Freitag, Februar 05, 2010

Shockvertising mal ohne Schock und Blut und so Zeug.

Für mehr Sicherheit im Straßenverkehr wird gerne mit drastischen Bildern geworben. Ob das was bringt, weiß ich nicht. Eher nicht. Wenn man Leuten droht - und nichts anderes macht man, wenn man jemandem Unfallbilder vor die Nase hält - erreicht man in der Regel nicht viel.

Muss aber ja auch alles nicht, es geht nämlich auch ganz anders. Taschentücher raus und Film ab:



Now playing: Wir sind Helden - Wenn es passiert

Von hier via Ankes Getwitter

Mittwoch, Februar 03, 2010

Der Kategorische Internetiv

Nachdem 3sat endlich über google, Blogs und Twitter aufgeklärt hat, sehe ich mich gezwungen, es einfach mal in eine Form zu gießen. Angelehnt an Kant kommt hier die Formel, mit der man so furchtbar viel nicht falsch machen kann:
„Hinterlasse im Internet auch als Anonymus nur Dinge, von denen es egal sein kann, wenn sie allgemein bekannt und dir persönlich zugeordnet werden können."
Das ist alles, ich schwör. Und wenn Dinge bekannt werden wie Kreditkartennummern oder Passwörter, dann muss (und kann) man das ändern. Aber gesagt ist gesagt und gepostet ist gepostet. Privat ist nur ein vorübergehender Zustand, früher oder später wird alles geknackt.

Now playing: OMD - Secret

Live-Bloggen aus der Bahn

Spaß in der Bahn: Der Schaffner vergleicht ausgedrucktes E-Ticket und die im Internet als ID angegebene EC-Karte

"Haben Sie in letzter Zeit die EC-Karte gewechselt?"
"Nein."
"Haben Sie vielleicht noch eine andere EC-Karte?"
"Hören Sie, wir können das abkürzen: Diese Karte ist exakt die Karte, die ich online als ID angegeben habe, wenn Ihr Supergerät das anders sieht, liegt es am Gerät. Auf der Hinfahrt hat es auch geklappt."
"Aber der Code auf dem Ausdruck übermittelt die Daten, und die Bankleitzahl stimmt auch schon nicht."
"Auf der Hinfahrt hat der Code die Daten noch korrekt übermittelt. Der Code hat sich nicht geändert, die Karte hat sich nicht geändert. Drei von zwei Fehlerquellen sind raus, es bleibt eine übrig und die haben Sie da in der Hand."
"Ich mach das mal telefonisch"
*Brüllt Kontodaten und Namen ins Telefon*
"So, alles ok."
"Und wenn das jetzt nicht geklappt hätte?"
"Dann hätte das den normalen Fahrpreis plus 40 Euro gekostet."
"Obwohl ich im Recht bin."
"Hat ja funktioniert."
"Das hatte es mit Ihrem Lesegerät auch."
"..."

Ich weiß genau was Schirrmacher in PAYBACK meint und in solchen Punkten hat er aber sowas von Recht.

Now playing: The Cure - Jumping on someones elses train

Sonntag, Januar 31, 2010

Und plötzlich singt ein Kind.

Fünfmal im Jahr auf die Schnauze zu fallen, ist jetzt nichts Dolles. Es sei denn, man erledigt das innerhalb von zwei Minuten auf den letzten zehn Metern, bevor man das Eis überhaupt betritt.

Ja, richtig geraten, ich war, wie alle Hamburger, nach 13 Jahren mal wieder auf der zugefrorenen Außenalster. Da hinzukommen war nicht leicht, denn die Betonung im Vorsatz liegt bitte auf „alle Hamburger“. Und alle waren in meinem Bus.

Nicht alle von denen haben auf der Alster geblutet, aber doch erstaunlich viele. Vielleicht auch nur einer, der dann aber in erschreckender Regelmäßigkeit und Menge. Alle zwanzig Meter gab es einen (unfotografierten, Blut ist privat) Blutfleck im Schnee. (Erstaunlich auch, wie schnell man in Hamburg von A nach B käme, wenn der olle Fluss in der Mitte nicht wäre und man, aber das ist natürlich ein Hirngespinst, auf die rechte Seite der Alster wollte.)

Auf dem Eis ist es voll und trotzdem versucht niemand, mit Bier Geld zu verdienen. (Das war früher, als alles besser war, anders, wobei jetzt früher nicht alles besser war, denn damals war ich auch noch schwer in Frollein H. verliebt und zum Schlittschuhlaufen auf der Alster verabredet, woraus dann gottseidank nichts geworden ist, was übrigens ein halbwegs haltbarer Beleg für die Theorie einer schützenden Hand ist.)



Feind nicht verdienen Gnade. Habe ich gerade aus Karate Kid zitiert? Das kann schon passieren wenn man sich nach hundertachtundzwanzig Stunden Anstehen an der Glühweinbude („Mit Schuss?“ „Wie? Den gibt’s auch ohne?“) mit dem Glühwein im Plasitkbecher noch kurz die Lippen verbrennt, bevor man den Rest im Fallen wegkippt. (Note to self: Vom Eis zu sein hat nichts mit Sicherheit zu tun.)

Dass dann der erste Bus vor der Nase wegfährt, ist nur konsequent. Dank merkwürdiger Umstände lebe ich aber in einer Großstadt und der nächste Bus kommt Minuten später. Blöderweise ist das genau der Bus, mit dem Resthamburg nach Hause will. Darunter auch Teenager, die sich gegenseitig anrufen, um zu erfahren, wo (!) im Bus sie denn gerade seien. Die einen vorne, die anderen hinten. Die Alpha-Queen (hinten, go figure) legt dem Beta-Weibchen nahe, auch nach hinten zu kommen. Das tut es auf erstaunliche Weise:

Es hält den Bus an, steigt vorne aus und steigt hinten wieder ein. Muss man auch drauf kommen können.

Der Viehtransport kocht so langsam und der Umgangston wird rauer und auch wenn ich bei den ungünstigsten Gelegenheiten zum Pöbeln bereit bin, mag ich es nicht, wenn das zur allgemeinen Stimmung wird. Ich versuche dann im Rahmen meiner Möglichleiten zu schlichten: „Herr (insert a god of your choice), gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann. Gib mir die Kraft, Dinge zu akzeptieren, die ich nicht ändern kann.Und gib mir die Weisheit, das eine vom anderen unterscheiden zu können.“ Das geht aber nicht immer und mitunter fehlt mir auch der Ehrgeiz. Heute zum Beispiel. Es wird also munter rumgepöbelt und es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann der erste was aufs Maul kriegt.

Und plötzlich singt ein Kind.

Völlig aus dem Nichts, völlig unbeteiligt, völlig ohne Grund. Sitzt da, schaut aus dem Fenster und singt. Und alle beruhigen sich wieder. Geht doch.

PS: Wer jetzt den jungen Vito Corleone vor Augen und im Ohr hat, wie er in seiner Quarantänezelle auf Coney Island sitzt und singt: Ja, genau so.

Now playing: Blake – Wonderful life

Donnerstag, Januar 21, 2010

Sie wollen einen Arbeitnehmer loswerden? Kein Problem: Schwächen Sie Ihr Unternehmen! Trust me! I'm a lawyer!

