Mittwoch, März 22, 2006

Was an Wien total scheiße ist:

Die Nordsee ist elend weit weg und das nächste vernünftige Bier gibt es frühestens in Tschechien. Was an Wien alles andere als scheiße ist: Das Naturhistorische Museum.

Wer noch nie stoned durchs Naturhistorische geirrt ist, der sieht die Welt aus Sicht eines Kleingärtners beim Begräbnis seines Dackels. Zu breit sollte man natürlich auch nicht sein, sonst könnte man bei dem Anblick blaue Exkremente verzehrender Echsen Schwierigkeiten bekommen.

Was auch noch gut ist an Wien: Wenn man Eitrige bestellt, bekommt man eine Wurst.

Und auch sonst ist Wien natürlich die einzige wirkliche Alternative zu Hamburg. Ich komm nur gerade drauf, weil ich a) ein bisschen neidisch auf Herrn German Psycho bin und b) zur Zeit ein Buch lese, auf das mich Frau Samoafex gebracht hat: “Die Tante Jolesch oder der Untergang des Abendlandes in Anekdoten“ von Friedrich Torberg. Ein großartiges, wehmütiges Buch über die k. u. k. Charaktere des Vorkriegswiens, die stellvertretend stehen für eine untergegangene Kultur. Ein Buch das überquillt vor Witz und Charme und hiermit jedem wärmstens empfohlen sei.

Now playing: Ultravox – Vienna

Kommentare:

kein einzelfall hat gesagt…

Auf den Vergleich mit Hamburg würde das lokale Verkehrsbüro sicher ein empörtes "WIEN BLEIBT WIEN" entgegenschrammeln ;)

ramses101 hat gesagt…

Ja, ja, da sindse bisserl bockig ab und an. Ich werde auch nie wieder den Fehler machen und in Wien den (absolut als Kompliment gemeinten) Satz äußern, Wien sei eine gelungene Mischung aus Hamburger Arroganz, Prager Morbidität, Londoner Coolnes und Pariser Laissez Faire. Das gibt ja auch gleich wieder Gegrummel *grummelwienisteinzigartiggrummelgrummel*. Wunder Punkt?

Maegz hat gesagt…

Ach, die sind nur eigen. Aber genau das macht sie ja auch wieder liebenswert. Ich finde die Nordsee auch schön, würde sie aber in Wien aufgrund der Alternativen nicht vermissen. Wien ist toll und will bald wieder mal hin!

samoafex hat gesagt…

Ja, die Wiener. Halten sich gerne für das Zentrum der Welt. Ich weiß, wovon ich spreche; bin ja offiziell seit über sieben Jahren auch so einer.

Ich liebe das Gegrummel mittlerweile.

Und was Ramses da schreibt, das ist ein wirkliches Kompliment, Hut ab.

Und gleichzeitig der wunde Punkt, wie richtig vermutet - "Wien ist anders". Ergo: Vergleiche verboten ;)

Eine frühere Kollegin aus Heidelberg hat es mal so ausgedrückt: "Wien kann sich nicht entscheiden, ob es eine Stadt oder ein Dorf sein will."

Ich finde, das trifft es.

Oh, und was ich noch sagen wollte (laaanger Kommentar...): Schön, dass dir das Buch gefällt - ich lese es öfters, immer mal wieder zwischendurch. "Wehmut kann lächeln", nicht wahr ;)

ramses101 hat gesagt…

@maegz: Die Nordsee vermisse ich schon, sobald ich vom Deich runter bin. Aber in Städten wie Hamburg oder Wien lässt es sich trotzdem ganz gut aushalten.

@Samoafex: Das ist wirklich ein Buch, in dem man ständig wieder lesen kann. Nervt mich fast ein bisschen, dass ich nur noch den Anhang vor mir habe und dann damit durch bin.

German Psycho hat gesagt…

Nach zweieinhalb Tagen bin ich mir wieder sicher: Wenn ich aus Hamburg wegziehen müßte, dann wäre Wien die einzige Alternative. Selbst ohne Bekannte hier, ohne Kollegen, ohne irgendjemanden, mit dem ich abends ausgehen konnte, war der Besuch wieder wunderbar.

Hamburg hat einen besonderen Charme, Wien auch. Beides sind tatsächlich für mich einzigartige Städte. Zu beiden habe ich einen gewissen Bezug.

Letztlich bin ich natürlich in HH mehr verwurzelt, so daß ich nicht unbedingt neidisch auf die Wiener bin. Aber auch nur deswegen, weil ich berufsbedingt häufig genug da sein werde.

ramses101 hat gesagt…

Und wahrscheinlich auch gerade wieder Hamma-Wetta da unten ...

Maegz hat gesagt…

Obwohl das Wetter in Wien immer am Nachmittag etwas schlechter wird. Tag fängt toll an und ab Mittags ziehts zu. Ist oft so, vielleicht, weils im Kessel liegt?

claire hat gesagt…

der post hat schlimmer angefangen, als er geendet hat ... mein (in dem fall eh noch recht unpatriotisches) herz war schon dabei, laut aufzuschreien bei den ersten sätzen, aber danke für des (fast-) kompliment am schluss. das tut uns österreichern mit unserem minderwertigkeitskomplex dann wieder gut ;)
und das wetter ist am nachmittag nicht immer schlechter !!!

ramses101 hat gesagt…

Ich gebe ja zu, dass die Überschrift eine ganz billige Masche war, den Leser einzufangen. Aber ich komm halt nicht raus aus meiner Haut.

