Sonntag, Juni 08, 2014

Wem gehört eigentlich Star Wars?

1983 saß ich als Neunjähriger im Wall-Kino in Oldenburg und durfte „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ erleben. Ich kannte die Vorgeschichte nicht und hatte deshalb keine Ahnung, dass ich den dritten Teil einer Trilogie sah. Aber wenn mich ein Kino-Erlebnis geprägt hat, dann das. Umso begeisterter war ich, als ich etwas später „Krieg der Sterne“ (in der Solo-shot-first-Version) und „Das Imperium schlägt zurück“ auf der großen Leinwand bekam. Danach kam leider die große Leere. Wir hatten ja nichts! Damals noch nicht mal VHS! Aber wir entdeckten das „Expanded Universe“.

Das „EU“ ging los mit dem 1978 erschienenen Roman „Die neuen Abenteuer des Luke Skywalker“ (also noch vor dem zweiten Teil) und hatte zu dem Zeitpunkt, als ich davon erfuhr, schon diverse Romane hervorgebracht. Und Comics.

Die Adaption des ersten Films zum Beispiel und viele, viele, viele Geschichten, die aber auch genau gar nicht mit dem im Einklang standen, was in „Das Imperium schlägt zurück“ oder gar „Rückkehr der Jedi-Ritter“ passieren sollte. Also fast alles Geschichten (damals noch von Marvel), die nicht in das passten, was später der „Kanon“ werden sollte. (Wo meine Comics von damals sind, weiß ich nicht. Die Originale dürften heute locker für dreistellig über den Tisch gehen, bei Dark Horse kriegt man sie als Omnibus-Ausgaben für schmales Geld. Und bei Panini auf deutsch, für etwas mehr Geld, was Quatsch ist, aber muss ja jeder selber wissen.)

Der Kanon kam. Ich weiß nicht, wann George Lucas das Heft in die Hand genommen hat. Aber Star Wars hat ja förmlich darum gebettelt, von Fans weitergeschrieben zu werden. Nur bitte mit System. Könnte ja jeder kommen und eine Geschichte erfinden, in der Han Solo stirbt. Ganz schlecht fürs Merchandising. Also hat Lucas (bzw. seine Firma) alle Geschichten aus dem EU abgesegnet – oder eben nicht. Im Prinzip fast lizensierte Fan-Fiction, wobei das natürlich etwas verkürzt ist, denn die Autoren des EU sind durch die Bank professionelle Schreiber/innen (aber manchmal eben auch Fans).

Ich habe kurz für Sie durchgezählt: Es gibt Drölfzigtausend Comics und paar mehr Bücher, die alle zur „offiziellen“ Zeitlinie des Star-Wars-Imperiums (*hüstel*) gehören. Der Zeitraum erstreckt sich von 20 000 Jahren vor Luke, Leia und Han bis 130 (?) Jahre danach. Die Fan-Fiction hab ich nicht mitgezählt, da ich die nie gelesen habe (shame on me). Ich war quasi inflexibler Fan.

Auftritt Disney und Abrams.

Ich war begeistert von der Nachricht, dass Disney Star Wars übernehmen würde. Die wissen, wie man Geschichten schreibt und für George-Lucas-Dialoge wird man normalerweise gefeuert, um die ist es nicht schade. Perfekt also, dass der alte Mann raus ist (danke für alles, anyway) und die Geschichte trotzdem weitergehen kann. Abrams hingegen hat mir schon Star Trek versaut. Wobei das jetzt wieder zu streng ist. Er hat es neu geordnet. Weil seine Ideen nicht in die alte Storyline gepasst haben. Kann man machen, die Filme sind ja auch gut – nur eben nicht mehr wirklich Star Trek.

2015 kommt „Episode VII“ und ich freu mich schon jetzt wie ein kleines Kind. Aber: Die neuen Filme werden nicht Teil des Kanons sein, den ich seit 30 Jahren kenne. Disney und Lucas sagen: Es gibt nur einen Kanon: Die ersten sechs Filme. Das stimmt aber nicht. In den Köpfen der Fans gibt es den Kanon, den Lucas selbst erkoren hat. Mit all den großartigen Geschichten, die für mich (und paar andere) das Star-Wars-Universum ausmachen. Damit soll Schluss sein. Der Kanon wird neu definiert, die neuen Romane ab „A new dawn“ sind neu-offiziell, alles, was bisher veröffentlicht wurde, wird weiter toleriert, läuft aber zukünftig unter dem Stempel „Legends“. Ist also nie passiert.

Moment. Nie passiert? Nichts von alledem ist je passiert, wir reden von Fiktion. Lucas und Disney versuchen, etwas in der Hand zu behalten - und erreichen damit das Gegenteil. Es war schön und entspannt, einen „offiziellen“ Kanon zu haben (Batman-Leser wissen, wovon ich rede). Aber das Thema ist durch und die Geschichte ist offen. Natürlich lese ich die neuen Romane und Comics (auch wenn sie wieder zu Marvel gehen), aber zu meinem Kanon gehört die Thrawn-Trilogie ebenso wie Dark Empire, Knights of the old Republic, Legacy, die Vong, Chewbaccas Tod (Achtung, Spoiler, gerade), Darth Bane et al. Das ist gesetzt. Was in den neuen Filmen kommt, ist für mich das, was Lucas immer vermeiden wollte: Geschichten, die nicht ins Bild passen.

Was in der Fiktion wahr ist und was nicht, lässt sich nicht per Stempel deklarieren und weder Disney noch George Lucas haben es in der Hand, was tatsächlich der Kanon ist/wird. Ich sehe die neuen Filme und Romane und Comics und Spiele jedenfalls als das, was sie sind: Fan-Fiction, die sich außerhalb meines Kanons bewegt. Ist das schlimm? Im Gegenteil. Ich kann mich endlich auch der sträflich vernachlässigten Fan-Fiction abseits des ehemals offiziellen Kanons widmen. Welche Geschichten in meine Welt passen, entscheide ich selbst – und ab heute sind das nicht mehr nur die offiziellen.

Star Wars gehört nämlich mir.

Now playing: Boston Pops - Imperial March

Mittwoch, April 04, 2012

Tanzverbot?

Auf Twitter und in diversen Blogs wird mal wieder das „Tanzverbot“ diskutiert. Die Gläubigen begründen das Verbot am „stillen Feiertag“ mit der Bedeutsamkeit und dem Anlass des höchsten christlichen Feiertages, die Ungläubigen lehnen es ab als unzulässigen Eingriff in ihre persönliche Freiheit.