Gerade auf Panorama gesehen: Anwälte für Arbeitsrecht geben Arbeitgebern Seminare in denen durchgearbeitet wird, wie man unkündbare Arbeitnehmer möglichst plump loswerden kann. Das war mir jetzt nicht neu. Neu war mir die Idiotie der Tipps. Hängen geblieben ist vor allem der, der mich fassungslos zurücklässt:
„Geben Sie dem Mitarbeiter immer wieder die Möglichkeit, Fehler zu machen.“
Die Mehrheit meiner Stammleser kommt aus der Werbung und wird da ebenso lachen müssen, allen anderen möchte ich eine der erfolgreichsten und kreativsten Werbeagenturen der Welt vorstellen: http://www.wklondon.com/ Deren Weblog läuft unter dem Motto:
„Embracing failure since 1998.“
Und zwar warum? Erstens natürlich, weil entweder Wieden oder Kennedy irgendwann mal sinngemäß gesagt haben soll (jaja, ich weiß Recherche, Qualitätsjournalismus, mir doch egal):
„Jemanden, der in seinem Leben nicht mindestens drei Mal richtig auf die Schnauze gefallen ist, kann ich gar nicht ernst nehmen.“*
Zweitens aber weil die Freiheit, Fehler machen zu dürfen (und sie im Idealfall sogar zu fordern), das Überleben des Unternehmens sichert. In einer Atmosphäre der Angst entsteht genau gar nichts. Außer Angst und Dienst nach Vorschrift. Das weiß man, wenn man so etwas wie Sandkasten und Kindergarten kennt. Wer als Unternehmer glaubt, das wäre nur bei dem zu kündigenden Objekt der Nichtbegierde der Fall, der ist dumm.

Manchmal bin ich heilfroh, in einer Branche zu arbeiten, in der Mut (manchmal) gefördert und gefordert wird und in der so ein Spacken wie der aus Panorama lachend vom Hof geprügelt würde.

Was übrigens auch jeder Unternehmer tun sollte, wenn ihm ein Anwalt derartige Killertipps gibt.

Now playing: Hannes Wader – Bürgerlied

*Wenn jemand genaueres weiß, bitte ich um Aufklärung in den Kommentaren.

Sonntag, Januar 10, 2010

Aus "Calgonit" wird "suicide". Wie? Ach so: "Finish".

Achtung, was jetzt kommt, ist durch nichts belegbar, es wird tausend gegenteilige Studien geben und trotzdem hab ich wieder mal recht.

Das Beste, was eine Marke haben kann, ist ein eindeutiger, eingängiger und etablierter Name. Der ist sogar wichtiger, als das, was drin ist.* Die superdupergeheime Coca-Cola-Formel ist seit Ewigkeiten öffentlich, aber selbst wenn jemand Coke 1:1 nachmachen würde, was hätte er dann? Einen süßlich herben Softdrink, der wie Coke schmeckt, aber eben keine Coke.

Weltweit agierende Marken lieben es, überall gleich zu heißen. Sieht ja auch besser aus auf der Weltkarte im Konfi. Als aus Raider Twix wurde, passierte das, weil Raider auf der ganzen Welt Twix hieß. Die damalige Empörung schwingt in meiner Generation immer noch ein bisschen mit, allerdings eher als Koketterie, die man als Marketingmensch auch wieder nutzen kann.

Bahlsen heißt schon lange nicht mehr Bahlsen, aber wer weiß das schon? Auffälliger ist da natürlich, dass Salzletten nicht mehr Salzletten heißen, sondern Saltletts. Das ist zwar albern, dürfte aber höchstens ein paar Sprachnörgler wirklich ärgern.

Jetzt allerdings wird Calgonit zu Finish. Und warum das so ist, wird mir kein Mensch vernünftig begründen können. Denn eine etablierte Marke mit einem einzigartigen Namen wird mal eben in die digitale Bedeutungslosigkeit verbannt.

Die einen nennen das Rebranding, ich nenne das Schwachsinn.

Now playing: Depeche Mode - What's your name?

*Jajaja, weiß ich doch.

Dienstag, Dezember 29, 2009

Vorschau auf das Jahr 2010

Januar

In Hamburg versuchen Unbekannte, ein Rad zu stehlen, schaffen es aber nicht rechtzeitig vom Polizeiparkplatz. Al Kaida bekennt sich via Twitter zu dem Anschlag und faselt etwas von „mit Ansage“. Der neue Innenminister Karl-Theodor zu Guttenberg dementiert die Meldung, ihm haben entsprechende Berichte vorgelegen, verspricht aber eine zeitnahe und umfassende Prüfung in den Bereich der Erwägung zu ziehen.

Februar

Kindergeld erhalten nur noch Familien, die durch unvorhergesehene Erbschaften unverschuldet in finanzielle Ausnahmesituationen geraten sind. Mit den Einsparungen soll die neue, flächendeckende Überwachung überwachter Plätze gewährleistet werden, nachdem im Januar eine Kamera ausgefallen ist und sich Al Kaida zu dem Anschlag bekannt hat. Der neue Familienminister Karl-Theodor zu Guttenberg zeigt sich empört und dementiert Berichte, die Pläne dazu seien „uralt“.

März

Nach einem sprunghaften Anstieg an Erbschaftsfällen weist die demografische Entwicklung erstmals seit langem wieder einen prozentualen Anstieg der jüngeren Bevölkerung auf. Frank Schirrmacher schreibt das Sachbuch „Jugendwahn – wie das Älterwerden das Aufwachsen verändert“ und wird die Spiegel-Bestsellerliste bis Ende des Jahres nicht mehr verlassen. Experten warnen vor einem Wiederanstieg des Alters, der neue Arbeitsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wiegelt ab und dementiert entsprechende Berichte.

April

Twitter kauft Opel. Das Risikokapital wird von der Bundesregierung mitgetragen nach der Zusicherung, eine Monetarisierung durch User-Generated-Cars (UGC) sei vielleicht denkbar. Er sei sehr zuversichtlich und stolz, diesen Deal mit viel persönlichem Engagement ermöglicht zu haben, so der neue Finanzminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Frank Schirrmacher kündigt medienwirksam an, seinen Twitteraccount (fast neu, nie benutzt) versteigern zu wollen.

Mai

Eine Minifinanzkrise der Kreissparkasse Fallingbostel reicht aus, um das fragile Gebäude Twitter-Opel zum Einsturz zu bringen. Twitter kann gerettet werden, Al Kaida erbt Opel und löst sich daraufhin auf. Social-Media-Experten sehen sich in fast getätigten Prognosen bestätigt und betonen in ungewohnter Einigkeit die Dringlichkeit der Neuorientierung der Unternehmen der alten Schule im Web2.0. Der neue Landwirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hingegen dementiert Berichte, denen zufolge jeder Landwirt twittern müsse, wolle er denn auch in Zukunft bestehen.

Juni

Das Onlineproblem in der Landwirtschaft nimmt immer größere Ausmaße an, Viehhandel findet praktisch nur noch bei Farmville statt, rentiert sich aber immer seltener. RTL startet daraufhin die Dokusoap „Bauer sucht Sau“ und landet damit einen Überraschungserfolg. Frank Schirrmacher schreibt das Sachbuch „Fleischeslust – wie das Essen unsere Verdauung verändert“ und präsentiert es in Kerners neuer Sendung „JBK – nachts um halb zwei“. Der neue Umweltminister Karl-Theodor zu Guttenberg wehrt fast alle Vorwürfe ab, an der Misere Schuld zu sein und schiebt es auf den Entwicklungsminister.

Juli

Das Sommerloch wird rechtzeitig gestopft von Kopierfleisch aus China. Der neue Minister für Entwicklungshilfe Karl-Theodor zu Guttenberg freut sich aufs „späte aber heiß ersehnte“ Angrillen in diesem Jahr, muss sich aber den Vorwürfen stellen, einen ausländischen Markt mit deutschen Steuergeldern zu stützen, die eigentlich für die Katz gewesen wären. Slowenien wird überraschend Weltmeister, findet jedoch in den deutschen Medien kaum Erwähnung, was Trainer Lothar Matthäus verbittert darauf schiebt, dass in den Redaktionen zu wenig Leute säßen, „die wo auch mal Verantwortung übernehmen“. (Anm. d. Red.: "nehmen" as in "nähmen")

August

Hartmuth Mehdorn, CEO der insolventen Beratungsagentur „Karriere auf tausend Zügen“ (kurz: KATZ), fordert in Kerners neuer Sendung „JBK – nachts um halb drei“ ein entschiedeneres Eingreifen des Staates um der Wirtschaft das Erwirtschaften zu ermöglichen. Der neue Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg twittert lakonisch „LOOOOOL Erzähl DU mir was von Wirtschaft ^^ #Bahn #Börse #Epic-Fail #pwned“.

