Montag, März 27, 2006

Die Klugscheißer-Bibel

Man kann nicht sagen, ich sei vergesslich. Ich habe lediglich eine sehr selektive Auffassungsgabe, wenn man so will. Mit Binomischen Formeln hab ich es zum Beispiel nicht so, aber dass die Hauptstadt von Madagaskar Antananarivo heißt, muss ich genau 1 mal lesen, um es nie wieder zu vergessen. Wer das für ein Handicap hält, der irrt. Es ist eine Gabe. Andere Menschen brauchen ein Leben um so etwas * auswendig zu lernen:
“ Ik seh di.“
„ Dat freit mi.“
„ Ik sup di to.“
„ Dat do.“
„ Prost.“
„ Ik heb di tosapen“
„ Hest´n Rechten drapen.“
„So hebt wi dat immer doh'n“
„So schall dat ok wieter goh'n“
Bei Menschen wie mir geht das ratzfatz. Einfach weil es im Prinzip überflüssiges Wissen ist. Wir brauchen so etwas. Erst solches Wissen macht das Wissen wertvoll und lebendig. Wir haben sogar eine Bibel: Schott’s Original Miscellany.

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In unserer Wissensgesellschaft gibt es längst einen gewissen Kanon von Dingen, die man schlicht zu wissen hat. Dreißigjähriger Krieg, Energieerhaltungssatz, Goethe, Schiller und Konsorten – Knopfdruck genügt. Aber ist das nicht langweilig? Wie viel großartiger ist da doch das überflüssige Wissen. Das, was keiner weiß und wissen will. In diesem fantastischen Buch, das man immer dabei haben sollte, ist alles enthalten: Die exakte Befehlskette beim Abfeuern einer Kanone in Nelson’s Navy. Sämtliche Sänger(innen) der Nationalhymne bei den bisherigen Super-Bowls. Die merkwürdigen Todesarten einiger Burmesischer Könige. Der Kalender der Französischen Revolution. Einige bedeutende Belgier.

Mit kaum einem anderen Buch kann man so hervorragend sämtliche Zeiten totschlagen. Egal ob das der 10-Stunden-Flug ist oder die 5-Minuten-Pause.

Now playing: Chi-Lites – To Good To Be Forgotten

Kommentare:

Weltregierung hat gesagt…

hab des als CD gesch...bekommen...sollte ich mal digitalisstehlen.

- Grinsregierung.

eigenart hat gesagt…

Toller Tipp.
Gleich mal ranschaffen das Teil...

Ich kenne dieses Problem. Dinge, die man nicht mehr braucht (das meint man zumindest oft), schwirren einem durch den Schädel.

In letzter Zeit ist das bei mir vorwiegend Lateinkram. Welche Propositionen stehen mit dem Ablativ? Und dann der tolle Merksatz: "Bei nihil, nisi, num, fällt das 'ali' weg". Das reimt zwar nicht, aber unser Lateinlehrer hielt eben "fällt der Ali um" für rassistisch...

Alamierend finde ich auch, dass ich noch alle Tonarten auswendig kenne.
Die b's: b, es, as, des, ges, ces, fes
Die f's: fis, cis, gis, dis, ais, eis, his

Habe ich jemals ein Instrument gespielt? Nope!

eigenart hat gesagt…

Es heißt natürlich PRÄpositionen...

4dem.de/biss-der-woche/ hat gesagt…

Gut, daß es überflüssiges Wissen gibt, denn gasförmiges Wissen wäre nur ein Blase im Wind. Flüssiges und Überflüssiges wird eher wahrgenommen. Deswegen sind Blogs kein Selbstzweck, sondern Ausdruck der vielfältigen Wahrnehmungen eines Menschenlebens. Nicht nur Goethe tanzte Zeit seines Lebens auf vielen Hochzeiten, gerade im Weblog zeigt sich, wie viele andere Menschen es ebenso tun, ohne großartig beachtet zu werden.

Das anderes habe ich gerade im Biß der Woche geschrieben. Warum sollte ich es wiederholen? Schließlich lebe ich einmal und nicht zwei- oder mehrfach gleichzeitig.

Hans Kolpak
Biß der Woche

ramses101 hat gesagt…

@Weltregierung: als ich gesehen hab, dass es das auch als Hörbuch gibt, hab ich mich doch erstmal bisserl gewundert. Was wurde denn da vertont? Kann natürlich lustig sein - bei den "seltsamen Toden einiger burmesischer Könige" etwa. Aber gerade Dinge wie die "schematische Darstellung von Dentes Inferno" stell ich mir doch eher unvertonbar vor.

@Eigenart: Merksätze, die sich nicht reimen, finde ich eh um einiges charmanter. Hat so was hilflos professorales.

@Hans Kolpak: Im Profil unter "Interessen" anzugeben: "Vogelgrippe", finde ich ja mal extrem lässig. Sollte ich je mein Profil ergänzen, können Sie die Idee als geklaut betrachten.

k.e. macht Nachtrag und hat gesagt…

Und was Schott vermissen lässt, steht in Ankowitschs Kleinem Konversation-Lexikon.
:-)

zora hat gesagt…

und bitte nicht vergessen: das lexikon des unnützen wissens. daher weiss ich, dass man igel nicht entlausen darf, sonst sterben sie.

ramses101 hat gesagt…

Oh ja, das klingt beides sehr gut. Die Igel-Nummer: Großartig!

Anonym hat gesagt…

ich hab mir das schlaue büchlein nun auch käuflich erworben und fühl mich nun ein bisschen wie ein pfadfinder bei fähnlein fieselschweif. aber wie ist denn das, ich hab auch die amerikanische ausgabe, und die ist ja tatsächlich sehr amerikanisch, weiss jemand, wie das bei der deutsche n ist? hat sich da echt jemand die mühe gemacht all die wortspielereien zu übersetzen?

ramses101 hat gesagt…

Das mit dem Fhnlein Fieselschweif ist ein sehr passendes Bild und die Frage zur deutschen Ausgabe eine sehr gute Frage. Muss iich demnächst mal schauen. Ich war ja zunächst auch etwas geknickt, als ich gesehen habe, dass es sich "nur" um die amerikanische Ausgabe gehandelt hat - aber hey: Erstauflage ist Erstauflage. Ich bin demnächst mal wieder in England und werde da mal Ausschau nach der englischen Ausgabe halten. Die gibt es zusammen mit den beiden anderen Büchern in soner schicken Box. Macht bestimmt mächtig was her im Bücherregal.