Der Streit wird (typisch Internet) immer schnell zur Grundsatzdebatte: Die einen fürchten als nächsten Dominostein die grundsätzliche Abschaffung kirchlicher Feiertage, die anderen sehen den Papst schon als außenparlamentarischen Entscheider und den Staat als dessen Erfüllungsgehilfen. Es könnte vielleicht helfen, mal wieder runter zu kommen und den Kern zu betrachten.

Wogegen wollen die Piraten denn demonstrieren? Doch nicht gegen das Gedenken der Christen an den Tod ihres Religionsstifters. Und was wollen die Kirchen mit dem Tanzverbot erreichen? Doch nicht, dass die Bevölkerung geschlossen stumm gedenkt.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand öffentliche Tänze auf öffentlichen Plätzen oder gar vor Kirchen planen oder organisieren würde, nur weil am Karfreitag der Kreuzigung gedacht wird. Es geht schlicht um ein behördlich durchgesetztes Verbot, das - bei allem Respekt - auf nichts anderem basiert, als auf religiösen Befindlichkeiten.

Nicht der Tanzenslust wegen soll getanzt werden, sondern weil es verboten ist. Das mag sich trotzig anhören. Aber versuchen Sie mal, das einem Außenstehenden zu erklären:

Deiner Gruppe wird verboten, in einem geschlossenen Raum zu tanzen, weil das die Gefühle einer anderen Gruppe verletzt, die in diesem Raum zu keiner Sekunde anwesend ist.

Klingt das vernünftig?

Was aus meiner Sicht vernünftig wäre: Wenn die christlichen Kirchen von sich aus erklären würden, dass sie kein behördlich durchgesetztes Tanzverbot brauchen. Das brauchen sie nämlich nicht. Ändern würde sich für die Kirchen und für die Gläubigen überhaupt nichts. Außer vielleicht, dass sie sich endlich mal fortschrittlich zeigen würden, was ja auch nicht immer der Fall ist.

So lange aber etwas, was den Rest des Jahres erlaubt ist, an einem Tag verboten wird, muss auch dagegen protestiert werden. Denn das ist ein Eingriff in die Freiheit des Einzelnen.

Auch wenn es nur um einen scheiß Discobesuch geht.

Now playing – Brian Ferry – Don’t stop the dance

Dienstag, April 03, 2012

Stöckchen: 5 Filmfragen

Ein Filmstöckchen von Kiki, da kann man ja auch mal wieder bloggen. Fünf Fragen also:

1. Was war Dein erster Kinofilm und hast Du ihn später noch einmal gesehen? Wie fandest Du ihn dann?

Da geht’s schon los: Ich bin mir nicht mehr sicher. Könnte Aristocats gewesen sein, aber wahrscheinlicher ist E.T. Letzterer war zumindest mein erstes bewusstes Kinoerlebnis im Sinne von Kino und Erlebnis.

Als dann die „restaurierte“ (?) Fassung kam, hab ich ihn noch mal gesehen. Fand ich albern, was aber auch an den Änderungen gelegen haben kann (Handys statt Knarren?). Aristocats hingegen kann ich immer noch gut sehen.

2. Welches sind Deine drei liebsten Filmszenen und warum?

Das ist wieder so eine Frage, bei der man wahrscheinlich erst später auf die tatsächlichen Antworten kommt. Aber gut. Abgesehen von den logischen Antworten (Eröffnungsszene des Paten, Han Solos Präventivschuss (!) auf Greedo und so Zeug), habe ich ein paar Szenen, die ich wirklich liebe, die aber nur stellvertretend stehen können:

a) In dem wunderbaren Episodenfilm „Scenes of a sexual nature“ gibt es die Geschichte von zwei älteren Herrschaften, gespielt von Eileen Atkins and Benjamin Whitrow. Beide haben im Park eine Lieblingsbank auf der beide einmal pro Woche einen Nachmittag sitzen. Er Donnerstag, sie Freitag (oder andersrum). Bis sie sich im Wochentag vertut und beide am Donnerstag da sitzen und nicht so recht wissen, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Sehr englisch halt.

Sie schweigen also eine Weile vor sich hin, bis er sich einen Ruck gibt und fragt „Do you come here ... often?“ und sie wie aus der Pistole geschossen antwortet „Is THAT the best you have?“

b) Leider nie auf großer Leinwand gesehen, da muss das noch mal um einiges gewaltiger rüberkommen: Rhett Butler, der den Pferdewagen mit Scarlett, Melanie und Prissy am brennenden Bahnhof vorbeiführt (gut, eigentlich die ganze Sequenz ab „Kann mir eine der Damen sagen, wo man hier ein Pferd stehlen kann? Ist für einen guten Zweck.“). Ist zwar insgesamt recht chauviehaft, zugegeben, aber immerhin darf Scarlett ja auch mal zuhauen.

c) Das finale Duell zwischen Frank und Harmonica könnte ich mir immer wieder anschauen, was vor allem an der Kombination aus Leone und Morricone liegt. Sowieso. „Spiel mir das Lied vom Tod“ – für so was wurde das Kino gemacht.

Bonustrack: Im Prinzip der komplette Film „Das Boot“. Insbesondere natürlich „I am not in the condition to fuck“ und „Not yet, Kameraden, not yet.“

3. Hast Du schon einmal selbst einen Film gedreht, und sei es nur auf Video oder Super 8, so richtig mit Drehbuch, Maske/Kostüm und was war das für einer? Bzw. was wäre das für einer, wenn Du das machen würdest?

Habe ich nicht. Ich hab mal beim Junggesellenabschied draufgehalten und war an der Maske nicht ganz unbeteiligt, aber das zählt wohl nicht. Da ich außerdem seit Jahren daran scheitere, eine vernünftige Romanidee zu entwickeln, wird dessen Verfilmung wohl noch ein Weilchen auf sich warten müssen. Aber so viel kann ich wohl verraten, ohne zu viel spoilern zu wollen: Es wird um eine Zeitreise gehen, bei der Ninjas und Zombies eine wesentliche Rolle spielen. Und ein Pony.

4. Gibt es einen Film, der Dir Angst macht und den Du nie, nie, nie wieder sehen willst?

Angst machen ist übertrieben. Aber „Irreversible“ werde ich definitiv kein zweites Mal gucken.

5. Und welchen Film würdest Du gerne noch einmal auf der großen Leinwand sehen, der leider nur noch im TV oder auf DVD zu haben ist?

Da kommen eine ganze Menge Filme in Frage und den Programmkinos sei dank kommen sie ja auch immer mal wieder auf die Leinwand: Der Pate, die Spaghettiwestern, Hitchkock, die Klassiker – also all die Filme, die deshalb so groß waren, weil sie genau dafür gemacht wurden: Für die große Leinwand, ohne Zweit- und Drittverwertung im Hinterkopf gehabt zu haben (am besten noch Viertverwertung auf dem fucking telephone).