September

Auf der Buchmesse stellt Altkanzler Gerhard Schröder sein Buch „So hammwa nich gewettet!“ vor. Darin beschreibt er erstmals den Deal, der ihn bewogen hat, den Machtwechsel herbeizupoltern. Kanzlerin Merkel reagiert verschnupft, der neue Gesundheitsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wünscht gute Besserung.

Oktober

Barack Obama erhält den Literaturnobelpreis für die Ankündigung, in Zukunft vielleicht sämtliche Keksrezepte seiner Frau schriftlich festzuhalten. Der Friedensnobelpreis geht an Twitter wegen der Nummer mit Opel und Al Kaida, der lange favorisierte neue Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg geht trotz seines Einsatzes für die Ächtung hässlicher Uniformen überraschenderweise leer aus und schreibt ein wütendes Vorwort für Frank Schirrmachers neues Buch „Tweed oder Tweet – wie Buchstaben unsere Wörter verändern“.

November

Boris Becker heiratet die T-Shirt-Designerin Mandy Müller-Weiden woraufhin Lothar Matthäus sich weigert, weiter Unterhalt für das gemeinsame Kind zu zahlen, obwohl er natürlich jemand sei „der wo gerne Verantwortung übernimmt“. Uli Hoeneß ruft trotzdem nicht an, dafür aber der neue Bildungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der Matthäus für den Ausbau der Hochbegabtenförderung gewinnen kann.

Dezember

Nach einer unangemeldeten Fahrt mit dem Dienstwagen zum Kiosk gerät der neue Verkehrsminister Karl-Theodor zu Guttenberg unter Druck. Außenminister Westerwelle fordert aus Versehen und alter Gewohnheit Neuwahlen, eine bei ihrer Neujahrsansprache dauergrinsende Bundeskanzlerin sorgt in den Medien für wilde Spekulationen.

Kommen Sie bitte alle gut ins neue Jahr.

Now playing: Jimi Hendrix – Auld Lang Syne

Mittwoch, Dezember 16, 2009

Springer stößt das Hamburger Abendblatt von der Klippe.

Wenn schon der erste Satz Quatsch ist, lohnt es sich weiterzulesen:
"Seit heute profitieren Zeitungsabonnenten."
Tja. Da ist man als Abonnent doch geneigt, „endlich!“ zu rufen, jedenfalls bis man dann erfährt, was überhaupt gemeint ist:
"Für sie ist abendblatt.de kostenlos. Alle anderen zahlen 7,95 Euro im Monat für Berichte aus Hamburg und dem Norden."
Das steht ernsthaft da:
"Alle anderen zahlen 7,95 Euro im Monat."
Im Indikativ. Anstatt korrekt zu formulieren: "würden zahlen, wenn sie denn wollten". Da kommt natürlich die Frage auf, ob das Schlampigkeit oder Trotz war. Ich tippe auf Trotz, der in der Redaktionssitzung natürlich noch Kampfgeist hieß. Dabei hat das Hamburger Abendblatt ja im Prinzip Recht:
"Denn Qualitätsjournalismus ist per se eben nicht kostenlos, sondern kostenintensiv. Wer Qualitätsjournalismus zum Nulltarif will, will keinen Qualitätsjournalismus."
Dem möchte ich vorsichtshalber hinzufügen: Wer Qualitätsjournalismus verkaufen will, muss Qualitätsjournalismus anbieten. Aber das wird Springer schon bedacht haben. Oder nicht?

Es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr die Medien darauf pochen, dass das, was sie abliefern, Qualitätsjournalismus sei. Die einzige Hürde, die bloßer Inhalt auf dem Weg zum Qualitätsjournalismus zu nehmen hat, scheint die ins Blatt zu sein. Die Qualität des Inhalts ist es jedenfalls nicht, die ihn beim Hamburger Abendblatt zu Qualitätsjournalismus macht. Auch wenn dieser Inhalt ein – zumindest nach meinem Dafürhalten – wichtiges Kriterium erfüllt: Er lässt einen mit offenem Mund staunend innehalten. Leider liegt das weniger an der Brillanz des Geschriebenen als vielmehr an dem völligen Ausblenden des Faktischen:
"Als das Internet aufkam, war die Begeisterung für die neue Technik lange größer als der Sachverstand. Berauscht von den Möglichkeiten des weltweiten Webs vergaß man das Naheliegende, nämlich Geld zu verdienen."
Das floss tatsächlich aus der Feder des Autors, der meint, Qualitätsjournalismus abzuliefern: Im Internet wird kein Geld verdient. Wie bitte? Ach so: man verdient kein Geld. Jetzt kann es natürlich sein, dass das Hamburger Abendblatt mit „man“ eigentlich das Hamburger Abendblatt und seine armen Geschwister meint, aber dann hätte der Schreiber das ja auch so formuliert. Qualitätsjournalismus, nich nich?

Der größte Witz an der Sache ist allerdings, dass man lediglich die Schlagzeilen googeln muss, um die Artikel trotzdem lesen zu können - wenn man sich die Mühe machen will.

Now playing: Evis – Crying in the chapel

Donnerstag, Dezember 03, 2009

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen.

Datenschutz, Privatsphäre, Facebook, dünnes Eis und so. Hat eigentlich irgend jemand den offenen Brief von Mark Zuckerberg tatsächlich gelesen? Falls nicht, hab ich die entscheidende Stelle (Klick = groß) mal herausgehoben:



Nicht, dass mir nachher wieder jemand kommt mit „habichnichtgewusst“.

Now playing: A-ha – I wish I cared

Freitag, November 27, 2009

Cogito online ergo sum.

„We welcome you on board of da interwebs. Please fasten your seatbelts and enjoy the flight.“
Frank Schirrmacher nörgelt in seinem Buch „Payback“ pathetisch über Computer, Technik und das Internet. Er wird zwar nicht müde zu betonen, dass das eben keine Nörgelei und er selbst technisch durchaus auf der Höhe der Zeit sei. Das nimmt ihm nur keiner ab und das musste die Reaktionen in der Blogosphäre hervorrufen, die es hervorgerufen hat.

Wahrscheinlich sollte es das auch, in zwei drei Wochen könnte Schirrmacher jedenfalls genüsslich verkünden, er hätte Recht mit seiner These, die Menschen würden sich mehr und mehr Maschinen angleichen, schließlich musste er nur ein paar Knöpfe drücken und die Maschine sprang an und produzierte die gewünschten Blogartikel.

Nun haben die Kritiker ja nicht ganz unrecht mit ihren Schmähschriften, nur leider geht die momentane Debatte ein bisschen am Kernthema vorbei (was allerdings auch an Schirrmacher selbst liegt): Wie verändern Computer und Internet das Denken? Denn dass sie das Denken verändern, sollte auf der Hand liegen. An dieser Stelle wird von Internetcheckern gerne gegähnt und darauf verwiesen, dass es derartige Ängste auch schon bei Buch und Fernsehen gegeben habe. Stimmt, die gab es.

Aber will mir ernsthaft jemand erzählen, Buch und Fernsehen hätten das Denken nicht verändert? Think again. Und auch das Internet und der Rechner müssen das Denken verändern, weil, abgesehen von den Digital Natives, nun mal keiner damit aufgewachsen ist. Das kann man jetzt doof finden, das kann man aber auch gut finden. Nur wird es jeder, pro oder contra Internet, akzeptieren müssen.

Schirrmacher schreibt viel über Multitasking und über Information-Overflow. Zu Multitasking kann ich nicht viel sagen, außer, dass ich kein Problem damit habe, beim Fernsehen zwischendurch zu twittern und gleichzeitig über Konzepte nachzudenken. „Körperverletzung“, wie Schirrmacher diagnostiziert, ist das nicht. Ob das schon das „Neue Denken“ ist, weiß ich allerdings auch nicht.

Das Problem des Information-Overflows hingegen gibt es. Und wenn jetzt Leute erzählen, nicht die vielen Informationen seien das Problem, sondern die unzureichenden Filter, dann ist das unpräzise gedacht. Wenn zu viel Zucker Karies verursacht, dann ist nicht die offene Tür zur Speisekammer das Problem, sondern weiterhin der Zucker in der Kammer. Natürlich verhindert eine geschlossene Tür das Problem und natürlich helfen Filter, Informationen zu bündeln und zu ordnen. Das ändert aber nichts daran, dass wir immer wieder in Situationen kommen, in denen es schlicht zu viele Informationen gibt, um sie vernünftig verarbeiten zu können.

