Montag, Februar 13, 2006

Caché

Mensch Haneke, alte Socke, was tun Sie Ihrem Publikum bloß immer wieder an? Ich würde jetzt gerne etwas über Ihren aktuellen Film “Caché“ schreiben, aber an anderer Stelle haben Sie darum gebeten, das Ende nicht zu verraten – ich werd mal versuchen, mich auch daran zu halten.

Darf ich sagen, dass das Ende verstörend ist? Bestimmt. Kann sich eh jeder denken. Auf jeden Fall kann ich sagen, dass der Film den Zuschauer fesselt und nervt. Ich fang mal beim Nerven an, weil das 1. Stilmittel und 2. Inhalt ist: Eine durch und durch bürgerliche bis links-liberale französische Intellektuellenfamilie (Vater: Moderator einer Literaturshow, Mutter: Lektorin, Kind: Kind) bekommt Video-Bänder vor die Tür gelegt, auf denen nichts zu sehen ist außer einer Aufnahme ihres Wohnhauses. Stundenlang das gleiche Bild, später kommen Aufnahmen der gleichen Machart mit anderen Bildern dazu. Die gleiche Kameraeinstellung zieht sich durch die Außenaufnahmen des Films - und das nervt. Soll es aber auch, denn immer erst im letzten Moment merke ich, ob es sich wieder um ein Video handelt, oder um die (filmische) Realität. Noch nerviger wird es, als plötzlich auch bewegte Bilder per Video an die Familie gehen.

Das fesselt aber auch. Genau so fesselt die langsam kriechende Ohnmacht, die die Familie befällt (logisch: die Cops können wieder nix machen). Der tägliche Trott wird unterbrochen (um nicht zu sagen: gefickt) durch ein paar Videos und (vermeintliche?) Kinderzeichnungen, die immer etwas mit Blut zu tun haben.

Erinnerungen des Familienvaters werden wach, er kann – oder will – sich niemandem anvertrauen, er ist in der Familie allein, seine Frau fühlt sich dadurch seines Vertrauens beraubt und sucht anderwärtig emotionalen Halt, was wiederum Sohnemann zweifeln lässt. Und ich? Mittendrin, statt nur dabei. Und am Ende? Allein gelassen. Großartig!

Wer wie, ich gebe zu, ich, nach den ganzen Vorabberichten einen ähnlich brachialen Verstörer wie „Funny Games“ erwartet hat, sieht sich getäuscht, wenn auch nicht enttäuscht. Irgendwie bedrohlich ist es immer, immer kurz davor zu kippen – und das ist es, was den Film so böse macht: Das Warten. Plötzlich explodiert das Kino in dem einen und zu dem Zeitpunkt völlig (!) unerwarteten Augenblick in einem kollektiven Aufschrei, nur um gleich darauf weiter zu warten. Und irgendwann ist es eben vorbei, nur eben nicht richtig. Das lädt natürlich ein zu jeder Menge Feuilletonisten-Geschwätz. Kann ich bitte mal irgendwo eine vernünftige Kritik oder Rezension lesen? Hab gerade keine gefunden. Hier ist deshalb eine: Großartiger Film, seltsamer Film, nerviger Film. Haneke halt.

Now playing: Belle And Sebastian – Fuck This Shit

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