Star Wars läuft eh immer wieder, aber was ich noch nie im Kino gesehen habe, und das wird bitteschön mal Zeit: „Once upon a time in America.“

Now playing: The Drifters – Saturday night at the movies

PS: Wie immer bei Stöckchen in diesem Blog gilt: Wer mag, mag sich bedienen.

Mittwoch, März 07, 2012

Normal ist Logik.

Normal kann nicht jeder:


(Mal ganz abgesehen davon, dass das die Gaulloises Gauloises-Kampagne ist)

Now playing: Depeche Mode – Fools

Freitag, März 02, 2012

Eine Frage zum Ehrensold

Dass Wulff keinen Ehrensold verdient, liegt in der Natur des Wortes. Nur: Warum er ihn nicht verdient, darüber wird überall gestritten. Denn Ehrensold erhält nur, wer aus politischen oder gesundheitlichen Gründen zurücktritt – persönliche Gründe zählen nicht.

Mich interessiert da eine Frage, die bisher weder in der Presse, noch in der Fachwelt gestellt worden ist:

Warum um alles in der Welt hat ein Bundespräsident bei einem Rücktritt aus persönlichen Gründen kein Anrecht auf den Ehrensold?

Aus persönlichen Gründen zurückzutreten zeugt nämlich in vielen Fällen (Mutter liegt im Sterben, Kind hat versucht Selbstmord zu begehen, Partner hat Krebs, whatever) von deutliche mehr Ehrgefühl und Rückgrat, als das schwammige „aus politischen Gründen“. Politische Gründe verhalten sich zu persönlichen Gründen so wie die politische Verantwortung (die gerne übernommen wird, weil es selten persönliche Konsequenzen hat) zu persönlicher Verantwortung (die nie übernommen wird, weil ja die Umstände, die Welt und überhaupt alle anderen schuld waren).

Nach meinem Ehrgefühl müsste es also genau andersrum sein: Wer den Arsch in der Hose hat, zu sagen, persönliche Umstände (s.o.) seien gerade mal wichtiger als irgend ein scheiß Amt, der hat sehr wohl einen Ehrensold verdient. Wer hingegen aus politischen Gründen das Handtuch wirft – und das hat Wulff getan –, dem darf der Rechnungshof gerne eine Mail schicken mit dem Betreff:

Dir Strolch keinen Cent!

Now playing: Depeche Mode - Wrong

Donnerstag, Januar 26, 2012

Wer's braucht: Werd halt Fan auf Facebook.

Heutzutage gilt man ja fast schon als kulturpessimistisch, wenn man zaghaft fragt, was denn der Facebookauftritt einer Firma so bringen soll. Die Befragten gucken dann meist wie der Metzger am Salatbuffet und antworten sichtlich irritiert: "Na: Fans. Ich mein, hallo?"

Die Folgen sind bekannt: Keine Regalnase, kein Türaufkleber, kein Etikett und schon gar keine Anzeige ohne Facebook-F, garniert von euphorischen Imperativen, die einem nahelegen, doch jetzt Fan zu werden. Das nervt. Vor allem, weil es hysterischer rüberkommt als jeder Schlussverkauf.

Eine hübsche Ausnahme sieht man bei Kicktipp.de. Die können sich dem zwar auch nicht ganz entziehen, aber die Herangehensweise ist erfrischend realistisch:



Now playing: Anouk - Who cares?

Mittwoch, November 23, 2011

Pfefferspray, Nasenspray, whatevah!

Diese Dokumentation der Verteidigung westlicher Grundwerte kennen Sie mittlerweile. Aber ist Ihnen auch aufgefallen, wie harmonisch sich die Werbung auf der rechten Seite dem Inhalt fügt?



Kontextsensitivität ftw!

Now playing: Beatles - Seargent Pepper's Lonely Hearts Club Band

Freitag, Oktober 14, 2011

Immer die anderen

Müsste ich eine Liste anfertigen mit Dingen, die ich doof finde, wäre diese Liste recht lang: Zug fällt heute aus, Buch ist im Hardcover nicht erhältlich, Regen von vorne, Blattläuse, don't get me started.

Müsste ich eine Liste anfertigen mit Dingen, die mir egal sind, wäre diese Liste ungleich länger: Das Wetter in Lyon, die Kabellänge meines Wasserkochers, der Hersteller der Teelichter – was auch immer Sie wollen.

Und dann gibt es diese komischen Schnittpunkte, die bilden die „Schlimme Liste“: Heckenhöhe im Kleingarten, zum Beispiel: Nichts könnte mir egaler sein als die Höhe einer Hecke, aber wenn ich einen Kleingarten und eine zu hohe/niedrige Hecke hätte, würde ich die Vorschrift vermutlich doof finden.

Auf der Schlimmen Liste ist seit einiger Zeit der Hersteller meiner Regenjacke. Regenjacke – Sie erinnern sich? Das Ding, das Regen abhalten - also funktionieren soll? Meine ist nämlich von

JACK WOLFSKIN

Meine Regenjacke hat ein Imageproblem: Sie hält Regen ab und man kann eine Fleecejacke einknüpfen. Und sie hat furchtbar viele schnell erreichbare Taschen. Das macht sie wohl zu einer so gennanten „Funktionsjacke“. Und mit der werde ich von den Hipstern und deren Hassern (fließende Übergänge, vor allem in der Schanze) unisono abgestempelt als … was eigentlich?

Darüber wollte ich jetzt was schreiben. Problem ist nur: Es ist mir so unfassbar egal, dass egal vielleicht nicht einmal mehr das richtige Wort ist. Es ist eine Regenjacke. Wer sich da über No-Gos aufregt, versucht auch, beim Kacken cool zu gucken.

Gruß an alle Hipsters, deren Hasser, Doushebags und die anderen Coolen.

Now playing: Huey Lewis - Hip to be a square

Donnerstag, Dezember 02, 2010

Sie sind über uns.

Warum das Abendblatt langweilig ist, die Mopo aber nicht? Wegen der Leserbriefe. Heute ganz weit vorne:

"Betr.: Neuer Arktis-Winter.

Warum haben wir hier in letzter Zeit so viel Schnee, diese unnatürliche Kälte, im Sommer viel Regen und oft diesen milchig-bleiernen Himmel? Angeblich sollen Zusätze im Kerosin die globale Erdtemperatur senken. Die Versuche ziviler und militärischer Forschung zur Manipulation des Klimas werden immer skrupelloser."

Kann mal jemand bei Wikileaks nachschlagen, ob das stimmt?