Tim hat auf Twitter geschrieben:
"There's no such thing as too much information. If there was we would immediately die when entering a library, wouldn't we?"
Das ist natürlich überspitzt ausgedrückt, aber ich möchte das Beispiel trotzdem aufnehmen. Die einzige Information, die wir beim Betreten einer Bibliothek bekommen, ist nämlich: Hier gibt es ganz schön viele Bücher (und auch diese Information kommt in der Regel nicht sonderlich überraschend). Der Information-Overflow setzt dann ein, wenn ich mehr Informationen bekomme, als ich gewohnt bin oder erwartet habe.

Wenn ich mich auf einen Segeltriptörn auf der Ostsee vorbereiten will und ein entsprechendes Buch suche, bin ich bei Thalia einfach besser aufgehoben als in der Bibliothek im Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie – obwohl ich mich in letzterer logischerweise tausendmal besser informieren könnte.

Im Internet passiert das ständig, denn im Internet steht eine ganze Menge. Und google versorgt uns mit einer ganzen Menge an Informationen (wenngleich auch hier nur ein Bruchteil dessen durchsucht wird, was das Web eigentlich an Inhalten zu bieten hat. Die unglaubliche Zahl aus dem Jahr 2001: 0,03% ). Es gibt also den Information-Overflow und es gibt aus ihm resultierende Probleme.

Aber er schärft auch das Denken, jedenfalls wenn man sich der Probleme bewusst ist. Wer ungeprüft und ohne zu hinterfragen die Information auf Platz 1 der google-Suche übernimmt und der Quelle glaubt, hat früher oder später verloren (übrigens ein sehr typisches Problem der Digital Natives). Im schlimmsten Fall findet google nämlich nicht denjenigen, der sich mit dem Suchthema am besten auskennt, sondern denjenigen, der sich mit google am besten auskennt.

Das war früher™ etwas anders. Gut, auch vor 30 Jahren haben diejenigen, die mitdachten, eine Information anders bewertet und eingeschätzt, abhängig davon ob sie beispielsweise aus der „Bild“ oder der „NZZ“ kam. Heute gibt es plötzlich unendlich viele Informationsquellen, die in ihrer Qualität mit Sicherheit weiter auseinander liegen, als Zeitungen je hätten liegen können. Ich werde vom Computer tatsächlich permanent zum schärferen Nachdenken und Aufpassen gezwungen. Ich kann also weiter zu Thalia gehen oder ich lerne, in der Bibliothek für Seeschifffahrt zurecht zu kommen.

Und wenn das das „Neue Denken“ ist, dann lass dich mal ganz tüchtig knuddeln, liebes Internetz.

Now playing: Duran Duran - Too much information

Samstag, November 14, 2009

Aber da ist ja noch "Effilee".



Man muss nicht viermal im Jahr mit Gleichgesinnten in der Küche ums Lagerfeuer tanzen. Man muss nur täglich gerne Essen machen. Effilee weiß das und ist deshalb ein besseres Kochmagazin als „Beef“.

Der erste bezeichnende Unterschied schon auf Seite Acht: Rubrik „Halbwissen“, heute: Rosenkohl. Jetzt kann man zu den Themen Halbwissen wie Rosenkohl stehen, wie man will, in der Küche wird man früher oder später mit beidem umgehen können müssen. Im direkten Vergleich zu der albernen Rubrik „musst du können, brauchst du kein Rezept (aber kriegst du trotzdem)“ jedenfalls klarer Punktsieger.

Ich bin zwar kein Freund dieses ganzen k.u.k.-Süßkrams, aber wenn jemand Mehlspeisen machen kann, dann ja wohl die Kollegen aus den südlicheren Gefilden. Folgerichtig die Rezeptstrecke zum Winter: Hüftgold. Krapfen mit Marzipan-Birnen-Füllung, Topfenpalatschinken, Germknödel etcetera. Muss man alles nicht mögen, muss man aber mal gemacht haben.

Sehr schön auch die Texte. Zum Beispiel der über die Ernährungsfindung von Kleinkindern und der über Pferdefleisch. Der erste in „Beef“ undenkbar, der zweite im Prinzip prädestiniert – allerdings mit anderer Tonalität. Es fehlt halt das Tool-Time-Gegrunze, übrig bleiben Unterhaltung und Information (beide Beispiele übrigens von Mädchen verfasst, go figure).

Woran „Effilee“ arbeiten müsste, zumindest nach meinem vorsintflutlichen Verständnis von Vertrieb, ist der Vertrieb. Andererseits gibt es dafür ja das Internet, ich bin ja auch erst über Twitter drüber gestolpert (echt jetzt). Und der Onlineauftritt macht auch Spaß, mit Blogs, Facebookgruppe, Twitteraccount und allem Pipapo.

Now playing: Farin Urlaub - mehr

Donnerstag, Oktober 29, 2009

Mein Senf zu "Beef".

Beef ist in einem Wort: Inkonsequent. In vielen Worten: Nicht schlecht, wenn nur die permanenten impliziten Rechtfertigungen für den hohen Preis von 9,80 Ocken nicht wären, die sich in Beschreibung und Ansprache einer Zielgruppe äußern, die leider in entscheidenden Momenten kaum bedient wird. Wenn es ums Kochen geht, zum Beispiel.

Ob die Tatsache, dass aus verschiedenen Ländern verschiedene Steaks kommen, für den 42-jährigen Christoph aus dem Vorwort eine neue Information ist, kann ich nicht beurteilen. Da er aber über die besten Ölmühlen ebenso diskutiert wie über die besten Safranlieferanten, möchte ich das mal bezweifeln. Außerdem frage ich mich, warum sich die Heftmacher überhaupt die Mühe gemacht haben, das „beste Steak der Welt“ zu ermitteln, wenn in den drei darauf folgenden Zubereitungsarten allen Ernstes „well done“ auftaucht. Ein
“Das ist für ein Filetsteak zwar ein wirklich ungeeigneter Garzustand.“
reicht da nicht. Es ist überhaupt kein Garzustand. Christoph hätte das gewusst. Wenn man
“keine Kompromisse macht“
dann ignoriert man das Gerücht, es gäbe Menschen, die ihr „Steak“ so „zubereitet“ haben wollen.

Die Messerfotostrecke hingegen finde ich ganz wunderbar, wie übrigens überhaupt die Qualität der Fotos und das Layout insgesamt. Außerdem ist alles schön geschrieben (wenn auch die Reportagen durchaus Potential für ein, zwei Seiten mehr gehabt hätten, so was liest man ja nicht in der U-Bahn). Aber dann kommt plötzlich ein Rezept für Tomatensauce. Ich frage mich kurz: warum? und stellvertretend für Christoph blättere ich augenrollend weiter auf der Suche nach etwas, was mich weiterbringt. Das „Lecker (!) Centerfold“ ist dazu durchaus in der Lage, allein schon, weil es die Zubereitung des 4-Gänge-Menüs zeitlich geordnet darstellt. Auch wie man zuhause Mozzarella macht, wusste ich nicht (im Gegensatz zu Christoph, vermutlich), danke dafür. Und wo ich gerade beim Lob bin, erwähne ich auch gleich die Salzrezepte. Sehr schöne Ideen und Anregungen.

