier gilt immer noch: Pseudo-Mozzarella aus Kuhmilch reicht völlig aus, das Original aus Büffelmilch wird maßlos überschätzt) und Basilikum rettet, weil das Basilikum in seinem Aroma-Auftrag kläglich versagt hat. Um so mehr wundert man sich dann, dass es trotzdem nicht so recht schmecken mag. Beim Basilikum: Gut, wenn man mit der Hand durch die Blätter streicht und nichts von dem Aroma hängen bleibt, schiebt man es eben auf die ollen Supermarktzüchtungen. Wird Zeit, dass das selbstgezogene Kraut bisschen Gas gibt. Immerhin sollten die Eisheiligen jetzt durch sein, mit ihrem schändlichen Getue. Aber das Öl muss doch nach was schmecken! Was ist denn das für ein Tag? Erste Grundsatzunsicherheiten machen sich breit. Zeit für den ultimativen Geschmackstest.

Wenn man dekadent ist, startet man diesen mit einem Barbaresco,dem zwar auch noch, aber nicht ganz so kräftigen und deshalb liebevoll „kleinen Bruder des Barolos“ genannten Nebbiolo-Weins, bevor man sich mit dem jede Geschmacksknospe zur Sinnesexplosion bringenden großen Bruder anlegt.

Passiert jetzt immer noch nichts, hat man ein ernstes Problem. Da kann man schon mal hinaus auf den Balkon treten, die Arme in den Nachthimmel strecken und die Götter fragen, warum sie einem denn ausgerechnet den Geschmackssinn rauben mussten und ob es für den Anfang denn nicht die, sagen wir, Plattensammlung oder so getan hätte. Und dann erinnert man sich, kommt wieder runter und versichert der Plattensammlung man habe es gar nicht so gemeint.

Oder anders formuliert: Erkältungen und dichte Nasen im Mai sind ganz schön psycho.

Now playing: Harry Connick jr. – The Bare Necessities

Kommentare:

F hat gesagt…

Na, manchmal reicht auch nen schönes Bio-Öl für 6,90 und nen schön zurechtgemachter Banfi-Chianti für 9,-.

Manchmal.

Dr. Klugscheiß hat gesagt…

Den Geruchssinn raubten sie dir, nicht den profanen Geschmackssinn, mit dem gerade mal fünf Richtungen auf deiner Zunge zu differenzieren vermagst. Erst die vielen tausend Gerüche die deine Nase unterscheiden kann (oder gerade nicht) sind sozusagen das Öl auf deiner Büffelmozarella-Zunge. Hab ich mal in einem Yps-Heft gelesen ...

ramses101 hat gesagt…

@Kleines F: Bei dem Chianti: Absolut. Hab auch ketztens einen australischen Shiraz entdeckt, der einem alles wegbukettiert - vorausgesetzt man lässt ihn einen Tag offen stehen. Bei dem Öl: Kommt drauf an. Bei der Reinheit wäre ich eher skeptisch. Aber dazu muss man es probiert haben. Und in dubio pro reo.

@Klugscheißer: Ich weiß. Auflösung steht im letzten Satz. Das Yps-Heft hatte ich auch. Was war nochmal Gimmick? Ne Wäscheklammer? ;-)

ramses101 hat gesagt…

Vielleicht sollte ich zu dem Shiraz hinzufügen, dass der mit 2,29 extrem billig ist - sonst ist der Kommentar natürlich relativ witzlos.

kein einzelfall hat gesagt…

Scents and Sensibility ... Aber Juni naht und dann lässt sich wieder fein an Erdbeeren trainieren, mit und ohne Pfeffer.