Now playing: A Dawn Serene - The Return To Light

Donnerstag, November 18, 2010

Ein nOOb auf der re:publica

Nachdem ich jetzt jahrzehntelang nur im Netz verfolgen konnte, was auf der re:publica so geht (vorausgesetzt, der olle Stream hat funktioniert), werde ich 2011 selbst vorbeischauen und dann drüber twittern, wie Nerds ohne UMTS-Modem darüber twittern, dass es ja wohl nicht zu viel verlangt wäre, WLAN ...

Gut: Das könnte ich auch aus der Agentur heraus. Aber meine Güte. Das ganze geht jetzt ins fünfte (?) Jahr, da kann man ja langsam mal.

Besonders freue ich mich auf die Beiträge von

Jeff Jarvis: Don't like street-view in Germany? - why do you hate America?
Alfred E. Neumann: Anonymität im Internet ist der neue Islamismus
Und natürlich Familie DuMont: Dynasty meets Dallas - Verleger im Internet

Aber das Programm ist ja noch nicht zu 100% fest. Das Motto muss auch noch gebastelt werden. Na ja, wird schon.

Now playing: Robin Beck - First Time

Dienstag, November 16, 2010

X-Perten unter sich

"Das Bild muss Schärfe transportieren."
"Reicht es nicht, wenn wir "Chili" und "scharf" da hinschreiben?"
"Nee, ich hab Bock auf ein Shooting. Am besten mit ner scharfen Alten!"
"Na super. Dann setz sie doch noch auf ne heiße Kiste, haha."
"Du bist genial!"
"Eigentlich bin ich nur gerade ganz furchtbar müde ..."


Now playing: Take That - Back for good

Samstag, September 04, 2010

Stirb, du Katze, äh Hund, äh, Sau!

Ganz, ganz, ganz viele Leute reden gerade darüber, ob man Fleisch essen darf oder nicht. Gut, das haben sie schon immer gemacht. Vor allem Gutmenschen wie ich. Ich hab dann immer rauchend, trinkend und lachend in der Küche gesessen und in nerviger Frequenz den (und der ist groß, da kann man sagen was man will, man sollte nur vielleicht mal die Urheberschaft zugeben) Al-Bundy-Spruch sinngemäß wiedergegeben: Wenn man Fleisch nicht essen soll, warum schmeckt es dann so gut?

Vegetarier und Veganer kommen immer gerne mit den naheliegenden Argumenten: Fang dir deinen Hasen doch mal selber (SFX: lautes Lachen). Und solltest du ihn tatsächlich fangen, töte ihn, zieh ihm das Fell ab und nimm ihn aus und dann (ich persönlich würde ihn noch etwas abhängen lassen) wollen wir doch mal sehen, ob du ihn noch grillen und essen kannst.

Ich kann das. Also, außer „Hasen fangen“. Ich habe als etwa 6-jähriger eine Schweineschlachtung mitbekommen, die heute als „Hausschlachtung“ bezeichnet würde. Und damit als das Beste, was einem Schwein überhaupt passieren könnte: Am Ende seiner Tage, umsorgt und sorglos zum Schlachtaltar geführt zu werden. Dummerweise ist das dann doch anders. Wobei: Es passiert das, was auch im Schlachthof passiert: Das Schwein riecht den Tod, selbst wenn es das erste ist. Fragen Sie mich nicht wie das geht.

Selbst wenn Sie Bauernhöfe gewohnt sind, ist das Geschrei einzigartig. Nach dem „First Blood“ ist eh alles vorbei, dann ist bei jedem neuen Schwein keine Angst mehr da, sondern ... Panik trifft es auch nicht mehr, das ist Todesangst. Zurecht, denn es hat sich ja bald erledigt. Der Druckdingsbums bringt es zum Stolpern und der Schnitt mit dem (wirklich, wirklich scharfen) Messer macht dann auch verhältnismäßig kurzen Prozess. Das alles findet bei einer Hausschlachtung (zumindest damals) draußen auf dem Hof statt und nach meinem Dafürhalten waren sehr viele Menschen daran beteiligt und keiner hatte „Spaß“ dabei.

Aber.

Es hatte was archaisches. Das findet man als kleiner Stepke gut, das mag man als großer … Dingens kritisieren – ich bin der Meinung: So lange Fleischkonsum als normal erachtet wird (und ich bin noch auf dem Level), sollte unterrichtet werden wo das Zeug herkommt. Das wird nur nicht passieren. Ich habe gesehen, wie ein Schwein geschlachtet wurde, ich habe aber auch gesehen, wie es – abgesehen von den Borsten, die werden dem toten Schwein mit Schaber und kochendem Wasser vom Pelz gebrüht – komplett aufgebraucht wurde. Innereien, Speck, Speck, Speck, Fleisch und Speck und Fleisch und Innereien, selbst die Badewanne voll Blut - und alles war lecker und ein Schwein hat vier Familien über den Winter gebracht (SFX: Streicher, viel Pathos). Alles wird verbraucht. Da kann man eigentlich nichts sagen. Muss man

aber

weil: Hundewelpen zu ersäufen ist falsch! Katzen in Mülltonnen zu stecken ist falsch! Schweinen oder (Achtung: perfider Wechsel zu knuddeligem Tier) Lämmern die Kehle durchzuschneiden ist … insofern richtig, als das Milchlamm, was, leckerer ist? Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass Milchlamm lecker ist (wer das versaut, versündigt sich ernsthaft).

Trotzdem muss es, logisch und bei Licht betrachtet, falsch sein ein Lamm zu schlachten, wenn es schon falsch ist, Katzen in Mülltonnen zu stecken. Oder Welpen in den Fluss zu schmeißen. Da gibt es nichts schönzureden. Leider konnte mir auch beim Herrn Psycho nicht weiter geholfen werden. Vielleicht muss ich wirklich das Buch lesen.

Now playing: Pink Floyd - In the Flesh

Sonntag, Juni 20, 2010

Bücherdings, Tag 4, dein Hassbuch. Daraus wird: Zombies, Werwölfe, Vampire – eine, nunja, Kulturkritik.

(Ich möchte, wenn ich darf, ein bisschen hin- und herspringen, Tag 3 reiche ich nach)

Es gibt kein Buch, das ich „hasse“. Es könnte darin Gedanken geben, die ich verabscheue oder es könnte von jemandem geschrieben worden sein, dessen Ableben ich nicht sonderlich bedauern würde. Aber ein Buch hassen? Fällt mir schwer. Es gibt allerdings Bücher, die ich hochgradig albern, überflüssig – und deshalb erwähnenswert finde. Dazu gehört „Dracula – Die Wiederkehr“ von Dacre Stoker und Ian Holt. Dazu muss ich allerdings ein wenig ausholen.