Aber dann schlägt wieder die Inkonsequenz zu. Endlich kommt zwar eine Rubrik, die Christoph in seinem Tun bestätigen soll: „Das muss jeder Mann ohne Rezept kochen können.“ Blöd nur, dass, wenn das Heft für Christoph ist, eine Liste völlig gereicht hätte. Doppelt blöd, wenn die „erste Rezeptstrecke der Welt ohne Rezepte“ dann doch mit Rezepten aufwartet, bzw. mit Essen, das ohne Rezept nicht machbar ist. Das mag konfus klingen, aber manchmal habe ich einfach recht. Beispiele:

Hähnchenschenkel kommen vor. Die kriegt man ohne Rezept hin. Man muss nur drauf achten, dass sie durch sind. Im Prinzip ist das alles, "Beef" erzählt trotzdem im „rezeptlosen“ Teil, wie man es macht. Als ob die Gefahr bestünde, dass Christoph Hähnchenschenkel aus Versehen blutig servieren würde, wird verraten: Im Ofen, halbe Stunde, 180 Grad. Was ja völlig ok ist, aber dann nennt es bitte nicht „rezeptfrei“ und wo ich schon in der Rubrik bin: Frikadellen ohne Rezept zu braten, ist unmöglich. Man muss es nicht nachschlagen, aber man muss es kennen.

Fazit: „Beef“ hat eine Zukunft, wenn es ehrlicher wird und seine Wannabe-Christophs als Käufer nicht nur einplant, sondern auch so anspricht.

Now Playing: Miss Platnum – Give me the food

Dienstag, Oktober 20, 2009

Naja irgend so ein Tier halt.

Ich mag ja die Klamotten von Jack Wolfskin, aber wäre ich Richter und ein Anwalt käme mir damit, dass die Darstellung einer Katzenpfote seine Markenrechte an einer Wolfspfote verletzte, ich würde ihn mit Biologiebüchern beschmeißen und vom Hof jagen.

Now playing: Pardon Ms. Ardon - What went wrong

Freitag, Oktober 16, 2009

Kindle: Das Habenwollen hält sich (noch) in gesunden Grenzen.

Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft zur Buchmesse wird das Kindle von amazon auf die Märkte geworfen. (Ganz kurz: Bin ich der Einzige, der „Kindle“ ausspricht wie in „Christkindelmarkt“?) Gedauert hat das gefühlt ewig, zumal Sonys E-Book schon lange erhältlich ist, strategisch nicht doof mit Thalia im Boot. Das E-Book von Sony habe ich aus verschiedenen Gründen bisher liegen lassen, die wichtigsten: Umblättern dauert locker 1,5 Sekunden, ich kann mir nichts ins Regal stellen und mir fehlt der „Fortschritt“. Ich weiß einfach gerne, ob ich noch die Hälfte oder zehn Seiten vor mir habe.

Wie das mit dem Blättern beim Kindle ist, weiß ich nicht, aber ich werde es vermutlich auch erst einmal liegen lassen. Und zwar auch aus Gründen. Wenn ich mich entscheide, mir eine Single auf Vinyl zu kaufen anstatt bei iTunes, dann kostet mich das in etwa drei Euro mehr. Aber dann habe ich was für meine Sammlung. Ich kaufe nicht nur den Inhalt, die Musik, sondern auch den Träger – wenn er denn ansprechend gestaltet ist, sonst geht der Euro an iTunes.

Ich bin also bereit, der bösen Verwertungsindustrie Geld zu bezahlen, wenn sie sich etwas Mühe macht, den Tonträger ansprechend zu gestalten (ich hätte gerne überall noch einen Downloadgutschein dazu, aber das ist ein anderes Thema, wobei, vielleicht auch nicht). Der Buchhandel scheint das anders zu machen. Das neue Buch von Nick Hornby kostet bei Amazon.com fürs Kindle 19 Dollar, das sind etwa 15 Euro (?). Bei Amazon.de kostet es im Hardcover 14,95 Euro, das sind auch etwa 15 Euro.

Was ist denn das für eine Preispolitik? An der Buchpreisbindung kann es eigentlich nicht liegen, denn die gibt es weder in England, noch in den USA. Warum kostet eine Datenübertragung das gleiche wie ein Buch im Hardcover? Und warum kostet bei amazon.com die Datenübertragung sogar mehr als das Buch selbst (15 Dollar)?

Und vor allem: Wer verdient jetzt mehr: Der Verlag? Amazon? Der Autor mit Sicherheit nicht.

Außerdem: Gibt amazon das Kindle frei für Autoren, die ohne Verlag veröffentlichen wollen? Die dann irgendwie selbst entscheiden können, was der Download kostet (oder ob er was kostet)? Und was macht google dann? So lange die E-Books tatsächlich nur Empfangsgeräte für die papierlose Version eines Buches sind, finde ich es eher unspannend. Danach könnte es aber ziemlich interessant werden.

Now playing: Belle and Sebastian – Wrapped up in books

Donnerstag, Oktober 01, 2009

Heut mal lecker prollig.

In der Kolumne Darf man den Herbst duzen? kommt Max Goldt irgendwann zu dem Bekenntnis: „Herbst, wir sind gerne zu Gast in deinem Mantel.“ Das kann ich unterstreichen.

Herr Herbst hat an Eindrücken einfach mehr zu bieten als seine Kollegen. Sogar auf dem Balkon: Der letzte Lavendel ist geerntet worden und wird möglichst kitschig-sophisticated mit Rotwein fotografiert:



Man lernt Rost wieder als Patina zu schätzen und verwelkendes Pflanzgut als Symbol für Vergänglichkeit oder so Zeug:



Den Rosmarin kann man auch im Winter beruhigt auf dem Balkon lassen, das kann der ab, auch wenn er für einige Zeit nicht mehr ganz so duftet, wie auf diesem Bild:



Ein Blick auf die Tomaten, die dann doch noch hervorragend performt* haben, lässt allerdings etwas Wehmut aufkommen, denn Tomaten, Herbst, die kannst du nicht.

Warum Tomaten in Deutschland nicht Paradeiser heißen, ist mir übrigens ein absolutes Rätsel. Denn die Vierländer Krause gehört zu den leckersten Dingen, die der liebe Marduk je geschaffen hat.



Und wenn ich „lecker“ sage, meine ich genau das: Lecker. Ich weiß nicht, wann es angefangen hat, dass „lecker“ plötzlich zum Unterschichtenwort wurde. Ich weiß, dass es in südlichen deutschsprachigen Gefilden traditionell nicht gut ankommt, aber auch da weiß ich wieder nicht, warum und seit wann.

Was ich aber weiß, ist, dass Max Goldt das Wort auch nicht sonderlich mag. Das finde ich zwar komisch, aber das ist natürlich Geschmackssache. In seinem wunderbaren neuen Buch heißt es, das Wort
“sei wirklich nichts als eine harmlose, dumme, lächerliche Mikrobe“
und besser wären Adjektive wie „wohlschmeckend“, „schmackhaft“ oder einfach „gut“.

Nur: Wieso? Schlägt man „lecker“ in der Sprach-Allzweckwaffe Grimm nach, stolpert man nämlich über so manchen Namen, der nicht weiter von Dummheit und Lächerlichkeit entfernt sein könnte, noch dazu in sprachlicher Hinsicht.

Ja, „lecker“ ist etwas unaristokratischer als „wohlschmeckend“. Aber hat sich schon mal jemand nach einem leckeren 6-Gänge-Menü müde zurückgelehnt und mit einem wohligen Seufzer ein „Jössas war das wohlschmeckend“ von sich gegeben? Ein „gut“ mag an dieser Stelle öfter vorkommen – aber was ist falsch an „lecker“? Gut kann auch eine Lesung sein. Aber lecker? Werde ich ihn glatt mal fragen, wenn ich ihm sein Buch auf der nächsten Lesung zum Signieren unter die Nase halte.

PS: Wortmissbrauch in Müslispots ist kein Argument.

Now playing: Cheryl Wheeler – Unworthy

(Mit im Bild: Auf dem Balkon gezogene Galapagos-Tomaten (gelb) und Johannisbeertomaten (rot))

*Nur für euch, liebe Sprachnörgler, nur für euch.

Sonntag, September 27, 2009

Nichtwähler wählen auch.

Das ist eigentlich logisch, trotzdem sehe ich auch in meinem Bekanntenkreis immer wieder Leute, die, aus welchen Gründen auch immer, nicht zur Wahl gehen. Die Gründe dafür interessieren mich tatsächlich nicht die Bohne. Die Rechtfertigungen sind hingegen oft lustig. In den meisten Fällen geht es schlicht darum, das Recht aufs Nichtwählen wahrzunehmen. Und wenn es dabei bliebe - geschenkt.