Martin hat gesagt…

Ja, Wien ist wirklich anders. Kaum ein Wiener wird jemals auf der Straße einfach lächeln. Oder gar gute Laune zeigen. Der größte Wiener Volkssport ist das "raunzen", das leise vor sich hin schimpfen über alles und überhaupt. In Wien können Autofahrer empört aus ihrem Auto aussteigen und rummaulen, nur weil es jemand nicht schnell genug in die Parklücke schafft (gerade heute wieder beobachtet), niemand hat hier sowas wie Geduld, das Wienerische kennt die meisten Schimpfwörter im vergleich zu anderen österreichischen Dialekten.

Wenn man sich damit abgefunden hat, dann ist da noch das tolle Wetter: Im Winter arschkalt mit noch viel kälterem Wind, im Sommer drückend heiß, dass man wirklich auf Regen hofft.

Hat man die Eigenarten von Wien aber einmal kennen und lieben gelernt (ist also nicht daran verzweifelt), so lebt es sich hier recht einfach und die Tante Jolesch, die niemals genug gekocht hat (Prinzip der Tante Jolesch!), hilft sehr bei der anfänglichen Bewältigung der Integrationsschwierigkeiten.

Ich weiß, wovon ich spreche, ich lebe seit drei Jahren hier.

Anonym hat gesagt…

Sorry, aber das einzige was Wien ist: Ein ekeleregendes Drecksloch. Ich habe noch nie so viel Hundekot auf der Straße gesehen wie hier. Alles ist vergammelt und runtergekommen, wie in der ehemaligen DDR anno 1989 und es kümmert sich auch niemand um nix. Man lebt in Gammel und Verfall. und hier ist niemand in der Lage einfach nur seinen Job vernünftig zu machen. Generell geht es ab Dienstag schon heftig aufs Wochenende zu. Die Leute sind super faule Zecken. Jeder handgriff mehr als unbedingtest notwendig ist absolut undenkbar! Und wenn man nicht eine Leistung mit mindest einem Magister im Namen bestellt, wartet man bis zum jünsten Tag drauf und bekommt sie auch dann nur mangelhaft.
Die Leute sind hier so unfreundlich, und derart was von absolut entfernt jeden Servicegedanken, das man die DDR Grenztuppen schon fast als Sonnenscheinchen bezeichnen muß.
Und das schlimmste ist der Mangel an Körperpflege. Die Leute stinken hier was vor sich hin. Es ist unerträglich! Ganz furchtbar. Morgens in der Bahn ist es so übel, man möchte sich am liebsten übergeben.
Dazu ist Tolerenaz nicht im Sprachschatz eines ansässigen vorhanden.
Und dann das Essen. Die vielgelobte Küche. Also eine Frechheit. NUR FETT, MEHR FETT und nochmals FETT: Das Nationalgericht ist Schnitzel, oder auch in Teigmantel fritiertes Schweinefleisch, was dann mit Reis trocken heruntergewürgt werden muß. Natürlich kann man auch ein Gläschen von der Tinktur dazu trinken, die man hier Wein nennt. Besser geeignet ist sie aber als Lösungsmittel oder zum Frostschutz.
Hier kann man nicht wirklich viel lieben lernen.
Ich lebe seit 6 Jahren hier und endlich darf ich das Exil verlassen...JUHUUUUUUUU

wienerin_im_mai hat gesagt…

das kommentar meines vorgängers erinnert mich an einen ehemaligen bekannten, der nie aus österreich und dann aber doch aus dem salzburger land rausgekommen ist,- nach wien.
..kann mir schon vorstellen, dass großstädte wild sind und auch wien in vielerlei hinsicht, wenn man keinen tau davon vorher erlebt hat. sechs jahre großstadt, wenn man einfach nicht dafür gemacht ist, ist aber schon ein starkes stück! um sowas zu machen braucht es schon eine feste neurose. da ist man in wien nicht unbedingt in schlechter gesellschaft :-)

ramses101 hat gesagt…

@Wienerin im Mai: Zumal ja die Umfragen in Sachen Lebensqualität Wien auch immer wieder auf die vorderen Plätze spülen.

Anonym hat gesagt…

@ramses: Ja, aber auch nur, weil der immerwährende Wind den ganzen Dreck ins Umland bläst...
Morbidität, Raunzermentalität, 0-Bock & introvertiert - die Aussagen der Vorredner treffen es mE recht gut. Ja, "Wien ist anders .. anders oasch" um es auf wienerisch zu sagen. Vorallem das mit dem schleichenden Verfall fällt mir in den letzten Jahren auf. Nachdem ich nicht mehr da wohne fällt mir diese Entwicklung stärker auf als früher, wenn ich mal auf Besuch bin. Mag sein, dass die Lage zwischen "Ost" und West" der Stadt nun abträglich ist. Tatsächlich sind ein relativ hoher Anteil der Wiener inzwischen Menschen, die ursprünglich vom Balkan stammen (So, das soll KEINE Diskreminierung sein, blos ne Tatsache). Und diese Menschen haben halt einen anderen Begriff bzgl. Sauberkeit und Ordnung. Das ist auch ok, aber die Veränderung fällt auf und leben möchte ich da nicht mehr.
Einen Vergleich mit HH, wo es auch wirkliches "Multikulti" gibt, hält Wien sowieso nicht stand.

Anonym hat gesagt…

Entweder man mag sie oder man mag sie nicht.. Es gibt solche Leute und es gibt andere.. Ich leb jetzt 2 Jahre in Wien und kanns kaum erwarten hier wieder wegzuziehen.

Nerviger Wind, unfreundliche Leute, nerviger/arroganter Dialekt.. Kaum schöne Orte an die man sich zurückziehen kann..

Echt "Leihwond"! *kotz*