Sich gegen Zombies zu wehren ist so einfach, dass es mich schon wundert, wie die in den ganzen Doku-Soaps (28 Days later, Shaun of the dead und wie sie alle heißen) permanent kurz davor sind, die Weltherrschaft zu übernehmen. Das ist total unrealistisch. Für einen Zombie reichen nämlich ein Baseballschläger und ein cooler Spruch beim beherzten Zuschlagen.

Bei Vampiren und Werwölfen ist das bekanntermaßen anders.

Beim Werwolf fällt auf, dass in den heutigen Machwerken (so gut sie auch sind, Underworld etc.) die Propaganda eines Alexandre Dumas endlich fruchtet und die Geschichte sich durchsetzt, in der der arme Unterschichtler neue Macht bekommt. Nur eben blöderweise als Werwolf. Das war mal anders. Bei „American Werewolf“ spielte die soziale Komponente eine eher untergeordnete Rolle.

Bei John Sinclair wiederum ging es, dann doch, ziemlich unverholen um Erotik. Königin der Wölfe und so. Das war in den 70ern. Bei John Sinclair waren allerdings die Vampire völlig befreit von jeglichem Emotionsgetue. Zu Recht! wie wir bei Bram Stoker gelernt haben: Der Vampir ist nämlich schlicht asozial. Das kann man sich tausendmal mit Monica Belucci schönreden, Herr Copola, Fakt bleibt: Der Vampir an sich ist asozial und Machwerke wie „Twilight“ kann ich ungesehen als an den Haaren herbeigezogene Sozialromantik abhaken.

Und dann kommt der Urgroßneffe (!) von Bram Stoker (warum nicht gleich der Enkel der Konkubine vom Barkeeper des Verlegers?). Und schreibt: Dracula – die Wiederkehr. Klappentext: Die „offizielle Fortsetzung des unsterblichen Klassikers“.

Spätestens da schwillt mir der Kamm. Offizielle Fortsetzung? Wer hat das entschieden? Und was macht das Wort „offiziell“ besser? Das Buch fängt dabei recht gut an: Ein Bram Stoker will die Geschichte von Harker ins Theater bringen, der "Sohn" von Jonathan und Mina Harker ist Schauspieler, liest das Stück und erkennt einiges wieder.

Es endet aber so lächerlich, wie ein lächerliches Buch überhaupt enden kann – inklusive Star-Wars-Zitat (und ja, ich meine DAS Star-Wars-Zitat, sorry für den Spoiler). It's crap, don't read it.

Das Schlimmste an dem Buch ist aber nicht die Geschichte, sondern das unerträgliche Genöle von Dacre Stoker im Nachwort. Da beschwert sich allen Ernstes der Dingsgroßdings von Bram Stoker darüber, dass die Familie Stoker von keinem Draculafilm finanziell profitieren konnte. Tja. Böse, böse Welt.

Ich bin, ich habe darüber geschrieben, ein relativer Freund des Urheberrechts. Aber es kann nicht angehen, dass sich ein Familienmitglied xten Grades darüber beschwert, dass kreative Leute sich der Motive bedienen, die irgendwann mal der Großdingsonkel verbraten hat – ohne sie sich freilich selbst ausgedacht zu haben. Wir reden immer noch von Dracula.

Aber das Buch zu „hassen“ ist mir zu hart. Das kann ich nicht.

Now playing: Zumindest in Gedanken – die Titelmelodie der Verserieung vom „Kleinen Vampir“.

Sonntag, Juni 06, 2010

Wenn ich mal kurz pöbeln dürfte? Danke.

Im kir habe ich meine ersten Tattoos abseits gängiger Sichtbarkeit zu sehen bekommen.
Im kir habe ich stoned neben den Boxen schlafen können ohne ausgeraubt zu werden.
Im kir habe ich auch weit entfernt der Achtziger noch zu „Rebell Yell“ knutschen können.
Im kir (genauer: davor) habe ich mich erstmals mit einer Frau nicht über ihre völlig zerschnittenen Unterarme unterhalten.
Im kir war völlig klar, dass irgendwann „Enjoy the silence“ und später „A Forrest“ kommen würde.
Im kir haben wir jahrelang auf einer Bombe getanzt
Im kir war das Grillen im Garten endcool, weil es nichts Absurderes gibt, als mit Gruftis um drei Uhr morgens im Garten einer Disco Würstchen zu grillen.

Und dann ist das kir umgezogen. Das ist lange her und war dann auch zunächst nicht soooo dramatisch.

Aber mittlerweile regiert da die EBM-Mafia und es zappeln Idioten auf der Tanzfläche rum, die noch nicht gerafft haben, dass a) Koks nicht cool macht, dass b) die Krawatte entweder korrekt geknotet oder weggepackt, auf keinen Fall aber „lässig“ um den hochgeschlagenen (!) H&M-Hemdkragen gehängt wird und dass sie c) face to face mit einem der Latexhäschen vor Schiss eh keinen mehr hochkriegen würden.

Loriot hat es gesagt: Früher war mehr Lametta.

Now playing: The Beatles - Yesterday

Dienstag, Juni 01, 2010

Bücherdings: Tag 2.

Das Buch, das du als nächstes liest/lesen willst.

Hansjörg Küster "Geschichte des Waldes. Von der Urzeit bis zur Gegenwart."


Es ist schon erstaunlich, was einen dann irgendwann alles interessiert. Und obwohl Geschichte immer schon meins war und ich durch einen universitären Ausflug in die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte auch Aspekte abseits der "normalen" Herangehensweise kennengelernt habe, hatte ich die Naturgeschichte nie auf dem Zettel.

Das hat sich geändert mit dem Buch "Die Eroberung der Natur: Eine Geschichte der deutschen Landschaft" von David Blackbourn.


Darin geht es zwar nicht um "die" Eroberung, sondern um ausgewählte Zeiträume, die wechselseitig sowohl für die deutsche Geschichte als auch für die Landschaft bedeutend waren - mit Focus auf die Landschaft und das macht das Buch so besonders. Trockenlegung des Oderbruchs, Landgewinnung an den Küsten, Rheinbegradigung etc. werden untersucht und mit ihnen die Folgen für das Land und dessen Bewohner - im Guten wie im Schlechten, ohne aber irgendwelche Wertungen abzugeben.

Das Waldbuch hab ich noch bestellt, als ich mit dem ersten gerade mal halb durch war und wollte es eigentlich gleich im Anschluss lesen. Das hat aber nicht funktioniert. Denn Bücher über die Natur oder die, in der die Natur einen großen Anteil hat, muss man (as in: ich) einfach in der Natur (oder wenigstens draußen in der Sonne) lesen, damit sie ihre volle Wirkung erzielen können - lesen Sie zum Beispiel "New York - Insel in der Mitte der Welt" von Russel Shorto einmal irgendwo am Fluss und dann zuhause. Dazwischen liegen Welten.