Das aber reicht den Nichtwählern nicht. Sie wollen es schließlich auch nicht so aussehen lassen, als würden sie ihr Recht auf Auf-dem-Balkon-Sitzenbleiben höher werten als ihr Recht auf die Stimmabgabe. Das tun sie zwar, aber nein, es muss ja eine politische Botschaft dahinter stecken. Dass diese Botschaft nicht ankommt, wenn sie nicht abgeschickt wird, ist auch klar. Politikverdrossenheit heißt das dann nachher in den Analysen und wird sorgenvolle Blicke auslösen.

Und das war es dann. Super Signal, liebe Nichtwähler. Das Schöne daran ist natürlich, dass von den Nichtwählern vier Jahre lange keine Kommentare zur Bundespolitik kommen. Können. Oder etwa doch? Natürlich, denn ich vergaß: Das Nichtwählen ist ja eine hochpolitische und vor Pathos nur so triefende "Handlung". Denn in den Diktaturen dieser Welt gibt es das Recht zuhause zu bleiben eben nicht. Also zeigt man sich solidarisch mit allen, die wählen müssen. Nicht nicht? Whatevah.

Liebe Nichtwähler, bevor ihr tatsächlich nicht wählt, wählt doch bitte wenigstens die Piraten.

Now playing: Depeche Mode - New Dress

Montag, September 14, 2009

Wo ich irrte und wo nicht.

Anfang des Jahres habe ich hier für meine Verhälnisse noch recht zurückhaltend über Starbucks gepöbelt. Starbucks hat nämlich, wie Unternehmen das heute halt machen, für sich eingenommen, Kultur zu fördern, wo doch eigentlich der Verkauf gemeint war. Kulturförderung is nämlich the new Verkaufsförderung, zumindest wenn die Zielgruppe darauf steht.

In einem seltenen Anflug von vorausschauender Vernunft habe ich das wohl irgendwie gutheißen können und nicht völlig zerrissen. Am Samstag Morgen habe ich es dann aktiv unterstützt und mir einen "grande" (?) "Choc Mocca" (?) kaufen müssen, weil der Buchladen noch nicht aufhatte. Der Kaffee war wirklich lecker, auch wenn ich beim nächsten Mal vermutlich auf die Sprühsahne verzichten werde.



Da wo dieser Riesenbecher Kaffee steht, stand bei meinem letzten Besuch in diesem Haus ein Plastiktablett mit ekligem Zeug. Das ist aber auch über 15 Jahre her, ich glaube, das war der letzte Whopper, den ich bei vollem Bewusstsein angerührt habe, "essen" will ich es nicht nennen. Jetzt sieht das da so aus:



Und das ist, Kulturpessimismus hin oder her, ein sehr, sehr guter Schritt in eine sehr richtige Richtung.

An anderer Stelle habe ich mit Spießer Alfons und anderen darüber gestritten, was denn jetzt die widerrechtliche Bemalung von Wahlplakaten eigentlich sei. Die Meinungen gingen von "Gutes Recht, oft lustig" (me) bis zu "Lynchjustiz, Zerstörung von Eigentum, Dummheit und Angriff auf die Demokratie" (andere).

Ich bleibe bei meiner Meinung, möge der neutrale Zuschauer entscheiden, ob "lustig" oder "Lynchjustiz" es besser trifft:



Now playing: Hannes Wader - Das Bürgerlied

Samstag, September 12, 2009

Rock'n'Roll ohne Rock oder Roll.

Wir kommen in Wismar am Hafen bei unserer Hansekogge an und stecken fünf Minuten später in Mittelalterklamotten. Nicht ohne Momente der Verwirrung: „So weit so gut, aber würde das mit google nicht authentischer aussehen?“ Dann müssen wir wieder runter und reihen uns ein in einen Zug, der zum offiziellen Gedöns führt im Zuge der Feierlichkeiten zum 750sten Jahrestag des Schutzbündnisses zwischen Lübeck, Wismar und Rostock. Wir stehen mit vielen Menschen in Filzkleidung vor dem Wismarer Rathaus und hören uns eine Stunde lang an, wie viele Leute nichts sagen. Immerhin: Danach gibt es unerwartet was zu fressen. Und mit „fressen“ meine ich „fressen“. Beim Hansemahl in der Kirche, deren Namen ich vergessen habe..

Gerechnet habe ich für mein erstes Abendbrot auf der Hansekogge mit Pökelfleisch, Hartbrot und einer Zitrone gegen Skorbut. Deshalb war ich leicht überrascht: Etwa 500 Gäste machten sich her über Spanferkel, Sülze, Fisch, Fisch, Fisch, weißen Speck, Eier und Brot, Fisch, viel Wein, viel Bier, Kräuterschnaps, dazu Fisch und Fisch, unterbrochen von Wurst, Eiern, Fleisch und Fisch. Die Gemüsefreunde durften an Kartoffelpuffern knabbern, ich vermute aber, dass das eher als Gag gedacht war. Gesungen wurde auch. Ich singe gerne in der Kirche, gerne auch Seemannslieder in mecklenburgischem Platt.

Dann, sehr viel später, zurück in den Hafen und auf die „Kieler Kogge“ die für die nächsten Tage unser Zuhause sein sollte. Nach Originalvorbild gebaute Koggen gibt es einige, aber nur eine, die tatsächlich nach Mittelalterart betrieben wird. Auf der sind wir ab jetzt unterwegs und deutlich wird das, als ich nach dem Klo frage. Gäbe es zwar auch unter Deck, aber da die Hälfte der Crew schon pennt, wäre es unkollegial, da jetzt Krach zu machen. Toilette gibt es auch an Deck. Open Air. Oben wie unten.

Wenn man dann die Gunst der Stunde nutzen will, um, mal sagen, einer Ente auf den Kopf zu kacken, dann kann man das auf diesem luftigen Lokus wunderbar tun.



(Aber nicht vom Hafenmeister erwischen lassen).

Die erste Nacht an Bord ist anstrengend. 10 Leute unter Deck. Da bleibt es nicht aus, dass jemand schnarcht. Und noch jemand. Und noch jemand. Dem Hansemahl sei Dank, habe ich genug Alkohol intus, um das zu ignorieren. Trotzdem bin ich um 6 Uhr wieder wach. Eine Stunde vorm offiziellen Wecken. Zeit, mal zu schauen, wo ich eigentlich bin (und ein paar Tage bleiben werde):



Der hochsympathische Skipper erzählt später, wie es so an Bord funktioniert. Grundtenor: Gesunder Menschenverstand rulez, das werden auch die erfahrenen Crewmitglieder immer wieder bestätigen – Crewmitglieder (6) wie Gäste (4) müssen gleichermaßen mit anpacken, drücken kann man sich auf einer Kogge nicht so recht. Ansonsten hat der Skipper am meisten Erfahrung und damit logischerweise immer Recht. Jedenfalls wird nicht viel diskutiert, weil es mitunter sehr schnell gehen muss. Wenn man zum Beispiel hört: Warschau Typhon!, dann sollte man besser Bescheid wissen anstatt nachdenken zu müssen.

War-Schau ist eine Mischung aus „Warnung“ und „Schauen“, „Typhon“ bezeichnet die Schiffshupe (also dieses Ding, das ich, wird es auf der Queen Mary 2 an den Landungsbrücken aktiviert, mal schön bis Eimsbüttel hören kann) wenn ich das richtig in Erinnerung behalten habe, was Sie durchaus in Frage stellen dürfen. Spielt aber auch keine Rolle, eine große Ausweichchance hat man jedenfalls nicht. Wenn der Ruf „War-Schau Typhon!“ erschallt und man trotz vorheriger Einweisung noch leicht träumend denkt „Warschau was?“ hupt einem das Typhon längst sämtliche Gedanken von einer Schädelseite zur anderen und pustet sie in einer Schneise der Zerstörung als Lärchenklänge durch das verbliebene Ohr unwiederbringlich hinfort. Aber das mit den Lärchenklängen ist natürlich Theorie, man hört schließlich nichts mehr.

Zu tun gibt es genug, denn, wie gesagt: Das Boot wird nach Mittelalterart geführt und gesegelt. Und zwischen Schippern und Segeln hat der liebe Neptun das Segelsetzen gesetzt. Das wiederum hat, bei 100 qm Grund- und 190 qm Maximalsegelfläche, nichts, genauer: gar nichts, mit dem „Sportsegeln“ zu tun, das man so von Menschen kennt, die rosa Polohemden tragen. Nein: Mittelalterliches Segelsetzen hat viel mit Knochenarbeit zu tun. Mit Bewegungen, bei denen sich jeder Physiotherapeut schaudernd abwenden würde. Mit diesem Ding, heimtückisch verniedlichend „Bratspill“ genannt, wird die Rahe nach oben gekurbelt. Die wiegt geschätzte sechsundzwanzig Tonnen oder so, Segel nicht mitgerechnet.



Aber das Setzen des Segels lohnt sich in jedem Fall, denn Segeln macht Spaß – auch unter Mittelalterbedingungen. Es ist tatsächlich erstaunlich, mit wie viel Logik und mit wie wenig (*hüstel*) Einsatz sich 90 Tonnen Schiff bewegen lassen.

Was folgt, ist Entschleunigung, wie ich sie noch nicht erlebt habe. Auch wenn hier und da mal eine Fähre auf Abfangkurs geht.



Meine Armbanduhr bleibt am ersten Tag um 17 Uhr nochwas stehen, ich ziehe sie nicht wieder auf - die Uhrzeit ist wirklich scheißegal: wann wir im Hafen von Fehmarn ankommen, diktiert eh der Wind. Nach dem Ankommen: Bier, dann Bett. Unter Deck gluckert das Wasser knapp 30 Zentimeter über der Koje laut gegen die Bordwand, aber das ist beruhigender als es sich liest. Und so sieht der Hafen um 6 Uhr (again) morgens aus:



Zu tun gibt es, neben dem Setzen des Segels und dem Anknüpfen der Bonnets, zusätzlicher Segelteile, genug. Seile aufhängen, aufs Meer schauen und so Zeug.



Mächtig was los auf der Ostsee übrigens :



Später am Tag: Sonne, Arbeit, Essen (oft, sehr oft!), Arbeit, Sonne und Knoten lernen. Abends: Vor Dänemark vor Anker gehen. Und das hat mal richtig was.



Am Abend wird gegessen, getrunken und ich schlafe gleich an Deck. Prävention. Wellen schaukeln mich in den Schlaf, Möwen holen mich heraus. 6 Uhr, logisch. Ohne Hafendusche muss Ostseewasser reichen, es wird eh vieles relativ, wenn man auf See ist. Allem voran übrigens: Zeit. Dinge dauern, so lange sie dauern. Und wenn man am Steuer steht und versucht, die Kogge halbwegs gerade auf Kurs Dreidreinull zu halten, dann soll man sich an „Fixpunkten“ am Horizont orientieren aber nie vergessen: „Wolken bewegen sich auch.“



Letzter Tag, 9.00: Pünktlich geht es los. Bei Gegenwind, deshalb leider mit Hilfsmotor (die Kogge kann nicht kreuzen), aber eine Änderung der Windrichtung wurde immerhin vom Wetterbericht angesagt. Und wir wollen schließlich nicht auf lächerliche Hilfsmittel angewiesen sein. Jedenfalls nicht länger als nötig.

9.45: Der Wunschstein geht über Bord mit dem Wunsch nach Nordwind (Stärke 4-5, bitte, wenn wir schon beim Wünschen sind) in spätestens 30 Minuten (wenn sich das ohne Menschenopfer irgendwie einrichten lässt). Nach Tagen der verschworenen Gemeinschaft habe ich ein latent schlechtes Gewissen, weil ich mir parallel (und heimlich) eine Kiste Bier gewünscht habe. Nordwind und Bier bleiben aus, meine Schuld, es muss erst der Mast gestreichelt werden. Und schon dreht der Wind. Ich lüge nicht. Wind = Arbeit, aber das hatten wir schon. Bratspill, my ass!

Irgendwann kommen wir in Kiel an. Und ich bin um einige der besten Urlaubstage reicher, die ich überhaupt haben konnte. Und dringend nötig hatte.

Now playing: Pink Floyd – Comfortably numb

Mittwoch, August 19, 2009

Wen will die FDP eigentlich verarschen?

Immerhin: Zitieren kann man aus der Bibel gut, leider passiert das deshalb viel zu oft. Trotzdem: „Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“ heißt es da bekanntlich. Und obwohl ich als bekennender und wiederholender Sünder nicht nur gerne mit Steinen schmeiße, sondern gerne auch im ebenfalls viel zu oft zitierten Glashaus, bin ich immer wieder schwer beeindruckt, mit was für einer Selbstverständlichkeit in der Politik Gülle vergossen wird über die, die doof genug waren, sich erwischen zu lassen.

Jetzt fordert also der FDP-Mann, Namen hab ich schon wieder vergessen, die Ulla „ultimativ“ auf, sämtliche Urlaubsfahrten mit dem Dienstwagen dem Bundesrechnungshof zur Prüfung vorzulegen.

Da der Bundesrechnungshof anscheinend nicht viel zu tun hat, fordere ich die FDP auf, ihm alles zur Prüfung vorzulegen, was die FDP so ausgibt. Damit uns vor der nächsten Phase des Schnauzeaufreißens erstmal eine lange und besinnliche Zeit des Fressehaltens beschert wird.

Now playing: Die Sterne – Idiotensport

Donnerstag, August 13, 2009

Exklusiv: Wo die Wahlwerbung der CDU wirklich herkommt (aber Vorsicht, schön ist das nicht).

Frager: Wie sind diese Wahlplakate entstanden?
Pofalla: Das ist ein wochenlanger Diskussionsprozess gewesen blablabla.



Nee, is klar. Diese „wochenlangen“ „Diskussionsprozesse“ kenne ich. Statt Ideen stehen wieder nur Deadlines Spalier, also prokrastiniert man bisserl bei Youtube durch die Archive, Sie wissen schon, Flucht nach vorn oder nach hinten, nach damals jedenfalls, als die Welt noch in Ordnung war und plötzlich findet man genau da seine Idee wieder: "Ich habe die Kraft." Schnell noch ein "wir" draus gemacht und fertig ist das Konzept.

Bin ich der Einzige der Angst davor hat, dass Merkel im nächsten Spot ein Schwert aus dem Kostüm zieht, Blitze anzettelt und mit nacktem Oberkörper was von Greyskull faselt?



Now playing: The Choice – Laughing as I pray

Dienstag, August 04, 2009

Improvisationsbloggen: Käsekuchen.

Wenn Sie das nächste Mal beim Speeddating gelangweilt werden, antworten Sie einfach mal bei der ersten auch nur ansatzweise passenden Gelegenheit mit „Käsekuchen“ . Ich kann Ihnen fast garantieren, dass Sie damit automatisch der seltsamste Mensch im Raum sind. Selbst wenn die Frage die nach dem Lieblingskuchen war.

„Käsekuchen“ ist so eine Antwort, auf die man bestenfalls nervöses An-den-Haaren-Zupfen erntet. Käsekuchen ist weder lasziv (Schoko-Chili-Kuchen, Baby), noch ist er nerdy (Kuchen? Das heißt Tortendiagramm) und prollig ist er auch nicht (Mutterkuchen, hähähä). „Käsekuchen“ ist die Antwort, mit der man sein Gegenüber nervös macht, weil es keine angemessene Reaktion darauf gibt.

Das ist ein bisschen wie mit dem Wandern. Wer beim Speeddating – fast per Definition dem hippen Szene-Adel vorbehalten – als „Hobby“ angibt, er würde gerne wandern, der dürfte raus sein. Da bringt es auch nichts, das einfach „Trekking“ zu nennen, denn nach kurzer Beschreibung ebendessen wird das Gegenüber feststellen: Du meinst „Wandern“ und man wird stammeln müssen „äh, ja, im Prinzip ...“ und schon sitzt man mit Brustbeutel, Regenjacke und Rucksack in einer Schublade, aus der man nicht mehr rauskommt.