Und da plötzlich Winter war, musste das Waldbuch eben warten. Bis jetzt. (Vielleicht ist das aber auch nur eine weitere Weißer-Klotz-Prokrastinationsmaßnahme. In diesem Psychoding steckt man ja auch nicht immer drin.)

Now playing: Chamber – in my garden

Sonntag, Mai 30, 2010

Arbeitende Fassaden

Vor lauter Verzückung ob der Vorstellung arbeitender Fassaden kann man schon mal übersehen, was der Künstler in seinem verschmitzten Bilderrätsel versteckt hat. Ich hänge leider noch in der Verzückung fest. Irgendjemand ne Idee?

Now playing: Ace of Base - The sign

Bücherdings: Tag 1.

Tag 1: Das Buch, das du zurzeit liest.

Wie man den Ehrgeiz aufbringen kann, ein Buch fertig zu lesen, bevor man das nächste beginnt, ist mir ein Rätsel. Deshalb gibt es nicht „das“ Buch, das ich gerade lese.

Ich würde durchdrehen, wüsste ich, „Der Weiße Klotz“ (Copyright Frau Gröner) müsste durch sein, bevor ich mit was anderem weiter machen darf (will, soll, Konjunktiv, whatevah). Andererseits: Vielleicht hätte ich den ersten Kandidaten dann auch längst geschafft: Nick Hornby mit „Juliet, naked“.


Es zieht sich einfach und so sehr ich die Grundidee liebe (Ein Rockstar beendet völlig aus dem Nichts seine Karriere und die Fans gründen Foren etc. um ihre Theorien zu veröffentlichen – es gibt, wie auch in meiner Depeche-Mode-Community – echte Fanhierarchien und Wallfahrtsorte und so Zeug und alle halten das für wichtig, und dann: die unzufriedene Freundin des größten Fans schreibt was im Netz, was so völlig gegen alles geht und bekommt von einer Seite Recht: Von dem, um den es geht) und so sehr Hornby in seinem Element ist (Musik, Fansein, England, Midlife-Scheiß) - Es zieht sich. Vielleicht ist das jetzt literarischer, mir wäre page-turner und belly-laugh lieber (So wie in „High Fidelity“).

Den Weißen Klotz aka „Unendlicher Spaß“ lese ich zur Zeit übrigens tatsächlich. Aber es ist definitiv kein Buch für den Bus. Und auch sonst eher eins für „mal bisschen Zeit haben“. Also lese ich es wohl noch länger.


Im Bus lese ich häufig das Gegenteil wie auch immer gearteter Klötze, nämlich „Romane“ von Bastei Lübbe: John Sinclair. Allerdings sind mitunter heiße Chicas im Bus unterwegs und da ist selbst mir das auf Dauer zu prollig. Also lese ich momentan „Auf eine Zigarrette mit Helmut Schmidt“.

Es gibt, abgesehen von Douglas Adams`Vermächtnis „Salmon of Doubt“ und Max Küngs „Einfälle kennen keine Tageszeit“, kein Buch, das ich dringender empfehlen könnte. (Wobei, mal schauen.) (Edit: Blödsinn. "Achtung! Vorurteile!" von Peter Ustinov gehört natürlich auch dazu. Und Torbergs "Tante Jolesch". Und überhaupt noch sehr viel mehr.)

Now playing: Lena Depeche Mode - Satellite

Mittwoch, Mai 26, 2010

31 Tage - 31 Bücher. Tag 0.

Das ist eine hübsche Idee, das mache ich auch. In 31 Einträgen (Tage, höhö, genau) gibt es 31 Antworten:

Tag 1 – Das Buch, das du zurzeit liest
Tag 2 – Das Buch, das du als nächstes liest/lesen willst
Tag 3 – Dein Lieblingsbuch
Tag 4 – Dein Hassbuch
Tag 5 – Ein Buch, das du immer und immer wieder lesen könntest
Tag 6 – Ein Buch, das du nur einmal lesen kannst (egal, ob du es hasst oder nicht)
Tag 7 – Ein Buch, das dich an jemanden erinnert
Tag 8 – Ein Buch, das dich an einen Ort erinnert
Tag 9 – Das erste Buch, das du je gelesen hast
Tag 10 – Ein Buch von deinem Lieblingsautoren/diener Lieblingsautorin
Tag 11 – Ein Buch, das du mal geliebt hast, aber jetzt hasst
Tag 12 – Ein Buch, das du von Freunden/Bekannten/… empfohlen bekommen hast
Tag 13 – Ein Buch, bei dem du nur lachen kannst
Tag 14 – Ein Buch aus deiner Kindheit
Tag 15 – Das 4. Buch in deinem Regal v.l.
Tag 16 – Das 9. Buch in deinem Regal v.r.
Tag 17 – Augen zu und irgendein Buch aus dem Regal nehmen
Tag 18 – Das Buch, mit dem schönsten Cover, das du besitzt
Tag 19 – Ein Buch, das du schon immer lesen wolltest
Tag 20 – Das beste Buch, das du während der Schulzeit als Lektüre gelesen hast
Tag 21 – Das blödeste Buch, das du während der Schulzeit als Lektüre gelesen hast
Tag 22 – Das Buch in deinem Regal, das die meisten Seiten hat
Tag 23 – Das Buch in deinem Regal, das die wenigsten Seiten hat
Tag 24 – Ein Buch, von dem niemand gedacht hätte, dass du es liest/gelesen hast
Tag 25 – Ein Buch, bei dem die Hauptperson dich ziemlich gut beschreibt
Tag 26 – Ein Buch, aus dem du deinen Kindern vorlesen würdest
Tag 27 – Ein Buch, dessen Hauptperson dein „Ideal“ ist
Tag 28 – Zum Glück wurde dieses Buch verfilmt!
Tag 29 – Warum zur Hölle wurde dieses Buch verfilmt???
Tag 30 – Warum zur Hölle wurde dieses Buch noch nicht verfilmt???
Tag 31 – Das Buch, das du am häufigsten verschenkt hast

Now playing: John Sinclair - Buch der grausamen Träume (ist halt so)

Sonntag, Mai 02, 2010

Von der Arbeit auf der Kogge und am Bindestrich.