Und das ist weit befreiender, als es sich anhört. Die Schublade gehört zu den eher geräumigeren und es ist sehr schwierig, darin noch etwas falsch zu machen. Man kann wieder Spezi bestellen statt Weltretterlimonade. Man kann wieder Bier trinken ohne vorher Limettenstückchen durch den Flaschenhals drücken zu müssen. Man kann Schlager wieder doof finden und darf aufhören der „Max“ („der von früher, vor dem Relaunch, als sie noch gut war“) hinterher zu trauern.

Für all das kann man sich auch wunderbar als Spießer beschimpfen lassen. Am besten von den ganz unangepassten. Die so individuell sind, dass sie sich beim Freeclimbing gegenseitig auf die Finger treten und ihre Geheimtipps im Getränkemarkt schon morgens abholen müssen, weil die spätestens am Mittag ausverkauft sind. Anstrengend wird es nur dann, wenn die Spießigkeit wieder in all ihren Facetten in Mode kommt. Kann auch nicht mehr lange dauern, immer nur Ayurveda und Kite-Surfing ist auf Dauer auch anstrengend.

Now playing: Huey Lewis & The News – Hip to be a square

Montag, August 03, 2009

Qualitätsjournalismus. Mal wieder.

Die Verleger überlegen momentan ja fieberhaft, eher noch wie im Fieberwahn, wie man die bösen Blogger aussperren kann, damit ihr Qualitätscontent auch im Internet endlich wieder exklusiv ist. Und wie man Suchmaschinen daran hindert, ihren Content zu finden ohne dass freilich die Suchmaschinenbesucher ausbleiben. Vielleicht sollten sie aber mal ganz andere Dinge überkegen. Wie sie zum Beispiel ihre Klickviehgeneratorstrecken eigenständig und ohne Internet vollkriegen. Exklusiv sozusagen.

Now playing: Wir sind Helden - Die Konkurrenz

Mittwoch, Juli 22, 2009

Seit etwas und für länger auf der Karte: Larmoyanz an Moralinschaum à la Sterbender Schwan.

Die deutsche Blogosphäre ist, wie wir wissen, die reinste der Welt. Sie zu erhalten, zu ehren und zu beschützen ist unser Auftrag. Sie ist gut, edel, frei von Kommerz und ähnlich sündigem Getue. Jedenfalls war sie das bis Satan kam:

„Und er ward geworfen auf die Erde. Und seine Engel wurden auch dahin geworfen.“

Das ist laut Bibel (Offenbarung des Johannes, die Älteren werden sich erinnern) vor einiger Zeit mal passiert und das hat sich wiederholt. Der Teufel ist logischerweise Vodafone. Muss ich noch was verlinken? Die Engel, die gefallenen, sind auch bekannt: Lobo, Schnutinger, Kosmar und wie sie nicht alle heißen (wer noch genannt oder gestrichen werden will, bitte melden, ich bin vor nix fies).

Dem Herrn (?) sei Dank wurden alle Beteiligten von einem moralisch wesentlich höher stehenden Kollektiv, fast hätte ich es Sekte genannt, in den Staub getreten. Hab ich Sekte gesagt? Tut mir leid, gemeint war natürlich Kindergarten. Irgend eine Gruppe eben, die glaubt, ihr kleines Universum gehöre a) ihnen und sei b) wichtig.

Dass das ganz große Kleingeistigkeit ist, hat schon das Schlemmerblog gezeigt. Zeter und Mordio! Ausverkauf! Fehlende Transparenz! Allein: Wen hat das Geschimpfe der Blogosphärischen Inquisition gekümmert? Also: außerhalb des Checker-Kreises? Niemanden? Genau.

Aber ich schweife ab (weil ich es kann). Vodafone hat den ersten Schritt gemacht und wurde böse niedergemacht. Weil man in Deutschland keine Fehler machen darf. Und in Blogland schon gar nicht. Da beneide ich die Amerikaner mit ihrer Kultur, die Fehler adelt. Oder, um es mit Yoda (ihr wisst schon, Yodafone, knick-knack) zu sagen: „There is no try. Do it or don't.“

Das kann man natürlich schöner sagen als George "Mr Dialogue" Lucas und Dan Wieden hat genau das getan mit „Just do it“. Außerdem hat er sich das „Fail“ quasi zum Konzept gemacht: Welcome to Optimism. Andersrum: Embracing Failure. Und wenn Vodafone das macht, ist es in zwei Jahren ganz weit vorne. Da werden auch die Veteranen (weisse noch? Als wir kurz wichtig waren?) nichts gegen tun können.

Ich glaube, dass sich ein paar (gerne auch mehr) Leute einfach mal etwas entspannen sollten. Auch wenn ich natürlich weiß, dass das nicht einfach ist. Jetzt, wo Leute in Stonehenge Blogistan Sachen verkaufen wollen. Schnutinger, das geht vorbei.

Now playing: Nico, Oasis, Blondie & Robert Fripp, Adrian Belew & Martha Wainwright, Ben Becker, Big Ben Tribe, Billy Preston, The Cain Principle, Celtic Frost, Friccion, Iva Davies + Icehouse, Kasabian, Letzte Instanz, Love Like Blood, The Magnetic Fields, Mica, Philip Glass, Sacha Steff & Manuel Armstrong, Six by Seven, TV On the Radio

und natürlich David Bowie – Heroes

Denn DAS, Vodafone und Unterstützer, nehme ICH Euch übel.

Dienstag, Juli 14, 2009

U-Bahn einerseits, Internet andererseits.

Denn als ob das nicht schon schön genug wäre:


Nö, das Internet hat noch ganz andere "zu späts" im Portfolio:
"Most individuals killed in a terrorist act - beat this record"
... und meißeln Sie Ihre Unkenntnis in Stein. Oder in google.

Now playing: Peter Schilling - Ein Tag in der Stadt

Sonntag, Juli 12, 2009

Fahrradfahrversuchfail.

In Hamburg kann man jetzt auch städtische Räder mieten. Super Sache, das. Ich also schön vor ein paar Tagen angemeldet und heute nix wie hin. Und dann stehe ich da vor der Mietstation und traue mich nicht so recht loszulegen, denn es stehen Menschen davor, die es betrachten (skeptisch) und auf dem Touchscreen rumdrücken. Will ich mich nicht dazwischen drängeln.

Zumal es arg peinlich hätte werden können, mit einem souveränen „Ladys, lasst mich doch mal kurz durch“ den Kenner raushängen zu lassen, nur um dann unter den Blicken der Zuschauer nach meinem Log-In-Versuch ein „Es sind keine StadtRÄDER verfügbar“ zu ernten.



Das muss man sich nämlich mal auf der Zunge zergehen lassen: Ich stehe an einer Fahrradstation, will ein Fahrrad mieten und die Station sagt mir hanseatisch zurückhaltend, es wäre gerade keins verfügbar. In Berlin hätte mir der Apparat ob meines Mietversuchs vermutlich erwidert: „JUNGE MACH DIE AUGEN AUF! SIEHST DU HIER IRGENDWO EIN FAHRRAD STEHEN?“

Das wäre allerdings doppelt unhöflich gewesen, denn verunsichert habe ich nochmal nachgeschaut und siehe da:



Zugegeben: Von zwei auf null ist es nicht weit. Aber: Wäre es übertriebene Pedanterie darauf zu bestehen, nach einem schönen Tag im Zoo mit zwei Kindern wieder nach Hause zu kommen, anstatt mit keinem?

Aber gut. Der Regen hätte mich eh kalt erwischt und noch blöder als hilflos zu versuchen, ein Rad loszubekommen, ist es vermutlich, im T-Shirt bei Regen hilflos zu versuchen, das Scheißding wieder elektronisch festzuzurren und kläglich zu scheitern. Am besten noch begleitet von der Meldung an der StadtRAD-Station: „Es ist keine StadtRAD-Station verfügbar.“

Now playing: Roxette – Dressed for Success