Bilder können leider nur ansatzweise wiedergeben, was die Kogge für ein imposanter Kutter ist. Wenn man davor steht, ist sie das aber. Und wenn man darauf arbeitet, erst recht. Theoretisch lässt sich das Ding mit sechs Leuten fahren. Praktisch ist das natürlich Quatsch, weil man immer damit rechnen muss, dass Leute wie ich an Bord sind, die sich beim Kommando „Brass um“ (oder so ähnlich) völlig unangesprochen fühlen, anstatt das Kommando auszuführen, was darin besteht, die Halsleine (oder war es doch der Vorholer?) einfach loszulassen.

Loslassen ist eigentlich gar nicht so angesagt, wenn man auf der Kogge eine Strippe in der Hand hat. Im schlimmsten Fall folgt dann nämlich das Tauende* den Gesetzen der Physik und ist weg. Und mit weg meine ich weg. Nicht wie der Kuli im Büro („Ah, da isser ja wieder“) oder die Freundin („Pfff, mir doch egal, endlich wieder Zeit für mich“), sondern eher wie in der Architektur („Tragende Wand? Hm, jetzt, wo Sie es sagen ...“). Um das Tauende bei gesetztem Segel wiederzubekommen, müsste man das Segel raffen und (mutmaße ich, es ist ja nicht wirklich passiert) die Rah dumpen, also schräg zum Mast stellen. Die entscheidenden Taue hängen schließlich logischer- und blöderweise am unerreichbaren Ende der Rah.

Das ist genau so anstrengend, wie es sich anhört und deshalb neigt man als Koggenneuling dazu, alles irgendwo festzubinden. Am besten noch mit einem verzweifelten Knoten, der mit viel gutem Willen als "Zwei halbe Schläge" durchgeht. Wenn Sie damals ™ als Kinder im Garten Cowboy und Indianer gespielt haben, dann kennen Sie den Knoten. Der hieß da einfach „Doppelknoten“ und war relativ final. Und wenn Sie sich jetzt daran erinnern, wie friemelig das war, einen Doppelknoten bei dem Kollegen am Marterpfahl zu lösen, dann stellen Sie sich das mal vor mit einem zentimeterdicken Tau, das von einem im Wind stehenden Riesensegel gestrafft wird und jetzt (gemeint ist: JETZT!!!!) los muss.

Für die Werber: Auf der Adrenalinschubskala wäre das ungefähr das Niveau, vor der Präsentation und versammelter Mannschaft im Konfi des Kunden zu stehen und auf die Frage an den Kollegen nach dem Laptop ein „Wie? Ich dachte du ...“ zu bekommen. Multipliziert mit einem Faktor Ihrer Wahl. Unschön.

Aber auf der Kogge eben lösbar (gut, auch in der Werbung sind Extremsituationen lösbar, nur: auf der Kogge gibt es dafür wenigstens eine Axt). Mit der Kogge segeln zu lernen ist großartig. Es ist zwar Multitasking galore (Vokabeln lernen und gleichzeitig deren Bedeutung ignorieren, während man Bewegungsabläufe durchführt, die andere Vokabeln betreffen. Eat this, Schirrmacher), aber eben auch Entschleunigung (eat this, Internet). Wenn das jeweilige Manöver durch ist, sitzt man an Deck und genießt die Sonne und das sanfte Rauschen der Wellen. Oder den Regen und die Katerstimmung von Poseidon oder wie Gott ohne Wüste heißt. Das kann man sich auch nicht immer aussuchen.

Schön ist auch, mal Kommandos zu erhalten („Vieren. Vieren! Lass los! LASS DAS SCHEISSTAU LOS!!!!) anstatt permanent Kommandos zu geben („Hmmmm, ja, weiß nicht, da fehlt mir die Emotion und kann man das nicht ein bisschen edgier machen, so casual halt, aber ohne, dass das zu gewollt aussieht.“)

Kogge fahren ist anders als normal. Ich kann nicht behaupten, dass ich nichts anderes mehr machen will, aber ich will das öfter machen. Wer sich das mal anschauen möchte, ist übrigens herzlicheingeladen.

Now playing: Rod Steward

*Für die Sprachakrobaten: Ich habe jetzt ernsthaft zwei Minuten drüber nachgedacht, ob das „Tauende“ vielleicht nicht das richtige Wort ist. Also richtig ist es schon, aber es könnte ja auch heißen „das, was gerade taut“. „Oh guck mal, wie schön das glitzert.“ „Was denn?“ „Na das Tauende dahinten.“

Dann hab ich überlegt, es „Seilende“ zu nennen. Da habe ich aber erstens das gleiche Problem: Es kann ein Seilende sein, es kann aber auch etwas Seilendes sein (absurd, ich weiß, aber wenn man sich mit Sprache beschäftigt, macht sich über sowas Gedanken) und außerdem ist es eben kein Seil, sondern ein Tau.

Jetzt gäbe es eine Möglichkeit: Den Bindestrich. Ich hätte einfach schreiben können das Tau-Ende. Aber so sehr ich auch für den Bindestrich eintrete, wenn es um den Lesefluss geht (wer auch nur ein Mal ein Autorennen gesehen hat, der soll mir in die Augen blicken und mir erzählen, er wäre bei dem Wort „Autorennennung“ nicht gestolpert.), wie Panne sieht das bitte aus? (Ich habe übrigens überhaupt kein Problem damit, den Lesefluss mit Klammern zu unterbrechen, ganz im Gegenteil, die Klammer ist eine Waffe!)

Das Problem kann man spaßeshalber auch nochmal mit „Strippe“ weiter verkopfen, mach ich aber nicht, sonst kommen wieder nur Schmuddelgoogler statt Qualitätsleser.

Samstag, März 20, 2010

Woher sollen sie es auch wissen?

„Wie reagieren die Fans in Hannover auf den Zwischenstand in Freiburg?“

„Die wissen davon noch gar nichts, weil das auf der Anzeigentafel noch nicht angezeigt wurde.“

Jaja, liebe Rundfunksportmoderatoren. Haltet euch einfach dran fest, dass ihr die Informationshoheit habt. Ist zwar Quatsch, aber es beruhigt vermutlich.

Now playing: Depeche Mode – dream on

Montag, März 01, 2010

Was man machen kann, wenn man es kann.

“And Then There Was Salsa” from Frito Lay Dips on Vimeo.


Now playing: Depeche Mode - Now this is fun

(Allerdings geht beim Einbetten der Effekt flöten, was natürlich etwas schade ist. Also besser noch mal auf den Link unterm Video klicken.)

Freitag, Februar 05, 2010

Shockvertising mal ohne Schock und Blut und so Zeug.

Für mehr Sicherheit im Straßenverkehr wird gerne mit drastischen Bildern geworben. Ob das was bringt, weiß ich nicht. Eher nicht. Wenn man Leuten droht - und nichts anderes macht man, wenn man jemandem Unfallbilder vor die Nase hält - erreicht man in der Regel nicht viel.

Muss aber ja auch alles nicht, es geht nämlich auch ganz anders. Taschentücher raus und Film ab:



Now playing: Wir sind Helden - Wenn es passiert

Von hier via Ankes Getwitter

Mittwoch, Februar 03, 2010

Der Kategorische Internetiv

Nachdem 3sat endlich über google, Blogs und Twitter aufgeklärt hat, sehe ich mich gezwungen, es einfach mal in eine Form zu gießen. Angelehnt an Kant kommt hier die Formel, mit der man so furchtbar viel nicht falsch machen kann:
„Hinterlasse im Internet auch als Anonymus nur Dinge, von denen es egal sein kann, wenn sie allgemein bekannt und dir persönlich zugeordnet werden können."
Das ist alles, ich schwör. Und wenn Dinge bekannt werden wie Kreditkartennummern oder Passwörter, dann muss (und kann) man das ändern. Aber gesagt ist gesagt und gepostet ist gepostet. Privat ist nur ein vorübergehender Zustand, früher oder später wird alles geknackt.

Now playing: OMD - Secret

Live-Bloggen aus der Bahn

Spaß in der Bahn: Der Schaffner vergleicht ausgedrucktes E-Ticket und die im Internet als ID angegebene EC-Karte

"Haben Sie in letzter Zeit die EC-Karte gewechselt?"
"Nein."
"Haben Sie vielleicht noch eine andere EC-Karte?"
"Hören Sie, wir können das abkürzen: Diese Karte ist exakt die Karte, die ich online als ID angegeben habe, wenn Ihr Supergerät das anders sieht, liegt es am Gerät. Auf der Hinfahrt hat es auch geklappt."
"Aber der Code auf dem Ausdruck übermittelt die Daten, und die Bankleitzahl stimmt auch schon nicht."
"Auf der Hinfahrt hat der Code die Daten noch korrekt übermittelt. Der Code hat sich nicht geändert, die Karte hat sich nicht geändert. Drei von zwei Fehlerquellen sind raus, es bleibt eine übrig und die haben Sie da in der Hand."
"Ich mach das mal telefonisch"
*Brüllt Kontodaten und Namen ins Telefon*
"So, alles ok."
"Und wenn das jetzt nicht geklappt hätte?"
"Dann hätte das den normalen Fahrpreis plus 40 Euro gekostet."
"Obwohl ich im Recht bin."
"Hat ja funktioniert."
"Das hatte es mit Ihrem Lesegerät auch."
"..."

Ich weiß genau was Schirrmacher in PAYBACK meint und in solchen Punkten hat er aber sowas von Recht.

Now playing: The Cure - Jumping on someones elses train

Sonntag, Januar 31, 2010

Und plötzlich singt ein Kind.

Fünfmal im Jahr auf die Schnauze zu fallen, ist jetzt nichts Dolles. Es sei denn, man erledigt das innerhalb von zwei Minuten auf den letzten zehn Metern, bevor man das Eis überhaupt betritt.

Ja, richtig geraten, ich war, wie alle Hamburger, nach 13 Jahren mal wieder auf der zugefrorenen Außenalster. Da hinzukommen war nicht leicht, denn die Betonung im Vorsatz liegt bitte auf „alle Hamburger“. Und alle waren in meinem Bus.

Nicht alle von denen haben auf der Alster geblutet, aber doch erstaunlich viele. Vielleicht auch nur einer, der dann aber in erschreckender Regelmäßigkeit und Menge. Alle zwanzig Meter gab es einen (unfotografierten, Blut ist privat) Blutfleck im Schnee. (Erstaunlich auch, wie schnell man in Hamburg von A nach B käme, wenn der olle Fluss in der Mitte nicht wäre und man, aber das ist natürlich ein Hirngespinst, auf die rechte Seite der Alster wollte.)

Auf dem Eis ist es voll und trotzdem versucht niemand, mit Bier Geld zu verdienen. (Das war früher, als alles besser war, anders, wobei jetzt früher nicht alles besser war, denn damals war ich auch noch schwer in Frollein H. verliebt und zum Schlittschuhlaufen auf der Alster verabredet, woraus dann gottseidank nichts geworden ist, was übrigens ein halbwegs haltbarer Beleg für die Theorie einer schützenden Hand ist.)



Feind nicht verdienen Gnade. Habe ich gerade aus Karate Kid zitiert? Das kann schon passieren wenn man sich nach hundertachtundzwanzig Stunden Anstehen an der Glühweinbude („Mit Schuss?“ „Wie? Den gibt’s auch ohne?“) mit dem Glühwein im Plasitkbecher noch kurz die Lippen verbrennt, bevor man den Rest im Fallen wegkippt. (Note to self: Vom Eis zu sein hat nichts mit Sicherheit zu tun.)

Dass dann der erste Bus vor der Nase wegfährt, ist nur konsequent. Dank merkwürdiger Umstände lebe ich aber in einer Großstadt und der nächste Bus kommt Minuten später. Blöderweise ist das genau der Bus, mit dem Resthamburg nach Hause will. Darunter auch Teenager, die sich gegenseitig anrufen, um zu erfahren, wo (!) im Bus sie denn gerade seien. Die einen vorne, die anderen hinten. Die Alpha-Queen (hinten, go figure) legt dem Beta-Weibchen nahe, auch nach hinten zu kommen. Das tut es auf erstaunliche Weise:

Es hält den Bus an, steigt vorne aus und steigt hinten wieder ein. Muss man auch drauf kommen können.

Der Viehtransport kocht so langsam und der Umgangston wird rauer und auch wenn ich bei den ungünstigsten Gelegenheiten zum Pöbeln bereit bin, mag ich es nicht, wenn das zur allgemeinen Stimmung wird. Ich versuche dann im Rahmen meiner Möglichleiten zu schlichten: „Herr (insert a god of your choice), gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann. Gib mir die Kraft, Dinge zu akzeptieren, die ich nicht ändern kann.Und gib mir die Weisheit, das eine vom anderen unterscheiden zu können.“ Das geht aber nicht immer und mitunter fehlt mir auch der Ehrgeiz. Heute zum Beispiel. Es wird also munter rumgepöbelt und es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann der erste was aufs Maul kriegt.

Und plötzlich singt ein Kind.

Völlig aus dem Nichts, völlig unbeteiligt, völlig ohne Grund. Sitzt da, schaut aus dem Fenster und singt. Und alle beruhigen sich wieder. Geht doch.

PS: Wer jetzt den jungen Vito Corleone vor Augen und im Ohr hat, wie er in seiner Quarantänezelle auf Coney Island sitzt und singt: Ja, genau so.

Now playing: Blake – Wonderful life